Why do you walk with a limp?
“Why do you walk with a limp?”, war ihre Frage, um dann fortzufahren: “Opa humpelt auch. Bist du auch Motorrad gefahren? Also ich fahre nie Motorrad, denn ich will meine Beine behalten!”
Vor mir stand ein kleines Mädchen mit pinkem Shirt und einer schwarzen Hose mit Blumenmotiven, die ich auf ca. vier Jahre schätzte. Sie war mir zuvor am Nachbartisch im Frühstücks-Buffet-Restaurant im Paris Hotel aufgefallen, weil sie eine kleine Szene gemacht hatte. Jetzt starrte sie mich unverwandt an und wartete auf eine Antwort. “Nein, ich bin nicht Motorrad gefahren, ich war, als ich noch sehr klein war, krank und später ist mein Bein nicht so gut gewachsen, wie mein anderes Bein und deshalb humpel ich so”, erklärte ich. „You’ve gotta be kidding!“, lachte sie und rannte zurück zu ihren Eltern.
Wenig später stand sie wieder vor meinem Tisch, doch bevor sie etwas sagen konnte war auch ihre Mama da, die sich entschuldigte. Ich beruhigte die aufgeregte Mama, die meinte, ihre Tochter würde mich stören. Letztlich schickte ich Mama zurück zu ihrem Ehemann und das Mädchen mit Namen Amy blieb an meinem Tisch stehen. "Ich heiße Amy und ich bin gerade fünf Jahre alt geworden und einmal war die Zahnfee schon da und guck mal, da vorne der wackelt auch schon.”
„Oma Boston kommt rüber und passt auf mich auf, wenn Mama und Papa auf den Kongress gehen. Es gibt nämlich einen Kongress für Zahnärzte und Mama und Papa sind deshalb mit mir nach Las Vegas gefahren. Es wäre aber schon besser, wenn ich einen Bruder oder eine Schwester hätte, dann könnten wir zusammen spielen. Gestern waren wir auf einem Spielplatz.“
“Papa hat gesagt, dass du nicht geschwindelt hast.” Warum sollte ich geschwindelt haben?“ „Wegen dem Bein, dass nicht so schnell wächst wie das andere. Er hat gesagt, du hast bestimmt Polio gehabt. Und Opa, der ist von einen Truck getroffen worden und noch ein Auto ist rüber gefahren und zack war das Bein weg. Das hat er nie wieder gesehen und jetzt hat er ein Holzbein, obwohl das gar nicht aus Holz ist und Oma ist weggelaufen und jetzt lebt er mit Maggie zusammen. Die mag ich lieber als Oma. Papa aber nicht, der findet Maggie nicht so gut. Mama aber, Papa mag seine Mama lieber als Maggie und meine Mama sagt, dass ist doch auch in Ordnung.“
Ich stand auf, nachdem ich Amy erklärt hatte, dass ich noch etwas zu essen holen wollte und schwupps, war sie wieder weg. Als ich zurück kam, beobachtete sie, wie ich mein Spiegelei aß. Das schien sie nicht zu kennen und ich bot ihr ein Stück davon an. Schon rannte sie los, holte sich einen Teller und eine Gabel und kniete sich auf einen Stuhl mir gegenüber. Sie aß ein ein großes Stück meines Spiegeleis und schon stand Papa vor meinem Tisch und fragte, ob Amy mich wirklich nicht stören würde. Ich verneinte und als er zu seinem Platz zurück ging, flüsterte mir seine Tochter verschwörerisch zu: "I love him, but sometimes it’s no end of trouble with him.”
Zurück im Hotelzimmer musste ich erst einmal nachschauen, was denn der letzte Satz meint. Es ist ein amerikanischer Ausdruck für: “Er nervt manchmal.” Ich hatte ein wunderbares Frühstück und als ich mich von Amy und ihren Eltern verabschiedete war ich fast traurig. Sie hatte mir soviel erzählt, aber auch nach meiner Tochter gefragt und nach meiner Frau und weshalb wir nicht zusammen reisen und ob meine Frau schön sei und was meine Tochter studiert und so weiter. Ausserdem hatte sie gefragt, ob ich auch mehr als 10 Stunden mit dem Auto gefahren wäre, um nach Las Vegas zu kommen, wo so wenig Kinder wohnen. Als ich ihr erzählte, dass ich aus einem anderen Land käme und viele Stunden mit dem Flugzug unterwegs gewesen sei, war ihr klar, dass ich wohl aus “Hinter-Bosten” kommen würde. Und ihr war damit auch klar, weshalb ich so einen komischen Akzent hätte. Oma Bosten spricht nämlich auch komisch.
Wir saßen bestimmt mehr als zehn Minuten gemeinsam an meinem Tisch und unterhielten uns und als ihre Eltern kamen, um sie abzuholen, fragte sie, ob wir uns morgen wiedersehen würden. “Nicht sehr wahrscheinlich”, antwortete ihr Papa, denn sie müsse morgen früh Oma Boston vom Flughafen abholen.
Ein wunderbarer Beginn für einen weiteren Messetag in Las Vegas.











