herCAREER Chefin im Interview: Wie Natascha Hoffner geballte Frauenpower vorlebt
Wo viele Unternehmen nicht über leere Marketingbotschaften und monotone Kulturen hinwegkommen, setzt die herCAREER Messe an – Ein Interview mit weiblichem Akzent.
Auch im Jahr 2018, genau 100 Jahre nachdem in Deutschland das Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde, gibt es noch immer tief schlummernde und unausgeschöpfte Potenziale, die insbesondere in der modernen Arbeitswelt unbändige Power entfalten könnten. Vorausgesetzt man würde kollektiv einen Mindsetchange anstoßen, alle Stereotype dieser Welt ausradieren und eine ähnliche Mentalität an den Tag legen wie es zum Beispiel Natascha Hoffner mit ihrer herCAREER Messe für Frauen tut.
Historisch nicht sehr groß gewachsen
Obwohl der Zeitraum eines kompletten Jahrhunderts auf den digitalen und innovativen Menschen von heute wie eine längst abgeschüttelte Vergangenheit wirkt, ist mit Erschrecken festzustellen, dass gerade die deutsche Arbeitswelt von heute längst nicht so emanzipiert ist, wie man vermuten könnte. Die Realität von Frauen im Top-Business ist häufig nichts weiter als eine dekorative Imagekampagne, denn zur gelebten Unternehmenskultur gehört Diversität und Frauenförderung im Job bislang nur selten. Seitdem im Jahre 1949 mit dem Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" im Grundgesetz die Basis für die Gleichberechtigung geschaffen wurde und mit Elisabeth Schwarzhaupt 1961 die erste Frau ein Bundesministerium übernahm, legte man im Bürgerlichen Gesetzbuch erst ab dem Jahr 1977 fest, dass die Arbeit einer Frau nicht mehr von ihrem Ehemann genehmigt werden musste. Es dauerte gar bis zum Jahr 2004, ehe mit Karin Dorrepaal eine Frau den Weg in den Vorstand eines Top 30 DAX-Unternehmen schaffte. Ein seltenes Ereignis, das den schleppend voranschreitenden Trend von Frauen in Führungspositionen repräsentiert: Aktuell - in einer Zeit, in der immerhin die Bundesrepublik durch eine Frau geführt wird - liegt der Frauenanteil in den Vorständen aller 30 größten DAX-Konzerne gerade einmal bei rund 13,4% Prozent; das besagt eine Studie der AllBright Stiftung. Tendenz: Absolut gleichbleibend.
Die Praxis macht es vor: Es geht doch!
Was also bei heutiger Betrachtung all dieser historischen Meilensteine wie ein Rückblick ins Mittelalter wirkt, zeigt uns am Ende des Tages, wie mittelalterlich gewisse Bereiche auch im 21. Jahrhundert noch immer aufgestellt sind. Aber: Es gibt auch positive Beispiele. Ob Melanie Kreis als Vorstandsmitglied der DPDHL Group oder Merck-Personalchefin Belén Garijo; sei es Kathrin Menges in ihrer Funktion als Personalchefin beim Henkel-Konzern, Douglas-CEO Tina Müller oder gar die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Angela Merkel. Sie sollten euch als Ansporn und Botschafterinnen weiblicher Führung allgemein, und uns in diesem Beitrag als Aufhänger dienen. Gemeinsam mit der herCAREER Messe München am 11. und 12 Oktober setzt sich matching box für mehr Frauenpower in allen Etappen der Karriere ein. Die Leitmesse für weibliche Karriereführung vereint an zwei Messetagen über 60 Vorträge, 200 Aussteller sowie 300 Meetups und bietet eine Plattform für über 5.000 Kandidat*innen aus ganz Deutschland (Tickets gibt es hier).
Anlässlich dieses Top-Events für alle Student*innen, Absolvent*innen und Young Professionals haben wir exklusiv mit der Gründerin und Geschäftsführerin Natascha Hoffner gesprochen. Sie verrät euch, welche Eigenschaften es dich zu einer optimalen Führungspersönlichkeit machen, wie sich Familie und Karriere vereinen lassen und welche persönlichen Schlüsselmomente sie selbst in ihrer aufstrebenden Karriere erlebt hat.
Frau Hoffner, DPDHL, Douglas, Merck und Co. - was machen die genannten Unternehmen bereits richtig, indem sie auf Frauen-Führungspower setzen? Oder provokant gefragt: Was versäumen alle anderen Unternehmen, die noch nicht unter weiblicher Führung agieren?
Laut Studien sind jene Teams - und damit auch nachweislich die Unternehmen als Kollektiv - erfolgreicher, die auf Diversität setzen. Lassen Sie es mich mit den Worten von Heidi Stopper sagen, die Coach im Topmanagement ist und lange Zeit im Vorstand eines MDAX-Unternehmens tätig war: „Im Innovationsbereich ist Vielfalt einer der Schlüsselfaktoren. Das alles wissen wir – und doch dürfen wir nicht erwarten, dass sich durch Wissen alleine etwas verändert. Wissen alleine schafft noch keine Veränderung, das geht nur durch Taten. Wir alle gemeinsam können das! Wir Frauen haben deutlich mehr Machtpotenzial, als wir denken, aber wir müssen es auch nutzen.“ Ich stimme Heidi Stopper auf ganzer Linie zu. In diesem Sinne möchten wir mit der herCAREER Community Frauen dazu ermutigen, sich ebenfalls ihrer Macht anzunehmen und ihre Zukunft aktiv zu gestalten - sei es durch eine Beförderung, durch eine Empfehlung oder in anderer Form.
Welche drei Ratschläge geben Sie jungen Frauen mit auf ihren Weg nach oben auf der Karriereleiter?
Es ist zunächst wichtig zu wissen, dass es nicht immer nur nach oben gehen muss. Karrieren können sehr vielseitig verlaufen und auch ganz individuell zufriedenstellend sein, wenn sie horizontal verlaufen. In jeglichem Fall würde ich aber folgende drei Grundsätze empfehlen:
Baut euch Netzwerke auf! Nutzt die Möglichkeiten zum Austausch und lernt von anderen, bleibt dabei wissbegierig! Wenn ihr die Möglichkeit habt, achtet darauf, auch Frauen nachzuziehen!
In der Datenbank von matching box haben ganz häufig weibliche Kandidatenprofile aussagekräftige und vielversprechende Merkmale. Welchen Herausforderungen sind Frauen Ihrer Auffassung nach dennoch ausgesetzt, die sie im Vergleich zu Männern eindeutig abgrenzen?
Gerne würde ich im Rahmen dieser Frage auf Ergebnisse einer Studie der TU München zurückgreifen. Hier wurde bewiesen, dass Frauen sich nur dann auf Jobs bewerben, wenn sie die Anforderungen zwischen 80 bis 100 Prozent erfüllen, während Männer dies schon bei 30 bis 40 Prozent Abdeckung tun. Es würden sich allein schon mehr Frauen auf eine Stelle bewerben, wenn in den Stellenanzeigen mehr weibliche Adjektive verwendet würden. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass es faktisch Adjektive gibt, die eher Männern, und solche, die eher Frauen zugewiesen werden. Man könnte also schon bei einer Stellenausschreibung beeinflussen, dass mehr Frauen sich darauf bewerben. Spannend ist auch, dass sich deshalb nicht weniger Männer auf dasselbe Jobangebot bewerben. Mein Appell: Lasst uns das System ändern und damit aufhören, den Frauen zu sagen, wo sie noch defizitär sind. Meiner Meinung nach können davon alle Geschlechter profitieren.
Gab es auf Ihrem persönlichen Karriereweg eine Art Schlüsselmoment/ -erlebnis, das Sie nachhaltig geprägt und dazu ermutigt hat, Ihre Karriere aktiv voranzutreiben?
Ja, das gab es tatsächlich. Allerdings beziehe ich mich da auf das private Umfeld. Meine Mutter war alleinerziehend mit meinen drei Geschwistern und mir. Wir Kinder haben sehr früh gelernt Verantwortung zu übernehmen. Bereits in jungen Jahren habe ich für mich entschieden, meine Autonomie zu wahren. Auch als meine Kinder zur Welt kamen, war für mich klar, dass ich meine Unabhängigkeit bewahren möchte. Ich war nur ganz kurze Zeit raus aus dem Job, kehrte schnell zurück und lebe mit meinem Mann eine gleichberechtigte Partnerschaft.
Sie selbst sind Geschäftsführerin der messe.rocks GmbH. Erzählen Sie unseren Lesern kurz, wie Sie zu dieser Position gekommen sind und was Sie an Ihrer täglichen Arbeit begeistert?
Ich komme aus der Messebranche und habe, bevor ich mich mit der messe.rocks GmbH selbstständig gemacht habe, über 15 Jahre Messen organisiert. Diese Messen habe ich zu Leitmessen ihrer jeweiligen Branche ausgebaut. Als in meiner Fernbeziehung zunächst das erste Kind auf die Welt kam, dann das zweite Kind folgte und der Weg zurück in die Geschäftsführung nicht mehr gegeben war, habe ich mich kurzerhand mit einer eigenen Messegesellschaft selbstständig gemacht. Es war wirklich so, dass ich gesagt habe „Wir wollen für Frauen etwas im Berufsleben verändern!“. Innerhalb eines halben Jahres hatten wir die erste herCAREER veranstaltet. Tatsächlich schätze ich es, Dinge aktiv gestalten und Entscheidungen treffen zu können. Die Möglichkeit, etwas zu verändern, treibt mich und unser Team an.
Wieso ist gerade eine Messe ein Karrieresprungbrett, das junge Kandidatinnen unbedingt nutzen sollten?
Events, Kongresse und Messen werden im Zuge der Digitalisierung gerne totgesagt. In der Praxis sehen wir allerdings das Gegenteil: Netzwerkveranstaltungen boomen. Zwar lässt sich heute scheinbar nahezu jede Information googeln und Kontakte über Social Media herstellen. Doch finden wir auf diesem Weg immer die besten Informationen und Geheimtipps? Entstehen so wirklich vertrauensvolle Beziehungen mit Gleichgesinnten, die uns im Laufe der Karriere mit Rat und Tat zur Seite stehen? Und sparen wir über Recherchen in der digitalen Welt wirklich Zeit? Meistens ist das alles nicht der Fall. Und so erleben Events im beruflichen Umfeld seit Jahren ein Revival.
Die herCAREER ist etwas Besonderes, denn hier kommen die Besucherinnen mit Frauen auf allen Hierarchie-Leveln ins Gespräch, legen den Grundstein für vertrauensvolle Beziehungen mit spannenden Arbeitgebern und erhalten kompakte Informationen für jedwede Karrierephase. Die Vielseitigkeit der Themen auf der herCAREER bietet allen Frauen konkrete Hilfestellungen in unterschiedlichsten Bereichen:
Wirtschaft, Arbeit & New Work
Wissenschaft, Technik, Digitalisierung & Technologie
Karrierelaufbahn & Bewerbung
Existenzgründung & Unternehmertum
Familie & Beruf
Führung & Kommunikation
Gesellschaft
Geld, Finanzen & Vorsorge
Mentoring & Networking
Persönlichkeits- & Kompetenzentwicklung
Steuer & Recht
Hierzu wird es unter anderem mehr als 300 Meetups, über 200 Aussteller und rund 60 Vorträge geben. Mit einem Vortrag sind auch wir von matching box wieder am Start.
Das zweitägige Top-Event findet am 11. Und 12. Oktober in der MTC World of Fashion in München statt. Damit die Anreise nach München so unkompliziert und angenehm wie möglich verläuft, haben sich Frau Hoffner und ihr Team etwas ganz Besonderes ausgedacht: Studierende & Absolventinnen haben die einmalige Möglichkeit, nach vorheriger Ticket-Registrierung mit dem FlixBus kostenfrei zur Messe zu reisen. Alle Informationen hierzu gibt es unter: https://www.her-career.com/flixbus/












