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Wie viel Experimente erlauben wir uns und was können wir uns vom Segeln abschauen?
Warum ist es so wichtig, zu experimentieren, erproben, Thesen zu prüfen, in der Praxis die Theorie zu testen und warum lohnt es, sich dafür Zeit zu nehmen?
Keine Sorge, dies wird kein Urlaubsbericht und soll auch nicht neidisch machen. Es gibt dafür auch keinen Grund. Das Leben an Bord ist meist weniger komfortabel, als sich viele Nichtsegler*innen das so vorstellen. Ich möchte einfach von meinen Erfahrungen berichten und auf welche schönen und hilfreichen Erkenntnisse ich dabei gestoßen bin. Vielleicht inspiriert es euch, nochmal anders auf euer Leben, Arbeiten und eure Routinen zu schauen.
Beim Segeln komme ich früher oder später – wenn die Segel gesetzt und optimiert sind, der Wind mit voller Kraft das Schiff vorantreibt, sich ein gleichmäßiger Rhythmus eingestellt hat und die Wellen am Schiff vorbeiplätschern – an einen Punkt, an dem die Gedanken vorbeiziehen wie Wolken und an Themen vorbeikommen, die es sonst nicht so in mein Bewusstsein schaffen. Vermutlich hängt es eng zusammen mit den Erfahrungen, die ich von morgens bis abends auf dem Boot mache.
Ständig ist alles wieder neu, am Morgen weiß ich oft nicht, wie der Tag verläuft, wie der Wind tatsächlich weht, welche Herausforderungen auf mich warten, wo und wann wir ankommen und wie oft ich aus meiner Komfortzone geworfen werde.
EINES ABER IST SICHER: NICHTS IST SICHER. Eine der wichtigsten Tugenden an Bord dafür ist Gelassenheit. Und nicht aufgeben. Etwas was wir als Kinder bis zur Perfektion beherrschen, wenn wir laufen lernen, und es im Laufe unseres Lebens wieder verlernen.
Mein sonstiger Alltag in Berlin bietet inzwischen, seit die Kinder groß sind, ein gewisses Maß an Flexibilität. Aber einige Routinen bestimmen dennoch mein Leben – mehr als mir beim genauen Hinschauen lieb ist. Meine Wohnung, mein Büro befinden sich immer am selben Ort. Die Wege zu den Supermärkten, Freund*innen, zu Ärzt*innen oder ins Restaurant sind oft dieselben. Ich komme so gut wie nie auf die Idee, daran etwas zu ändern. Das Wetter tangiert mich in der Stadt eher wenig, ich nehme das Fahrrad, den Roller oder im Zweifel einen Schirm. Wenn es hart auf hart kommt, bleibe ich im Homeoffice. Wenn es zu heiß wird, flüchte ich aus der Stadt an den See oder in einen der Gärten, z.B. bei meinen Eltern. Dadurch wirkt für mich das Leben in den heimischen Gefilden viel vorhersehbarer, flacher, die Ausschläge nach oben oder unten sind weniger spürbar. Wenn ich Dinge ausprobiere, ist das oft kulinarisch. Aber wenn ich mir Raum für Experimente schaffen möchte – gerade in beruflichen Kontexten – muss ich das sehr bewusst tun. Es passiert meist nicht einfach. Die Routine ist wie klebriges Gas, das sich immer wieder ausbreitet aus einer unerschöpflichen Quelle heraus. Ein gewisses Maß bietet uns möglicherweise Stabilität und Sicherheit, weil wir sonst ständig außer Puste wären. Wer weiß es schon. Aber mein Gefühl ist, dass regelmäßiges Lüften hilft, Routinen zu durchbrechen. Die Dinge hinterfragen, nichts einfach so stehen lassen, weil die Macht der Gewohnheit so stark ist. Ungläubig sein, damit immer wieder neue Ebenen zutage treten – gemeinsam experimentieren. Segeln hilft übrigens beim Lüften auf allen Ebenen.
Warum ist experimentieren so wichtig?
Die Pandemie hat es gezeigt, aber auch die anderen großen Fragen unserer Zeit wie die Auswirkungen des Klimawandels, die Verschiebung der globalen Machtverhältnisse im Kleinen wie Großen – wir leben stärker denn je in einer Zeit der Unsicherheit und Ungewissheit. Wir erleben immer häufiger Situationen, die weder plan- noch kalkulierbar sind. Wir verlieren die Kontrolle, die wir vorher nur scheinbar hatten und sehen die Risiken bedrohlich näherkommen. Wenn wir dann versuchen, dem Gefühl des Kontrollverlustes mit alten Bordmitteln entgegenzuwirken, laufen wir ins Leere. Unsere bekannten und scheinbar bewährten Tools wie Planung, Steuerung und Kontrolle funktionieren nicht mehr. Was aber funktioniert stattdessen?
Wenn wir das Experimentieren transparent „erlauben“, ihm einen offiziellen Stellenwert und eine Wichtigkeit geben, entsteht eine mutige Unternehmenskultur, die auf Erneuerung und Lebendigkeit basiert.
Es entwickelt sich eine Kultur, die ermöglicht, Lernen als Teil des Auftrags zu leben und gleichzeitig Risiken einzugehen.
Beim Segeln passiert ständig irgendetwas Unvorhergesehenes. Es sind meist nicht die größeren Katastrophen, wie ein Mastbruch, Wassereinbruch oder ein kaputtes Ruder. Auch die kleineren Unfälle oder Malheure stellen einen ordentlich auf die Probe. Ich selbst habe im Laufe der Zeit schon eine kochende (weil defekte) Starter-Batterie erlebt (inklusive giftiger Dämpfe und besonders ungünstig beim Ankern in Buchten, wenn der Wind zum Ablegen aus der falschen Richtung kommt), kaputte Seeventile, verstopfte Toiletten, von allein verschlossene Kabinentüren, weil der Schließmechanismus durch den Wellengang ausgelöst wurde und diverse defekte Kleinteile mit großer Wirkung.
Und dann beginnt der Spaß des Ausprobierens. Und das ist vielleicht auch ein Teil des Zaubers. Dass ich auf eine Art und Weise gefordert bin, die im Alltag wenig vorkommt und anders kreativ werden muss. Weil es einen direkten praktischen und sichtbaren Sinn macht. Den Fragen nachzugehen: Was genau funktioniert nicht? Wo konkret liegt der Fehler? Wie schwerwiegend ist die Beeinträchtigung? Was haben wir an Bord dabei, um uns selbst zu helfen?
Das Ausprobieren und Experimentieren sowie eine systematische Herangehensweise für das Finden von zukunftsfähigen Lösungen, ist unser individueller und zugleich kollektiver Lernprozess, der zu vermehrten Erkenntnissen und Einsichten führt, selbst dann, wenn die Ergebnisse nicht immer zu konkreten und verwertbaren Lösungen für ein Problem führen. Die kollektive Erkenntnis ist, dass nur auf diese Weise Fortschritt möglich ist.
„Nicht alles, was ausprobiert wird, funktioniert auch. Aber all das, was funktioniert, wurde ausprobiert.“
Experimentieren – vor allem im Team – verbindet und schweißt zusammen. Oft entstehen Erfindungen in Teamarbeit. Die gegenseitige Inspiration und Ermutigung, das Feedback, die kollektiven Erfahrungen und ein gemeinsames Ziel sind übrigens auch perfekte Zutaten für eine zeitgemäße Teamentwicklung.
Wie können wir Experimente fördern?
Wir können als Führung oder auch im Team oder in unserem Umfeld ermutigen, nicht aufzugeben, auch wenn ein (Business) Case oder eine Aufgabenstellung nicht immer klar ist. Mut braucht es auch, weil Experimente auch scheitern können.
Wir können Rückendeckung geben, gerade wenn nicht immer verwertbare Ergebnisse entstehen und somit ein Risiko besteht.
Wir können ein Thema oder Projekt höher priorisieren und Zeit und Ressourcen bereitstellen um Raum und Muße für die Konzipierung und Umsetzung von Experimenten zu fördern.
Für Klarheit sorgen, heißt, die Grundlagen schaffen, da alles Experimentelle nicht nur klar definiert, sondern auch auf konkrete Fragestellungen ausgerichtet werden muss. Nur so werden Resultate erzielt, die zielführend und zukunftsfähig sein können.
Bei der Teamauswahl verschiedene Charaktere, Herangehensweisen, Denkweisen und unterschiedliches Know-how berücksichtigen, damit mutige Experimente entworfen und durchgeführt werden.
Für Wissenschaftler*innen und Forscher*innen ist experimentieren meist die Basis ihrer Arbeit. Dem Experimentieren liegt aber ein Zauber für alle inne.
Wer experimentiert, stößt auf Sackgassen, Irrtümer und Fehleinschätzungen, manchmal auf gordische Knoten, komplexes Material und praktische Hindernisse. Aber wenn am Ende eine Lösung gefunden, das Problem behoben wurde oder wie auf den Fotos zu sehen – das Gennaker (Mischung aus Genua, also großes Vorsegel und Spinnaker, sehr großes, dünnes, leichtes Segel einsetzbar bei wenig Wind) steht und aus 2kn plötzlich 4kn Wind macht, ist das ein Gefühl der Freude und inneren Sättigung, das man für kein Geld der Welt kaufen kann und dass uns stärkt für die nächsten Widernisse.
Experimente, die erfolgreich sein müssen, deren Ausgang sicher ist, sind keine Experimente. Sie fungieren ungeniert unter dem Label, verhindern aber die Suche nach tatsächlichen Wegen und Lösungen. Unternehmen, die unter falschen Labeln agieren, riskieren, dass die Menschen krank werden.
Zu einem zukunftsorientierten Mindset gehört also das Experiment, ja die moderne Strategie ist das Experiment, lese ich bei Anja Förster & Peter Kreuz in „Vergeude keine Krise“. Man kann von Facebook halten was man will. Dass Facebook erfolgreich ist, kann man nicht bestreiten.
„Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt dazu: „der wahre Kern unseres Erfolgs liegt in diesem System des permanenten Testens... Zu jedem Zeitpunkt gibt es nicht nur eine Version von Facebook. Wahrscheinlich sind es 10000!“. ... „Ein für uns besonders charakteristischer Bereich ist das Scheitern. Wir sind der beste Ort auf der Welt um zu scheitern (wir haben viel Übung) Scheitern und Erfindungen sind unzertrennliche Zwillinge.“
„Der Wunsch nach Experimenten, die garantiert gelingen, ist ebenso paradox wie der Wunsch in den Himmel zu kommen ohne vorher sterben zu müssen.“
Ein Experiment aus meiner sehr frühen Kindheit ist eines mit der Oberflächenspannung des Wassers. Wenn man ein Streichholz oder eine Büroklammer vorsichtig auf die Wasseroberfläche legt, schwimmt es. Wenn man dann einen Tropfen Spülmittel ins Wasser gibt, wird die Oberflächenspannung des Wasers zerstört und der Gegenstand geht unter. Ich kann heute noch die Faszination spüren, die es ausgelöst hat …
Schiffe können übrigens auch untergehen, wenn die Oberflächenspannung beeinflusst wird oder wenn durch aufsteigendes unterseeisches Methan als Gasbläschen, die wie Sprudelwasser wirken, die Dichte geringer wird als die des umgebenen Wassers und den Auftrieb verhindern. Das erste Mal las ich von einem solchen Blow-Out in Frank Schätzungs „Der Schwarm“, wie das Phänomen in der Wissenschaft genannt wird. Aber das hindert tausende Schiffe nicht daran, die Weltmeere zu durchpflügen.
Seid mutig und experimentiert… Wie so oft sind Zuversicht, ein ordentliches Stück Hoffnung – und letztlich eine gute selbsterfüllende Prophezeiung nie verkehrt.
„Wenn wir unsere Wahrnehmung, unser Denken über die Welt verändern, verändern wir unsere Welt.“ schreibt das Zukunftsinstitut in ihrem Newsletter. Das gilt fürs Segeln ebenso wie fürs Experimentieren.
Wir haben übrigens auch experimentiert und pünktlich zum 20. Geburtstag der ideenmanufaktur einen Podcast gestartet. Ich werde nun zusammen mit meinem Freund und Beraterkollegen Frank Breyer und hin und wieder einem Gast in regelmäßig unregelmäßigen Abständen einen Podcast aufnehmen rund um Liebe, Macht und Freiheit.
In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Ausprobieren. Leinen los fürs Experiment und immer ne handbreit Wasser unterm Kiel.
Eure Jana
Wie gerecht ist Gerechtigkeit?
Welche Rolle spielt Gerechtigkeit in unserer Arbeitswelt und was können wir daraus lernen?
Am Thema Gerechtigkeit kommt gerade niemand so richtig vorbei. Genau genommen meine ich Impfgerechtigkeit, politische Konflikte, Verteilungskämpfe. Es hat mich nachdenklich gemacht, da Gerechtigkeit offenbar einen sensiblen Nerv trifft – bei uns allen. Alle haben etwas beizutragen oder zumindest eine Meinung oder ein Gefühl. Da ich in diesem Blog eher auf unsere Arbeitswelt schaue, möchte ich wissen, woher Gerechtigkeit eigentlich kommt, wie gerecht wir unsere Arbeitswelt wahrnehmen und wie individuell wir Gerechtigkeit erleben.
Gerechtigkeit ist in meiner Erinnerung ein sehr alter Wert und reicht zurück in meine frühen Kindheitstage, wenn es darum ging, wer wie viele Süßigkeiten bekam oder wer wann ins Bett musste.
Wie sehr ist Gerechtigkeit in uns verankert? Lernen wir durch Vorbilder oder ist der Sinn oder das Gefühl für Gerechtigkeit vererbbar?
Was ist Gerechtigkeit eigentlich? Ein Recht, ein Wert, ein Gefühl, etwas, das uns zusteht? Wir geht es mir selbst damit?
Gerechtigkeit ist für uns alle etwas Anderes – und dennoch verbindet uns der tiefe Wunsch, gerecht behandelt zu werden – nach einer gerechten Welt. Vermutlich reagieren wir deshalb auch so emotional. Wir möchten im Gleichgewicht sein mit unseren Freunden, Familie und unserem Umfeld, damit es uns gut geht.
Ich beobachte bei mir selbst, wie groß die emotionalen Amplituden werden, wenn ich selbst Ungerechtigkeit erlebe. Unabhängig ob bei mir selbst oder bei anderen. Ich kann besonders Ungerechtigkeit körperlich genau spüren. Es macht mich einerseits hilflos, nimmt mir die Luft, verschafft mir Knoten im Bauch und manchmal kommt eine Wut hoch, die ich von mir nur selten kenne und die mich andererseits in den „Machen-Modus“ versetzt. Es fühlt sich jedes Mal auch fremd oder ein bisschen fremdgesteuert an. Wut scheint ohnehin ein vernachlässigtes, wichtiges Thema zu sein… aber dazu schreib ich, wenn ich mal so richtig wütend bin.
Ist Gerechtigkeit überall gleich auf der Welt?
Das Netz spuckt zur Gerechtigkeit als erstes dazu aus:
„Prinzip eines staatlichen oder gesellschaftlichen Verhaltens, das jedem gleichermaßen sein Recht gewährt.“
Ist es das? Alt und dennoch aktuell: eine prägnante Definition liefert der römische Jurist Ulpian (170–228 n. Chr.):
„Gerechtigkeit ist der feste und dauernde Wille, jedem sein Recht zuzuteilen“.
Gerechtigkeit regelt die Beziehungen von Menschen zu anderen Menschen, sie betrifft also Interaktionen, und sie enthält immer ein Moment von Gleichheit. Gerechtigkeit wird als idealer Zustand des sozialen Miteinanders angesehen. Gerechtigkeit ist ebenso ein angemessener Ausgleich von Interessen, Chancen oder Gütern. Gerechtigkeit ist keinesfalls ein Recht, sondern eine individuelle Erwartung, die ohne Abgleich oder Austausch oft zu Enttäuschungen führt. Ein Recht ist eine vorgegebene und festgeschriebene Verordnung, wie ein Verhalten geregelt ist. Zum Beispiel die Rechte eines Bürgers. Gerechtigkeit ist eher ein Gefühl, das individuell empfunden wird.
In Deutschland ist Vieles bereits geregelt. Wir haben eine Verfassung, Gesetze und können weitestgehend darauf vertrauen, Recht zu bekommen – auch wenn die Urteile nicht immer als gerecht empfunden werden. Deutschland ist von einem hohen Maß an sozialer Gerechtigkeit geprägt. Im weltweiten Maßstab! Fakten gibt es hier https://arbeitgeber.de/themen/wirtschaft-gesellschaft/soziale-gerechtigkeit/
Das kollektive Gefühl der Menschen ist meist ein anderes. Aber warum?
Seit wann gibt es eigentlich Gerechtigkeit?
Spannend finde ich nochmal den Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung des Begriffes. Zeigt es doch, welch hohe Stellung und tiefe Verwurzelung es in allen Kulturen gibt.
„Der Begriff der Gerechtigkeit bezeichnet seit der griechischen antiken Philosophie die höchste menschliche Tugend. Gerechtigkeit ist nach dieser klassischen Auffassung ein Maßstab für ein individuelles menschliches Verhalten. Die Grundbedingung dafür, dass ein menschliches Verhalten als gerecht gilt, ist, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird. Wobei in dieser Grunddefinition offen bleibt, nach welchen Wertmaßstäben zwei Einzelfälle als zueinander gleich oder ungleich zu gelten haben. Im Mittelalter setzte sich die Auffassung durch, wonach Gerechtigkeit keine menschliche, sondern eine göttliche Größe sei.“ (Gekürzt https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit)
Wer noch ein wenig intensiver einsteigen möchte, sich mit vertikaler und horizontaler Gerechtigkeit auseinandersetzen will, kann hier nochmal nachlesen: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gerechtigkeit-34985
Danach kamen neben Kant noch diverse Philosophen und Revolutionen, die unser Verständnis von Gerechtigkeit nachhaltig geprägt haben. Aktuell zu erwähnen ist vielleicht eher, dass durch die Globalisierung und weltumspannenden Themen die Fragen nach einer gerechten Weltordnung in den Fokus rücken.
Erleben wir Gerechtigkeit gleich soziale Gerechtigkeit?
Mit dieser Frage kam gleichzeitig eine weitere Frage in mir hoch, nämlich ob es eine Gerechtigkeit ohne soziale Gerechtigkeit überhaupt geben kann. Ich selbst merke immer wieder, wie sehr bestehende Umstände verankert sind, wie sehr ich sie als gesetzt ansehe und wie wenig ich sie hinterfrage. Zum Beispiel: müssen ältere Menschen mehr verdienen als junge Menschen? Warum verdient man in der Pflege weniger als in der Finanzwirtschaft oder auch als Lehrer*in? Ist es gerecht, dass Frauen aktuell pro Jahr 19 % weniger verdienen als Männer? Verdienen Akademiker*innen mehr Geld als Fachschul-Absolvent*innen im Sinne des wert seins? Und warum ist es egal, wie groß eine Klasse ist, in welchem Alter die Schüler*innen sind, wie hoch der Stress- und Erziehungsfaktor ist und welches Fachwissen benötigt wird, wenn man sich die Entlohnung von Lehrer*innen anschaut? Käme eine Neuverteilung in Frage?
Die Fragen der Vergütung und Lohngerechtigkeit sind eng mit sozialer Gerechtigkeit verbunden. Nach wie vor sind die Kriterien dafür: Markt, Leistung, Situation, Aufwand und Bedarf. Kriterien, die die Sicht und Bedürfnisse der Menschen mit einbeziehen, haben Gewerkschaften im letzten Jahrhundert mit ins Rennen geschickt. In einigen Branchen hat in den letzten Jahren der zunehmende Fachkräftemangel zwangsweise dafür gesorgt, die Kriterien zu verändern. Dennoch ist die Produktivität einer Branche immer noch ausschlaggebend für die Entlohnung der einzelnen Arbeitnehmer*innen. Bemühungen, den Menschen als Ganzes zu sehen, die individuelle Lebenssituation und auch umfängliche Lebens-Leistung einzubeziehen spiegelt sich im „Gender Care Gap“ wider. Das meint vor allem Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit und Ehrenämter. Frauen wenden pro Tag im Durchschnitt 52,4 % mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Wahnsinn, dass Frauen trotz der Doppel- und Dreifachbelastungen im Schnitt älter werden als Männer. Dieser Unterschied wird als „Gender Care Gap“ bezeichnet. Mehr Infos auch für Arbeitgeber*innen gibt es hier: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap?view=
Welche Rolle spielt nun Gerechtigkeit bei der Arbeit?
Wenn so viele Menschen beim Thema Gerechtigkeit hellhörig, emotional, laut oder leise werden, wie steht es um Gerechtigkeit in unserem beruflichen Alltag? Welche Rolle spielt Gerechtigkeit in Unternehmen, in Teams, zwischen Kolleg*innen, zwischen Hierarchiestufen – einfach bei der Arbeit?
Der erste Impuls geht bei einer ersten, nicht repräsentativen, Umfrage im Freundeskreis in zwei Richtungen: Vergütung und Chancen. Wer erhält welche Chancen und warum? Gehalt und Gehaltserhöhungen zu verhandeln, ist nach wie vor gängige Praxis in der Arbeitswelt. Dabei kommt es oft mehr auf das Verhandlungsgeschick der/des Einzelnen an, weniger auf Leistung oder Können. Die Folge sind Gehaltsunterschiede bei gleicher Arbeit und somit eine ungerechte Verteilung. Aber auch geschlechtsspezifische Unterschiede spielen nach wie vor eine große Rolle.
Der wesentlich schwierigere Punkt sind die unterschiedlichen Chancen. Junge, gutausgebildete, kinderlose Menschen haben Zeit, Kraft und die Chance, viel arbeiten zu können. Sie verdienen entsprechend viel.
Menschen, die weniger Glück hatten im Leben haben, keine stabile physische oder psychische Gesundheit mitbringen, Kinder oder Angehörige haben, um die sie sich kümmern müssen, haben per se weniger Zeit, Kraft und die Chance so viel arbeiten zu können, um sich selbst und die Angehörigen zu versorgen und auch so viel beiseitezulegen, um der Altersarmut zu entgehen.
Wie gerecht ist dieser Umstand und für wen? Darauf gibt es sicher keine einfache Antwort. Allein das konsequente Sichtbarmachen von Ungerechtigkeiten führt noch nicht zwingend zu Veränderungen – aber es ist ein Anfang.
Die Weltbank bemängelt in ihrer Studie „Woman Business and the Law 2020“ in Deutschland vor allem die Ungleichheit beim Einkommen von Männern und Frauen und die Situation der Kinderbetreuung. So landete Deutschland auch nur auf Platz 31. Auch der Zugang zu Arbeit ist in Deutschland nicht für alle gleich. Bewerben sich Menschen mit Migrationshintergrund auf Stellen, werden sie trotz gleicher oder sogar besserer Qualifikation seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Arbeitsbedingungen, die Behandlung und Bezahlung wird in Folge als ungerecht empfunden und widerspricht dem Prinzip der Gleichbehandlung. Quelle: https://www.dearemployee.de/so-geht-gerechtigkeit-im-betrieb/
Wirtschaft ist auch wissenschaftlich und heißt dann Ökonomie. Sie ist eine selbstständige, von der Philosophie getrennte Wissenschaft. Ökonomie hat die Frage nach Gerechtigkeit in einem umfassenden Sinne ausgeblendet. Für uns als Menschen hat Gerechtigkeit in der Wirtschaft und im Betrieb durchaus eine entscheidende Relevanz. Sie bestimmt zum Beispiel, wie zufrieden, innovativ, krank oder gesund wir sind, wie lange wir einem Unternehmen treu verbunden bleiben und es weiterempfehlen als Arbeitgeber*in.
Was kann ich, kannst du und können wir alle tun, um mehr Gerechtigkeit für uns alle im beruflichen Alltag zu schaffen?
Damit es noch ein bisschen konkret wird, habe ich mal die wichtigsten Maßnahmen für mehr und schnelle Gerechtigkeit, zumindest in Unternehmen recherchiert und zusammengestellt:
Faire und gerechte Entlohnung
Wertschätzung der Angestellten und deren Arbeit
Faire Arbeitsbedingungen (mobiles Arbeiten, Vertrauensarbeitszeit, etc.) mit flexiblen, individuellen Anpassungen
Werte und ethische Grundsätze entwickeln und leben, Compliance
Respektvoller Umgang untereinander, Diversität und Inklusion leben
Rotierende Gleichstellungs- oder Wertebeauftragte
Mitspracherechte oder zumindest die Anhörung der Mitarbeitenden bei firmeninternen Entscheidungen
Hohes Maß an Ehrlichkeit und Transparenz, Informationen wahrheitsgetreu weitergeben
Entwicklungsprozesse und Beziehungsarbeit als sinnvolle Investitionen verstehen
Unparteilichkeit von Entscheidungsträgern Und wer noch eine Schippe drauflegen kann und mag:
Anonymisierte Bewerbungsverfahren
Transparenz bei Gehältern, Beförderungen, Einstellungen, Fortbildungen
Die großen Fragen der gesellschaftlichen Gerechtigkeit bleiben weiterhin offen. Wie so oft, kann das eigene Verhalten im Kleinen einen Unterschied machen, dass sich auch dauerhaft im Großen etwas ändern kann. Voraussetzung dafür ist, dass die Vorbildwirkung Sog erzeugt und sich Viele anschließen.
Es ist wie so oft eine Frage der Haltung, sich Fragen zur Gerechtigkeit immer wieder bewusst zu machen, zuzuhören, konsequent Lücken zu erkennen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Verbesserungen anzustreben und diese im Laufe der Zeit auch immer wieder anzupassen, bilden die Basis für ein gerechteres und faires Arbeitsumfeld.
Es entsteht eine Arbeitsatmosphäre, die von Wertschätzung, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft geprägt ist, den Stresspegel senkt und die psychische Belastung reduziert. Die wichtigsten Stell-Schrauben für gesunde, langfristig motivierte, oft innovative Beschäftigte, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Das ist es doch wert, oder?
Auch auf die Gefahr hin, dass ich dem Thema Gerechtigkeit mit dem Schluss dieses Blogartikels nicht gerecht werde, weil es einfach noch so viele Facetten gibt – möge es euch einfach inspirieren.
Eure Jana
Gute Ideen für Graz
Seit 2008 gibt es den Grazer Beirat für Bürger*innenbeteiligung, seit 2015 die Vorhabenliste, die darüber informiert, bei welchen Plänen der Stadt Bürger*innenbeteiligung vorgesehen ist. Künftig lädt die Stadt nicht nur ein, sich an städtischen Vorhaben zu beteiligen, sondern auch eigene Ideen für ein lebenswertes Graz im Rahmen eines “Bürger*innenbudgets“ einzubringen. Grundlage dafür sind ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss sowie ein Umsetzungsmodell, welches im Referat für Bürgerbeteiligung mit Vertretern der Bezirke, der Verwaltung sowie des Beirates erarbeitet wurde. Dafür stellt die Stadt Graz € 300.000 für die Umsetzung guter Ideen zur Verfügung. Für Bürgermeister Siegfried Nagl, der gemeinsam mit dem Beirat diese Initiative gesetzt hat und Bezirksvorsteherin Ludmilla Haase aus dem 1. Bezirk ist das Ziel klar: “Von guten, umsetzbaren Ideen kann eine Stadt wie Graz nie genug bekommen. Das Bürgerbudget ist eine Einladung an alle konstruktiven Kräfte in der Stadt, denen Graz am Herzen liegt und die ins Tun kommen wollen!“ Die Ideen können bis einschließlich 8. April 2021 unter www.mitgestalten.graz.at eingebracht werden.
Zeit für tatsächlich kreative Pausen oder zur Erholung für Hirn, Nerven und Finger nutzen – hier sind ein paar Ideen 😃 #entspannung #gadgets #kreativität #imBüro #guteidee https://t3n.de/news/gadgets-goodies-geschenke-spielzeug-buero-1202015/?utm_source=newsletter&utm_medium=gadgets-lifestyle&utm_campaign=100620

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#guteidee #weihnachtsmarkt #daskannheiterwerden #passtaufdiekinderauf #lustig #spruchdestages #heute #irgendwielustig (hier: Historischer Weihnachtsmarkt RAW Friedrichshain) https://www.instagram.com/p/B5qlf0uIxFN/?igshid=ox84akykxup6
Backup für deinen Mac? Hier gibt es die ultimative Backup-Lösung, die du mit ganz wenig Aufwand nachbauen kannst. #mac #apple #backup #guteidee # einfachmachen https://www.publishingblog.ch/das-ultimative-mac-backup/?utm_source=Publishingblog.ch&utm_campaign=1e9ca40979-RSS_EMAIL_CAMPAIGN&utm_medium=email&utm_term=0_932d343e3e-1e9ca40979-38706357