„Alte Zeiten, meine Brüder waren alle Fake. Denn auf der Straße wollen dich alle fallen sehen.“
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„Alte Zeiten, meine Brüder waren alle Fake. Denn auf der Straße wollen dich alle fallen sehen.“

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Geboren um kaputt zu gehen - geplanter Verschleiß
Wir gehen arbeiten um uns Dinge zu kaufen die wir brauchen,
die sich allerdings geplant schnell verbrauchen oder kaputt gehen,
damit wir neue Dinge kaufen die wir eigentlich gar nicht brauchen würden,
für die wir aber letzten Endes arbeiten gehen.
Für wen arbeiten wir also?
Eine gute Frage, die man sich tatsächlich zu stellen beginnt, wenn man sich etwas mit geplantem Verschleiß, bzw. der geplanten Obsoleszenz auseinandersetzt. Geplanter Verschleiß findet sich überall, selten eine Sparte, wo er nicht zu finden ist, die klassische grobe Einteilung ist wie folgt:
Technische oder funktionelle Obsoleszenz: Weil das neue Produkt besser ist, z.b. durch seine Technik (Röhrenfernseher – Flachbildfernseher).
Qualitative Obsoleszenz: Die Lebensdauer von Geräten wird absichtlich verkürzt, damit der Kunde schneller neu kaufen muss. Ein gutes Beispiel ist hier die Glühbirne von 2500 Brennstunden auf 1000.
Psychologische Obsoleszenz: Voll funktionsfähige Gegenstände werden durch neue ersetzt, ein gutes Beispiel hierbei ist die Kleidungsindustrie. Ist ein Teil aus der Mode gekommen, entsorgen wir das Alte lieber und kaufen neu.
Generell ist es das erklärte Ziel der Industrie, den Kunden zum Neukauf zu überreden, weil Gewinnmaximierung an oberster Stelle steht, macht dies in den Augen der Konzerne auch Sinn. Brook Stevens (1911 – 1995) ein bekannter Industriedesigner der USA, machte daraus auch kein Geheimnis, er sagte bereits 1958: „Unsere gesamte Wirtschaft basiert heute auf geplantem Verschleiß … Wir machen gute Produkte, wir verleiten die Leute, sie zu kaufen, und dann führen wir nächstes Jahr absichtlich etwas ein, das diese Produkte altmodisch, out of date, obsolet macht. Wir machen dies aus dem vernünftigsten Gründen: Um Geld zu machen!“
Ein Paradebeispiel, dass lange Haltbarkeit für die Industrie ein Minus- bzw. großes Risikogeschäft ist, ist ein sehr alter Fall. Er findet sich in der Automobilindustrie Anfang der 1920ger Jahre. Henry Ford war ein unerschütterlicher Anhänger von Qualität und langer Haltbarkeit. „Wir möchten gerne eine Maschine bauen die ewig dauert“, hieß es. Tatsächlich war Henry Ford mit dieser Einstellung auch sehr lange erfolgreich, sein „Model T“ wurde z.B. über 15 Millionen Mal gebaut und hatte einen US-Marktanteil von 61 Prozent. Der Hauptkonkurrent von Ford war damals General Motors. Dessen Spitzenmanager, Alfred Sloan, vertrat genau die entgegengesetzten Werte von Ford. Er wollte neue Technologien und neue Modelle, die ältere Produkte ersetzten, weil diese nicht mehr so modern waren. Er setzte bewusst auf Design, viel schnellere Modelzyklen und verkürzte Haltbarkeit. Der Plan ging auf, Fords Marktanteil sank in wenigen Jahren von über 60 Prozent auf 30. Im Frühjahr 1927 musste er die Produktion des „Model T“ eistellen. Damit hatte Sloan, der auf geplanten Verschleiß setzte, bewiesen, dass diese Strategie aufgeht und mehr Gewinn bringt.
Und man findet ihn tatsächlich überall und in jeder erdenklichen Form. So kam z.B. ein Zahnpastahersteller einmal auf die Idee, das Öffnungsloch der Tube etwas zu vergrößern, das Ergebnis war 30% mehr Umsatz.
Für den Kunden ist es leider sehr schwierig hier den Überblick zu bewahren. Der Markt wird (bewusst) sehr Intransparent gehalten. Die wichtigen Informationen über Bauweise, Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Ersatzteilvorrat usw. liegen dem Kunden meistens gar nicht vor. Zudem wird der Markt von Produkten überschwemmt, es ist praktisch unmöglich sie alle zu überprüfen (Im Jahr 2015 wurden weltweit über 156.000 Neuheiten lanciert, das heißt, alle drei Minuten ein neues Produkt). Für lange Haltbarkeit sind weder Preis noch Aussehen ausschlaggebend, wie also soll der Kunde eine rationale Kaufentscheidung treffen. Dass der Kunde „König“ ist, ist in diesem Zusammenhang ein Märchen, dafür müsste man die Märkte transparenter machen, aber darauf wird bewusst verzichtet um den Umsatz zu steigern.
Hinzu kommt noch die Werbung mit der wir uns täglich konfrontiert sehen. Mit 66 Jahren werden die Meisten von uns rund zwei Millionen Fernsehspots gesehen haben. Umgerechnet bedeutet das acht Stunden Werbung täglich, an sieben Tagen die Woche und das sechs Jahre lang. Schon ein Kind sieht pro Jahr 20.000 bis 40.000 Werbespots.
Die Industrie schiebt nur allzu gerne die Verantwortung von Angebot und Nachfrage auf den Konsumenten und seine Einstellung zu kaufen ab. Doch kann man angesichts dieser Zahlen, und dem Umfang der Werbung doch die Frage stellen, woher diese Einstellung überhaupt kommt?! Durch die gewinnorientierte Politik, durch ständig neue Modelle, mit viel Werbe- und Marketingeinsatz wird uns von frühester Kindheit an, eine Wegwerfmentalität eingeträufelt.
Vermutlich werden in Deutschland pro Jahr von den Endverbrauchern mindestens 100 Milliarden Euro zu viel ausgegeben – nur wegen geplantem Verschleiß. Das entspricht etwa 110 Euro pro Kopf und Monat, die wir zusätzlich haben könnten oder die wir weniger arbeiten müssten.
Tatsächlich leben wir in einem kaputten Wirtschaftssystem, mit den Konzernen auf der einen und den Bürgern auf der anderen Seite. Betrachtet man die Entwicklung auf unserem Planeten, sind wir in einer stätigen Abwärtsspirale gefangen, die Konzerne zwingt mehr Umsatz zu machen und uns zwingt mehr zu kaufen. Letzten Endes werden wir damit den Planeten aber irgendwann zerstören, deshalb sollten wir langsam beginnen einen Ausweg zu suchen. Im Kleinen können wir das tun, indem wir Dinge benutzen solange es geht, weiterverwerten so gut es geht, reparieren was möglich ist, etc., im Großen, wird es sich noch zeigen ….
Quelle: Geplanter Verschleiß - Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt - und wie wir uns dagegen wehren können von Christian Kreiß.
(Mein altes Iphone, ebenfalls ein Opfer von geplantem Verschleiß. Q_Q)