Ich sehe im Praktikum das erste Mobiltelefon mit eigenen Augen und hätte an der Technik kapituliert
Ich machte ein Praktikum im Düsseldorfer Hochbauamt. Von dort sollte ein Künstlerwettbewerb für ein Mahnmal in der Mahn- und Gedenkstätte in der Altstadt organisiert werden.
Wir bekamen einige Räume in der Mahn- und Gedenkstätte zur Verfügung gestellt, hatten dort aber keinerlei technische Infrastruktur, die über elektrisches Licht hinaus ging.
Die Jury war hochkarätig besetzt, ich erinnere mich konkret an Carola Stern und an andere eigens angereiste Juroren, mit denen es Diskussionen darüber gab, wieviel Sterne ein angemessenes Hotel haben solle.
Es war die Veranstaltung, bei der ich das erste tragbare Telefon sehen sollte.
Nach etlichen Jahren mit CB-Funkgeräten und drei Jahren als Fernmelder bei der Bundeswehr hatte ich schon viel an Funktechnik gesehen, mobile Telefone kannte ich aber bislang aber nur aus US-Krimis, wo Detektive und Anwälte natürlich Autotelefone besaßen.
Der Chef der Poststelle hatte ein C-Netz-Telefon aus dem städtischen Fundus bekommen, nach meiner Erinnerung muss es ein Siemens C2 Portable gewesen sein. Zwar kleiner als die Sat-Telefone, mit denen Thomas Wiegold es einige Jahre später zu tun bekommen würde, aber halt auch ohne Satellitenverbindung.
Zum Glück brauchten wir das Telefon am Ende nicht. Keinem war klar, wie teuer ein Gespräch mit dem Funktelefon sein würde, klar war nur, dass es sehr teuer sei. Deshalb hatte sich niemand getraut, einen Probeanruf damit zu machen.
In einer Zeit, in der Wählscheibentelefone noch technischer Standard waren, hätte die Technik uns sicher alle überfordert. Der Chef des Orgateams jedenfalls gestand mir am Ende, dass er glaube, das Telefon sei defekt gewesen. Er habe den Hörer abgenommen und kein Freizeichen gehört.
Ich hätte es damals auch nicht besser gewusst.