âDie dunkle Stunde nahtâ, sagte Kreguthal. Er stand auf sein Schwert gestĂŒtzt, das noch vom Blut der etlichen Zaran, die er gefĂ€llt hatte, verschmiert war, auf einem etwa mannshohen Felsen und spĂ€hte angestrengt in die Ferne. Seine pechschwarzen langen Haare wehten verrucht im Abendwind und legten seine markante Kinnpartie frei. Mit dem Bart, der so mĂ€nnlich anmutete, dass man meinen könnte, der Bart selbst hĂ€tte auch einen Bart. Seine muskulösen Beine, die Sonja nun gut sehen konnte, entsprangen den metallbeschlagenen Schuhen, kletterten von dort höher und höher und fanden dort zu einem stattlich-prĂ€chtigen Arsch zusammen. Die engen Leggings lieĂen keinen Zweifel daran, wieso er auch âKreguthal der lange, adrige Dickeâ genannt wurde. Zaghaft versuchte Sonja ihre Fesseln zu lockern, doch der Knoten, mit dem Kreguthal ihre Ellenbogen auf Bauchhöhe zusammengebunden hatte, war schwerer zu lösen als das RĂ€tsel von Xaramas, dem alten Meister des Worldbuildings durch uralte, mysteriöse und komplett irrelevant in den Text gestreute Lore-Bröckchen.
Plötzlich hörte Sonja hinter sich ein bedrohliches Rascheln. Auch Kreguthal hatte es vernommen und sprang mit einem Satz, einem Berglöwen gleich, von dem Felsen. Zwei Ceksonier hatten sich herangeschlichen und wollten sich mit ihren 52 ZĂ€hnen ĂŒber Sonja hermachen. Erschreckend nah hatten sie es gerĂ€uschlos an Sonja heran geschafft, noch ein, zwei Schritte und sie wĂŒrde sicher dem Tode geweiht sein. In den brunnentiefen Augen Kreguthals leuchtete das Feuer des Kampferprobten, wĂ€hrend er sein Schwert hob und dann nervös abwartete, dass der zur weiteren Spannung eingefĂŒgte Satz endlich zu Ende ging, was jedoch lĂ€nger dauerte, als er vermutet hatte, da sich weiterhin Nebensatz an Nebensatz reihte, nicht untypisch fĂŒr Autoren, die besonders intelligent erscheinen wollen, um damit Eindruck zu schinden. Endlich aber war es soweit. Blitzschnell erkannte er nun, dass er zu weit entfernt war, um noch mit dem Schwert einzugreifen, lies dieses also zu Boden fallen und zog sein Lasso. Das alles ging so schnell, dass Sonja nicht einmal erkennen konnte, ob es Ceksonier mit runden, oder die weitaus gefĂ€hrlicheren mit eckigen Schilden waren. Als sie von beiden Seiten die Schilder der Ceksonier auf ihrer nackten Haut spĂŒrte, wurde ihr ganz kalt und sie erstarrte zu Eis. Sie schloss die Augen. Sie hielt den Atem an und ergab sich ihrem Schicksal. Sie biss sich auf die Lippen um nicht zu schreien. Die Spannung war spannend. Doch nichts geschah. In einer Art antiklimaktischen Unterwanderung, hatte sie, wie auch der Leser, lediglich geglaubt, dass sie nun sterben mĂŒsse. Es kam aber ĂŒberraschend ganz anders. Denn unser Held, Kegruthal der lange, adrige Dicke, hatte mit seinem Lasso, als alles schon verloren schien, die beiden Angreifer und unsere damsel in distress zu einer Art Sandwich zusammengepresst. Kreativ muss man halt sein. Guten Hunger (Fantasy-Stefanie)!