Ich sterbe
Wirklich!
Vor Schreck. Angst. Und sonstwas. Und Wut. Heute hĂ€tte ich das erste Mal in meinem Leben um ein Haar jemanden verprĂŒgelt vor lauter Zorn.
Die Woche war bisher echt eher eine der bescheidenen Sorte. Die Patienten sind nach wie vor alle dement oder wahnsinnig oder beides und machen sogar mich Frohnatur so langsam mĂŒrbe. Da wartet dann heute auch noch ein SpĂ€tdienst auf mich. SpĂ€tdienste sind so eine Sache. Sie sind mittelmĂ€Ăig bezahlt und Ă€tzend, weil man seine Station am frĂŒhen Nachmittag halb fertig liegen lĂ€sst, um vier Stunden lang die Notaufnahme zu bedienen und dabei hoffentlich niemanden umzubringen. MittelmĂ€Ăig begeistert war ich auch, als ich den nicht enden wollenden Hauptkorridor des Klinikums Meckerstadt durchquerte, um mich mit etwas VerspĂ€tung in Richtung Notaufnahme zu begeben.
Dabei gehe ich meine Liste nochmal durch und ĂŒberlege, ob ich irgendetwas unterschlagen habe, was wirklich wichtig war und nicht bis morgen frĂŒh warten kann. Nix gefunden. Ich schaue also wieder geradeaus und
TRĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂT Das wars. Die Welt geht unter. Das war das Donnern der Hyperraumaggregate eines Sternenzerstörers, der in den nĂ€chsten fĂŒnf Sekunden Meckerstadt und MĂ€h-auf-der-Mecker dem Erdboden gleich machen wird. Ich mache einen Satz, werfe Klemmbrett, Kaffeebecher und Wasserflasche von mir schreie vor lauter Schreck.
<schrecksekundehiereinfĂŒgen>
Es fiept in meinen Ohren und ich öffne wieder die Augen. Kein zweites Dröhnen kommt hinterher, es ist also offensichtlich nicht der Feueralarm. Und zum GlĂŒck auch kein Sternenzerstörer. Ich atme auf und schaue mich um, wo dieses GerĂ€usch herkam und
TRĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂTTĂĂĂĂĂTTĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂĂT
Ich mache wieder einen Satz und habe genug Orientierung, um die Quelle zu orten. Es ist eine groĂe, rote Tröte. Sie wird von einer Hand um die Ecke der nĂ€chsten Korridorbiegung gehalten. Aus dieser Richtung höre ich, kaum dass das Scheppern in meinen Ohren aufgehört hat, hysterisches GelĂ€chter. Ich bleibe stehen und beobachte das Geschehen. Da schieben sich drei Gesichter ĂŒbereinander um die Ecke und schauen nach mir. Wie die Daltons kauern dort drei Halbstarke, einer von ihnen eine Drucklufttröte in der Hand.
Erwischt fĂŒhlen sich die drei Teenager und rennen lachend los. Ich kenne mich aber im Krankenhaus besser aus (ich wohne ja quasi hier), nehme eine AbkĂŒrzung und fange sie vor dem Ausgang hinter einer Ecke ab. Sie rennen ineinander und stolpern alle drei auf den Boden. Irgendwie witzig.
Vor versammelter Runde der im Foyer des Krankenhauses chillenden Angehörigen und Patienten greife ich mir die Drucklufttröte und scheppere den drei Idioten eine gehörige Ladung krach entgegen. Sie halten sich die Ohren zu und stellen fest, dass so ein Ding doch ziemlich laut ist. So richtig cool fĂŒhlen sie sich nicht mehr, wie ich ihnen vor diesem Publikum die Leviten lese und ihnen sage, dass das echt eine miese Idee ist, sich ins Krankenhaus zu schleichen und dort Leute zu erschrecken!
Ich spreche ein Hausverbot aus und drohe mit der Polizei, wenn sie nicht in zehn Sekunden drauĂen sind. Voller Genugtuung tröte ich ihnen noch einmal hinterher und knalle dann dem Portier die Drucklufttröte auf den Tisch.
Mit wehendem Kittel schaffe ich es gerade rechtzeitig zur Ăbergabe in die Notaufnahme und darf anschlieĂend nochmal ins Haus, weil ja mein kaffeegetrĂ€nkter To-Do-Zettel noch auf dem Gang liegt.
Immerhin war der Dienst dann, nachdem er angefangen hatte, ruhig. Aber klingeln tut es in meinen Ohren immernoch. Was fĂŒr kleine Spastis.













