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"Unfair und diskriminierend": Panama fĂŒhlt sich verunglimpft
Politik
Als âletzte groĂe Bastionâ fĂŒr SteuerflĂŒchtlinge bezeichnet OECD-GeneralsekretĂ€r GurrĂa das Land Panama. Dessen Regierung reagiert prompt, der Minister im PrĂ€sidialamt nennt die ĂuĂerungen respektlos und unverantwortlich.
Panama hat die Kritik der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Zusammenhang mit den EnthĂŒllungen ĂŒber Briefkastenfirmen in Steueroasen als âunfair und diskriminierendâ zurĂŒckgewiesen. In einem Brief an OECD-GeneralsekretĂ€r JosĂ© Ăngel GurrĂa schreibt der VizeauĂenminister Panamas, Luis Miguel HincapiĂ©, die âUnrichtigkeitâ der VorwĂŒrfe GurrĂas sei âleichtâ zu beweisen.
GurrĂa hatte am Montag erklĂ€rt, Panama sei âdie letzte groĂe Bastionâ fĂŒr SteuerflĂŒchtlinge. Diese ĂuĂerung nannte HincapiĂ© in seinem Brief âbedauerlichâ. Er verwies darauf, dass die Unternehmensgesetze in Panama nicht âgrundsĂ€tzlich andersâ seien als in anderen LĂ€ndern. Die HĂ€lfte der Briefkastenfirmen befĂ€nde sich auf den Britischen Jungferninseln, die britischer Rechtsprechung unterlĂ€gen. Panama habe zuletzt mehrere Gesetze zur Regulierung des Finanzsektors geĂ€ndert, betonte der Minister im PrĂ€sidialamt, Ălvaro AlemĂĄn. Die ĂuĂerungen von GurrĂa seien respektlos und unverantwortlich gewesen.
Nach der Aufdeckung von 214.000 Briefkastenfirmen durch die âPanama Papersâ hatte GurrĂa dem Land bescheinigt, internationale Standards fĂŒr Steuertransparenz trotz frĂŒherer Zusagen zu missachten. âPanama ist der letzte groĂe Verweigerer, der es weiterhin erlaubt, dass Offshore-Fonds vor Steuer-und Strafverfolgungsbehörden versteckt werdenâ, kritisierte der GeneralsekretĂ€r der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Obama sieht globales Problem
Die âPanama Papersâ erinnern nach Worten von US-PrĂ€sident Barack Obama daran, dass Steuerhinterziehung ein globales Problem bleibt. In seiner ersten Reaktion auf die Veröffentlichung sagte Obama: âEs wird immer eine Art verbotener Bewegung von Fonds rund um die Welt geben, aber wir sollten es ihnen nicht einfach machen. Wir sollten nicht gestatten, sich an Transaktionen nur zu beteiligen, um Steuern zu vermeiden.â
EU-ParlamentsprĂ€sident Martin Schulz nannte die Dimension der EnthĂŒllungen âschockierendâ. Allerdings sei das grundsĂ€tzliche Problem bereits seit Jahren bekannt, sagte der SPD-Politikerder âPassauer Neuen Presseâ. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich auf legale Weise durch âzĂŒgellose Liberalisierungâ ein professionelles System der Steuervermeidung, GeldwĂ€sche und Steuerhinterziehung gebildet. âDa mĂŒssen wir entschlossener ran.â
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: âMan wird bei den Fragen der Steuervermeidung immer wieder schauen, mit welchen Mitteln man das am besten bekĂ€mpfen kann.â FĂŒr einige Banken in Deutschland hĂ€tten solche Praktiken auch schon Strafen nach sich gezogen â und âsicherlich wird man jeden Anlass nehmen, um zu schauen, ob das Strafrecht schon ausreichend istâ. GrundsĂ€tzlich seien Transparenz und Meldepflichten âvon allergröĂter Bedeutungâ.
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann will deutsche Banken, die systematisch Beihilfe zum Steuerbetrug betreiben, hart bestrafen lassen. âBanken, die sich an der organisierten Steuerhinterziehung beteiligen, muss die Banklizenz entzogen werdenâ, sagte er.
RĂŒcktritt in Island
Am Dienstag hatte die Partei von Islands Regierungschef nach massiven Protesten der Bevölkerung seinen RĂŒcktritt verkĂŒndet, nachdem Gunnlaugssons Name im Zusammenhang mit den EnthĂŒllungen aufgetaucht war. Das Volk ist erzĂŒrnt, dass der MinisterprĂ€sident und seine Frau Millionen in einer Offshore-Firma versteckt haben könnten. Der Politiker weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck.
Unklar ist nach wie vor, ob und inwiefern die bekanntgewordenen GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten von Politikern, Reichen, Sportlern und Banken illegal sind. Darauf weisen auch die an der monatelangen Recherche beteiligten Medien ausdrĂŒcklich hin. Zahlreiche Prominente sahen sich wegen der EnthĂŒllungsberichte aber bereits zu ErklĂ€rungen genötigt. Auch der neue Fifa-PrĂ€sident Gianni Infantino soll wĂ€hrend seiner Zeit beim europĂ€ischen Dachverband Uefa angeblich zweifelhafte GeschĂ€fte mit einer Briefkastenfirma abgezeichnet haben, lieĂ dies aber dementieren. âEs gibt keinerlei Anzeichen fĂŒr irgendein Fehlverhalten der Uefa oder mir in dieser Angelegenheitâ, wurde Infantino in einer Pressemitteilung der Fifa zitiert. Die Uefa Ă€uĂerte sich âschockiertâ ĂŒber die Medienberichte.
Die in den âPanama Papersâ beschuldigte Kanzlei Mossack Fonseca geht derweil strafrechtlich gegen die Verantwortlichen des Datenlecks vor. âNiemandem gefĂ€llt es, bestohlen zu werdenâ, teilte ein Sprecher der Kanzlei mit. âWir werden unser Möglichstes tun, um die Schuldigen zu bestrafen.â Die âSĂŒddeutsche Zeitungâ hatte berichtet, das Datenmaterial im Umfang von 2,6 Terabyte sei ihr von einer anonymen Quelle zugespielt worden. Mossack Fonseca geht davon aus, dass der Kanzlei-Server gehackt wurde â und stellte deshalb Strafantrag in Panama. Die Kanzlei bestreitet eine Verwicklung in illegale GeschĂ€fte.
Quelle: n-tv.de
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