Die Grundlage meiner Interpretation bildet die These, daß die Sprache in der Philosophie Wittgensteins eine der Arbeit bei Marx und der an ihn anknüpfenden Tradition vergleichbare Funktion übernimmt. [...] Obschon die Sprache Wittgenstein zufolge die grundlegende Form menschlicher Praxis ist, vertritt er keinen linguistischen Idealismus, der unsere Handlungsweisen bzw. unsere gesamte Weltdeutung auf deren sprachliche Aspekte reduziert; er betrachtet vielmehr die Sprache in ihrem Verhältnis zu den übrigen Tätigkeiten der Menschen [...]. Wittgensteins Kritik an sprachphilosophischen Theorien, welche die praktische Dimension der Sprache nicht mitbedenken, weist verdinglichungskritische Züge auf.
Christoph Demmerling: Sprache und Verdinglichung - Wittgenstein, Adorno und das Projekt einer kritischen Theorie. Frankfurt am Main 1994, S. 45.














