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@haseente

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Ich möchte sagen: Gemütsbewegungen können die Gedanken färben; der Körperschmerz nicht. Und darum rede man von traurigen Gedanken, nicht aber in analoger Weise von zahnschmerzlichen.
Ludwig Wittgenstein: Bemerkungen über die Philosophie der Psychologie, 2. Bd. In: Werkausgabe Bd. 7. Frankfurt am Main 1984, §153, S. 247
Vor allem fehlt dem, der die Beschreibung [des praktischen Hintergrundes unserer artikulierbaren Verständnisse] versucht, nun jedes System. Die Systeme, die ihm in den Sinn kommen, sind unzureichend; und er scheint plötzlich sich in einer Wildnis zu befinden, statt in dem wohlangelegten Garten, den er so gut kannte. Es kommen ihm wohl Regeln in den Sinn, aber die Wirklichkeit zeigt nichts als Ausnahmen.
Ludwig Wittgenstein: Bemerkungen über die Philosophie der Psychologie. Werkausgabe Bd. 7, Frankfurt am Main 1984. § 557, S. 110
Was Marx sagt, daß die Geschichte nicht auf dem Kopfe geht, ist wahr, doch nicht minder wahr, daß sie nicht mit den Füßen denkt. Oder vielmehr: weder ihr „Kopf“ noch ihre „Füße“ gehen uns an, sondern ihr Leib als ganzer
Maurice Merleau-Ponty: Phänomenologie der Wahrnehmung. Frankfurt am Main 1974, S. 16.

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Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv.
Karl Marx: Thesen über Feuerbach
Die Form des Holzes z.B. wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinnliches Ding. Aber sobald er als Ware auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich-übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen Füßen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andren Waren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne.
Karl Marx: Das Kapital - Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band, Buch I: Der Produktionsprozeß des Kapitals. In: MEW Bd. 23. - 22. Aufl., Berlin 2007, S.85.
Sie [die Logik] ist nämlich bloß das Wissen in abstracto Dessen, was Jeder in concreto weiß. Daher, so wenig als man sie braucht, einem falschen Räsonnement nicht beizustimmen, so wenig ruft man ihre Regeln zu Hülfe, um ein richtiges zu machen, und selbst der gelehrteste Logiker setzt sie bei seinem wirklichen Denken ganz bei Seite. [...] Daher kommt das Sonderbare, daß, wenn man in andern Wissenschaften die Wahrheit des einzelnen Falles an der Regel prüft, in der Logik umgekehrt die Regel immer am einzelnen Fall geprüft werden muß: und auch der geübteste Logiker wird, wenn er bemerkt, daß er in einem einzelnen Falle anders schließt als eine Regel aussagt, immer eher einen Fehler in der Regel suchen, als in dem von ihm wirklich gemachten Schluß. Praktischen Gebrauch von der Logik machen wollen, hieße also Das, was uns im Einzelnen unmittelbar mit der größten Sicherheit bewußt ist, erst mit unsäglicher Mühe aus allgemeinen Regeln ableiten wollen: es wäre gerade so, wie wenn man bei seinen Bewegungen erst die Mechanik, und bei der Verdauung die Physiologie zu Rathe ziehen wollte: und wer die Logik zu praktischen Zwecken erlernt, gleicht dem, der einen Bieber zu seinem Bau abrichten will. – Obgleich also ohne praktischen Nutzen, muß nichtsdestoweniger die Logik beibehalten werden, weil sie philosophisches Interesse hat, als specielle Kenntniß der Organisation und Aktion der Vernunft.
Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, § 9.
Zur historischen Logik. Es wird versichert, daß wir urteilen: das Gold ist gelb. Diese Versicherung ist wahrscheinlich. Aber nicht ebenso wahrscheinlich ist, daß wir schließen: alle Menschen sind sterblich: Cajus ist ein Mensch; also ist er sterblich. Ich wenigstens habe nie so plattes Zeug gedacht. Es soll im Inneren vorgehen, ohne daß wir Bewußtsein darüber haben. Freilich, im Inneren geht viel vor, z. B. Harnbereitung und ein noch Schlimmeres, aber wenn es äußerlich wird, halten wir die Nase zu. Ebenso bei solchem Schließen.
G. W. F. Hegel (via unstimmigeharmonie)
For pluralistic pragmatism, truth grows up inside of all the finite experiences. They lean on each other, but the whole of them, if such a whole there be, leans on nothing. All 'homes' are in finite experience; finite experience as such is homeless.
William James: Pragmatism, A New Name for Some Old Ways of Thinking. Lecture VII: Pragmatism and Humanism.

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Ich habe diesen Mann vor Jahren gesehen; nun sehe ich ihn wieder, erkenne ihn, erinnere mich seines Namens. Und warum muß es nun für dies Erinnern eine Ursache in meinem Nervensystem geben? Warum muss irgend etwas, was immer, in irgendeiner Form dort aufgespeichert worden sein? Warum muß er eine Spur hinterlassen haben? Warum soll es keine psychologische Gesetzmäßigkeit geben, der keine physiologische entspricht? Wenn das unsere Begriffe von der Kausalität umstößt, dann ist es Zeit, daß sie umgestoßen werden.
Ludwig Wittgenstein: Zettel, § 610. In: Werkausgabe Bd. 8, Frankfurt am Main 1984, S. 417.
Wer hat Peter Sloterdijk eigentlich ins Gehirn geschissen?
Meine Originalität (wenn das das richtige Wort ist) ist, glaube ich, eine Originalität des Bodens, nicht des Samens. (Ich habe vielleicht keinen eigenen Samen.) Wirf einen Samen in meinen Boden, und er wird anders wachsen, als in irgend einem anderen Boden.
Ludwig Wittgenstein: Vermischte Bemerkungen. In: Werkausgabe Bd. 8, Frankfurt am Main 1984, S. 500
Ich will also etwas sagen, was wie Pragmatismus klingt.
Ludwig Wittgenstein: Über Gewissheit. In: Werkausgabe Bd. 8, Frankfurt am Main 1984, S. 203.

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Die Freude an meinen Gedanken ist die Freude an meinem eigenen seltsamen Leben. Ist das Lebensfreude?
Ludwig Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen. In: Werkausgabe Bd. 8, Frankfurt am Main 1984, S. 480.
Wenn ich jemandem den Befehl gebe: »Hole mir eine rote Blume von dieser Wiese«, woher soll er dann wissen, was für eine Blume er mir bringen soll, da ich ihm nur ein Wort gegeben habe? Zuerst könnten wir folgende Antwort vorschlagen: Er trug ein rotes Bild in seinem Geist, als er ging, um nach einer roten Blume zu suchen, und er verglich es mit den Blumen, um zu sehen, welche die Farbe des Bildes hatte. [...] Doch das ist nicht die einzige und nicht die gewöhnliche Art zu suchen. Wir gehen, sehen uns um, gehen auf eine Blume zu und pflücken sie, ohne sie mit irgendetwas zu vergleichen. Um zu sehen, daß der Vorgang, dem Befehl zu gehorchen, so sein kann, betrachte den Befehl »Stelle dir einen roten Fleck vor«. In diesem Fall bist du nicht versucht zu denken, daß du dir, bevor du dem Befehl gehorchst, einen roten Fleck vorgestellt haben mußt, der dir als Muster für den roten Fleck dient, den du dir auf Grund des Befehls vorzustellen hast.
Ludwig Witgenstein, Das Blaue Buch. In: Werkausgabe Bd. 5, Frankfurt am Main 1984, S. 17 f.