Daily Dose of Perception 24. Juni 2026
Ein Sandwich des Grauens, und eine Welt, die PlÀne bis 2070 macht
Mein FrĂŒhstĂŒckssandwich war ein Fail wie alles was die US Regierung anzufassen wagt. Bereits gestern kaum geniessbar, FrĂŒhstĂŒcksdienst ausnahmsweise unter der Woche liefern lassen , weil zuletzt gute Ware.
Scheinbar ein Tease, ein wieder einmal gewechselter Lieferant oder ein noch nicht richtig wacher BĂ€cker Geselle unter Drogen, nur um mich nun mit einem Witz von falsch gebackenem Französischem WeiĂbrot um den Verstand zu bringen. Essen ist der Sex des Alters und sollte dementsprechend selbst im Botkrumen wertvoll und vor allem einfach nur die Seele streicheln.
Ein Tag, trocken wie einer meiner Witze. Der RestmĂŒllsack wĂ€chst ĂŒber sich hinaus. Ja, liebe GrĂŒne , ich trenne nicht nach Vorschrift, solange Eure SpitzenkrĂ€fte Flugzeuge benutzen schon gar nicht. Und irgendwo in Ă€hnlichem Unmutgewitter in Berlin steht zur selben Stunde eine Kommission und erklĂ€rt, wie die Rente bis weit nach 2060 funktionieren soll.
Die deutsche Rentenkommission hat geliefert, und es ist die Komik des Jahrhunderts.
Gestern, am 23.6., ĂŒbergab das Gremium seinen Abschlussbericht an Ministerin Bas, Merz daneben, dreiunddreiĂig Empfehlungen, eine gesetzliche Aktienrente nach schwedischem Modell, die das Rentenniveau "der heute JĂŒngeren" langfristig heben soll. Langfristig. Merz und Bas wollen alles vollstĂ€ndig und zĂŒgig umsetzen, trotz Kritik aus allen Ecken. Alles in einem Land, das nicht weiĂ, ob es im September noch eine Regierung hat, auf einem Planeten, der seine eigenen Wetterrekorde im Wochentakt pulverisiert â und die ernsthafteste Antwort auf die Zukunft ist ein Tabellenwerk, das tut, als lieĂe sich 2065 ausrechnen wie eine Miete.Â
Das ist der Teil, an dem es klebrig wird. Man verkauft eine Aktienrente als Geschenk an die Enkel und entkernt im selben Quartal das Instrument, das den Enkeln einen Planeten lassen wĂŒrde, auf dem sich das Geschenk auszahlt.
Diese Notlösung aus Not ohne Lösung sĂ€gt im eigenen Land und Europa als Lobbystentruppe an jedem Change der sich mal auftat, Merz, Mister "keine Deindustrialisierung" und dem Glauben,man könne Klimaschutz und Schwerindustrie verheiraten wie zwei Leute, die sich auf derHochzeit zum ersten Mal sehen. FĂŒr die Jugend. Sicher. Die Jugend joggt mir gerade bei achtunddreiĂig Grad keuchend am Balkon vorbei, gehetzt wirkt sie. Kein Wunder.
Wer tiefer will: der lange Read dazu, unter "Ein Ăsi bei den Dösi", als Auftakt zu einer neuer Kolumne.
Denn Europa gart.Â
Eine Hitzekuppel, gefĂŒttert mit Sahara-Luft, sitzt seit dem 20. auf dem Kontinent, am brutalsten ĂŒber Iberien und Frankreich. Frankreich hat mit 44,3 Grad in Pissos seinen heiĂesten Tag ĂŒberhaupt gemessen, neunundvierzig von sechsundneunzig DĂ©partements unter roter Warnung, Schulen zu, das ist die Zeile, die im Magen sitzt, nicht im Kopf : Vierzig Menschen sind in der vergangenen Woche ertrunken, weil sie der Hitze in FlĂŒsse und Seen entkommen wollten. GroĂbritannien hat seinen Juni-Rekord von 1976 gerissen. 1976. Das Jahr, in dem man noch glaubte, so ein Sommer komme einmal pro Leben. Jetzt kommt er jĂ€hrlich, und wir reden ĂŒber Rentenniveaus 2060. Das ist der Witz, und keiner lacht. Ausser die ĂŒberteuerten Eisdealer meines Unvertrauens.
Aus Ecuador
kommt eine Geschichte, die ich nicht weglĂ€cheln kann.Â
Monika Silva Koniuszek,einundvierzig, polnische Antikorruptionsaktivistin, alleinerziehende Mutter zweier Töchter, vier und neun. Am 8. Juni tot in ihrem Haus in Montañita gefunden, Schlinge um den Hals. Der Innenminister sprach noch vor der Autopsie von Selbstmord. Die Autopsie sagt: Schlag auf den Kopf und Strangulation. Sie hatte gegen Noboa Trading ermittelt, den Fruchtkonzern der Familie des rechten PrĂ€sidenten, Kokain in Bananencontainern, und kurz vor ihrem Tod der US-Botschaft eine Akte ĂŒbergeben. "Vuela alto, Moni", steht auf dem Gedenkbild zwischen den Kerzen.
Der Guardian hat es gestern aufgeschrieben. Daraus wird ein eigener Big Read und eine Idee, die mich nicht loslĂ€sst: dass man Handmade-AI-Avatare bauen könnte, die solche Stimmen schĂŒtzen, real content in einer Maske, oder die Ermordete als bissiges Replika weiterleben lassen, das weitersagt, wofĂŒr sie gestorben ist. Mehr dazu auf Aimagick.
In BrĂŒssel saĂen gestern die Taliban am Tisch.Â
FĂŒnf Tagesvisa, vom belgischen AuĂenministerium ausgestellt, sie wissen schon, diesem Land das seinen Königen gerne mal Völkermord gestattet und MissbrauchstĂ€ter eher halbherzig verfolgt. So gesehen passt es ja.
Das erste Mal, dass die EU die Gruppe seit 2021 beherbergt. Auf der Tagesordnung: Wie man afghanische Migranten schneller abschiebt. Malala nennt es "erschĂŒttert und zutiefst beunruhigt", ein sozialistischer Abgeordneter "zweierlei MaĂ". Eine Analystin aus BrĂŒssel sagt den Satz, der hĂ€ngenbleibt: Normalisierung braucht keinen Vertrag, sie geschieht durch Visa, BesprechungsrĂ€ume und das stille Ersetzen von Prinzipien durch Transaktionen. Ein Regime, das Frauen das Sprechen auĂer Haus verbietet, bekommt einen Sitzplatz, weil wir unsere Migrationspanik wichtiger nehmen als unsere eigenen Resolutionen.Â
Eigener Big Read, Rubrik Femtime, folgt.
Und an der Börse frisst die KI den Bitcoin.Â
Und ich liebe jede verdammte Million fiktiven Besitzes den da gerade einige verlieren. Ein bisschen weniger toxische Bro MÀnnlichkeit in der Welt. Der Kryptoenthusiast Ran Neuner schrieb auf X: "AI has killed Bioin forever", elider noch nicht ,aber man darf ja hoffen. Und die FAZ hat gestern nachgerechnet, warum der Satz einenNerv trifft. Bitcoin bei rund 63.000, weit weg von den 120.000 Höchststand. Aus dem iShares-Bitcoin-ETF sind in zwei Monaten 2,5 Milliarden abgeflossen, in einen Nasdaq-100-ETF 1,4 Milliarden eingeflossen. Dasselbe risikohungrige Geld, neue Geliebte.
Drei IPOs stehlen die Show: SpaceX schon an der Börse, OpenAI und Anthropic noch dieses Jahr. Selbst als sicherer Hafen hat Bitcoin versagt, er fiel mitten im Irankrieg. Mehr sage ich zu Iran heute nicht, das Theater bekommt von mir keine Hauptrolle. Bitcoin in der IdentitĂ€tskrise, willkommen im Club.Â
Aus dem Labor, weil mir die Welt dort oftmals besser gefĂ€llt:Â
Selbst in ihrer Grausamkeit. Forscher haben festgestellt, dass hochgradig antibiotikaresistente Klinikkeime auch gegen Glyphosat resistent sind. Lest das zweimal. Wir vergiften die Felder und die KrankenhĂ€user mit verschiedenen Giften und zĂŒchten dabei dasselbe Monster, das gegen beide gewappnet ist.
Die Natur macht keinen Unterschied zwischen unseren Ressorts. Sie liest unsere ganze Dummheit als ein einziges Signal und passt sich an.
Not for the Mass. Morgen frĂŒh die nĂ€chste Dose, mit einem MorgenmittagsfrĂŒhstĂŒck, das den Namen verdient.













