Selbst die Internet-Profi-Profis bei der #rpTEN scheitern an Creative-Commons-Lizenzen
Anne SchĂŒĂler entdeckt sich in einem getweeteten Foto, mit dem die republica-GmbH fĂŒr ihr neues Format âMeetups & Lightning Talks" wirbt, und sie postet das in der stĂ€ndigen Techniktagebuch-Redaktionssitzung:
Ich denke, ach guck, die kennste ja alle. Und dann: Da warst du doch auch dabei und hast fotografiert. Und siehe da: Ich entdecke sogar das Original-Bild in meinem flickr-Stream.
Ein bisschen wundere ich mich ja schon, dass ich so gar nichts davon erfahren habe, dass mein Foto dort fĂŒr Werbezwecke herhalten muss, steht es doch unter einer non-commercial-cc-Lizenz. Fotograf und Lizenzart wĂ€ren dann schon in dem Tweet zu nennen gewesen, spĂ€testens aber in dem verlinkten re-publica-Beitrag. Dort findet man zwar einen Link zu meinem flickr-Stream, die Lizenz ist aber unvollstĂ€ndig oder falsch angegeben (CC BY 2.0 anstatt CC BY-NC-ND 2.0). (Anmerkung: Wir haben diese Seite leider nicht rechtzeitig im Internet Archive gesichert, deshalb lĂ€sst sich beides in der hier verlinkten Version nicht mehr nachvollziehen.)
DarĂŒber, was kommerziell ist und was nicht, waren auch gerade andere Nutzer einiger meiner Fotos gestolpert, die sich fĂŒr Presseberichte oder in BlogbeitrĂ€gen an Fotos bedient hatten, die ich wiederum von einer Kunstaktion Ai Weiweis aufgenommen hatte. Sofern ich davon erfuhr, habe ich darum gebeten, eine Spende an âĂrzte ohne Grenzenâ zu entrichten, was auch einige getan haben.
Die Diskussion mit anderen, die das nicht so richtig einsehen wollten, konzentrierte sich natĂŒrlich darauf, was denn ânon-commercialâ bedeutet. FĂŒr mich ist das einigermaĂen klar: Wenn man mit seiner Internetseite Geld einnehmen möchte, ist das kommerziell. Und so heiĂt es bei der Creative Commons Corporation in der deutschen Ăbersetzung auch:
âKommerziell relevante Vorteileâ: Deswegen macht man Werbung. âVergĂŒtungâ: Die Eintrittspreise sind ja nicht ohne. Ob man Gewinne erzielt, hĂ€ngt vom eigenen unternehmerischen Geschick ab. Andere sehen das eher so, dass die Nutzung erst dann kommerziell ist, wenn z. B. ein Artikel oder eine Zeitung, in der das Foto verwendet wird, verkauft wird.
M. E. spielt es keine Rolle, auf welchem Wege das Geld â mittelbar ĂŒber Werbung oder unmittelbar ĂŒber Verkaufserlöse â auf das Konto des jeweiligen Unternehmers wandert. Unkommerziell ist das nicht, jedenfalls nicht in Deutschland, was ja diverse Abmahnschlachten gezeigt haben. âFair useâ gibt es hier nicht. Das wĂ€re dann vielleicht noch mal etwas anderes.
Nun kann ich natĂŒrlich auch falsch liegen und frage Google. Ich frage insbesondere nach einer deutschen Ăbersetzung der CC-Lizenzen und lande, na wo? Genau: Auf Netzpolitik.org. Markus Beckedahl, einer der Betreiber von Netzpolitik.org, ist bekanntermaĂen auch stark in die Leitung und Organisation der re:publica involviert. Die republica-GmbH firmiert sogar unter der gleichen Adresse wie netzpolitik.org. Nun war mein Namensvetter so nett, die Nutzungsbedingungen der CC-Lizenzen deutschsprachig in einem Comic zu veröffentlichen. Aufgrund der angegebenen Lizenz kann ich hier mit Nennung des Autors (nerdson, Ăbersetzung Linus Neumann, CC-BY-Lizenz) einen Ausschnitt aus dem Comic zeigen:
Der gelbe Kasten rechts trifft (fast) auf meine Foto-Lizenz zu: Ich möchte nicht, dass jemand damit Geld verdient. (AuĂerdem möchte ich nicht, dass meine Fotos verĂ€ndert werden, das spielt hier aber keine Rolle.) Dass man mich fragen kann, ob ich das Foto vielleicht dennoch zur Verwendung freigebe, bleibt davon ja unberĂŒhrt, und die Möglichkeit wird auch immer wieder mal genutzt. Nur, wenn ein Werbetweet mit einem neuen Veranstaltungsmuster nicht dazu dient, weitere zahlende Teilnehmer anzulocken: Was ist denn dann kommerziell?
Nun bin ich ja kein Abmahnteufel. Und da die re:publica von echt sympathischen Menschen gemacht wird, verstehe ich die Ablehnung meiner eingereichten Session mit dem Mail-Betreff âCome anywayâ einfach als freundliche Einladung: âHey, komm doch einfach vorbei.â So wird doch ein Schuh draus: Foto gegen Ticket. Dann kann ich nĂ€mlich mein Early-Bird-Ticket an jemanden weitergeben, der vielleicht Finanzierungsschwierigkeiten eines Normaltickets hat, aber dennoch gern dabei wĂ€re.
Machen wir es so? Ihr wisst, wie Ihr mich erreichen könnt.