Bernhard Lassahn auf "Achse des Guten":
Aber will denn überhaupt jemand ein Gespräch?
Eben nicht. Es ist Heuchelei, wenn (wie in der Talkshow mit Anne Will), vollmundig verkündet wird, dass nun endlich eine „überfällige Diskussion“ anfangen kann – und sogar anfangen muss – und dass es doch gut ist, „dass wir darüber reden“. Nichts da. Man kann gar nicht darüber reden. Das wird schon im Ansatz unmöglich gemacht. Es ist ein „Aufschrei“. Da muss man sowieso erst mal warten, bis die aufgehört haben zu schreien. Und wenn Renate Künast von einer „Debatte“ spricht, meint sie einen Endlos-Monolog ihrerseits.
Wenn die Äußerungen nicht aus dem Mustopf des Gefühlten und Subjektiven herauskommen, sind sie sowieso wertlos. Eine Frau sagt so. Eine andere etwas anderes. Ein Mann sagt vielleicht auch was. Ein anderer nicht. Alle sagen „Ich, Ich, Ich“. Mehr nicht. Es sind 60.000 Puzzleteile aus 60.000 verschiedenen Puzzlen. Sie ergeben kein Gesamtbild. Gerade die große Masse, die Beliebigkeit und Alltäglichkeit erweisen sich als Schwächen. Man kann einen Mückenschwarm nicht in ein Stück Fleisch umwandeln, und man kann aus der Schwarm-Dummheit nichts herausfiltern, das einen Ansatzpunkt für ein Gespräch bietet. Es ist kein Gesprächsangebot, es ist Kommunikationsverweigerung.
Eine der Opfer-Frauen schreibt beispielsweise: „Oral- und Analsex sind frauenfeindlich“. So, so. Als persönlich gemeinte Bemerkung geht das niemanden etwas an, als allgemeines Urteil ist es eine schamlose Anmaßung, so über alle Frauen zu bestimmen. Na ja: Gut, dass mir mal drüber geredet haben. Soll ich die anderen 59.999 Tweeds auch noch lesen und besprechen?
Es fehlt zwar ein verbindlicher Begriff von dem, was Sexismus sein soll, dafür haben sie etwas anderes gemeinsam, das sich da deutlich abzeichnet: Sie sind allesamt geil auf das Häppchen Aufmerksamkeit, das sie sich von einem Auftritt auf der zwielichtigen Bühne der Twitter-Welt erhoffen, und sie spielen gerne Femen-Gericht – eine Plage aus dem Mittelalter, bei der die anonyme Anklage zugleich ein Schuldspruch war. Ihre eigene Schuldunfähigkeit gibt ihnen die Lizenz zur pauschalen Schuldzuweisung an andere. Als Mann kann man sich da nur noch ein Abzeichen ans Revers heften mit der Aufschrift: SCHULD ABLADEN VERBOTEN.
Ganzer Artikel: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wie_sexismus_entsteht_-_und_warum_es_dafuer_keine_entschuldigung_gibt/