Wehrbeauftragter Barthel im Interview
Ein "internationales Chaos wurde ĂŒber Afghanistan ausgekippt"
sagte der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Klaus Barthel, in der Sendung 12.22 bei uns im Radio Berlin Brandenburg gestern. Er meint damit den 19 Jahre wĂ€hrenden Einsatz einer Koalition der Willigen, erst als ISAF Mission und nun seit einigen Jahren als Mission Resolute Support. Wir wĂŒrden eher von einer völkerrechtlich verbotenen Intervention sprechen.
Auch den Einsatz aller möglichen Hilfsorganisationen, die zwar keine Billion vergeudet haben, aber doch einige Hundert Millionen in den afghanischen Sand gesetzt haben, indem sie an den Interessen und BedĂŒrfnissen der Bevölkerung westliche Gewohnheiten und GebrauchsgegenstĂ€nde fĂŒr teures Geld importiert haben.
FĂŒr die Bundeswehr sieht er den Abzug nach dem Vertrag der Taliban mit den USA ebenfalls als folgerichtig an. Und er fordert, dass in der Bundeswehr und in der Politik eine offene Bestandsaufnahme ĂŒber diesen lĂ€ngsten Einsatz der Bundeswehr im Ausland erfolgt. Leider wurde er nicht gefragt, warum denn der Bundestag in dieser Woche noch einer VerlĂ€ngerung des nicht erfolgreichen Einsatzes zugestimmt hat. Dies kann weder im Interesse der Soldaten noch des Steuerzahler sein!
Er sieht den Einsatz in Afghanistan "nur als mĂ€Ăig erfolgreich" an und in Mali sieht er ein Ă€hnliches "Chaos". Noch verheerender wĂ€ren die Kriege im Irak und Libyen gewesen, an denen die Bundeswehr glĂŒcklicherweise nicht beteiligt gewesen war.  Ist es nicht seine Aufgabe als Wehrbeauftragter die Soldaten (und die einheimische Bevölkerung) davor zu schĂŒtzen? AuĂerdem ist die Lage in Afghanistan mit nun 3 regierungswilligen KrĂ€ften und 2 PrĂ€sidenten nicht besser als in Libyen mit 2 Regierungen und diversen Milizen.
56 Bundeswehr-Soldaten sind in Afghanistan seit 2002 ums Leben gekommen â das macht die Mission zur verlustreichsten in der Geschichte der Truppe - und 170 Bundeswehr Soldaten sind 2017 mit einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) heimgekehrt, wie der SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr mitteilte. 2016 waren es fĂŒnf FĂ€lle mehr. Klaus Barthel sagt dazu in der Ărztezeitung, dass "PTBS heute in weiten Teilen angesehen wird wie eine physische Verwundung".
Zum Thema: Gibt es eine "Schattenarmee" in der Bundeswehr?
In mehreren Jahresberichten hatte der Wehrbeauftragte rechtsextreme Tendenzen in der Bundeswehr angesprochen, konnte aber mangels Einblick keine HintergrĂŒnde und Zahlen nennen. Er hatte aber den MilitĂ€rischen Abschirmdienst (MAD) aufgefordert danach zu forschen. Das hat dieser im letzten Jahr - viel zu spĂ€t - auch getan. Der MAD konnte ĂŒber 500 Bundeswehrangehörige als rechtsextreme BeobachtungsfĂ€lle identifizieren und fast 50 wurden 2019 wegen rechtsextremer TĂ€tigkeiten aus dem BeamtenverhĂ€ltnis entlassen.
Ist das nur die Spitze des Eisbergs? Das können wir von auĂen nicht beurteilen. Aber die Entlassung eines Whistleblowers aus der Bundeswehr, der Anzeigen gegen rechtsextreme MitkĂ€mpfer gestellt hatte, macht uns nachdenklich. Whistleblower mĂŒssen Schutz genieĂen!
ndr.de: "Patrick J. war bei den FallschirmjÀgern. In den sozialen Medien stieà er auf mehrere rechtsextrem gesinnte Soldaten und meldete sie beim MAD. Entlassen wurden sie scheinbar nicht." Die Angezeigten können weiter ihren Dienst an der Waffe versehen und auf die Pension hoffen ...
Mehr dazu bei https://www.aerztezeitung.de/Politik/Der-Krieg-im-Kopf-geht-weiter-227320.html und https://www.welt.de/politik/deutschland/article187846912/Wehrbeauftragter-kritisiert-Lage-der-Bundeswehr-nach-wie-vor-mangelhaft.html
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/7202-20200315-wehrbeauftragter-barthel-im-interview.htm














