Der Serieninkubator
Wenn man sich mit der griechischen Startup-Szene beschĂ€ftigt, kommt man nicht umhin, sehr bald auf Dimitris Tsigos zu treffen. Sei es auf irgendeiner Veranstaltung oder in den sozialen Netzen. Ich kenne wenig Menschen, die so allgegenwĂ€rtig sind und so viele Sachen gleichzeitig machen â und viele davon sehr erfolgreich. Er war natĂŒrlich auch einer der Ersten, die mir bei meinen Blog-AktivitĂ€ten ĂŒber den Weg gelaufen sind (siehe hier). Aber eins nach dem anderen.
Dimitris Tsigos wurde 1977 in Aspropirgos in der NĂ€he von Athen geboren und hat in den 90er Jahren auf Kreta Informatik studiert. Ich kann mich noch erinnern, dass Kreta bereits damals zu einer der renommiertesten Informatik-FakultĂ€ten in Griechenland zĂ€hlte, unter anderem wegen der vielen Professoren, die aus den Vereinigten Staaten kamen. âAuf Kreta herrschte damals schon eine andere Einstellung zum GrĂŒnden von Unternehmen, was mir auch sehr geholfen hatâ, so Dimitris im GesprĂ€ch. Seine Professoren waren es, die ihn damals auch dazu bewegt haben, unternehmerisch zu handeln. In einem der Seminare wurde angeregt, statt einfach nur ein Gruppenprojekt durchzufĂŒhren, spielerisch ein Unternehmen zu grĂŒnden. Aus den Studentengruppen wurden plötzlich Unternehmen und man machte sich neben der Technik Gedanken zu Marketing und Wirtschaftlichkeit. âDieses âSpielâ ging ein Jahr und war sehr entscheidend fĂŒr michâ, sagt Dimitris und so haben Dimitris und drei weitere Studenten noch wĂ€hrend des Studiums ihr erstes Unternehmen im Bereich Content Management gegrĂŒndet.
Die ersten Jahre
Diese erste GrĂŒndung hatte viele Höhen und Tiefen. Erste groĂe Kunden, dann fast pleite, GrĂŒnder gegangen, neue AnsĂ€tze versucht usw. In diesen Jahren haben sie unter anderem Portale fĂŒr Unternehmen und Banken entwickelt und sogar fĂŒr das Verteidigungsministerium. âAus dem ganzen Prozess habe ich viel gelernt und frĂŒh festgestellt, dass wir nicht nur reine Dienstleistungen anbieten, sondern auch Software-Produkte entwickeln sollte, um besser skalieren zu können. Mit der Krise ab 2008 kam noch dazu, dass das klassische DienstleistungsgeschĂ€ft quasi am Boden lagâ. Hieraus hat Dimitris schrittweise einen ganzen Prozess zur GrĂŒndung von Unternehmen entwickelt. Wenn man so will, war das der Grundstein fĂŒr seine heutigen Unternehmungen.
Starttech Ventures
Starttech Ventures heiĂt sein Unternehmen, das die Klammer zu allen seinen Unternehmungen und Beteiligungen bildet. Man könnte es als Inkubator bezeichnen oder als Company-Builder. Die Grundidee von Starttech Ventures ist folgende: Ăber Beratungsdienstleistungen und Forschungsprojekte werden erste Prototypen und Produkte entwickelt. Aus diesen werden dann eigene Firmen gegrĂŒndet, die jedoch unter dem Dach von Starttech Ventures als Investor bleiben. Systemadministration, Office, RechtsanwĂ€lte, Finanzen etc. werden zentral organisiert und sparen damit Kosten und Overheads und die GrĂŒnder können sich um das KerngeschĂ€ft kĂŒmmern. Insgesamt hat Starttech so in den Jahren 2003 bis 2011 12 Firmen gegrĂŒndet und Investitionen in Höhe von 4 Millionen Euro getĂ€tigt. Da es das Prinzip der Risikofinanzierung in Griechenland noch nicht gab, hat Dimitris den gröĂten Teil ĂŒber private Kredite eingebracht â ein hohes Risiko, das sich aber wohl ausgezahlt hat. Inzwischen arbeiten ĂŒber 50 Mitarbeiter in den aktuellen Projekten und Unternehmen.
Die Projektleiter der neuen Projekte werden zu GrĂŒndern und erhalten Gehalt und Anteile von den NeugrĂŒndungen. Was sich am Anfang noch rein instinktiv entwickelt hat, ist inzwischen als Inkubationsprozess formalisiert und Starttech Ventures grĂŒndet kontinuierlich weitere Unternehmen. Nicht alle erfolgreich, aber doch recht viele davon.
Das wirtschaftlich erfolgreichste Startup aus der ersten Serie war Abzorba Games, ĂŒber das ich hier schon berichtet hatte. Aber auch andere Unternehmen wie Epignosis entwickeln sich immer weiter. Epignosis ist mit dem Produkt eFront einer der bekanntesten europĂ€ischen Anbieter fĂŒr eLearning-Software und expandiert selbst inzwischen rasant mit weiteren Produkten wie TalendLMS, die ich vor drei Jahren hier vorgestellt habe, und ganz neu Snapico.
Und es geht gerade so weiter. Zur Familie von Starttech gehören unter anderem yodeck, eine Plattform fĂŒr die Steuerung digitaler WerbeflĂ€chen, Pakia, eine Plattform zur Verwaltung von Versicherungen, oder Elurus zur Verwaltung der Finanzen und Rechnungen fĂŒr kleine Unternehmen. Insgesamt findet man im Portfolio von Starttech Ventures aktuell 14 Unternehmen.
Spannend finde ich, dass Dimitris von Griechenland aus inzwischen auch international investiert, wie beispielsweise in das russisches Startup Mailburn oder das israelische Startup Take&Make.
Vielseitiges Engagement als âaktiver BĂŒrgerâ
Wenn man Dimitris AktivitĂ€ten verfolgt, fĂ€llt auf, wie viel er neben den GrĂŒndungen noch macht. In den Sozialen Netzen ist er omniprĂ€sent, er schreibt Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen in Griechenland, war einer der Treiber und GrĂŒnder des griechischen Startup-Verbandes und fĂŒnf Jahre PrĂ€sident der European Confederation of Young Entrepreneurs (YES). DarĂŒber hinaus ist er Board Member im European Business Angel Network EBAN.
Durch dieses Engagement und oft kritische ĂuĂerungen zum aktuellen politischen Geschehen in Griechenland eckt er sicherlich auch an und wurde schon oft gefragt, ob er Politiker werden will. Dem widerspricht er und sieht sich selbst einfach nur als âaktiver BĂŒrgerâ.
Ich habe groĂen Respekt vor seinem Engagement und seinen vielen wichtigen BeitrĂ€gen im sich immer schneller entwickelnden Startup Ăkosystem Griechenlands.
Portrait von Dimitris Tsigos - der Serieninkubator und vieles mehr @tsigos #startupGR Der Serieninkubator Wenn man sich mit der griechischen Startup-Szene beschÀftigt, kommt man nicht umhin, sehr bald auf Dimitris Tsigos zu treffen.













