Der Spieletest: Junior Parlamentarier oder der infantile Abzocker, ab 10 Jahren
Die Junior-Ausgabe des Spieleklassikers rund ums groĂe Absahnen als Volkstreter in der absurdistanischen Nationalversammlung. Nun können sich auch die kleinen ĂĄ la Greta ins profitable GeschĂ€ft des âPeopleâs Mockingâ stĂŒrzen. ZunĂ€chst darf sich der Spieler eine lustige Farbe aussuchen. Zur VerfĂŒgung stehen da rot, grĂŒn, schwarz, gelb oder blau. Je nach Colouring darf sich unser angehender Jung-Abkassierer in einer politischen Rolle ĂŒben (der Einfachheit halber verwenden wir hier das Maskulinum):
Der âahnungslose Schwurblerâ (Rot/GrĂŒn/Gelb/Schwarz). Verachtete das einfache Volk und drischt gerne Phrasen in Form ideologischer Parolen ohne RealitĂ€tsbezug. Mit dem typischen Hintergrund âKreissaal-Hörsaal-Plenarsaalâ versteht er von der Lebenswirklichkeit der unglĂŒcklichen Bewohner Buntlands alias Absurdistans so viel wie die Kuh vom Stuhlgang.
Der âAbzock-Königâ (Gelb/Schwarz), der in alter christlicher Tradition mit frommen SprĂŒchlein und allerlei pseudo-moralischem Getue die steuerzahlende Bevölkerung ausnimmt wie die berĂŒhmte Weihnachtsgans.
Der âbigotte BuĂpredigerâ mit WeltrettungsallĂŒren (Rot/GrĂŒn). Ăhnlich dem König der Abzocker, nur dĂŒmmer. Widerspricht sich des Ăfteren und wird gelegentlich bei einer plumpen LĂŒge erwischt. Auch predigt er gerne dem niederen Volk Verzicht, wĂ€hrend er in Saus und Braus lebt.
âThe Lord of Incompetenceâ (GrĂŒn). Hat zwar keinen Ring der Macht, aber verfĂŒgt ĂŒber eine ausgezeichnete Vernetzung â fĂŒr die Ălteren unter uns: HieĂ mal frĂŒher Korruption und Vetternwirtschaftâ und ist völlig unbelastet von einem abgeschlossenen Studium oder irgendeiner Berufsausbildung.
âDer Tricksterâ oder âDon Plagiatosâ (Rot/GrĂŒn/Schwarz/Gelb). Ăhnelt dem âLord of Incompetenceâ, hat aber in der Regel ein abgeschlossenes Studium, das er mit Hilfe von âCopy & Pasteâ und den Arbeiten anderer erwarb.
âDer GroĂinquisitorâ (Rot/GrĂŒn). Ob Faschismus, Sozialismus oder quasireligiöse Ideologien â egal! Er dient dem aktuell in Mode seienden totalitĂ€ren Zeitgeist und verfolgt mitleidlos Andersdenkende. Jede Form der Kritik an ihm oder seiner Ideologie, sei sie nun berechtigt oder nicht, fasst unser spĂ€te Nachfahre Torquemadas als direkten Angriff auf das Staatswesen auf.
Der âirre Apokalyptikerâ, von manchen auch âDoomesday Charlieâ genannt (Rot). Eine sehr spezielle Rolle, die in gewisser Weise dem âbigotten BuĂpredigerâ Ă€hnelt. Obwohl unser Weltuntergangsprophet gar fette Provisionen speziell von einer reich mit Steuergeldern gemĂ€steten Pharmaindustrie erhĂ€lt, ist er doch im klinischen Sinne mit einer asozial narzisstischen Persönlichkeitsstörung geschlagen und ein notorischer LĂŒgner.
Die âbekloppte Marionetteâ (grĂŒn). Von höheren MĂ€chten mit weltwirtschaftlich foristischem Hintergrund ins Amt gebracht und von intellektuellen FĂ€higkeiten weitestgehend befreit, verfolgt sie mit eifrigem Dilettantismus deren Agenda.
Der âprofitorientierte Umfallerâ oder auch âder nĂŒtzliche Idiotâ (schwarz/gelb). Markige SprĂŒche absondernd, aber ohne RĂŒckgrat, wenn es darum geht fĂŒr die vorher propagierten Ăberzeugungen einzutreten. Aber wenig ĂŒberraschend, da ihn im Grunde nur die eigene Bereicherung interessiert.
Der âpolitische Underdogâ (Blau). Leider endet hier das Spiel, bevor es angefangen hat. Als Paria des absurdistanischen Parlamentes fĂŒhrt der Spieler sowieso nur eine Randexistenz und wofĂŒr er letztlich steht, ist eigentlich völlig belanglos.
Ist die politische Rolle ausgewĂ€hlt, bieten sich spannende Abenteuer fĂŒr den angehenden Berufspolitiker. Versteckt unter hohen StaatsĂ€mtern und im âSumpf der Lobbyistenâ lĂ€sst sich so mancher Schatz heben. Durch das geschickte Verschieben von steuerfinanzierten AuftrĂ€gen kann der Spieler so manchen fetten Gewinn einstreichen. Sollte unser infantiles Parlamentsmitglied aus kryptischen GrĂŒnden nicht zum Zuge kommen, dĂ€mlich oder einfach nur stinkfaul sein, ist dennoch ein gewisser Reichtum garantiert.  Pro Spielrunde wird ein ĂŒppiges Gehalt gezahlt, das sich die Spielenden mit einfacher Mehrheit nach Gusto erhöhen dĂŒrfen.
Ebenso kann der jeweilige Spieler pro Turn eine beliebige Steuererhöhung beschlieĂen, deren Einnahmen in den âSumpf der Lobbyistenâ geworfen werden. Die darauf gezogene Ereigniskarte sorgt fĂŒr einen komödiantischen Touch des Spiels, da dort ein beliebiger Vorwand hinsichtlich der zusĂ€tzlichen Besteuerung genannt wird â ein HeidenspaĂ fĂŒr alle Nachwuchsparlamentarier. Sodann wird eine âGemeinwohlkarteâ gewĂ€hlt, die bestimmt, welche Belohnungen und Geschenke nach Versenken der Steuergelder dem groĂzĂŒgigen Volksvertreter von den höheren FinanzmĂ€chten zuteilwerden.
Je nach der Rolle, die im Vorfeld ausgesucht wurde, gelten einige Sonderregeln. So darf der âAbzock-Königâ gleich zwei Steuern pro Runde erhöhen. Ăhnliches gilt fĂŒr den âbigotten BuĂpredigerâ, der unter dem Vorwand âWeltrettungâ eine beliebige Zusatzsteuer (âBepreisungâ) erheben kann, wenn die âbekloppte Marionetteâ zustimmt. Der âGroĂinquisitorâ hat die Möglichkeit einen beliebigen Spieler wegen politischer Unkorrektheiten oder weil ihm seine Nase nicht gefĂ€llt eine Runde aussetzen lassen, wĂ€hrend der âprofitorientierte Umfallerâ sowieso nur mit Erlaubnis der anderen mitspielen darf. âThe Lord of Incompetenceâ und der âirre Apokalyptikerâ können jeden 5. Turn unbegrenzte Steuermittel in den Sumpf zu werfen und jeweils 2 Gemeinwohlkarten zu ziehen. âDoomesday Charlieâ bekommt jede 10. Runde Besuch von Dr. Todd alias âdie Nadelâ und erhĂ€lt zusĂ€tzlich prĂ€chtige Geschenke von einem Gönner namens âBig Pharmaâ.
Junior Parlamentarier besticht ebenfalls durch seine liebevoll kreierte Ausstattung. Schon allein die vergoldeten Flugzeugmodelle der Flugbereitschaft fĂŒr reiselustige Staatsminister und die prĂ€chtigen Dienstwagenminiaturen Marke Spritschleuder fĂŒr die einfachen Parlamentsmitglieder sind eine wahre Augenweide. Alles in allem ein Spiel, das auch den kleinen die Finessen des Politikbetriebs aufzeigt.
© 2022 Q.A.Juyub/H.K.H Jeub










