Marina Tsareva | Twitter
Part I
Content Note: Astarions Verhalten kann hier als versuchter Missbrauch gesehen werden. Take Care!
Eine Hand legte sich von hinten auf Dorns Schulter. They hatte, mit einem Weinglas in der Hand, die FĂŒĂe hochgelegt und genoss die Tatsache, dass um sie herum wieder Leben herrschte, auch, wenn es das Leben von FlĂŒchtlingen eingepfercht zwischen Harfnern in einem Gasthaus war. Aber they wollte nicht wĂ€hlerisch sein.
Ein wenig verdutzt sah they auf, um Astarion hinter sich stehen zu sehen. âDarf ich mich dazu setzen?â
Mit einem fĂŒr ihn untypischen LĂ€cheln umrundete er Dorn und lieĂ sich neben them auf einen Stuhl fallen, ohne their Antwort abzuwarten.
âEndlich wieder lebendige Leute. Ich hatte schon befĂŒrchtet, Ketheric wĂŒrde der einzige GesprĂ€chspartner bis Baldurs Gate werden.â Er lieĂ seinen Blick durch den Gastraum schweifen, bevor er wieder auf Dorn zu ruhen kam.
âIch hĂ€tte nicht gedacht, dass ausgerechnet Du mehr Gesellschaft willst⊠und dann auch noch solche.â Dorn nickte in Richtung der Harfner, die in einer Ecke ĂŒber einen Tisch voller Karten und Dokumente gebeugt standen und heftig diskutierten.Â
Mit gespieltem Entsetzen sah Astarion them an. âWas? Heruntergekommene, dreckige Möchtegern-Helden? Sehe ich etwas nicht so aus, als wĂŒrde ich dazu passen?â
Dorn sparte sich die Antwort.Â
Astarion lachte leise und versetzte Dorn einen leichten Klaps auf den Arm. Ohne die Hand danach wieder weg zu nehmen. âSagen wir, ein Kunstwerk braucht⊠eine Leinwand. Einen Kontrast, damit man seine Schönheit zu schĂ€tzen weiĂ. Apropos, wo steckt eigentlich unser groĂer Freund?â
âHalsin?â Astarion schien einfach nicht zu wissen, wie er kein Arschloch war. âEr ist mit Jaheira verschwunden. Scheinbar kennen sich die beiden.â
âHm.â Astarion nahm Dorn das Weinglas aus den Fingern und nippte daran. âGötter, der ist ja furchtbar. Ich werde nachsehen, ob sich fĂŒr uns nicht etwas besseres finden lĂ€sst⊠wie ich Mol kenne, hat sie sich das Beste schon unter den Nagel gerissen.â Damit stand er auf und schlenderte davon, das Weinglas noch in der Hand.Â
Stirnrunzelnd sah Dorn ihm nach. Gestern hatte er them angeschrien, und jetzt gab es ein uns, nachdem sie seitdem kein Wort gewechselt hatten.
Aber bevor Dorn dieses vage Unbehagen in Worte kleiden konnte, kam Astarion schon wieder auf them zu, mit einem fröhlichen HĂŒftschwung und einer Flasche Wein und zwei GlĂ€sern in der Hand.
âWas habe ich gesagt. Ich wĂŒrde das kleine Schlitzohr ja fast bewundern, wenn sie dabei nicht mir im Weg stĂŒnde.â Er lieĂ sich wieder auf den Stuhl fallen und schenkte ihnen ein.Â
Noch bevor Dorn den Wein probierte, stieg them der Geruch in die Nase, sĂŒĂ und schwer. Der Wein war um einiges schwerer als das Glas, das Astarion them weggenommen hatte, aber das fiel them erst nach einigen Schlucken auf. Der sĂŒffige Geschmack verbarg die StĂ€rke des Alkohols gut.
âVersuchst Du mich betrunken zu machen, damit Du spĂ€ter etwas davon hast?â
Astarion legte den Kopf in den Nacken und lachte. Ein perlendes, fröhliches Lachen, das beinahe echt klang. âNein. Ich wollte nur verhindern, dass Du den Rest des Abends einsam in dieser Ecke verbringst.â
Dorn warf ihm einen Blick zu, aber they konnte in den roten Augen nichts entdecken. âUnd jetzt willst ausgerechnet Du mir Gesellschaft leisten?â
Astarion zog einen Schmollmund. âHast Du etwas gegen mich?â
âNein⊠aber-â
âNa also.â Astarion legte die FĂŒĂe auf einen Stuhl. Er wirkte ĂŒberraschend selbstzufrieden dafĂŒr, dass er nichts anderes tat als die Leute zu beobachten und Dorn hin und wieder Wein nachzuschenken.
Eine Weile lieĂ Dorn die Stille zu, aber sie wurde sehr schnell unangenehm. Ein leicht verĂ€chtlicher Zug hatte sich in die Mundwinkel des Vampirs geschlichen, wĂ€hrend er die Harfner und die Tieflinge beobachtete. Und irgendwie Ă€rgerte Dorn das. Vielleicht, weil Astarion die Leute verachtete, die zu retten they sich die MĂŒhe gemacht hatte zu retten. Vielleicht, weil da eine leise Stimme in their Hinterkopf war, die ihm beipflichtete. Die die Tieflinge verachtete weil sie schwach waren, und die Harfner, weil sie von Hoffnung verblendet waren.
âSag nicht, jetzt habe ich dir die Laune verdorben.â Astarion lehnte sich zu them hinĂŒber, um Wein nachzuschenken, obwohl their Glas noch zu einem drittel gefĂŒllt war.
Dorn schĂŒttelte den Kopf, einfach, um eine Diskussion zu vermeiden, aber Astarion schien unbedingt Konversation betreiben zu wollen.
âWas ist es dann? Du siehst aus, als wĂ€re der Wein plötzlich sauer geworden.â
They stĂŒrzte den Wein hinunter. âVielleicht habe ich einfach genug Leute fĂŒr heute gesehen. Ich glaube, ich gehe ins Bett.â
Astarion hatte die Dreistigkeit, beinahe ein wenig bestĂŒrzt auszusehen, als they aufstand, aber der Ausdruck verschwand sofort wieder aus seinen Augen. Halsin war immer noch nirgendwo zu sehen, Schattenherz und Karlach lieferten sich an der Theke irgendeinen Wettbewerb. Dorn schlĂ€ngelte sich an der kleinen Traube vorbei, die sich um die beiden Frauen gebildet hatte, und stieg die Treppe ins Obergeschoss hinauf. Obwohl in dem Gasthaus nicht viel Platz war, hatte man ihnen eines der Zimmer frei gerĂ€umt. Es wĂŒrde eng werden, aber immer noch besser, als drauĂen im Schattenfluch zu campieren.
Die Treppe knarrte hinter them und Dorn drehte sich um, nur um festzustellen, dass Astarion them gefolgt war. Mit einem entschuldigenden LĂ€cheln hielt er die Weinflasche hoch. âIch werde den Teufel tun und den Rest den anderen ĂŒberlassen. Und alleine trinken macht keinen SpaĂ.â
âNa schön.â Im Gegensatz zu dem, was they gesagt hatte, wollte they nicht alleine sein, und wenn Astarion die einzige Gesellschaft war, die they bekommen konnte⊠Immerhin war er keine Taverne voller Leute, die diese Stimme in their Hinterkopf wieder weckte.
Der Raum, den man ihnen ĂŒberlassen hatte, hatte einen kleinen Balkon, auf den kaum zwei Personen passten, aber die frische Luft, die hier frei von dem klammen GefĂŒhl des Schattenfluchs war, schlug Dorn ins Gesicht als wĂ€re they gegen eine Wand gelaufen. Their Kopf schwamm ein wenig, und unwillkĂŒrlich griff they nach dem GelĂ€nder des Balkons. So viel hatte they doch gar nicht getrunken, oder?Â
Astarion trat neben them, so dicht, dass sich ihre Arme berĂŒhrten. âIch hĂ€tte gedacht, dass dir heute mehr nach Feiern ist.â Er hatte den vergnĂŒglichen Ton abgelegt und klang jetzt beinahe ernst.
âUnd was bitte hĂ€tte ich feiern sollen?â
Er zuckte mit den Schultern. Dorn spĂŒrte die Bewegung. âDass es noch andere Ăberlebende gibt? Dass deine Tieflingfreunde nicht unterwegs allesamt verreckt sind? Dass wir hier nicht alleine kĂ€mpfen?â
âSeit wann legst Du Wert auf Gesellschaft?â Them war wage bewusst, dass they sich wiederholte, aber Astarion seufzte nur leise.Â
âEin bisschen Gesellschaft ist nicht immer verkehrt, weiĂt Du?â TĂ€uschte Dorn sich, oder lehnte sich der Vampir leicht an them? âEs kommt immer nur auf die Gesellschaft an.â
âPass auf, das klingt fast nach einem Kompliment.â They spĂŒrte seine NĂ€he an their Seite, die Locken, die ĂŒber their Wange strichen. Hatte er den Kopf auf their Schulter gelegt? Wann?
âDas musst Du dir eingebildet haben.â Astarion lachte leise, als hĂ€tte they einen geheimen Witz erzĂ€hlt, den nur sie beide verstanden. âNoch Wein?â Er hielt them die Flasche hin, aber Dorn schĂŒttelte den Kopf und versuchte, etwas Abstand zu gewinnen, aber dafĂŒr war der Balkon schlicht zu klein.
âIch glaube, ich habe fĂŒr heute wirklich genug gehabt.â
âWie Du meinst.â Astarion klang betont gleichgĂŒltig, aber es lag etwas in seiner Stimme, dass they nicht zuordnen konnte. âIch schĂ€tze, dann ist es Zeit, dass ich mich entschuldigeâŠâÂ
Dorn spĂŒrte, wie sein Atem ĂŒber their Haut strich. âWas-â Their Herz schien einen Schlag auszusetzen, als Astarions Lippen ĂŒber their Hals strichen, zielsicher die Stelle fanden, wo die Adern direkt unter der Haut lagen, wo er direkt their Nerven zu kĂŒssen schien. Ein Schauer durchlief them, heiĂ und elektrisierend. âAst-â
âShhh. Ich weiĂ, dass Du das willst.â Astarions HĂ€nde fuhren ĂŒber their HĂŒfte, zogen them noch enger an ihn.Â
FĂŒr einen Moment schwankte Dorn. Alles drehte sich um them, und es war so verlockend, sich einfach Astarion hinzugeben. So einfach. Seine HĂ€nde wanderten ĂŒber their Oberkörper, als wĂŒsste er genau, wonach er suchte.
âWarte⊠Warte!â Es kostete them einige Anstrengung, sich von Astarion zu lösen, vor allem, weil er them nicht gehen lassen wollte. âWas soll das auf einmal?âÂ
âWillst Du etwas behaupten, es gefĂ€llt dir nicht?â Astarion wollte wieder einen Schritt auf Dorn zumachen, aber they verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust.Â
âIch- nein!âÂ
Astarion verzog den Mund, alle ZĂ€rtlichkeit, alle Freundlichkeit mit einem Mal verschwunden. ZurĂŒck geblieben war nur die kalte, arrogante Distanziertheit, die Dorn von ihm gewohnt war. âNa schön. Was willst Du dann?â
âWovon redest Du?!â
Er verdrehte die Augen und griff wieder nach der Weinflasche, die er auf dem Boden abgestellt hatte. âDein Blut. Ich bin schon misstrauisch geworden, nachdem Du so lange nichts dafĂŒr wolltest, und nachdem Du mich gestern angeschrien hastâŠâ Er zuckte mit den Schultern und nahm einen groĂen Schluck direkt aus der Flasche. âIch bin auf dich angewiesen, gerade hier. Also, was ist dein Preis?â
Deshalb hatte er mir them schlafen wollen? Dorn wusste nicht, ob they verletzt oder beleidigt sein sollte. They entschied sich fĂŒr beleidigt. âDeshalb Sex? Dachtest Du, ich bin so billig zu haben?!â
âVerrĂ€tst Du mir vielleicht, was ich stattdessen hĂ€tte machen sollen, Mister Neunmalklug?! Einen Heiratsantrag?!â
âEs hĂ€tte gereicht, wenn Du deinen Kopf aus deinem Arsch gezogen und mit mir geredet hĂ€ttest!â
âDamit Du mich wieder anschreien kannst, was fĂŒr ein tragisches Schicksal Du doch hast und wie wenig Du doch fĂŒr alles kannst?â Astarion spuckte Dorn vor die FĂŒĂe. âĂberraschung, Du bist leider nicht der einzige!â Damit verschwand er wieder im Haus noch bevor Dorn etwas sagen konnte, und lieĂ them in der kalten Nacht zurĂŒck.
















