Goethe nach Schiller:
#post mortem-Masterpost
"âŠunleidlicher Schmerz ergriff mich, und da mich körperliche Leiden von jeglicher Gesellschaft trennten, so war ich in traurigster Einsamkeit befangen.
Meine TagebĂŒcher melden nichts von jener Zeit; die weiĂen BlĂ€tter deuten auf den hohlen Zustand, und was sonst an Nachrichten sich findet zeugt nur, dass ich den laufenden GeschĂ€ften ohne weiteren Anteil zur Seite ging, und mich von ihnen leiten lieĂ, anstatt sie zu leiten."
Goethe ĂŒber die Zeit nach Schillers Tod, Tag- und Jahreshefte 1805
"Seit der Zeit dass ich Ihnen nicht geschrieben habe, sind mir wenig gute Tage geworden. Ich dachte mich selbst zu verlieren, und verliere nun einen Freund und in demselben die HĂ€lfte meines Daseins."
Goethe an Zelter, nach Schillers Tod im Mai, 01.06.1805
"Ich kann, ich kann den Menschen nicht vergessen!"
Goethe ĂŒber Schiller, zur Schauspielerin Amalie Wolff bei der Probe des Epilogs zu Schillers Glocke, den Goethe zu dessen Andenken gedichtet hatte und woraufhin er um eine Pause bat, um sich zu erholen, Weimarer Sonntagsblatt 1857
"Man hat mich vielfĂ€ltig getadelt, dass ich nicht auf unserm Theater, wie es andernwĂ€rts geschah, eine Totenfeier [fĂŒr Schiller] veranstaltete. Wie konnte ich das? Ich war vernichtet!"
Goethe in einem GesprÀch mit Carl Friedrich Anton von Conta im Mai 1820
"âŠund wenn ich jetzt ins Theater komme und sehâ nach seinem Platz, und muss es glauben, dass er in dieser Welt nicht mehr da ist, dass diese Augen mich nicht mehr suchen, dann verdrieĂt mich das Leben, und ich möchte auch lieber nicht mehr da sein."
Goethe ĂŒber Schiller, in einem GesprĂ€ch mit Bettine Brentano, 1806
"Je mehr Goethe ĂŒber sein Leben nachdenkt, je mehr fĂŒhlt er, wie ihm Schiller niemand ersetzen kann. Vorigen Winter, wo wir in seiner Loge mehrere GesprĂ€che ĂŒber die Kunst und Geschmack hatten, sagte er so schmerzlich, wie er jetzt so allein in der Welt stehe!"
Charlotte Schiller an Gottfried Körner, 1810
"Ich brachte dann Schillers âDreiĂigjĂ€hrigen Kriegâ und empfahl mich wieder.
Als ich abends zu Goethe kam, bemerkte ich, dass ihm [TrĂ€nen] ĂŒber die Wangen herabrollten. Ich fragte erstaunt: »Exzellenz, was ist Ihnen geschehen?«
»Nichts, Freundchen«, erwiderte er, »ich bedaure nur, dass ich mit einem solchen Manne, der so etwas schreiben konnte, einige Zeit im MissverstĂ€ndnisse leben konnte. Schiller wohnte drei HĂ€user von mir, und wir besuchten uns nicht, weil ich, von Italien zurĂŒckkommend, vorwĂ€rtsgedrungen war und die durch Schiller veranlassten RĂ€ubergeschichten nicht vertragen konnte.«"
Goethe ĂŒber die Zeit vor seiner Freundschaft mit Schiller, Joseph Sebastian GrĂŒner, 1822
"âŠmein Vater ist seit gestern ĂŒber das Bevorstehende so ergriffen, dass ich fĂŒr seine Gesundheit fĂŒrchtete. Heute frĂŒh 6 Uhr lieĂ er mich kommen, um mir mit TrĂ€nen zu eröffnen, dass es ihm unmöglich sei, dem heutigen feierlichen Akte selbst beizuwohnen."
Goethes Sohn August an Schillers Sohn Ernst, 17.09.1826, wegen der Feierlichkeiten zur Niederlegung von Schillers SchÀdel in der Weimarer Bibliothek; Goethe sollte eine Rede halten, August vertrat ihn dann:
"âŠdoch am heutigen morgen wurden in ihm alle die GefĂŒhle mĂ€chtig rege, welche jene Vergangenheit vorĂŒberfĂŒhrten, wo er mit seinem geliebten, unvergesslichen Freunde Friedrich von Schiller die schönsten Tage verlebt, auch manche Trauer erduldet hatte, âeinem Freunde und Zeitgenossen, dessen frĂŒher Tod einen Riss in das Leben meines Vaters brachte, welchen weder Zeit noch Mitwelt zu heilen im Stande war."
August von Goethe, Rede bei Niederlegung von Schillers SchĂ€del auf der Bibliothek in Weimar am 17. September 1826, welche August aus obigen GrĂŒnden Stellvertretend fĂŒr seinen Vater halten musste.