Fazit
Wie immer an dieser Stelle die Frage: Würde ich diese Tour noch einmal fahren?
Antwort: Eindeutig ja!
Sardinien ist ein Insel mit toller Landschaft, Bergen bis 1800m und vielen schönen Stränden. Die Auswahl an schönen Strecken zum Motorradfahren ist schier unendlich, von grandiosen Panoramastrecken entlag der Küste bis zu landschaftlich tollen Strecken im Inneren der Insel. Um annähernd alle interessanten Strassen der Insel abzufahren, bedarf es locker 2 Wochen oder noch mehr. Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass mir diese eine Woche mit täglichen Touren zwischen 214 und 267km gereicht hat. Am Ende der Woche war ich übersättigt mit Kurven und platt - besser wäre es sich etwas mehr Zeit zu nehmen und ab und zu einen Ruhetag einzulegen, dann macht das Kurvenfahren auch zum Schluss noch richtig Spass.
Ich werde aber bestimmt wieder kommen um den Rest der Strassen auch noch unter die Räder zu bekommen!
Generell Sardinien erfreut sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit, vor allem in der Biker-Szene und es werden von Jahr zu Jahr mehr Besucher - auch durch Verbreitung der Fotos in den sozialen Medien. Ich hoffe dass es irgendwann mal stagniert, bevor es zu touristisch wird und man keine ruhige Ecke mehr findet. Momentan findet man noch kleine Orte die nicht überlaufen sind, die Tendenz ist aber eindeutig zu mehr Andrang. Wenn man sich die Anzahl der täglichen Fähren und Flüge ansieht, fragt man sich wie diese doch recht überschaubare Insel das alles verkraftet. Zum Glück verteilt sich das alles (noch) recht gut auf die ganze Insel.
Generell kann man sagen dass der Norden mit der Costa Smeralda der Hotspot ist, was sich auch in den Preisen widerspiegelt. Je weiter man in den Süden kommt, desto humaner werden die Preise und man kann sehr gut essen zu erschwinglichen Preisen. Dabei steht der Süden in Sachen Stränden und Landschaft dem Norden kaum nach - klare Empfehlung also für ein Hotel im Süden um von dort aus die Insel zu erkunden! Mobil sollte man auf jeden Fall in irgendeiner Art sein, es wäre einfach zu schade auf dieser tollen Insel nur an einem Ort zu bleiben.
Überall gibt es kleine oder etwas grössere Supermärkte und Tankstellen, die Versorgung ist also kein Problem. Preise für Super E5 lagen zwischen 1,91 und 2,00 €.
Reisezeit Laut übereinstimmenden Aussagen sollte man die Hauptreisezeit im Sommer dringend meiden. Dann hat Italien Schulferien, die Temperaturen steigen auf deutlich über 30°C und es hat natürlich auch viel mehr Touristen als in der Vor- oder Nachsaison. Ich empfand die Situation aktuell als angenehm, kann mir aber gut vorstellen was in der Hauptsaison auf den Strassen, Stränden und in den Orten los ist.
Da in den Bergen oftmals Schilder zu sehen sind, die sogar Schneeketten verlangen, scheint es wohl im Winter in den höheren Lagen durchaus Schnee zu geben - dürfte also als Motorrad-Reisezeit eher wegfallen.
Anfang der Woche hatten wir morgens beim Losfahren noch 14-16°C, was dann gegen Mittag in angenehme 22-24°C überging. Ab Mitte der Woche waren es morgens gegen 9-10h schon 25°C und steigerte sich zum Mittag auf teilweise über 30°C. Die weitere Tendenz war steigend - im Rest von Europa allerdings auch.
Verkehr Wer nach Italien fährt, muss wissen auf was er sich einlässt. Es fängt auf der Autobahn an, wo gerne mal bis auf wenige Meter aufgefahren wird und das Überholen dann im Abstand von 50cm erfolgt (nicht nur auf der Autobahn - auch auf Sardinien war das stellenweise so). Spurwechsel ohne ersichtlichen Grund - natürlich ohne Blinker - sollte einem nicht überraschen aber der Schwerpunkt liegt eindeutig in der Achtsamkeit auf den Verkehr hinter einem. Tempobeschränkungen werden offensichtlich als gut gemeinte Empfehlungen interpretiert und so darf man sich nicht wundern, wenn in einer Autobahnbaustelle mit 50er Beschränkung die Autos mit über 100km/h durch rauschen.
Auf Sardinien scheint es, als ob eine Schiffsladung mit 50er Schildern ankam und grosszügig überall auf der Insel verteilt wurden - natürlich hält sich ausser Touristen niemand daran. Es ist sogar gefährlich sich an die Limits zu halten, da man damit deutlich langsamer als der Rest der Fahrzeuge ist und somit zum rollenden Verkehrshindernis wird, was riskante Überholvorgänge zur Folge hat. Generell scheinen ausserorts mindestens 20km/h über der erlaubten Geschwindigkeit das Mass der Dinge zu sein.
Eine weitere Unart ist die Angewohnheit der Italiener, Linkskurven gerne zu schneiden und die Gegenspur zu nutzen. Ich würde behaupten 9 von 10 entgegenkommenden Autos fahren über der durchgezogenen Linie, was die Ideallinie für meine Rechtskurve schon potentiell gefährlich macht. Also immer etwas Spielraum einplanen, um im Notfall ausweichen zu können!
Auch unter den Motorradfahrern gibt es viele verkappte Valentino Rossis, die meinen knieschleifend mit hohem Tempo die Kurven zu nehmen - auch wenn sie uneinsehbar sind. Mich hat es gewundert dass wir die gesamte Woche keinen Unfall gesehen haben, nach meinem Gefühl müsste es da täglich krachen!
Noch ein Wort zum Thema Radfahrer: Natürlich gibt es auch hier die unvermeidlichen Radfahrer (Rennradfahrer aber auch Muddi und Vaddi auf ihren E-Bikes) die sich den Berg hochquälen und sich mangels Radwegen oder Radspuren die Strasse mit dem motorisierten Fahrern teilen müssen. Ich würde für kein Geld der Welt bei der Fahrweise der meisten hier auf einem Fahrrad diese Strassen befahren!
Fähre Wir fuhren mit GNV, beidesmal mit der M/N Rhapsody, einer echt grossen Fähre mit Bar, Restaurants und einem grossen unbenutzen Theater mit richtiger Bühne. Je nach Vorlaufzeit der Buchung kann man eine Hin- und Rückfahrt für ca. 150-160€ ergattern, je näher die Abfahrt rückt, desto höher werden natürlich die Preise. Das gilt auch für die Kabinen, die als Innenkabine auch schon ab 50-60€ pro Fahrt erhältlich sind (ich habe 60€ für meine spontan an Bord gebuchte Innenkabine gezahlt). Die Kabinen sind die üblichen Standardkabinen mit 4 Klappbetten, die je nach Belegung genutzt oder hoch geklappt werden können. Ein kleines Bad mit Dusche und WC - das wars dann auch schon. Regelung der Klimaanlage findet mit einem etwas versteckten Hebel hinter eine Deckenverkleidung statt, die lediglich die Luftzufuhr regelt und ganz geschlossen werden kann.
Ganz zum Schluss Ich hoffe der Bericht kann einen kleinen Eindruck vermitteln, welch schöne Insel da in der Adria liegt.
Wer Fehler findet darf sie mir gerne im Kommentar mitteilen - oder rahmt sie sich ein und hängt sie an die Wand.
Ich schreibe diesen Blog, da ich im Vorfeld solcher Reisen auch gerne im Internet stöbere und froh bin, wenn ich aktuelle und hilfreiche Berichte finde. Sollte jemand Interesse an den GPX Dateien der einzelnen Tage haben, kann er mir gerne sein Mailadresse hinterlassen und ich schicke sie dann zu. Sollte dir der Bericht gefallen haben, hier sind noch die Links zu meinen bisherigen Reisen mit dem Motorrad, die ich auch hier dokumentiert habe:
2015 - USA - Ghostrider Tour: Coast to Coast (LA nach Orlando)
2017 - USA - Canyon Highlights: Las Vegas Rundtour
2018 - Irland
2025 - Südosteuropa: Albanien - Montenegro - Kroatien
Sollte es Probleme beim Aufrufen der Seiten geben, hier nochmal eine Liste mit Alternativ-Links:












