Vor langer, langer Zeit...
...lebte das wunderschöne Dornröschen mit ihrer ganzen Familie in ihrem weißen Schloss. Sie liebte die grüne Natur um sie herum, ihre kleinen Geschwister und ihren Großvater, arbeitete hart und tat alles, um ihren Eltern zu gefallen. Schon als kleines Mädchen hatte sie auf ihren Prinzen auf dem weißen Pferd gewartet und als dieser dann wirklich kam, war sie glücklicher denn je. Prinz Phillip und die Prinzessin wollten nichts mehr als für immer vereint zu sein, doch das hätte die Eltern niemals erlaubt - sie war schließlich erst 17! Deshalb ging Dornröschen zu ihrem Bruder, dem Großmagier des Westens, und bat ihn um Hilfe. Er kannte einen Zauber, mit welchem er ihr helfen konnte und die beiden überglücklich und heimlich zusammenleben konnten. Doch gerade, als alles perfekt für das Mädchen zu sein schien, zogen dunkle Wolken auf. Die Prinzessin wachte immer öfter auf und war krank, sie hielt sich nicht mehr an ihre Essgewohnheiten und wuchs ein bisschen aus ihren Maßen. Besorgt suchte sie den Großmagier ein zweites Mal auf und fragte ihn, ob er sie heilen könnte. Mit Schrecken stellten sie fest, dass sein Zauber nicht gewirkt hatte! Aber er bot einen Ausweg. Er kannte einen alten Hexenmeister, der ihr einen Trank geben könnte, der sie wieder gesund machen würde. Dornröschen flüchtete zurück ins Schloss und ihr wurde klar, dass sie einen Schatz hütete. Sie hütete die wohl kostbarste Perle der ganzen Welt. Sie konnte diesen Schatz nicht mehr allzu lang verstecken; ihre Krankheit fiel der Königin auf, und die böse Königin ging zu Großmagier und Hexenmeister und sie berieten sich. Die Prinzessin suchte indessen Schutz bei dem Prinzen, doch dieser enthüllte ihr, dass er schon sehr bald nicht mehr an ihrer Seite sein würde. Ein Krieg und Drachentöten riefen ihn in die Ferne und er konnte und wollte den Schatz nicht beschützen. Dornröschen blieb allein zurück, ehe die böse Königin zu ihr kam und ihre Hilfe anbot. Sie gewährte der Prinzessin eine Audienz mit dem Hexenmeister, die sie im Tausch für einen Teil der königlichen Edelsteine ausgehandelt hatte, doch die Prinzessin wusste, was sie vorhatte – es war eine Falle! Du kannst dein altes, schönes Leben wiederhaben, mit deinen Geschwistern und deinem Großvater, im Schloss und rundherum grüner Natur, sagte die Königin, doch dafür musst du dem Hexenmeister deinen Schatz geben. Die Prinzessin überlegte. Die Perle, die zwar noch ganz klein und vielleicht nicht wertvoll für die böse Königin, den Großmagier, den Prinzen oder den Hexenmeister war, doch für die Prinzessin war sie es schon längst. Also beschloss Dornröschen, nicht zum Hexenmeister zu gehen. Der bösen Königin verschwieg sie das. Allerdings hatte sie den Großmagier vergessen; dieser fand heraus, dass sie den Hexenmeister nicht aufgesucht hatte und wurde furchtbar wütend. Er sah seinen Ruf als der größte Magier des Westens in Gefahr – niemand durfte von seinem Schwindel erfahren, niemand durfte wissen, dass sein Zauber versagt hatte! Dornröschen fand heraus, dass sie nicht die Einzige war, die sein Ansehen in Gefahr brachten. Vier weitere Prinzessinnen, um die der Großmeister einst geworben hatte, waren ebenfalls Opfer seines schwachen Zaubers gewesen, jedoch hatten diese Prinzessinnen ihre Perlen gegen Juwelen getauscht. Doch Dornröschen würde niemals tauschen, und das sah der Großmagier mit Schrecken ein. Seine Lösung war einfach und grausam: wenn der Schatz nicht verschwand, musste eben die Schatzmeisterin verschwinden. Das war der Moment, in welchem er den gerissenen Dieb Schwarzbart zu sich rief und ihm im Schatten den Auftrag gab, Dornröschen zu töten. Die Prinzessin, nun ohne Prinz und ganz allein, die niemals über ihr Geheimnis hatte reden wollen, vertraute sich schließlich aus Verzweiflung einem jungen Ritter an, von dessen Ruf sie in der großen weiten Welt gehört hatte. Er besaß das Talent, mit seinem magischen Schwert jedes Tor der Welt zu öffnen. Er öffnete im Stillen die Türen zu den Gemächern des Großmagiers, erfuhr von dessen dunklen Machenschaften und warnte die Prinzessin vor dem Dieb, der sie schon bald
bei der großen Feier des Königreichs im Schloss holen sollte! Dornröschen war erschüttert und ihr wurde klar, dass die kleine Perle im weißen Schloss niemals sicher sein würde. Also heckte sie zusammen mit dem jungen Ritter einen Plan aus – er machte sie unsichtbar und öffnete erneut die Türen für sie, die sie brauchte, um zu entkommen. Sie wusste, dass der Dieb in der Nähe lauerte, also erstach sie selbst einen Drachen und legte ihn aus, um es wie ihre eigene Haut aussehen zu lassen. So konnte sie den Großmagier vielleicht täuschen, sah es doch so aus, als hatte Schwarzbart wirklich den Drachen getötet. Sie floh im Schutz der Nacht – floh vor der bösen Königin, dem Großmagier und dem Dieb und musste ihre geliebten Geschwister und Großeltern zurücklassen, aber sie tat es für die kleine Perle. Den kostbarsten aller Schätze, den sie eng umschlungen festhielt und über die gesamte Flucht nicht losließ...














