Reisen während Covid-19 ausbrach
Auf Bali habe ich noch nicht viel gemerkt, nur habe ich in den letzten zwei Wochen die Nachrichten verfolgt. In Melbourne fiel mir auf, dass manche Menschen eine Maske trugen, aber es gab noch keine Einschränkungen. Ich war damit beschäftigt meinen Kulturschock zu überwinden. Melbourne hatte ich mir nicht so groß vorgestellt, mit Hochhäusern, einem Bankenviertel, einer Restaurantstraße, nur Parks als Grünflächen. Alles war so sauber und grau. In Beechworth bekam ich mit, dass Leute anfingen die Supermärkte leer zu kaufen.
Erst in Sydney begriff ich das Ausmaß der Pandemie. Mein Hostel war ziemlich leer, ich hatte ein 4er Zimmer für mich. Die Straßen waren wie ausgestorben für eine Metropole. Masken waren verbreitet, an Läden standen extra Schilder: we have masks. Überall wurde desinfiziert: die Badezimmer im Hostel, Rolltreppen, öffentliche Toiletten, in jedem Laden, Café und Restaurant stand Händedesinfektionsmittel. Es gab nur noch Take-away-Gerichte, viele Cafés und Restaurants hatten komplett geschlossen. Galerien, Bibliotheken, Events, Clubs, Bars waren geschlossen. Auch die Strände hatten geschlossen, nachdem sich am Bondi Beach nicht an die Abstandsregel gehalten wurde. Nur noch die Parks dienten als Treffpunkt, zum Sport machen oder Zeit draußen zu verbringen. Auch für mich bleiben sie die einzige Beschäftigungsmöglichkeit. Ich fuhr sogar noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur ausgestorbenen Universität, ins Studentenviertel Newtown und mit der Fähre nach Manly. Auch den Wild Life Zoo schaute ich mir noch an. Dieser war bei meiner Rückkehr nach Sydney auch geschlossen.
Ich bekam langsam Angst, dass ich keine Unterkunft mehr finde, denn auch Hotels, Gästehäuser etc. schlossen. Ich dachte meine einzige Möglichkeit, das durchzustehen ist es, bei Familien unterzukommen oder in einer gemieteten Unterkunft. Auf Workaway wird es schwieriger Leute zu finden, die einen aufnehmen wollen. Ich schrieb mehr Leute als sonst an, aber viele antworteten gar nicht. Jenny antwortete mir schließlich als eine von den sieben angeschriebenen Hosts, dass ich zu ihr kommen könnte.
In Dora Creek bei Jenny werde ich noch frustrierter. Die Selbstisolation war auch hier deprimierend, man ist zwar „zuhause“ bei jemandem, aber man konnte nicht so viel machen, wie man es bei sich zuhause könnte. Meine Träume konnten nicht erfüllt werden. Ich kann kein Surf Camp, keinen Tauchkurs machen und keine neuen Leute mehr kennen lernen, mit denen ich gemeinsam die Ostküste hochreise. Auch da die Grenzen national und international geschlossen wurden: ich kann nicht mehr nach Queensland. Meine Idee, mir einen Greyhound Pass (damit kann man die Ostküste hochreisen mit Stopps in bestimmten Orten) zu kaufen, hatte sich erledigt.
Die Erkenntnis nach drei Wochen Dora Creek war bitter: ich möchte nach Hause, ich möchte nicht mehr für andere Leute ohne Geld arbeiten. Ich kann hier nicht mehr viel sehen bzw. machen. Eigentlich darf man nicht mehr ohne Grund reisen. Ich ging das Risiko ein und fuhr nach Byron Bay, damit ich mir zumindest diesen Traum noch erfülle. Dort buchte ich einen Flug von Sydney zurück nach Deutschland.
Jedoch fiel ich auf einen Betrug rein. Ich freute mich, dass der Flug so günstig war. Er wurde nach drei Tagen gecancelt. Ich füllte also das Kontaktformular bei Travelgenio aus, dass ich gerne mein Geld wiederhätte oder den Flug umbuchen würde. Es kam keine Antwort. Bei Etihad (der Airline) versuchte ich meinen Flug zu finden, ohne Ergebnis. Erst mein Vater wischte mir die Gurken von den Augen und meinte, dass Travelgenio wohl Betrüger seien. Schaut man sich Rezensionen dieser Webseite an, dann findet man genau das. Ohne Hoffnung das Geld von ihnen wieder zu bekommen, kontaktierte ich also mein Kreditkartenunternehmen und buchte den nächsten Flug direkt auf der Seite von Qatar Airways. Es gibt immer Menschen, die die Bedürfnisse anderer ausnutzen, auch in Zeiten von Corona.