Wir bleiben unzufrieden.
Durch den Hashtag #notjustsad auf Twitter und durch das persönliche Umfeld habe ich mich die letzten Tage etwas intensiver mit dem Thema Depression auseinander gesetzt.
Depression ist eine Krankheit. Diese soll und darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen, dafür hab ich absolutes Verständnis.
Ob die Art der Auseinandersetzung den Betroffenen auf Twitter hilft, kann ich nicht beurteilen, da ich selbst nicht von der Krankheit betroffen bin. Als Außenstehende hat es auf mich jedoch den Eindruck, dass es eher "Geteiltes Leid ist halbes Leid" ist und bisher nur wenige Betroffene beschreiben, wie sie den Weg aus der Depression heraus finden. Mich würde aber genau das interessieren, was macht man denn?
Wenn ihr selbst keine Depressionen habt, dann dürft ihr auch nicht mitreden und uns sagen, wie es uns zu gehen hat und was wir tun sollen.— Jenna Shotgun (@isayshotgun) 10. November 2014
Der Tweet von Jana Seelig, der den Stein ins Rolle brachte finde ich einen mutigen Schritt. Aber kann wirklich nur jemand helfen, der selbst Depressionen hat?
Versteht mich nicht falsch, aber wenn ich meinen Beinbruch, meinen Krebs oder den Gehirntumor behandeln lasse, erwarte ich doch auch nicht, dass mein Arzt oder der Chirurg die Krankheit bereits hatte. Ich erwarte, dass er mir zu helfen weiss und wir gemeinsam eine Lösung finden können. Im Idealfall diskutiere ich doch dann die Möglichkeiten mit meinem persönlichen Umkreis. Dabei geht es nicht um gute Ratschläge sondern einfach um das Abwägen von Chancen und Risiken. Daher würde ich es sehr begrüssen, wenn die Diskussion sich zu dem Thema dahin erweitert und man auch über Lösungen/Methoden der Heilung von Betroffenen und Beteiligten spricht.
Dies ist für mich die eine Seite der Medaille.
Auf der anderen Seite ist für mich die zentrale Frage nach "Glücklich sein". Was heisst denn das genau?
Unser gesellschaftliches Streben nach Glück und Zufriedenheit ist so hoch wie nie und ein wohl auch ein aktuelles Problem in der Wahrnehmung der Generation Y die mit Ihrer akuten Unzufriedenheit hadert.
Frauen und Männer wollen berufliche Karriere, perfekte Familie, attraktiv sein und bleiben, Anerkennung im sozialen Umfeld. Dieser Druck kann einfach dazu führen, dass es irgendwann überläuft und man nicht mehr will.. Es mag bestimmt keine bewusste Entscheidung sein, aber der Körper/Kopf entscheidet es. Das kann ich verstehen.
Was ich bisher jedoch nicht verstehe ist, dass man "sich" oder sein Denken/Leben völlig aus der Hand gibt. Man mag es vielleicht Orientierungslosigkeit nennen, die dazu führt, nicht bei "sich selbst" zu sein, aber jeder kann sich doch jederzeit eine eigene, vielleicht auch neue, Richtung geben, oder? Selbst wenn ich nicht klar denken kann, handle ich doch auf Basis meiner Werte, Einstellungen und Ansichten, oder?
Ich hatte noch nie eine größere Verletzung oder Krankheit, aber ich habe eine Einstellung, wie ich das Leben sehe, selbst wenn die unabsehbaren grossen und kleinen Dinge des Lebens passieren. Diese Einstellung ist weder positiv noch negativ geprägt. Ich muss nicht unbedingt "glücklich und zufrieden" leben. Das Urteil würde ich erst abgeben, wenn es soweit ist mit der Rückblende.
Viele meiner Freunde beschreiben mich als Sonnenschein (so sehe ich mich auch selbst), aber auch als ziemlich gefühlskalt, weil ich mit einer Geburt, einer Trennung oder einem Schicksalsschlag recht pragmatisch umgehe... Thats life!! Klatschen oder Scherben zusammenkehren. Weiterleben! Es gibt nur eine Richtung, und die ist nach vorne.
Dies hat die Konsequenz, dass ich vielleicht #neverreallyhappy bin, aber das stört mich auch gar nicht.. Meine Vermutung ist ja, dass es das überhaupt nicht wirklich gibt und keiner jemals ist.
Aber genau hier wird uns ganz schön was vorgemacht. Sind doch alle immer happy. "Werden Sie noch glücklicher und zufriedener..." ist der Spruch, der immer zieht. Open Happiness.
Ja, du kannst schön und erfolgreich sein!
Natürlich, kannst du alles im Leben erreichen, du musst nur an dich glauben und es wirklich wollen.
Die meisten Ideale sind geprägt von den Gedanken "Erfolg" und "Leistung". Noch mehr Follower, noch mehr Likes, noch mehr Wachstum, noch aufregendere Reisen und Erlebnisse, noch innigere Bindungen, noch mehr Selbsterkenntnis etc.
Ich glaube darin liegt eine Krux, die es irgendwann zu überwinden gibt. Mir persönlich geht es nicht darum "Glück & Zufriedenheit" zu erreichen sondern die Welt zu verstehen, das Leben zu entdecken und alles was sich darin abspielt.
Wir bleiben unzufrieden. Aber das ist schon ok.














