Klare Ansagen
Ich wĂĽnsche nicht, dass dieser Mensch auf diese Weise neben mir sitzt. PR

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Klare Ansagen
Ich wĂĽnsche nicht, dass dieser Mensch auf diese Weise neben mir sitzt. PR

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Einsamkeit
Ich wollte unbedingt geliebt werden, und dabei vergass ich, dass ich mich hätte selber lieben können.
SS
GlĂĽcklich schmerzlos
Glück ist, wenn du auf den Boden schaust und gerade noch die Möglichkeit hast, dem riesigen Stein auszuweichen, bevor dieser deinen Zehen hätte Schmerzen zufügen können.
SS
Eine russische Fabel
Ein Igel ging durch den Wald. Er sprach eine Krähe an, die sich verirrt zu haben schien, da er sie hier noch nie gesehen hatte.
“Hallo Krähe”, rief er freundlich.Â
Doch die Krähe, dieses Schwein, flog wortlos noch tiefer in den Wald.Â
PR
Mit Hum(m)us und freiem Bein gegen den Wahnsinn
Es waren die Nackten, die es zuerst wussten.Â
Nicht die ich-sitz-Sonntags-auf-dem-Bett-schau-TV-und-esse-nackt-drei-Burger-Nackten, sondern die Dauer-FKKler. Jene Gruppe von Individualisten, die sich dem Naturalismus hingeben: der Freikörperkultur.
Sich mit dem Nacktsein der Moral der Gesellschaft entziehen und ganz unmoralisch im Einklang mit der Natur leben. Den Humus unter den FĂĽssen, den Hummus im Mund spĂĽren. Anschliessend genĂĽsslich die Resten mit der Zunge von den Lippen lecken und mit einer BĂĽrste die FĂĽsse reinigen.
Bei aller NatĂĽrlichkeit, Reinlichkeit muss sein! Rein von moralischen Gedanken, um Platz fĂĽr SĂĽnden zu schaffen.
Zeig Bein. Sei Nackt. Sei Barfuss. Iss Hum(m)us in der freien Wildbahn. Sei frei und glĂĽcklich?
Sei glĂĽcklich und frei! Besonders am Sonntag.
SS

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Erkenntnis des Tages
Die Sonne brennt nach Untergang auf der Haut weiter. SS
Das ist doch unerhört. Kaum hat die Spargelzeit begonnen, schon ist sie wieder vorbei. Oder wie meine Grossmutter immer sagte: “Esst, esst, esst so lange es noch etwas gibt.”
Oh, die ersten Erdbeeren sind ja reif.
PR
Kurzmeldung
Warnung an alle RegenwĂĽrmer: PlattfĂĽsse sind unterwegs. SS
Full Collapse
Zwei Männer verursachten einen Auffahrunfall im morgendlichen Pendlerverkehr. Es lag an einer Ölspur. Man erwartete, dass sie wütend und laut aus den Autos steigen würden und sich anbrüllten darüber, wer Schuld sei. Doch das passierte nicht. Sie waren ruhig, sehr ruhig, betrachteten den Schaden und wirkten fast erleichtert. So als habe der Unfall sie aus dem ewigen Trott des zum Arbeitengehens herausgeholt und sanft neben der Welt abgesetzt. Der Unfall bot den Moment der Ruhe, der Betrachtung und des Innehaltens, bis die Beule im Blech wieder gerichtet werden und der Trott weitergeht. PR
Die Gans
Der Kauf eines Parfüms stellt mich vor unüberwindbare Hindernisse. Nach dem dritten, das ich versucht habe, verbinden sich alle im Kopf zu einem Durcheinander aus Blumen, Honig und Überdruss. Hinzu kommen anmassende Aussagen der Verkäuferin wie: “Das riecht nach Sommer oder?” “Woher wissen Sie denn, wie der oder besser gesagt mein Sommer riecht? Oder ist das nur wieder so ein auswendig gelernter Werbespruch?” Das sagte ich natürlich nicht, das dachte ich nur. Und jetzt rieche ich tatsächlich nach Sommer. Oder wie die befreundete S. es nennt: “Tuntenball”. 
Und jetzt dürfen Sie raten, welches Parfum neben “My Melody”, “Black Magic” und “Russian Leather” auch noch Staub in meinem Schrank ansetzt…
Da kommen noch viele unsagbar viele Sommer. PR
Die Überschrift könnte auch Sparfüm heissen, aber das wäre albern.

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Sein l
Ich spreche Irrationalität, und bin auch sonst mit allen Lastern gewaschen. SS
Glasskanone
Wenn man einen Menschen aus dem Mittelalter in die heutige Zeit bringen würde, was würde ihn am meisten überraschen? Was würde ihn am meisten faszinieren oder erschrecken? Wo würde er hinwollen? Ich habe den Versuch unternommen und der Knabe ist seit drei Wochen am Stück im Europapark. Vorwiegend im griechischen (wegen des Gyros) und isländischen (wegen der Bluefire) Teil. So funktioniert Wissenschaft meine Damen und Herren. PR
FrĂĽh Morgens I
Der Bahnhof spuckte die Partikel aus. Anschliessend strömten sie unkontrolliert in die Stadt und verseuchten sie mit Gehässigkeit. Keiner hatte eine Chance. Nicht einmal die Kinder.
SS
empathos non grata
Der Nachrichtendienst für Allergiker macht einem Menschen, der wie ich in der Sprache lebt und unter allergischem Asthma leidet, das Leben unnötig schwer, möglicherweise vollkommen unabsichtlich. Das Problem ist, dass besagter Dienst die Pollen selbst, nicht etwa den betroffenen Allergiker, zum Subjekt des Handelns werden lässt.
“Die Pollen können sich aufgrund des anhaltenden Regens nur ungünstig ausbreiten.” Diese Formulierung wirkt so negativ, dass einem die Pollen fast leid tun angesichts ihrer negativen Ausbreitungsmöglichkeiten. Fast fühlt man sich schlecht angesichts der Schadenfreude, die man als Allergiker verspürt, wenn die Pollen ungünstige Verhältnisse vorfinden. Dabei ist es vollkommen unsinnig, Empathie für Pollen zu entwickeln. Passiert ist es dennoch. Wie ungünstig! PR
MÄDCHEN, DU KANNST DAS!
Einmal standen vier Kristall-Sektgläser länger als drei Monate ungewaschen im Geschirrschrank ihrer Eltern. Die Gläser waren ein Geburtstagsgeschenk gewesen. Hätten nicht schöner sein können.
„Wenn du wieder eine eigene Wohnung hast, dann weihen wir die damit ein!“ Wenn…
ZurĂĽck zu den Eltern. Kein Job. Beziehung beendet. Erwartungen. Enttäuschungen. Scham. Perfekt sein wollen. Anerkennung. Makellos. Zuckerschlecken fĂĽhlte sich anders an.Â
„Wir sind nur erstaunt, dass es nicht früher passiert ist.“, hörte sie einige ihrer Freunde sagen. Andere suchten das Weite. “Psychisch! … Kein wirkliches Leiden… Kopfgemacht!” Immerhin gibt es Krebs, da fallen einem die Haare aus. Es gibt Autounfälle, da werden Gliedmassen verloren. Psychisch erkranken kann nur infolgedessen Sinn machen, nicht aber in Folge von Alltag.
Idunas Burn-Out war lediglich ein Symptom. So wie Depressionen ein Symptom von Burn-Out sind. Aber nicht jeder Depressive hat ein Burn-Out. Und nichts ist bei jedem Gleich.
„Meinst du, wir haben dich nur gerne auf Grund dessen was du tust und erreichst?“ Darauf hatte Iduna keine Antwort. War das etwa eine Fangfrage? „Nein?“, antwortete sie vorsichtig. Der Mann ihrer Freundin daraufhin und bestimmt: „Nein! Natürlich nicht!“
 27 und wieder Kind.
 So Kind wie sie jetzt war, war Iduna als Kind nicht gewesen. Sie hatte sich verloren, oder zumindest das Idealbild ihres Erwachsenen-Ichs, das sie zu erreichen versucht hatte. Dann kam Sense. Nicht plötzlich. Eher schleichend. Erstaunlich, wie lange der Wille kann, bevor der Körper die laufende Vorstellung boykottiert. Zittern. Schweissausbrüche. Brennen der Haut. Heulkrämpfe. Unkontrollierbar.
      Reiss dich zusammen! Hände funktionieren nicht? Also bandagiere sie! Du musst funktionieren. Du musst nach draussen. Du musst.
 Totalausfall.
 Bedürfnis nach Geduld. Geduld, die man einem Erwachsenen eigentlich nicht entgegenbringt. Bedürfnis nach einer ständigen Hilfestellung und Begleitung. Aber ich bin doch erwachsen… du sollst möglichst viel, du kannst alles, du musst funktionieren. Und das versuchte sie… Schlimmer als Totalausfall ging ja nicht.
 Ging doch.
    „Darf man das?“
               „Was meinst du?“
   „Auf diesem Stuhl sitzen.“
               „Es ist ein Stuhl…!“
   „Ja aber… wenn da nun jemand anderes gerne sitzen wollen würde.“
               „Aber es ist niemand da.“
   „Aber es könnte jemand kommen…“
                 „Hast du Durst?“
   „Ich weiss nicht.“
               „Möchtest du etwas zu trinken haben?“
   „Trinkst DU was?“, die Hände fangen an zu zittern.
               „Ja.“
   „Vielleicht nehme ich auch was.“
               „Was?“
      „Was nimmst du?“, bitte sag, ich weiss nicht wie mich entscheiden. Was wenn ich mich falsch entscheide, wenn ich nun eine Flasche von etwas leer trinke, dass jemand anderes trinken wollte? Und das Geld für das Getränk kann ich dir auch nicht geben. Geld.  Ich hab keinen Job. Ich zahl grad keine Rente. Ich bin bald 30ig! Was soll ich nur tun? Warum habe ich nicht… wenn ich nun… ich werde nicht – wenn mich jetzt ein Bus überfahren würde, wäre das keine schlechte Sache.
 Idunas Kopf ratterte. Nach aussen hin wirkte sie höchstens eigenartig.
 Alles Gute zum Geburtstag – mein Bruder!
 Wie perfekt die Kristall-Sektgläser doch auf dem Tisch aussahen. Zierlich und klein. Perfekt zum Nippen. Perfekt und doch zu klein und fragil für den Geschirrspüler. Laut und drohend rief Iduna: „ICH mach das!“
      Recht hast du… nehme dein Leben in die Hand. Du kannst das!  Du bist ein grosses Mädchen. Mach langsam. Das kommt Gut.
 Gut Zureden tut gut.
 Die vier Gläser fanden ihren Weg vom Tisch zur Anrichte, zum Spülbecken. Später in den Schrank. „Ich habe sie dahin gestellt. Da können sie nicht kaputt gehen. Ich habe sie aber nicht abgespült…“ – „Danke Mama. Ich werde sie später gleich abwaschen, aber bestimmt heute Abend.“
      Bestimmt. Oder morgen? Diese Woche! Atmen. Ruhig atmen. Es ist alles ok. Das sind Gläser. Das kannst du. Das eilt nicht.
 Überforderung.
 Die Gläser standen der Jobsuche an Wichtigkeit in nichts nach. Iduna dachte pausenlos an sie, an das Ziel sie zu reinigen. Dachte daran, wie mittlerweile die ersten Ameisen sich an den klebrigen Resten des San Bitters vergangen haben mussten. Dachte daran, wie ihr Vater die Ameisenstrasse entdecken könnte und die Gläser. Wie sie vielleicht deswegen ihren letzten Zufluchtsort verlieren könnte.
      So eine Tochter ist nicht tragbar. Die Unfähigkeit eine simple Aufgabe in angemessener Zeit zu erfüllen. Unfähig. Unfähig. Unfähig. Bus wo bist du?
Abends die ZusammenbrĂĽche. Ihre Mutter ĂĽberfordert. Ihr Vater. Ihr Bruder. Sie sowieso.
 „Ich würde mir nichts antun, niemals. Aber, ich kann nicht mehr.“ – „Schäm dich. Schäm dich das zu sagen.“ , ihre Mutter schrie sie an. Iduna fühlte sich bestätigt in ihrer Wertlosigkeit. Die Gläser standen noch immer im Schrank.
 Immer noch – Immer noch.
 Ihre Mutter spülte die Kristallgläser ab. Erzählte es Iduna jedoch erst viel später.
   „Ich weiss, ich muss die Gläser noch abwaschen.“
               „Das habe ich schon getan.“
   „Danke.“
               „Soll ich sie dir einpacken?“
   „Darf ich sie vielleicht noch ein Weilchen hier lassen… Sie sollen beim Umzug nicht kaputt gehen. Sie waren ein Geburtstagsgeschenk...“
               „…“
   „Auch mach ich mir ein bisschen Sorgen darüber, ob sie in der WG nicht kaputt gehen könnten…“
               „Du kannst sie hier lassen…“
   „Gerne.“
 Zwei Jahre später standen die Gläser noch immer am gleichen Ort. Irgendwann würde Iduna – Irgendwann würde sie sie holen.
SS

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FĂĽhlen
Die zweifelhafte Gabe der frühlingsbedingten Pollenallergie hat keinen praktischen Nutzen. Im Mittelalter hätte ich mich allerdings als weiser Mann aufspielen können, der den Bauern vorhersagt, wann sie die Samen ausbringen können: Wenn meine Augen jucken, denn dann ist der Frühling angebrochen. Ob das geklappt hätte, weiss man nicht. Ob diese Gedankenspiel die Allergie leichter eträglich macht schon. Die Antwort darauf ist diesselbe, wie auf die Frage, ob Jammern sympathisch macht. Nö! PR
Strom
Hilfe, der Rhein schwimmt mir weg. SS