Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.
Isaac Newton

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Isaac Newton

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Von der Symbolik des Tees
Von der Symbolik des Tees
Sie muss die Augen zusammenkneifen, als sie den beeindruckenden, majestätischen Gebäuden bis zum höchsten Minarett mit ihren Blicken folgt, denn die warmen Strahlen der Sonne blenden sie. Sie untermalen die märchenhafte Atmosphäre, wie ein Künstler, der hier und da mit seinem Pinsel helle Tupfer in den unterschiedlichsten Tönen hinterlässt, im genauen Bewusstsein, welche Wirkung es auf den Betrachter haben muss. Schlendernd folgt sie der Straße bergab, weicht Männern aus, die ihr gebeugt unter der Last eines großen Pakets oder Schnüren von Keramik, Teppichen oder Netzten voll bunter Bälle, entgegen kommen, bevor sie in einem schmalen Laden verschwinden, der die Überreste eines Wohnhauses trägt. Gleichzeitig erschallen aus jeder dieser schmalen Eingänge lautstarke Rufe, die sie zum Kauf irgendwelcher Produkte einladen. Sie versucht sie lächelnd in Kenntnis zu setzten, dass sie nicht interessiert ist oder sie zu ignorieren, soweit ihr das möglich ist. Denn diese Menschen haben eine charmante, gewinnende Art, während ihre Augen angesichts eines eventuellen potentiellen Kunden blitzen. Die Stadt ist wie ein riesengroßes Kaufhaus. Jede Straße bildet eine Abteilung eines Geschäfts, wobei hier allerdings der Unterschied besteht, dass man sich problemlos durch das „Schaufenster“ bewegen und alles umso genauer betrachten kann. So bereitet es ihr unsagbares Vergnügen den Blick über Tausende von Teppichen schweifen zu lassen, einer schöner als der andere. Sie muss an die Märchen von tausendundeiner Nacht denken und so fühlt sie sich auch. Verträumt wandert sie weiter. Haus um Haus rückt scheinbar zur Seite und bereitet ihr eine Aussicht auf das glitzernde Wasser unter ihr. Ständig überqueren Männer die Straße, in der Hand ein rundes Tablett, bestückt mit vollen oder auch schon leeren Teegläsern. Zu ihrer Rechten schiebt sich ein Mann mittleren Alters auf die Straße vor und spricht sie an. Dabei blicken seine Augen freundlich, geschäftstüchtig. Mit einladenden Gesten und ein Versprechen auf einen Tee, will er sie überzeugen mit ihm zu kommen. Sie fühlt sich leicht unwohl dabei, misstraut ihm und sieht schon ihre Lire von ihrer in seine Hand wechseln. Er gibt ihr zu verstehen, dass sie ihn beleidige, wenn sie seine Einladung ausschlage. Es sei eine Ehrensache. Er bleibt zwar höflich, doch an seinen Bewegungen kann sie seine Entrüstung ablesen. Um des Friedens willen, folgt sie ihm schließlich. Es geht ein Gässchen wieder hoch, eins nach links und schließlich durch einen Torbogen, leicht zu übersehen in der dicken Steinmauer. Der Streuner, sie bemerkt ihn erst jetzt, wagt sich nicht weiter vor, wohl aus Erfahrung, laut der warnende Haltung ihres Gastgebers. Dieser führt sie in seinen Laden, in dem sich Stangen mit unterschiedlichsten Lederjacken bis unter die Decke ausbreiten. Sogleich schieben eilige Hände ihr einen Hocker zu und eine Minute später dampft der Tee vor ihr auf einem kleinen runden, mit Ornamenten verzierten Tisch, und während sie aus dem kleinen, schlichten Glas trinkt, nickt sie folgsam über diese und jene Jacke und je länger sie so dasitzt umso schwerer wird es für sie wieder loszukommen. Eines muss sie den Menschen lassen, Gastfreundschaft ist hier ein hohes Gut. Höher als jedes andere auf den Straßen.
Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.
Joanne K. Rowling
Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können.
Theodor Fontane

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Niemand köpft leichter als jene, die keine Köpfe haben.
Friedrich Dürrenmatt
Wer nur um Gewinn kämpft, erntet nichts, wofür es sich lohnt zu leben.
Antoine de Saint-Exupery
Weichenstellung
Es beginnt allmählich. Ich spüre das Vibrieren unter meinen Füßen, erst ganz zart, zaghaft, wie ein schüchternes Anklopfen an den Sohlen. Je schneller die Häuser, Menschen, ja einfach alles, was zum Leben der Stadt dazugehört, an mir vorbeiziehen, desto mehr erlangt es an Zutrauen und wird kräftiger, bis ich sogar meinen Kopf von der Scheibe heben muss. So fällt mein Blick auf die Mitfahrenden. Den alten Mann, den ich bis eben noch an der Bahnsteigkante gesehen habe, wie er im Takt der Musik von einem Fuß auf den anderen wippte, – Habt ihr schon einmal einen alten Mann mit Kopfhörern gesehen? – sitzt mir nun gegenüber. Vermutlich ist es das Phänomen der Stadt, das die Technik ihren Weg selbst bis zur letzten oder fast letzten Generation finden lässt. Nach und nach verstummt das Vibrieren wieder, um nach einer Minute erneut aufzutauchen, als würde es den Bitten einer Zugabe nachgeben. Es wird sogar noch stärker, als wir eine Kreuzung mit Weichen überfahren. Ich schaue wieder nach draußen und es erfüllt mich eine Mischung aus Verblüffung, Schreck, Mitleid, doch zugleich auch Unverständnis. Hinter mir erschallt helles jugendliches Lachen. Ich spüre, wie sie aufspringen, höre, wie ihre Handflächen gegen das Glas knallen. Auch sie haben die Frau draußen entdeckt. Deren Füße schieben sich unter der zu großen Last des Körpers, schwerfällig vorwärts. In den Händen hält sie einen Pappständer, in dem ein Becher mit Strohhalm, einige Tüten klemmen, alles mit dem Aufdruck eines großen besagten Buchstabens versehen. Ich denke ohne dem wäre sie weniger aufgefallen. „Oh, Alter ist das eklig!“ „Das ist echt kein schöner Anblick!“ Wieder verblüfftes schrilles Lachen. Ich hoffe inständig, dass ihr lautstarkes Kundgeben ihrer Gefühle nicht durch die Scheibe dringt und die Gefühle dahinter verletzt. Beschämt stelle ich fest, dass mir ähnliches durch den Kopf gegangen ist. Ich möchte etwas sagen, die Anderen zurechtweisen. Was kann ich sagen? So etwas wie, jetzt hört doch mal auf, solche Reaktionen sieht diese Frau bestimmt fast täglich? Oder, merkt ihr nicht, wie respektlos ihr seid? Ich bin so sehr in diesen Gedanken vertieft, dass ich zu spät merke, dass sie ausgestiegen sind und es überkommt mich das Gefühl der Unzufriedenheit mit mir selbst. Es ist zu spät. Die Weichen in die richtige Richtung wurden nicht gestellt. Ich habe sie nicht gestellt.
Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.
Hermann Hesse
Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.
Charles Dickens

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Belegte Brote
Das Schloss klackte, und die Tür sprang auf. Sein „Bin wieder zu Hause“, was er bis vor einer Weile zu sagen pflegte, blieb in seinem Hals stecken. Stattdessen hängte er stumm und in sich gekehrt seine Jacke am Garderobenhaken auf und – ja man kann sagen „schlich“- schlich den Flur entlang. In der Küche war es dunkel. Doch er betätigte den Lichtschalter nicht. Er nahm, fast wie ein Dieb im eigenen Haus, die belegten Brote von der Theke, um es sich damit auf dem Wohnzimmersessel bequem zu machen.
Das Haus war dunkel. Er schlich in die Küche, weiter ins Wohnzimmer. Auf einem Teller die belegten Brote. Er hörte seine Frau über die Unordnung auf seinem Schreibtisch zetern. Er setzte sich fast auf ihr dämliches Strickzeug - also wirklich, stricken taten doch nur alte Frauen - und dachte dabei, sie sei keinen Deut besser.
Das Haus war dunkel. Er schlich in die Küche, weiter ins Wohnzimmer. Auf einem Teller die belegten Brote. Er hörte seine Frau schnarchen. Oh, wie er es an ihr hasste!
Das Schlafzimmer war dunkel. Sie lag im Bett und lauschte den nächtlichen Geräuschen. Als sie den vorfahrenden Wagen ihres Mannes hörte, entwich ihr ein genervtes Stöhnen. Sein plumper Gang durch den Flur, zwar bedacht leise, aber wohl kaum überhörbar, seine albernen Selbstgespräche, die aus dem Wohnzimmer drangen, - oder war er im Sessel wieder einmal eingedöst und redete im Schlaf? Wäre nicht das erste Mal - all das ging unendlich doll auf ihre Nerven. Sie fragte sich, wie sie auf solch einen Mann hatte hereinfallen können.
Das Haus war hell, als er eintrat. Sie kniete im Flur und schrubbte den Boden. Um diese Uhrzeit? Das Haus war hell, als er eintrat. Er stand da, wie ein begossener Pudel. Von draußen drang zu ihr das Geräusch der aufschlagenden Regentropfen. Ihr Blick fiel auf den Dreck, den er frisch hinterlassen hatte.
Das Geschrei war groß. Sie ließen den lang unterdrückten Groll nun freien Lauf.
„Mama, Papa?“, piepste es da.
Die Eheleute hielten inne und starrten in das verweinte Gesichtchen ihrer Tochter. Da standen sie nun und hatten beinahe das Kostbarste in ihrem Leben und das letzte, was sie noch verband, vergessen.
Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wieviel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen.
Albert Einstein
Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine alte Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!
Erich Kästner
Es ist nicht alles Gold was glänzt
Die gleisende Sonne Ägyptens brannte auf die Köpfe der emsig arbeitenden Männer. Von überall her erscholl das Klopfen und die ab rieselnde Erde, von der die Gruft befreit wurde. „Leute, gleich haben wir es geschafft!“, rief Herr Brockmann und stützte sich auf seinen Spaten, um vor dem Endspurt noch einmal Luft zu holen. Gleich ging der Traum seines Lebens in Erfüllung. Hier stand er, fern ab von den Archivierungsarbeiten, dem Geruch nach alten Karteikarten und am wichtigsten, fern vom Museumsdirektor, der an allem etwas auszusetzen hatte. Und bald würde sein Name unter dem Bericht der Ausgrabung stehen.
„Frau Brockmann, ich habe es ihnen bereits gesagt. Ihr Sohn kommt Sie die nächste Zeit nicht besuchen.“, versuchte die Schwester der alten Damen begreiflich zu machen, die nun wohl deren Frage zum hundertsten Mal gestellt bekommen hatte und wohl zum hundertsten Mal darauf geantwortet hatte. „Lässt seine Mutter für goldglänzendes Gelumpe im Heim vor sich hin vegetieren.“, murmelte Frau Brockmann und holte rasselnd Luft.
„Geschafft wir sind durch!“ Tatsächlich war der Zugang zur Gruft frei und man machte sich daran in diese vorzudringen.
„Frau Brockmann, wie ist ihnen!“ Die Schwester packte ihren Patient bei den Schultern, bevor diese vom Sessel kippen konnte. Diese war kraftlos in sich zusammengefallen und atmete nur noch flach.
„Meine Herren und Damen, auf die erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Es wurde mit Sektgläsern angestoßen. Dann erscholl lautes Stimmengewirr, jeder wollte jedem über seine Arbeit berichten, über Probleme die sich ergaben, und, und, und.
„Herr Brockmann! Ein Anruf für Sie. Er kommt aus Deutschland!“ „Hallo? Ja ich bin es…. Wie bitte???“ Das Sektglas zerbrach in tausend Stücke, als es am Boden aufschlug.
Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.
Mahatma Gandhi

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Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.
Martin Kessel
Der Muschelsammler
Die Muscheln schlugen aneinander, als er sie in ein Marmeladenglas umfüllte, um dieses zu den anderen auf das Fensterbrett zu stellen. Er spürte den prüfenden Blick seiner Frau auf sich ruhen. Mit einer scheinbaren Ruhe, obwohl er wusste, dass er ihr nichts vorspielen konnte, füllte er den bereits aufgebrühten Tee in zwei Tassen und setzte sich an den Küchentisch. Allein seine Hände verrieten ihn, sie zitterten. Das taten sie, seit er zurück war und die Anspannung eigentlich von ihm hätte weichen können, denn es war vorbei. Doch die Spannung in seinem Körper wollte nicht weichen, wohl eher litt er an Überspannung und konnte das Zucken seiner Hände nicht kontrollieren. Nur beim Muschelsammeln am Strand wurde er ruhiger und konnte die Schreie seiner Kameraden, die seinen ganzen Kopf einnahmen und diesen schier explodieren ließen, durch das stetige Rauschen des Meeres ersetzen. Durch die Tür, die er noch nicht geschlossen hatte, drang der frische Meereswind. Mit den Nerven so ziemlich am Ende stieß seine Frau die Tür zu, vielleicht etwas zu schwungvoll, denn die Muscheln in den Gläsern meldeten sich zu Wort, wofür sie diese mit einem giftigen Blick bestrafte, als wären sie an allem Schuld. Mit glasigen Augen betrachteten Beide die untergehende Sonne durch das Fenster, mit den vielen Muscheln auf dem Fensterbrett. Der Abend bedeutete Schlafengehen und schlafen konnten sie schon lange nicht mehr.
Sie hielt ihren Mann, als dieser von den Erinnerungen übermannt wurde. Er sah sie wieder vor sich. Die zerstückelten Körper, die der Bombeneinschlag in alle Winde verstreut hatte. Er sah sich sein Gewehr erneut laden und auf einen feindlichen Soldaten schießen. Wieder und wieder, mit dem einzigen Gedanken zu überleben. Er sah erneut seinen Freund neben sich zusammen brechen, Blut spucken und voller Schmerz schreien. Und erneut durchfuhr ihn die Frage: „Wofür kämpfen wir hier, verdammt?!“. Er weinte und wimmerte wie ein Schlosshund. Seine Frau mit ihm. Sie hatte es längst begriffen: Sie war nicht Witwe geworden, der Körper ihres Mannes war unversehrt, der Schaden, den er davongetragen hatte war nicht sichtbar, jedenfalls nicht bei Tage. Obwohl ihr Mann scheinbar heil zurückgekommen war, hatte sie ihn trotzdem verloren.