Es beginnt allmählich. Ich spüre das Vibrieren unter meinen Füßen, erst ganz zart, zaghaft, wie ein schüchternes Anklopfen an den Sohlen. Je schneller die Häuser, Menschen, ja einfach alles, was zum Leben der Stadt dazugehört, an mir vorbeiziehen, desto mehr erlangt es an Zutrauen und wird kräftiger, bis ich sogar meinen Kopf von der Scheibe heben muss. So fällt mein Blick auf die Mitfahrenden. Den alten Mann, den ich bis eben noch an der Bahnsteigkante gesehen habe, wie er im Takt der Musik von einem Fuß auf den anderen wippte, – Habt ihr schon einmal einen alten Mann mit Kopfhörern gesehen? – sitzt mir nun gegenüber. Vermutlich ist es das Phänomen der Stadt, das die Technik ihren Weg selbst bis zur letzten oder fast letzten Generation finden lässt. Nach und nach verstummt das Vibrieren wieder, um nach einer Minute erneut aufzutauchen, als würde es den Bitten einer Zugabe nachgeben. Es wird sogar noch stärker, als wir eine Kreuzung mit Weichen überfahren. Ich schaue wieder nach draußen und es erfüllt mich eine Mischung aus Verblüffung, Schreck, Mitleid, doch zugleich auch Unverständnis. Hinter mir erschallt helles jugendliches Lachen. Ich spüre, wie sie aufspringen, höre, wie ihre Handflächen gegen das Glas knallen. Auch sie haben die Frau draußen entdeckt. Deren Füße schieben sich unter der zu großen Last des Körpers, schwerfällig vorwärts. In den Händen hält sie einen Pappständer, in dem ein Becher mit Strohhalm, einige Tüten klemmen, alles mit dem Aufdruck eines großen besagten Buchstabens versehen. Ich denke ohne dem wäre sie weniger aufgefallen. „Oh, Alter ist das eklig!“ „Das ist echt kein schöner Anblick!“ Wieder verblüfftes schrilles Lachen. Ich hoffe inständig, dass ihr lautstarkes Kundgeben ihrer Gefühle nicht durch die Scheibe dringt und die Gefühle dahinter verletzt. Beschämt stelle ich fest, dass mir ähnliches durch den Kopf gegangen ist. Ich möchte etwas sagen, die Anderen zurechtweisen. Was kann ich sagen? So etwas wie, jetzt hört doch mal auf, solche Reaktionen sieht diese Frau bestimmt fast täglich? Oder, merkt ihr nicht, wie respektlos ihr seid? Ich bin so sehr in diesen Gedanken vertieft, dass ich zu spät merke, dass sie ausgestiegen sind und es überkommt mich das Gefühl der Unzufriedenheit mit mir selbst. Es ist zu spät. Die Weichen in die richtige Richtung wurden nicht gestellt. Ich habe sie nicht gestellt.