Berlin: Meisterschaft II, Part I.
Müde, aber happy bin ich am Samstag von Fulda zurück nach Hamburg gefahren. Knapp vier Stunden Fahrt – Zeit genug, das Wochenende Revue passieren zu lassen (und unterwegs noch einen Burger zu essen). Ein sechster Platz, auf der allerersten Meisterschaft. Verrückt.
Verrückter aber noch: den Burger (und die Tonnen Schokolade, die mir noch schwer im Magen lagen) zu verdauen und sofort wieder auf Hähnchen, Gemüse und No-Carb umsteigen. Kein Mouthgasm, wenn man vorher im totalen McSundae Zuckerrausch war. Da werden 7 Tage plötzlich zu 144 Stunden. Und mit 8 Liter Hafertee sogar zu 8640 Minuten. Eine lange Zeit – in der man zusätzlich noch Gott und der Welt, den Arbeitskollegen und der Edeka-Kassiererin erklären muss, warum man trotz Dusche noch kackenbraune Gelenke und Knöchel hat und warum der Hals (trotz Peeling) so aussieht, als würde man wegschimmeln. Wenn man diese Phase überstanden hat, ist man darauf konzentriert, nicht auszuflippen. Das Gehirn schreit nach Zucker, die Augenringe nach Schlaf und der Rücken nach einem ABC-Wärmepflaster. Da werden aus den 8640 Minuten auch schnell 518400 Sekunden.
Zeit genug, sich immer wieder das Gehirn zu zermartern, was man in 7 Tagen noch optimieren kann. Gleich mit Sabrina einen Termin für eine Posingstunde vereinbart – da gab es (durch eingehende Videoanalysen und einen kurzen Schnack mit Alex Stampoulidis) Optimierungsbedarf.
Noch einmal alle Posen geübt, T-Walk verbessert und am Grinsen gefeilt. Eigentlich alles fein – Sorgen gemacht hab ich mir trotzdem. Kommt die Form wieder in Form? Nach dem Auftritt in Fulda habe ich ungelogen bestimmt 9 Liter getrunken – weil ich so furchtbaren Durst hatte (oder weil die Pommes so salzig waren!) und es ist (Kollegen bitte weghören!) nicht EIN TROPFEN aus mir rausgekommen. Wie ein Schwamm ist das Wasser (und die Coke Zero) wieder in alle Körperteile geflossen, die vorher so dehydriert waren. Hat mich an Spongebob erinnert. Geht das wieder weg? Jetzt alles von vorn? Ruhig bleiben – und Hähnchen ohne Salz essen.
Dank viel Stress im Job, 12 Folgen „The Killing“ auf Netflix (empfehlenswert!) und einem Kinobesuch (merke: niemals Sitz in der Mitte wählen, wenn man entwässert!) gingen die 6 Tage schnell vorbei. Sechs Tage, weil wir uns spontan dazu entschieden haben, statt Samstag morgen schon am Freitag Abend nach Berlin zu düsen – um auch pünktlich (und einigermaßen ausgeschlafen) am nächsten Morgen um 9.00 Uhr bei der Waage aufzuschlagen. Mit Kumpel Marlon an Bord, ging es vollbepackt und mit 15 Pinkelpausen Richtung Berlin. Das Hotel lag günstig, direkt um die Ecke vom Veranstaltungsort, dem Fontanehaus. Der Plan ist blöderweise trotzdem nicht aufgegangen.
Dort angekommen, lag ich zwei Schichten Farbe später in einem Hotelbett mit eigener Bettwäsche und konnte nicht schlafen. Zuviel an Klamotten an (um nicht abzufärben), zuviel im Kopf, zuviel Angst, zu groß die Nervosität. Vielleicht auch die Aufregung auf das bevorstehende Hotel Frühstücksbuffet, bei dem ich mir am nächsten Morgen ein Brötchen genehmigen sollte. Das letzte Mal hab ich gegen 3.30 auf die Uhr geguckt.
Am nächsten Morgen ging dann alles umso schneller. Form war in Ordnung, Fressluke auf, Brötchen rein, Kaffee hinterher. Bettwäsche abziehen, Zähne putzen, auschecken. Ab zum Fontanehaus, wo wir auch endlich auf Glitzerpuppe Sabrina und Mann Jörn trafen. Mit gefühlten acht Armen und trotzdem einem entspannten Lächeln auf den Lippen war Sabrina wenig später dabei, Teamkollegin Jenny die Haare zu glätten und mir meine Dumbo-Wimpern anzukleben – während ich glücklich und zufrieden vor ihr saß und ein Stück Schokolade lutschte. Ersteres ist übrigens gelogen – glücklich war ich nicht. Ich habe mich sogar mit der rechten Hand an Sabrinas Bein festgehalten, wie an Muttis Rockzipfel.
Schon wieder hab ich alleine beim Betreten des Backstage-Bereichs zuviele Granaten gesehen, schon wieder sind mir spontan beim Schokolade essen meine T-Walk-Posen nicht eingefallen. Die Waage hat dann alles nicht viel besser gemacht. In einer langen Reihe steht man an und hat genug Zeit, die Konkurrenz zu beglotzen. Was für Hintern! Knackige Brüste und schöne Gesichter. Perfektion im ganzen Raum! Bah! Mit 162 Zentimetern bin ich erneut für die kleinste Bikiniklasse eingemessen worden. Auf den Schreck hab ich erstmal n Riopan verdrückt. Und noch ein Stück Schokolade.
Irgendwie war an diesem Tag (trotz meiner Nervosität) alles entspannter als in Fulda. Sabrina war da, Heiko hat sich rührend um mich gekümmert – und Team-Kollege Sandy Jobs hat mir ein Käse-Schinken-Zauberbrötchen geschmiert. Trotzdem ist dann irgendwas durcheinander gekommen, denn gerade, als wir einigermaßen mit Styling fertig waren, schrie einer der Betreuer alle Girls der Bikini 1 zusammen. Zack, bühnenfertig machen. What? Wie? Ich? Jetzt? Ich hatte nichtmal meine Schuhe an.
Mit einem Schuh Richtung Bühne gelaufen, kein Schmuck am Körper, nicht aufgepumpt. Schlecht, weil voll nicht vorbereitet. Gut, weil keine Zeit zum nervös werden (und heulen!). Jenny warf mir hinter der Bühne noch schnell ihren Armreif entgegen – auf Ohrringe musste ich einfach verzichten. Lippenstift drauf, ein letzter, beruhigender Blick und Händchen halten von Sabrina (Herr im Himmel, danke nochmal!) und zack. Rausgestöckelt.
Verwirrend, weil: andere Seite, als in Fulda. Seitlicher Gang also andersrum. Panische Suche. Wo sitzen Sabrina, Heiko und Jörn? Wo ist der Coach? Puh, Sabrina entdeckt. Grinsen. Warum guckt der eine Juror so komisch? Neben den anderen Girls aufstellen. Seitlicher eindrehen, schreit Sabrina. What? Tut doch schon voll weh. Brust raus, zeigt Heiko mir aus dem Publikum an (sorry, Brüste nicht mehr vorhanden!) Jörn reißt begeistert beide Daumen hoch. Zähne zeigen, bölkt Sabrina. Hilfe! Kann man nicht schon mein Zäpfchen sehen? Po anspannen! Alles gleichzeitig?
Ohne meine privaten Lieblings-Souffleure im Publikum, wär meine Präsentation wahrscheinlich bei weitem nicht so gut gewesen. Aber auch auch unabhängig davon:
Berlin hat sich anders angefühlt als Fulda. Wenn man bereits einmal auf der Bühne gestanden hat, ist das zweite mal zwar nicht weniger aufregend – aber zumindest nervlich ein bisschen entspannter. Man weiß, was auf einen zukommt, auf was man achten muss und was da oben ungefähr passiert. Auch das Haarthema hatte ich da oben besser im Griff. Statt großer Beton-Locke hatten Sabrina und ich uns auf ganz glatt und geschmeidig geeinigt.
Glatt und geschmeidig lief dann auch der erste Durchgang. Erster numerischer Vergleich war fein. Selbst mit dem Gesicht zum Bühnenvorhang hab ich Sabrina schreien hören. „Suuuper!“ „Nicht zu weit nach vorn!!“ „Seeehrschön“. Selten hat mich eine Stimme so beruhigt. Zurück in den Bühnenhintergrund. Herzklopfen. Heiko und Jörn am ausflippen. Sabrina ebenfalls. Ich auch. Hat man nur nicht gesehen, ich musste mich drauf konzentrieren die Juroren anzufletschen (Lächeln mit Zähnezeigen). Und dann kams:
Als allererste in den ersten Vergleich gerufen worden. Ich jetzt? Ungläubig nochmal heimlich die Startnummer kontrolliert. Jubeln aus dem Publikum.
Ich hab Heiko und seinen Freund Stefan gehört – der auch extra aus Hamburg angereist ist. Und meine Schwester hat auch kurz gequiekt. Glaube ich zumindest, gesehen hab ich nämlich nix. Ich war zu sehr aufs Atmen konzentriert. Trotz halbem Herzinfarkt alle vier Drehungen geschafft, diesmal bei der Rückenansicht weniger nach vorn gebeugt und stets versucht, fantastisch entspannt beim Anspannen auszusehen. Knicksen, winken, Tschüss. Seitliches Laufen beim Verlassen der Bühne. Fertig. Schnell Jenny (die schon in den Startlöchern stand) den Schmuck zuwerfen, auf Sabrina zu laufen und...heulen. Was sonst?
Dass mein Schmuck fehlte, ich nicht aufgepumpt und völlig unvorbereitet war, war in den nächsten Momenten dann total egal. Ich habe so viele liebe Worte und tollen Zuspruch bekommen, dass die Sorgen kurz darauf schon wieder vergessen waren. Ein stolzer Freund, eine stolze Sabrina und ein begeisterter Coach – die alle der Meinung waren, dass es fürs Finale defintiv reichen sollte. Abwarten – und Schokolade essen.
Und dann hing sie, die Liste. Finale. Gänsehaut. Und noch mehr liebe Worte.
Nach kurzem Aufatmen, habe ich als erstes die Heels ausgezogen. Genug Zeit bis zum nächsten T-Walk auf der Bühne. Sabrina und die Jungs sind zum Italiener verschwunden, ich habe es mir mit Jenny, die ebenfalls (in Bikini II) ins Finale gekommen ist, auf unserem Iso-Matten-Camping-Bereich gemütlich gemacht. Während wir zufrieden Schokolade lutschten, war Zeit für etwas gute Musik und sogar eine halbe Stunde Dösen.
Mit der Schokolade wurde auch die Form besser (klingt unlogisch und ich wünschte, das wär im echtenLeben auch der Fall) und als Sabrina vom Mittag wiederkam, haben wir uns langsam dran gemacht, die Fresse neu zu restaurieren und nochmal etwas Glanz auf den Körper zu bringen. Frisch geölt sind wir dann den T-Walk nochmal durchgegangen, haben ein paar Spaß-Bilder gemacht und wenig später war es auch schon soweit. Jenny und ich standen nervös hinter der Bühne – bereit, nochmal alles zu geben.