Lis Miebach ist seit vielen Jahren Geschäftsführerin der in Köln und Berlin ansässigen Agentur Barbarella Entertainment. Ihre Branche hat es besonders schwer erwischt. Wie Sie mit der Situation während des Shutdowns umgegangen ist, erzählt sie in diesem sehr persönlichen und wunderschönen Text!
In welcher Lebenssituation hat Dich der Shutdown erwischt? Ich wollte eigentlich gerade in die Berge, die haben dann aber zugemacht. Kapiert hatte ich da aber noch nichts. Aber wer hatte das schon?Beruflich dann mitten im Arbeitsalltag unserer Agentur. Wir organisieren Kulturveranstaltungen, vertreten Moderatoren und Schauspieler und machen PR und Pressearbeit im Bereich FilmFernsehen. Willkommen in der Krise. Die ersten Wochen waren voll von Funktionieren: Anträge, Formulare, Abwicklungen. Funktionieren hilft einem ja über viele erste Gräben. Um den Stillstand noch ein wenig hinauszuzögern, zu verdrängen. Dann aber doch: Das Unplanbare akzeptieren, den Aktionismus an die Wand hängen, zu Gunsten der Beobachtung und der schlichten Erkenntnis, dass es nichts zu tun gibt. In zweierlei Sinn, nichts was von außen kommt, und nichts was ich tun kann das abzuwenden oder zu beenden. Schluss mit den Gesprächen, die alles im Kreis drehen, alles ist gesagt, es weiß eh keiner was. Die eine Hälfte spricht sich reflexhaft Mut zu, die andere prophezeit den Weltuntergang, mindestens den Ruin. Raus da. Es ist geregelt was zu regeln ist. Es kommt die Erkenntnis, was diese Wochen für ein Kraftakt waren. In der Wucht mit der das Leben aus den Angeln gehoben war und im Surrealen dass es plötzlich hat. Und ja, in guten Momenten Sorge. In blöden Angst. Aber interessanterweise folgt das Schlechte den gleichen Gesetzen wie das Schöne. Es nutzt sich ab. Apokalyptisches Einkaufen, seltsam rentnerhafte Spaziergänge in Parks, in denen Menschen umeinander schleichen. Gleichsam freundlich und zugewandt wie nie. In der verordneten Distanz finden die Menschen Nähe, und Verbundenheit in der Unsicherheit. Es folgt Stille, den plötzlichen und unverhofften Freiraum sehen und nutzen. Im Sinne von weniger Vorgängen, weniger Alltag, weniger Rhythmus, weniger Gewohnheiten. Platz zum denken, verwerfen und neu aufgreifen. Eigene Strukturen schaffen. Wo und wie will ich eigentlich arbeiten. Fragen die ich mir seit Jahren Stelle und auch immer wieder Antworten gefunden habe. Nur hat sich der große Koloss Tagesgeschäft und meine eigene Gewohnheit oft zwischen mich und die eigene Erkenntnis gestellt. Was bleibt: Alles anders im Gleichen. Und die kollektive Erfahrung, dass unsere Systeme nicht unumstößlich sind. Dass wir verwundbar sind. Die Worte der Kanzlerin, sie wirken und sie wirken nach. Wir sorgenfreieste Generation im sorgenfreiesten Land. Und der seltsame Trost den es mit sich bringt, wenn ein Kollektiv unverschuldet in Not gerät. Unaussprechliches wird plötzlich sagbar, finanzielle Not haben die allermeisten, dann können wir ja wenigstens darüber sprechen. Undenkbar sonst in dieser von Disziplin und Fassade getriebenen Gesellschaft. Hose runter, ich hab auch nix drunter.Vielleicht bleibt ja davon ein bisschen.













