Stockholm
Von Helsinki aus nahmen wir eine Übernachtsfähre direkt nach Stockholm. Alle anderen hatten sich freiwilig für eine Kreuzfahrt eingeschrieben, wir mussten sie zwangsmässig nehmen. Für uns fühlte es sich an, als wären wir 24h in einem vollen, reizüberflutenden Einkaufszentrum gefangen gewesen. Die Luft roch nach Klimaanlage und Parfümproben und unsere Augen sehnten sich nach Grün. Doch das ist der Preis, wenn man schnell und günstig ankommen möchte. Tipp für alle Fährenfahrer: Im Konferenzbereich chillt niemand und es gibt leckere glutenfreie (Jöri!!) Kekse. Ausserdem: Das bequeme Sofa rechts aussen links neben der Pflanze, welches mit Kekskrümeln besäht ist, ist jetzt schön durchgesessen.
Egal. Stockholm war ok. Die Ästhetik der Stadt ist bestimmt ganz toll, aber wir hatten nach Helsinki genug Stadt-Input. Das Highlight war, dass wir, mitten in der Altstadt, günstige vegane Quesadillas von einer waschechten Mexikanerin gegessen haben. Als sie herausfand, dass ich (Alina) ein bisschen Spanisch spreche, konnte sie nicht mehr aufhören zu reden (und ich zu stottern).
Besonders gut gefallen haben uns aber die kunstvollen U-Bahnen. Da hat sich jemand richtig Mühe gegeben (im Gegensatz zu Berlin). Überall entdeckte man etwas Neues und die Decken waren bunt bemalt (siehe Bild).
Da wir in Stockholm viel zu viel Geld für Essen und Öffentliche ausgegeben hatten, entschieden wir uns nach Oslo zu trampen. Wir informierten uns auf dem hitchhikewiki und gingen zu einer berühmten Hitchhike Tankstelle, ausserhalb der Stadt. Dort standen wir dann für 3h, wurden von der Tankstelle gekickt und oft komisch angeguckt. Positiv war, dass uns einige Norweger eine Norwegen Karte schenkten, leider fuhren sie in die falsche Richtung. Alle Autofahrer die wir fragten, fuhren in die Stadt anstatt weg von ihr. Schlussendlich gaben wir auf. Unser Traum kostenlos nach Norwegen zu kommen, zerbrach vor unseren Augen. Also warteten wir demütig auf den Bus zum nächsten Bahnhof. Bis zur letzten Sekunde hielten wir die Daumen gestreckt, doch es half nichts. Wie schafften das denn all die anderen Leute? Wir inspizierten uns gegenseitig. Sahen wir komisch und abschreckend aus? Als der Bus endlich kam, winkte uns der Busfahrer durch, weil das Kartenlesegerät nicht funktionierte. Nagut. Immerhin 5 Euro gespart. Im zweiten Bus funktionierte es ebenfalls nicht! Hey! Schon 10 Euro!
Am Bahnhof angekommen, versuchten wir auf allen möglichen Wegen (Automat, Website, Ticketschalter, Kiosk) ein Ticket zu bekommen, doch irgendwie lag immer ein technischer Fehler zu Grunde. Also stiegen wir in den Zug und fuhren 100km, wieder kostenlos! Wir freuten uns und kicherten aufgeregt, als der Schaffner uns übersah zu kontrollieren. Am nächsten Bahnhof angekommen, entschieden wir uns dort ein Ticket zu kaufen. Ein zweites Mal, wird uns der Schaffner sicherlich nicht übersehen. Wie wir von einem überforderten Zugs-informations-Heini erfuhren, ist landesweit das Ticketsystem zusammengebrochen!! Auf die Frage, was wir denn nun tun sollen, zuckte er mit den Achseln und grinste: “You get a ride for free!” Unser innerer Freigeist begann zu zappeln, müssen wir den Traum doch nicht aufgeben? 300km reisten wir also am Ende, ohne einen Penny auszugeben. Das war ein echt geiler Tag. Gestartet mit Hoffnung und Vorfreude, durchkreuzt von Enttäuschung und geendet mit einem wohligen Gefühl, dass das Karma es gut mit uns meinte!
SÄNK JU FOR TRAVELING WIF SCHWEDISCHE BAHN.













