Wie wÀre es? wenn man die Kinder dieser Generation
nicht nur darauf vorbereitet, wie die Welt *ist*
(so dass sie spÀter mal darin klar kommen werden)
Sondern auch darauf, wie die Welt sein *könnte*,
falls sie (also die jetzigen Kinder dieser Generation, die spĂ€ter mal sogenannte "Erwachsene" sein werden) nicht zu solchen verdammten egozentrischen, ignoranten Arschlöchern werden, wie es ihre Eltern und GroĂeltern heute bereits sind?
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"Nein, Sie missverstehen", sagte sie zu dem bewollmĂŒtzten Herrn mit Brille und lieĂ ihr strahlendstes LĂ€cheln auf die Welt so im Allgemeinen los, "Ich bin keineswegs höflich. Oder freundlich. Oder zuvorkommend. Ihnen fehlt nur schlichtweg die intellektuelle KapazitĂ€t meinen Sarkasmus auch als solchen zu begreifen"
Der Bebrillte nickte. Gerade so als hÀtte er verstanden.
Ein (viel zu langer) Text der einfach mal raus muss. Weil es mich inzwischen echt einfach nur noch ankotzt.
Wie oft habe ich Aussagen wie die in der Ăberschrift in den letzten Monaten gelesen oder gehört...
âIch lasse mir meine Meinung nicht verbieten!â, wird skandiert.
âDu kannst mir meine Meinung nicht nehmen!â, wird protestiert.
âLass mir meine Meinung!â, wird gefordert.
Gerade so, als ob es irgendwie, in irgendeiner Form möglich sei, jemandem seine oder ihre Meinung wegzunehmen.
Gerade so, als ob man Meinungen einfach austauschen oder löschen könnte.
Meinungen verschwinden nicht durch bloĂes Verbot. Und wer das denkt, hat ein ganz anderes Problem. NĂ€mlich das mit der eigenen Meinungsbildung. Die ist dann nĂ€mlich nicht sehr belastbar.
Meinungen kann man nur selbst Àndern oder nur selbst ablegen. Niemand kann deine oder meine Meinung Àndern. Das kannst nur du selbst und das kannst nur ich selbst tun.
Es geht in diesen FĂ€llen - wie ĂŒblich - ausschlieĂlich darum, die âandere Seiteâ zum Verstummen zu bringen, indem laut hinausposaunt wird, âdie andere Seiteâ wolle etwas wegnehmen (die Meinung), etwas verbieten (die Meinung auszusprechen) oder sie wĂŒrde âunsâ ungerecht behandeln (wegen der eigenen Meinung).
Dabei geht es gar nicht nicht um Meinungen. Es geht auch nicht um Austausch derselben. Es geht gröĂtenteils nicht mal darum, einfach nur gehört zu werden. Worum geht es hier wirklich? Komm ich gleich drauf.
Ich bin ziemlich ĂŒberzeugt davon, dass die meisten, die so laut ĂŒber angebliche Meinungsverbote krakeelen, genau wissen, dass was sie hier als populistische Sau durchs sprichwörtliche Dorf treiben, nichts als ein Strohmann Argument ist.
Sicher: Es ist unbequem, wenn die eigene Meinung von anderen in Frage gestellt wird.
Wenn ich aber Angst davor habe, jemand könne meine Meinung Ă€ndern, dann ist das Problem nicht die andere Person, sondern ausschlieĂlich ich selbst und die Art und Weise, wie ich mir meine Meinung gebildet habe. Wenn ich Angst davor habe, jemand könne meine Meinung Ă€ndern, dann heiĂt das nichts anderes, als dass ich mir nicht 100%ig sicher bin, dass das, was mich zu meiner Meinung gefĂŒhrt hat, einer genauen ĂberprĂŒfung stand hĂ€lt. Spielt da vielleicht auch âKognitive Dissonanzâ mit? In manchen FĂ€llen mag das so sein.
Worum geht es also hier wirklich?
Die oben angefĂŒhrten Parolen zielen auf etwas völlig anderes ab:
Es geht darum, alle Versuche zu blockieren, die dazu fĂŒhren könnten, die eigene Meinung kritisch hinterfragen mĂŒssen. Oder die dazu fĂŒhren könnten, dass ANDERE die prĂ€sentierte Meinung kritisch hinterfragen könnten.
Meinungsaustausch und Diskurs soll unterbunden werden.
Die Meinung soll unangreifbar ĂŒber allem stehen. Aber selbstverstĂ€ndlich nur, wenn es die RICHTIGE Meinung ist. Und die ist - in den Augen derjenigen, die am lautesten protestieren - natĂŒrlich immer die eigene.
Was bedeutet also âLass mir meine Meinungâ tatsĂ€chlich?
Es bedeutet: Konfrontiere mich nicht mit Dingen, die meiner Meinung entgegenstehen.
Die GrĂŒnde fĂŒr diese Ablehnung können vielfĂ€ltig sein:
a) Ich habe absolut kein Interesse daran, meine Meinung gegebenenfalls Ă€ndern zu mĂŒssen - völlig unabhĂ€ngig davon, ob ich richtig liege oder nicht. Man könnte diesen Grund sehr verkĂŒrzt als âIgnoranzâ darstellen.
b) Meine Meinung ist keine auf Evidenz und Fakten basierende rationale Herleitung. Sie ist nicht fundiert genug, als dass ich mich der Angst davor aussetzen will, mich mit Argumenten auseinandersetzen zu mĂŒssen, die mich ggf. in einen Widerstreit mit meinem GefĂŒhl bringen könnten. [hier wieder Kognitive Dissonanz].
AuĂerdem ist es mir zu mĂŒhsam Dinge rational einordnen zu mĂŒssen. Gegebenenfalls habe ich auch nicht die richtigen âWerkzeugeâ dazu, weil ich analytisches Denken nie gelernt habe. Kurz: a)
c) Ich bin so ĂŒberzeugt von meiner Meinung, dass ich mir nicht mal vorstellen kann falsch zu liegen und deshalb kein Interesse an Gegenargumenten habe. Was uns wiederum zu a) fĂŒhrt
d) Ich bin Gott und kann also - per Definition - nicht falsch liegen, da ich als Schöpfer von allem, auch beliebig alles Ă€ndern kann. Kurz: Alles ist beliebig und zwar nach meinem eigenen Belieben. Ist doch prima Gott zu sein! Und auch hier fĂŒhrt der Weg unweigerlich zurĂŒck zu a) denn "Who the fuck cares what those think that are not like me?â
[Edit: e) Ich möchte nicht, dass andere auf die Idee kommen, meine Meinung kritisch zu hinterfragen. Was vermutlich diesmal nicht zu a) zurĂŒckfĂŒhrt und die berĂŒhmte Ausnahme der hier behaupteten Regel ist]
ZugegebenermaĂen ist in manche FĂ€llen tatsĂ€chlich eine Diskussion mit diesen Leuten möglich. Und in in 99% dieser FĂ€lle wiederum wird dann sofort umgeschwenkt auf ein anderes Thema.
Es gehe ja eigentlich gar nicht um âMeinungenâ an sich. Schon klar, dass man die nicht wegnehmen könne. Es gehe um die âfehlende freie MeinungsĂ€uĂerungâ und um die âMeinungsmanipulationâ.
Die âMeinungsĂ€uĂerungâ dĂŒrfe nicht beschrĂ€nkt werden: Nicht vom Staat, nicht von Nicht-staatlichen Organisationen, nicht von Mitmenschen.
Und âMeinungsmanipulationâ mĂŒsse verhindert werden.
Und ja. Ja. Ja! Ja!! Diese Diskussion MUSS gefĂŒhrt werden. Aber du Ă€uĂerst doch grade deine Meinung, Klaus-Dieter.
Ihr konterkariert mit dem was ihr tut, genau das, was ihr behauptet erreichen zu wollen.
Was soll also das Strohmann-Argument? Was soll dieser unehrliche Populismus?
Die freie MeinungsĂ€uĂerung ist genau das, was ihr mit euren Aussagen verhindern wollt. Wer sich auf diese Weise positioniert, sagt ganz klar, dass Diskussion nicht stattfinden soll. Das MeinungsĂ€uĂerung nicht frei sein darf.
Denn Diskussionen KĂNNEN nicht gefĂŒhrt werden, wenn Meinungen als unangreifbar gelten.
Meinungen MĂSSEN angreifbar sein und bleiben. Wer seine Meinung ausspricht MUSS akzeptieren, dass ihm oder ihr widersprochen wird.
Hier den Strohmann der âfreien MeinungsĂ€uĂerungâ aus dem Hut zu zaubern ist nicht nur unehrlich sondern ein Widerspruch in sich selbst.
Wer das RECHT der âfreien MeinungsĂ€uĂerungâ in Anspruch nimmt, hat gleichermaĂen die PFLICHT die Konsequenz einer Gegenrede zu akzeptieren.Â
Ich kann diesen Blödsinn der angeblichen âMeinungsdiktaturâ einfach nicht mehr hören.
Ob auf allen Plattformen, ob ĂŒberall fair und ehrlich mit âfreier MeinungsĂ€uĂerungâ umgegangen wird, darĂŒber muss man in der Tat diskutieren. Immer! Es MUSS ein konstanter Austausch stattfinden.
Ja, das ist ein feiner Grat. Wo ziehe ich die Grenze? Wie reguliere ich das?
Eigentlich nein... der Grat ist nicht so fein. Der Grat ist klar. Nur die Regulierung ist ein Problem.
Es ist wie Soziologe Daniel Patrick Moynihan sagt: "Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten".
Fakten sind nachprĂŒfbar. Und belegt. Meinungen sind... Meinungen.
Meinung =/= Fakt
Wer Meinung als Fakt verkauft ist raus aus der Diskussion. MUSS raus aus der Diskussion sein.Â
Hass =/= Meinung
Wer Hass predigt ist raus aus der Diskussion. MUSS raus aus der Diskussion sein.
Anschuldigungen mĂŒssen mit Fakten belegt sein. Nicht mit Meinungen. Wer das nicht tut ist raus aus der Diskussion. MUSS raus aus der Diskussion sein.
SelbstverstĂ€ndlich kannst du und darfst du der Meinung sein, dass die Erde eine Scheibe ist, oder hohl ist. Und kannst und darfst auch glauben, die Mondlandung(en) sei(en) im Studio inszeniert, oder der Mond sei aus KĂ€se. Auch, dass Viren nicht existieren und die Pandemie nur Fake sei. Das alles mögen deine Meinungen sein und die kann dir niemand nehmen. Und, ja, du hast auch ein Recht auf diese Meinungen. Es herrscht Meinungsfreiheit. Wenn du sagst, dass du das alles glaubst und das alles deine Meinung ist, dann muss ich das akzeptieren. Als deine Meinung.Â
Warum denkst du aber, dass ich nicht das Recht habe, dir zu sagen, dass das alles unwahr ist? Wieso habe ich weniger Rechte als du?
Was kotzt dich so an, Hans-GĂŒnther?
Das ich nicht zu allem Ja und Amen sage, was du von dir gibst?
Das ich ĂŒberhaupt was sage?
Das heiĂt also, du bist gegen freie MeinungsĂ€uĂerung?
Das Problem ist nicht, dass du diese Meinungen hast oder dass du sie Ă€uĂerst. Das Problem beginnt dann, wenn du diese Meinungen als âFaktenâ prĂ€sentierst und sie mit lĂ€ngst nachweislich widerlegten Aussagen, die du ebenfalls als âFaktenâ prĂ€sentierst untermauerst. Wenn du Behauptungen aufstellst und Anschuldigungen in den Raum stellst und keinerlei belastbare Beweise dafĂŒr lieferst. Denn dann ist das keine âMeinungsĂ€uĂerungâ mehr. Das ist genau das, wogegen du dich so offen positionierst:
Manipulation
Und das Problem geht weiter, wenn du denen das Maul verbieten willst, die sich gegen deine Meinung stellen. Die IHRE Meinung sagen.
Und weil du das nicht begreifst, oder nicht begreifen willst, deswegen wetterst du so laut gegen die âFaktencheckerâ.
Oder liegt es daran, dass die âFaktencheckerâ ausschlieĂlich zu genau den Ergebnissen kommen, die deiner Meinung entgegenstehen?
Die einfachste Art und Weise herauszufinden, ob jemand ehrlich ist - und selbstverstĂ€ndlich ist das natĂŒrlich nur eine Faustregel und funktioniert nicht *immer* - ist festzustellen, an was er oder sie wirklich interessiert ist: Geht es um Informationsaustausch oder geht es um simple BestĂ€tigung der eigenen Meinung? Â
âDonât judge me for my opinionâ, wird verlangt. Und nein, das tue ich nicht. Ich werde deine Meinung aber hinterfragen. Und werde - je nachdem - wie du mit meiner und anderer Leute Meinung umgehst, wie du dir deine Meinung bildest ein Bild von dir haben.
Eine Meinung ist erstmal nur eine Meinung. Wie diese Meinung entsteht, was du aus dieser Meinung machst, und wie du reagierst, wenn du mit etwas konfrontiert wirst, was deiner Meinung entgegensteht, das ist was zĂ€hlt.Â
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âSo dĂŒrfen Sie nicht denkenâ
... sagte er zu mir nachdem ich meinen Einwand vorgebracht hatte.
âSie glauben also... und bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege...â, antwortete ich, "dass, indem Sie mir vorschreiben, was oder was ich nicht zu denken habe, ein schlagkrĂ€ftiges Argument zu besitzen? Finden Sie nicht, dass Sie es sich ein wenig zu einfach machen? Anstatt mir GrĂŒnde zu liefern, warum Ihre Position - und nicht meine - die âkorrekteâ ist und anstatt zu versuchen sofort mit Fakten Ăberzeugungsarbeit zu leisten, schalten Sie umgehend auf eine simple - und ich muss gleich auch noch hinzufĂŒgen - extrem respektlose autoritĂ€re EinschĂŒchterungstaktik um, die nicht nur ausnehmend ĂŒberheblich ist, sondern mit der Sie gleichzeitig nicht nur meine Ernsthaftigkeit in Frage stellen, sondern auch meine Intelligenz beleidigen, weil Sie einerseits glauben, ich wĂŒrde auf diesen billigen Trick hereinfallen und andererseits implizieren, ich hĂ€tte nicht bereits im Vorfeld viel Zeit und Energie aufgewendet, mich mit diesem Thema eingehend zu beschĂ€ftigen. Wenn Sie also tatsĂ€chlich der Meinung sind, dass es Ihrer âMissionâ förderlich ist, mir nicht einmal den grundlegendsten Respekt zu zollen, den man als ein Mensch einem jeden anderen Menschen zugestehen sollte, dann finde ich das zutiefst verstörend und auch verletzend. Haben Sie mich gefragt, warum ich denke wie ich denke, welche tieferen GrĂŒnde ich fĂŒr meine Position habe? Nein. Sie wollen mich stumm schalten. Noch eines: Wenn Sie wirklich der Ăberzeugung sind ich sei von Ihrer âPersönlichkeitâ oder Ihrem âentschiedenen Auftretenâ, das nebenbei durch Ihren kompletten Mangel an grundlegendsten rhetorischen FĂ€higkeiten bizarr konterkariert wird, so geblendet, dass ich nun umgehend einknicke und sage, âOh, alles klar! Gut! Sie haben mich ĂŒberzeugt. Ich weiĂ nun, dass ich mit meiner ursprĂŒnglichen Aussage, die âHaus & Garten Zeitschriftâ niemals brauchen zu werden, absolut falsch lag. Bitte, her mit dem Abo!â, dann muss ich Sie tief enttĂ€uschen und vermutlich werde ich damit auch Ihren ganz offensichtlichen Narzissmus krĂ€nken. Denn das werde ich nicht tun. Ich wĂŒnsche Ihnen einen guten Tag und hoffe, Sie gehen in sich, junger Mann!â
Mit diesen Worten schloss ich die TĂŒr und fragte mich einen Moment lang, ob ich nicht ein wenig zu weit gegangen war. Junger Mann? Er war mindestens schon 40.
âWillst du eine Bowlingkugel kaufen?â, hörte ich eine Stimme hinter mir.
Ich saà im leichten Schneetreiben des Winterabends fröstelnd auf der Bank des Bahnsteigs und wartete mit hochgeklapptem Mantelkragen auf meinen Zug.
Die Bahn hatte - mal wieder - VerspÀtung.
Ich blickte mich, zugegebenermaĂen etwas neugierig, um. Zwar hatte ich kein wirkliches Interesse an Bowlingkugeln, aber solch ein Angebot bekommt man schlieĂlich nicht alle Tage.
Ein paar Jugendliche standen dicht an dicht gedrĂ€ngt hinter mir an der Bahnsteigkante. Der augenscheinliche AnfĂŒhrer der Gruppe - mit der Bowlingkugel unter einem Arm und einer Flasche Bier in der Hand des anderen - winkte einem blonden jungen Mann zu, der sich etwas abseits eine Zigarette anzĂŒndete.
Offenbar galt ihm das Angebot und nicht mir.
Beim Bier des AnfĂŒhrers handelte es sich um âPilsâ, wie mir mein geschultes Auge sofort verriet. Ich bin kein groĂer Biertrinker aber die Worte ânach Pilsener Brauartâ auf dem Label der Flasche gaben mir den entscheidenden Hinweis.
âEine Bowlingkugel?â, fragte der Blonde. Deutliches Interesse schwang in seiner Stimme mit. Er trat nĂ€her.
âJa. Is ne spitzen Kugel. No cap. Willste?â
âWieviel?â, fragte der Blonde und fuhr sich nervös mit den Fingern durch die Haare.
â30 Euro, Digga.â, antwortete der Pils-Mann.
âOh, wow. Ja, du... hmm... an sich... Hmmm...â
âEs ist eine 1-A Bowlingkugel mit astreinen Löchern fĂŒr MĂ€nnerfinger.â
â30 Euro sagst du?â, fragte der Blonde und kramte hastig nach seiner Geldbörse.
Nach einigen Sekunden blickte er enttÀuscht auf.
âOkay... also ich muss heute noch unbedingt Gras kaufen, das verstehst du, oder? FĂŒr beides reichen die Funds nicht.â
âAlles gut, Digga! Ich fĂŒhle das. Kein Stressâ, antwortete der Pils-Mann und nickte dem Blonden groĂmĂŒtig zu.
âDu bist ein Ehrenmannâ, sagte der Blonde, âUnd ich muss sagen, dass du jetzt sowas wie mein Held bist. Wirklich. Ich meine... du stehst hier, mit ner Bowlingkugel. Das ist echt... Das ist wild, Mann! Sag mal... wĂ€r es okay fĂŒr dich, wenn ich ein Foto mit dir mache? FĂŒr Insta?â
âFoto? Logo, Digga. Komm herâ, erwiderte der Pils-Mann und hielt die Flasche seinen Begleitern entgegen, âHaltet mal mein Bierchen, Leute. Foto-Zeit!â
Nach einigem Hin und Her welches Handy nun fĂŒr das Foto benutzt werden könne, solle oder dĂŒrfe - offenbar hatte der Blonde mehr als ein Telefon - war es dann soweit. Ein sattes digitales Klicken bestĂ€tigte das Ergebnis - vermutlich nun zu Begutachten auf einem Instagram-Feed irgendwo im World Wide Web.
Ob die Bowlingkugel werbewirksam prÀsentiert ist, weià ich nicht. Der Account ist mir unbekannt.
Die Bahn fuhr ein, was auch der Pils-Mann bemerkte. Er schnappte sich die Flasche aus der Hand eines seiner Begleiter, nahm einen tiefen Schluck und verstaute sie sorgfÀltig auf einem der Fahrkartenautomaten.
âLeute, der Sozialschlauch fĂ€hrt ein. Wir mĂŒssen los!â, bestimmte er und marschierte voran, seine MĂ€nnerfinger fest in den astreinen Löchern der 1-A Bowlingkugel.
Und mit âwirâ, meine ich Dich, werter Leser, Dich werte Leserin und mich.
In dieser Vereinbarung geht es um das VerstÀndnis der Texte hier auf diesem Blog.
Nur ĂŒber die - natĂŒrlich - die ich selbst verfasst habe. Texte anderer Autor:innen, die ich gegebenenfalls in Zukunft per sogenanntem âReblogâ auf meinem eigenen Blog teilen werde und natĂŒrlich auch diejenigen, die ich in der Vergangenheit geteilt habe, betrifft das natĂŒrlich nicht. Soweit will und darf ich mich nicht aus dem sprichwörtlichen Fenster lehnen. Denn das wĂ€re ĂŒbergriffig.
Wir mĂŒssen die Vereinbarung treffen, dass Du, werter Leser, und Du, werte Leserin, diese Texte als GENAU DAS, begreifst, was sie auch sind:
Die reinste Wahrheit
100%ig exakt die Wahrheit. Und das alles Beschriebene auch exakt und 100%ig genau so passiert ist, wie geschildert.
Das heiĂt aber natĂŒrlich nicht, dass niemals Unwichtiges weglassen, die eine oder andere Sache hinzufĂŒgen, oder mir schlicht auch mal Dinge ausdenken werde. SelbstverstĂ€ndlich werde ich das tun. Denn das ist manchmal notwendig, um meine Texte noch wahrer als die tatsĂ€chliche Wirklichkeit prĂ€sentieren zu können. Das bin ich der Wirklichkeit schlieĂlich schuldig. Davon bin ich ĂŒberzeugt.
Denn wir alle wissen - liebe Leser:innen - Wahrheit und Wirklichkeit sind sehr hĂ€ufig nicht unbedingt immer das Gleiche.Â
Mit dieser PrĂ€misse melde ich mich zurĂŒck aus meiner Social-Media-Pause und heiĂe Dich, werter Leser und Dich, werte Leserin, ganz herzlich auf diesem, meinem kleinen Blog in den unendlichen Weiten des WWW willkommen.
Lasst uns alle das Jahr 2022 (und die Folgejahre) zu etwas ganz besonderem machen.
Denn das sollten wir uns alle wert sein. Wahre Wirklichkeit hin oder her.
Wanderschuhe, graue Wanderhose, Hemd und Weste... ich mische mich unauffĂ€llig unter die rĂŒstigen Rentner und murmele zur BekrĂ€ftigung meiner Tarnung noch etwas von Kreuzfahrten und der CSU.
Geburtstag ist bald. Ich bin bereit. Auch wenn's zum Rententag noch ein paar Jahrzehnte hin sind. Alt sein ist nicht schlimm. Habs grad ausprobiert.
"Tauscht Wanderschuhe mit weiĂen Socken in Sandalen, setzt Pepitahut auf, klemmt sich die BILD unter den einen, die WELT unter den anderen und faselt was von FDP, AfD und "Die Basis"..."
Joa... es ginge _noch_ schlimmer... Aber ich habe wenigstens noch einen Funken Selbstachtung đ
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Wanderschuhe, graue Wanderhose, Hemd und Weste... ich mische mich unauffĂ€llig unter die rĂŒstigen Rentner und murmele zur BekrĂ€ftigung meiner Tarnung noch etwas von Kreuzfahrten und der CSU.
Geburtstag ist bald. Ich bin bereit. Auch wenn's zum Rententag noch ein paar Jahrzehnte hin sind. Alt sein ist nicht schlimm. Habs grad ausprobiert.
Bin ich noch ein guter Mensch, wenn ich meine schlechten Taten bereue? Reicht das aus, oder muss man versuchen, es daraufhin besser zu machen? Ist man ein schlechter Mensch, wenn man nicht aus seinen Fehlern lernt?
Man ist kein schlechter Mensch, wenn man nicht aus einen Fehlern lernt.
Wenn man nicht aus seinen Fehlern lernt, ist man ist ein dummer Mensch.
Man ist ein schlechter Mensch, wenn es einem egal ist, dumm zu bleiben.
Und âReueâ ist eine BeschĂ€ftigungstherapie, auferlegt von Menschen und Organisationen, die einen an sich ketten wollen, indem sie versuchen, anderen einzureden, dass Reue eine Tugend sei. Wobei sie doch nur sinnlose SelbstgeiĂelung ist, die einem die Zeit und Energie raubt, am âdumm seinâ was zu Ă€ndern, Fehler einzugestehen, diese in Zukunft zu vermeiden, und vielleicht sogar den entstandenen Schaden wieder - zumindest ein wenig - gut zu machen.Â
âWir gehen nicht mehr in das FahrradgeschĂ€ft hier im Ortâ, sagte meine Nachbarin, âDas ist so ein Familienunternehmen. Und ich mag ihn nicht. Den Besitzer.â
Ich nickte wissend um mir meine Unwissenheit nicht allzu deutlich anmerken zu lassen und versuchte weiter erfolglos den alten Fahrradcomputer am Lenker meines neuen Rads zu installieren, das ich just an diesem Tag in eben jenem FahrradgeschÀft hier im Ort gekauft hatte. Den Besitzer kenne ich nicht.
âWir haben da letztes Jahr ein Rad fĂŒr Karina gekauftâ, fuhr meine Nachbarin fort, ganz so, als ob das alles erklĂ€ren wĂŒrde.
Mein Nicken wurde intensiver, genau wie meine Ratlosigkeit. Karina ist eine ihrer beiden Töchter. So viel wusste ich. Das war dann aber ehrlich gesagt auch schon alles was ich wusste. Speziell wusste ich nicht, warum mein bescheuerter Fahrradcomputer, der noch eine viertel Stunde zuvor an meinem alten Rad brav die Kilometer zÀhlte, am neuen einfach nicht funktionieren wollte.
âEs ist ein sehr schönes Rad. Wirklich schön. So wie deinesâ, fĂŒhrte die Nachbarin ihren Gedanken weiter, âEs ist auch ein Cross-Bikeâ, statierte sie. âDu kannst es dir ja mal ansehen. Es steht im Fahrradkeller.â
Ich nickte. Abermals. Und kratzte mich am Kinn.
Verdammter Fahrradcomputer.
âNach einem Jahrâ, so verkĂŒndete sie schlieĂlich, âNach einem ganzen Jahr haben wir dann herausgefunden, dass das Rad, das wir fĂŒr Karina gekauft haben, gar kein Damenfahrrad ist. Sondern ein Herrenrad. Und das geht einfach nicht. Das ist nicht in Ordnung! Das ist ein Unding!â
âWie habt ihr das denn herausgefunden?â, fragte ich. Einen ironischen Unterton konnte ich mir nicht komplett verkneifen.
âKarinaâs Schulkollegen haben es ihr gesagt. Es ist ein Herrenrad. Das muss man sich mal vorstellen!â
âIch versuche esâ, sagte ich mit einem erneuten Nicken, und gab meine Fahrradcomputer-Installationsversuche fĂŒrs erste auf.
.. ein Song von Mutterliebe und der Sehnsucht nach dem Pausenbrot
Uschi steht in der âSĂŒddeutschenâ. Â Im Kulturteil. Hat mir Charly grade geschrieben. Uschi ist âBand der Wocheâ. Und wenn das nicht cool ist, dann weiĂ ich auch nicht.
Wer sich gefragt haben sollte was ich in den letzten Monaten so getrieben habe: Unter anderem habe ich zusammen mit der MĂŒnchner Band âUschiâ ein Musikvideo fĂŒr ihren Song âKnĂ€ckerKnackerâ gedreht. Und ich wollte auch was drĂŒber schreiben. Und das hab ich auch. Habâs aber nie geposted. Warum? Weil diese verdammte Pandemie mein Gehirn fickt, sagen wir es doch mal einfach, wie es auch ist ;)
Wie auch immer... Gestern hat mir Charly geschrieben, dass âUschiâ Band der Woche der SĂŒddeutschen Zeitung ist und das ist groĂartig! Artikel zu finden hier.
Kontakt zu âUschiâ bekam ich ĂŒber meinen guten Freund Basti. Seine Kollegin Charly hat eine Band, hat er gesagt, und die wollen ein Musikvideo machen und ob ich da nicht Bock drauf hĂ€tte.
Ich hatte. NatĂŒrlich hatte ich. Was ne Frage? Ich hatte den Basti - der selbst Musiker ist - ja bereits gefĂŒhlt jeden zweiten Tag genervt, ob wir nicht mal âwas kreativesâ zusammen machen wollen. âEin Musikvideo oder so...â Drum kam er auch auf die Idee, mich mit Charly und somit mit âUschiâ in Kontakt zu bringen.
Nach ein wenig Hin- und Her-Schreiberei und zwei Treffen mit der Band, in denen wir uns gegenseitig ein wenig beschnupperten und auch grundsĂ€tzlich mal Ideen und AnsĂ€tze austauschten, haben wir uns dann Ende letzten Jahres fĂŒr ein Wochenende aufs âLandâ zurĂŒckgezogen und dort das Musikvideo improvisiert.
Klare Vorgaben haben wir uns bewusst nicht gegeben. Nur der Klamotten-Stil, war klar: Passend zur 70er Jahre Einrichtung des kleinen Ferienhauses in dem wir drehten. Und natĂŒrlich gab es eine Unmenge an âKnĂ€ckerKnackernâ. Denn schlieĂlich geht es genau um die in dem Song.
Ich hatte ein paar Bilder im Kopf, die ich umsetzen wollte. Bei einigen ist es mir gelungen, bei anderen nicht. Einige habe ich dann verworfen, denn viel zu viel deutlich Spannenderes ist bei der konkreten Arbeit mit Charly, Sophie, Philipp und Vincent entstanden.
Und so soll sich fĂŒr mich KreativitĂ€t anfĂŒhlen. Einfach machen. Offen sein. Experimentieren und gespannt sein, was dabei herauskommt. DarĂŒber sprechen, neue Ideen einflieĂen lassen und am Ende vielleicht - nur vielleicht - ein Ergebnis zu haben, das komplett anders ist, als man es sich vorher vorstellte. Oder genau so, wie man es zuerst dachte.
Nach der PrĂ€sentation des Rohschnitts kam in der anschlieĂenden Diskussion mit der Band (bei Pizza und Bier) eine weitere Idee auf, die schlieĂlich und endlich zu dem Intro des Videos fĂŒhrte.
Plötzlich schien alles ganz neu in sich zu greifen, eine neue Dynamik im Video ploppte urplötzlich auf.
Die Pandemie lĂ€hmt vieles. Was sie nicht lĂ€hmt - ganz im Gegenteil - ist der Drang etwas zu erschaffen. Die Feder wird gespannt. Ich habe das groĂe GlĂŒck und die groĂe Freude, schon in das Album âEine Schwierige Entscheidungâ hineinhören zu dĂŒrfen, das in den Startlöchern steht. Und es wird in der Tat eine schwierige Entscheidung werden, welchen Song wir als nĂ€chstes angehen.
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Corona und die UmstĂ€nde haben viel kaputt gemacht. Speziell natĂŒrlich auch im kulturellen Bereich. Theater, Musik⊠alles was live-Publikum benötigt, liegt seit Monaten im Winterschlaf. Ein Winterschlaf aus dem vermutlich viele nicht mehr erwachen werden. Doch nicht nur die âlive Kunstâ ist massiv angeschlagen. Alles was Menschen direkt zusammenbringt ist betroffen.
Ist Kunst systemrelevant? Â
NatĂŒrlich betrifft es nicht nur die KĂŒnstler*innen selbst. Die gesamte Industrie der Kulturschaffenden ist betroffen, vor und hinter den Kulissen. Auf, hinter und unter der BĂŒhne, im Spotlight sowie hinter dem Pult mit den Schaltern und Dimmern fĂŒrs Licht und den Reglern und Kabeln fĂŒr den Ton.
Diejenigen, die sich dem Publikum prÀsentieren, wie auch diejenige, die es ermöglichen, dass sie sich prÀsentieren können. Ein riesiger Organismus ist lahmgelegt.
Ist das Publikum nicht Teil des kĂŒnstlerischen Akts?
Was immer wir tun, wir tun es ⊠warum? Wir tun es aus ⊠GrĂŒnden ⊠Wir gehen zur Schule weil wir etwas lernen wollen oder weil uns unsere Eltern dazu zwingen. Oder beides. Wir gehen zur Arbeit weil wir dafĂŒr Geld bekommen oder weil es uns Freude macht. Oder beides.
Wir machen Kunst, weil⊠?
OkayâŠÂ âunpopular opinion-Alarmâ: Ich glaube nicht, dass man Kunst machen kann. Dass man Kunst produzieren kann. Dass man sich bewusst dazu entscheiden kann, Kunst zu machen oder KĂŒnstler zu sein. Man kann es versuchen, ja. AberâŠ
⊠ob etwas Kunst ist oder nicht âŠ
⊠liegt nicht in unserer Hand.
Nicht in meiner.
Nicht in deiner.
Nicht ich entscheide, ob was ich mache Kunst ist.
Nicht ich entscheide, ob ich KĂŒnstler bin.
Ich tue Dinge. Ich mache Dinge. Ich schreibe, singe (nicht ich), mache Musik (nicht ich), fotografiere, male, forme, erzÀhle⊠Das tue ich (oder nicht). Das mache ich (oder nicht), und manches davon ist Kunst. Doch nicht ich bin es, der entscheidet ob es Kunst ist.
Ich kann meine begrĂŒndete Meinung abgeben, warum ich denke, es sei Kunst. Aber entscheidenâŠ
⊠entscheiden kann ich es nicht.
Denn Kunst ist nicht das âDingâ⊠nicht das Bild, nicht die Skulptur, nicht der Text, nicht der Tanz, nicht die MelodieâŠ
Kunst istâŠ
Was ist Kunst?
Kunst ist die dem âDingâ zugewiesene Bedeutung. Nicht nur das, was ich hineinlege sondern auch das, was andere herauslesen. Kunst ist Dialog und Kunst erst entsteht im Bewusstsein des Publikums. Entsteht im Kollektiv unseres kulturellen Kontexts.
Die âExplosion des kulturellen Kontextsâ sehe ich nicht. Denn Explosionen sind eigentlich laut, knallend und kraftvoll. Viel Ăberdruck wird in kurzer Zeit âausgestoĂenâ und dadurch abgebaut.
Was explodiert jetzt gerade im Kulturbereich!? Sehr wenig bis gar nichts!? FĂŒr mich ist das eher wie eine Implosion, ein Insichzusammenfallen oder eine Vereinzelung. Bestehende Kontakte und Kontexte zwischen KĂŒnstler:innen, BĂŒhnenarbeiter:innen und Publikum lösen sich auf und verblassen.
So Ă€hnlich wie bei 'alten Freundenâ mit denen man jahrelang keinen Kontakt hatte. Irgendwann sind Adresse und Telefonnummer veraltet, die Gesichter mit den Jahren Ă€lter geworden und nicht wiederzuerkennen, oder die Meinungen und Themen haben sich zu stark voneinander entfernt. Auch dies passiert eher leise und schleichend, wĂ€hrend man mittendrin ist, fĂ€llt es kaum auf, doch wenn es auffĂ€llt ist es fast immer zu spĂ€t um den Prozess umzukehren oder in eine andere Richtung zu lenken.
.
Diesen Kommentar bitte nicht als grundsĂ€tzliche Kritik an den Corona - SchutzmaĂnahmen verstehen! Sondern nur daran, dass die Kulturbranche und Solo-SelbststĂ€ndige gerade offenbar von der Politik vergessen werden :(
Danke fĂŒr den Kommentar @zettelkaestchen. Ich gebe dir recht: Im Kultur*bereich* und auch in der Kultur*branche* explodiert gerade gar nichts. Im Gegenteil stĂŒrzt - so wie du es beschreibst - vieles in sich zusammen.
Eine Implosion, wie auch @caeliriva im Kommentar angemerkt hat. Und das sehe ich auch so.
Beim erneuten Lesen meines Textes ist mir aufgefallen, dass ich mich sehr ungenau ausgedrĂŒckt habe. Das âexplodierenâ bezog sich auf den kulturellen Kontext (im Satz zuvor). Und der explodiert dank Internet m.E.n. in der Tat. So viele EinflĂŒsse, so viel Input aus Vergangenheit und Gegenwart, aus so vielen unterschiedlichen Kulturkreisen.
Ich hĂ€tte das klarer herausstellen und nicht in einem einzigen kurzen Satz am Ende âbehauptenâ mĂŒssen.
Im ersten Teil des Textes geht es darum, dass der Kulturbereich zusammenbricht.
Im zweiten Teil meines Textes geht es um die Frage: Was ist Kunst, wo entsteht Kunst, wer entscheidet, was Kunst ist?
Und das hab ich vermutlich schlecht âzusammengeklebtâ und noch dazu gipfelt es in einem Satz der ohne weitere ErklĂ€rung so nicht verstĂ€ndlich ist.
Corona und die UmstĂ€nde haben viel kaputt gemacht. Speziell natĂŒrlich auch im kulturellen Bereich. Theater, Musik... alles was live-Publikum benötigt, liegt seit Monaten im Winterschlaf. Ein Winterschlaf aus dem vermutlich viele nicht mehr erwachen werden. Doch nicht nur die âlive Kunstâ ist massiv angeschlagen. Alles was Menschen direkt zusammenbringt ist betroffen.
Ist Kunst systemrelevant? Â
NatĂŒrlich betrifft es nicht nur die KĂŒnstler*innen selbst. Die gesamte Industrie der Kulturschaffenden ist betroffen, vor und hinter den Kulissen. Auf, hinter und unter der BĂŒhne, im Spotlight sowie hinter dem Pult mit den Schaltern und Dimmern fĂŒrs Licht und den Reglern und Kabeln fĂŒr den Ton.
Diejenigen, die sich dem Publikum prÀsentieren, wie auch diejenige, die es ermöglichen, dass sie sich prÀsentieren können. Ein riesiger Organismus ist lahmgelegt.
Ist das Publikum nicht Teil des kĂŒnstlerischen Akts?
Was immer wir tun, wir tun es ... warum? Wir tun es aus ... GrĂŒnden ... Wir gehen zur Schule weil wir etwas lernen wollen oder weil uns unsere Eltern dazu zwingen. Oder beides. Wir gehen zur Arbeit weil wir dafĂŒr Geld bekommen oder weil es uns Freude macht. Oder beides.
Wir machen Kunst, weil... ?
Okay... âunpopular opinion-Alarmâ: Ich glaube nicht, dass man Kunst machen kann. Dass man Kunst produzieren kann. Dass man sich bewusst dazu entscheiden kann, Kunst zu machen oder KĂŒnstler zu sein. Man kann es versuchen, ja. Aber...
... ob etwas Kunst ist oder nicht ...
... liegt nicht in unserer Hand.
Nicht in meiner.
Nicht in deiner.
Nicht ich entscheide, ob was ich mache Kunst ist.
Nicht ich entscheide, ob ich KĂŒnstler bin.
Ich tue Dinge. Ich mache Dinge. Ich schreibe, singe (nicht ich), mache Musik (nicht ich), fotografiere, male, forme, erzÀhle... Das tue ich (oder nicht). Das mache ich (oder nicht), und manches davon ist Kunst. Doch nicht ich bin es, der entscheidet ob es Kunst ist.
Ich kann meine begrĂŒndete Meinung abgeben, warum ich denke, es sei Kunst. Aber entscheiden...
... entscheiden kann ich es nicht.
Denn Kunst ist nicht das âDingâ... nicht das Bild, nicht die Skulptur, nicht der Text, nicht der Tanz, nicht die Melodie...
Kunst ist...
Was ist Kunst?
Kunst ist die dem âDingâ zugewiesene Bedeutung. Nicht nur das, was ich hineinlege sondern auch das, was andere herauslesen. Kunst ist Dialog und Kunst erst entsteht im Bewusstsein des Publikums. Entsteht im Kollektiv unseres kulturellen Kontexts.