Weil mir Leute auf TikTok offenbaren wollten, dass Goethe Schiller umgebracht hat und mir vorgeworfen wurde, ich wäre einfach historisch nicht genug gebildet (was ich lowkey nicht bin, stimmt schon), weil ich das hinterfragt hab:
Was sagt die Schoethe Bubble auf Tumblr dazu, was wisst ihr darüber??? Hab versucht mich einzulesen, aber nur Sachen rausgefunden, die sich stark nach Verschwörungstheorie anhören
Oh, don't get me fucking started on this stupid theory.
Ich hab mich da actually mal richtig eingelesen und sogar sowas wie eine kleine "Abhandlung" dazu geschrieben, in der ich alle Argumente für diese Theorie auseinander genommen habe. Ich finde diese Theorie so dumm, dass mich die Erwähnung davon immer noch wütend macht und ich darauf hier jetzt einfach antworten muss.
Ihr wollt wissen, welche Argumente von diesen Verschwörungstheoretikern angebracht werden? Hold on. Es sind einige. Sie widersprechen sich mitunter selbst und ergeben einfach keinen Sinn. Aber ich muss das jetzt los werden.
Es geht weiter unter dem Cut, für jeden, der sich das hier ernsthaft geben will (Vorsicht, es wird lang):
Das Ganze basiert so weit ich das weiß auf einem Buch namens "Die Ermordung Friedrich Schillers", glaube ich jedenfalls. Keine Ahnung mehr, wer der Autor war, aber er war auf jeden Fall der festen Überzeugung, dass Friedrich Schiller umgebracht wurde. Von Goethe? Von den Freimaurern? Oder den Illuminaten? Oder gar jemand ganz anderem? Die Antwort: Von allen. Und vor allem von Goethe. Der aber trotzdem traurig deswegen war. Aber den Mord auch angezettelt hat, weil er eifersüchtig war. Oder so... Entschuldigt, ich verliere jetzt schon den Faden. Ich reiße mich zusammen.
Fangen wir doch erstmal mit der Frage an, wie Schiller umgebracht wurde und woher wir das überhaupt wissen. Ich habe in den Reblogs gesehen, dass bereits die verschlüsselten Zeilen des Faust II angesprochen wurden und tatsächlich ist das ein wichtiger Teil dieser Theorie.
Im Faust II sollen nämlich exakt fünf Zeilen (und nur diese fünf Zeilen!) verschlüsselt worden sein, bei denen man, wenn man die Buchstaben umstellt, sowohl Schillers Name, als auch das Gift erwähnt werden, das ihn umgebracht haben soll. Also ein eindeutiger Hinweis von Goethe selbst ins Spiel gebracht, dass Schiller keines natürlichen Todes gestorben ist. Dazu kommt die Tatsache, dass Goethe seinen Faust II erst nach seinem Tod veröffentlichen lassen hat und somit sicher gegangen ist, dass sollte jemand auf die Verschlüsselung aufmerksam werden, es nicht mehr auf ihn zurückfällt, weil er da schon tot ist. Klingt logisch, oder?
Was zu dieser Theorie hinzukommt, ist, dass die verschlüsselten Zeilen von den Kranichen des Ibykus gesagt werden, also eine deutliche Anspielung auf das Gedicht von Schiller, in dem es um den Mord an einem Dichter geht. Ein weiterer Hinweis von Goethe selbst also... (ja, ne, is klar)
Gut, hätten wir die Frage, woher wir von Schillers Tod wissen geklärt. Kommen wir zur Frage, wer sein Mörder war. Und zwar waren es: Die Freimaurer, die Illuminaten und manchmal sogar Goethe, bzw der Herzog Karl August, Goethes bester Freund, als Auftraggeber.
Goethe und Karl August waren damals tatsächlich in einer Freimaurerloge und manche Quellen sprechen auch davon, dass sie Illuminaten waren (die waren zur Zeit von Schillers Tod zwar schon offiziell aufgelöst, aber wir wollen ja hier mal keine Korinthenkackerei betreiben). Auch Schillers Freund Körner war bei den Freimaurern und Schiller selbst wurde wohl häufiger eingeladen, einer Loge beizutreten, hat aber immer abgelehnt. Das hat die Freimaurer natürlich gekränkt. Reicht das für einen Mord? Natürlich nicht.
Das eigentliche Problem waren Schillers Dramen. Und jetzt wird es ein wenig kompliziert und ich beziehe mich hier spontan nur auf die Informationen, die ich vor ein paar Jahren dazu gefunden habe, weil ich keine Lust habe, jetzt nochmal nachzurecherchieren. Auf jeden Fall haben den Freimaurern die Inhalte Schillers nicht gefallen. Denn die Freimaurer fanden seine Stücke wohl zu nationalistisch, besonders den Wilhelm Tell und den geplanten Demetrius und zu wenig freiheitlich (glaubt mir, ich habs auch nicht verstanden). Gleichzeitig war auch der Geisterseher von Schiller ein Problem, denn der sollte wohl die Geheimnisse des Ordens enthüllen, was den Mitgliedern natürlich gar nicht gefallen hat (hier geht es glaube ich um die Illuminaten und nicht die Freimaurer? Aber was weiß ich schon. Die werden in diesen Theorien mitunter synonym verwendet, obwohl das zwei unterschiedliche Organisationen sind, aber das ist ein anderes Problem, auf das ich hier nicht weiter eingehe).
Soweit also erstmal zu den Gründen für die Ermordung.
Jetzt könnte man natürlich sagen, dass Goethe und Schiller sich doch sehr gut verstanden haben und Goethe sehr um ihn getrauert hat und als Mitglied dieser Freimaurerloge einem so kaltblütigen Mord niemals zugestimmt hätte. Aber in Wahrheit, so die Theorie, sollen Goethe und Schiller zerstritten gewesen sein und Goethe furchtbar eifersüchtig auf den deutlich beliebteren Dichter.
An der Stelle widersprechen sich allerdings die Theorien. Denn in manchen Quellen wird Goethe Mittäterschaft zugeschrieben, in anderen nur Mitwisserschaft und in wieder anderen hatte er keine Ahnung. Für die Quellen, in denen Goethe von dem geplanten Mord wusste, soll das Neujahrsbillet ein Indiz sein, das er an Schiller 1805 schrieb und in dem er mehrmals "letzter" statt "erneuter" schrieb. Zusätzlich gibt es eine Quelle, die beschreibt, wie Goethe wenige Tage vor Schillers Tod unter dessen Fenster stand und weinte, als er ihn dort oben hin- und herlaufen sah (ich hatte diese Quelle mal, ich hab sie nicht mehr, ich weiß auch nicht, wie real die ist, aber auf jeden Fall soll es ein Zeichen sein, dass Goethe wusste, dass Schiller nicht mehr lange leben würde, was natürlich bedeutet, dass er von dem Mord wusste. Ist ja klar...)
Das sind aber noch lange nicht alle Indizien für einen Mord an unserem geliebten Dichter. Weiter sollen nämlich einige Quellen berichten, dass Schiller nur wenige Tage vor seinem Tod noch vor Gesundheit strotzte und ganz und gar nicht krank und erst Recht nicht todgeweiht aussah. (Ich bin keine Ärztin, aber ich glaube, bei einem Schiller hat man eine andere Vorstellung von "gesund" als bei anderen.) Auf jeden Fall sei es vollkommen unmöglich, dass er auf natürliche Weise gestorben ist, wenn er doch so gesund war. Es muss also jemand nachgeholfen haben. (Ein weiteres Argument dafür ist, dass Schiller auf Portraits immer sehr gesund aussah und... Ich weiß nicht mal, ob ich erklären muss, dass Portraits zum Wohle des Gemalten verändert werden können, oder ob das allen klar ist... Den Verschwörungstheoretikern wohl anscheinend nicht, aber egal.)
So, aber wenn Schiller nun doch umgebracht wurde: Wie ist das dann geschehen? Ganz einfach: Eisenhut. Eine hochgiftige Pflanze, deren Wirkstoff allerdings in sehr geringen Dosen schon seit vielen Jahrhunderten gegen Koliken oder Herzprobleme eingesetzt wird. Hatte Schiller natürlich beides. Doch für den Mord hat sein Arzt, Huschke, natürlich eine extra tödliche Dosis in einem Glas Champagner verabreicht. Der war nämlich natürlich auch mit drin, in dem Komplott gegen Schiller. Er war das ausführende Organ, sozusagen.
Huschke soll nämlich auch den Obduktionsbericht Schillers gefälscht haben, weil der Bericht ja so überhaupt nicht existieren kann. Wenn Schillers Körper tatsächlich so kaputt gewesen ist, wie es der Obduktionsbericht gezeigt hat, dann hätte er bereits Jahre früher sterben müssen. (Den Punkt, dass der Obduktionsbericht absoluter Wahnsinn war, gebe ich den Verschwörungstheoretikern sogar. Wenn ihr ihn noch nicht kennt, lest ihn euch mal durch. Es ist absolut insane, was da alles drinsteht. Ich bin, again, keine Ärztin und ich habe keine Ahnung, wie man mit einem vollkommen kaputten Körper überlebt, aber wir reden hier von Mister "Es ist der Geist, der sich den Körper baut", also keine Ahnung.)
Die Obduktion soll wohl auch ohnehin unter merkwürdigen Umständen durchgeführt worden sein. Es sei gar keine Obduktion nötig gewesen, weil Schiller ja offiziell eines natürlichen Todes gestorben ist. Sie wurde wohl ohne Zustimmung Charlottes direkt am nächsten Tag, also dem 10. Mai, in Schillers Haus durchgeführt und Charlotte und die Kinder waren wohl auch gar nicht da. Und es gab möglicherweise einen Assistenten, nämlich Dr. Herder, aber sicher weiß man das wohl auch nicht, denn der ist ein Jahr später gestorben. Für all das habe ich keine Quellen gefunden. Tut mir leid. Ich weiß nicht, ob es sie gibt. (Der Obduktionsbericht soll sich auch in sich selbst widersprechen und nicht mit Schillers Krankheitsgeschichte übereinstimmen, aber ich bin immer noch keine Ärztin und habe davon immer noch keine Ahnung. Gibt es in den Verschwörungstheorien Belege für diese Behauptung? Natürlich nicht, wo denkt ihr hin. Oder zumindest habe ich keine gefunden.)
Ein weiteres Indiz soll natürlich auch die Beerdigung Schillers sein. Also, dass er mitten in der Nacht, ohne Geleitzug oder ähnliches, einfach ins Kassengewölbe hinuntergelassen wurde, was sich natürlich nicht für einen Friedrich Schiller gehört. Die ganze Beerdigung soll so still und heimlich stattgefunden haben, dass es niemand mitbekommen hat und sie soll wohl auch in einiger Eile geschehen sein, damit niemand irgendwelche Fragen stellen konnte, zum Beispiel zur Todesursache. Fragen wurden natürlich trotzdem gestellt, die Todesursache kennen wir jetzt auch und ich glaube, Eisenhut hätte da jetzt auch niemand spontan nachweisen können in seinem Blut oder whatever, aber auf jeden Fall wollten die Freimaurer oder Illuminaten ihn schnell verschwinden sehen.
Natürlich ist auch ein Punkt des Anstoßes, dass Goethe nicht da war, aber der war bei keiner Beerdigung, nicht mal der von Christiane 1816 und das war seine Frau, also ist das Argument fraglich. Das Kassengewölbe wurde meines Wissens nach für die Menschen verwendet, die sich kein eigenes Grab leisten konnten und keine Vorkehrungen dahingehend getroffen hatten, wozu Schiller leider gehörte. Und ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass nächtliche Beerdigungen nicht allzu selten waren, damals, aber da bin ich mir nicht mehr sicher.
Ich glaube, das war es erstmal zu den Umständen von Schillers Ermordung. Das ist aber nicht alles. Es gibt noch ein paar weitere kleinere Verschwörungstheorien, die damit irgendwie zusammenhängen, aber nicht mehr direkt etwas mit der Ermordung zu tun haben und die ich euch hier nicht vorenthalten will, die ich aber auch nur kurz anreiße.
Zunächst mal wollte Goethe ja eigentlich den Demetrius nach Schillers Tod noch vollenden, hat das aber nicht geschafft. Laut Verschwörungstheorie soll ihm das aber auch von oben, also der Logenführung, verboten worden sein.
Dann sollen die Freimaurer um den Verbleib von Schillers echtem Schädel wissen. Zur Erinnerung oder zur Information für alle, die die Geschichte nicht so gut kennen: Irgendwann wollte man Schiller in ein ordentliches Grab legen und hat seine Gebeine gesucht. Dabei wurden auch Schädel zutage gefördert und in zwei verschiedenen Ausgrabungen kamen zwei verschiedene Schädel zutage. Einen hatte auch eine ganze Zeit lang Goethe, der auch ein Gedicht darüber geschrieben hat, aber durch moderne DNA-Analysen hat sich herausgestellt, dass keiner von denen der echte Schädel war. Den echten Schädel soll Goethe bekommen haben, der dann aber absichtlich einen falschen Schädel an einen Prosektor übergeben haben soll, der fehlende Zähne nachbilden sollte. Dann soll der richtige Schädel aber irgendwann wieder in den Sarg gekommen sein, aber als der Jahre später wieder geöffnet wurde, lag ein falscher Schädel drin. Hat Goethe ihn geklaut? Haben die Freimaurer ihn als Trophäe? Ich weiß es nicht. Die Verschwörungstheoretiker wissen es nicht. Er ist einfach weg.
Dann gibt es noch die Theorie, dass Charlotte von Schiller "Schweigegeld" bekommen hätte, damit sie den Mord vertuscht. (Offiziell war das Geld vom Weimarer Hof und für die Ausbildung der Kinder gedacht, aber nein, es war Schweigegeld...)
Es gibt auch irgendwelche astronomischen Begebenheiten, aus denen man einen Mord theoretisch herauslesen kann, aber wie es mit Astronomie immer ist, kann man absolut alles rauslesen, was man will.
Und dann habe ich natürlich auch in den Reblogs gelesen, dass Schiller eine giftige Arsentapete hatte und ja, hatte er. Das kann aber kein Mordanschlag gewesen sein, weil man damals noch nicht wusste, dass das giftig ist. Wenn ich mich richtig erinnere, würde diese Tapete ihre giftigen Dämpfe auch erst wirklich verbreiten, wenn sie feucht wird und das kann ich natürlich nicht widerlegen, das ist durchaus möglich. Aber Schiller hätte schon sehr lange dem ausgesetzt sein müssen, um dadurch ernsthaft getötet zu werden. Dass seine Krankheiten dadurch allerdings auch nicht besser geworden sind, das halte ich für wahrscheinlich.
TL;DR: Schiller wurde von den Freimaurern und Illuminaten mit Eisenhut vergiftet, weil ihnen seine Dramen nicht gefallen haben. Goethe wusste davon und hat es vielleicht sogar in Auftrag gegeben. Und die ganze Oberschicht Adels war in die Vertuschung des Mordes involviert.
Das war jetzt ein kurzer Abriss dieser absoluten insanen Verschwörungstheorie. Man kann diese Argumente auch alle noch weiter ausführen und es gibt noch einiges mehr. Es wurde ein fucking Buch darüber geschrieben (bei dem ich wirklich sehr oft sehr tief durchatmen musste, um es nicht gegen die Wand zu werden)! Aber ich hoffe, für alle, die sich das bis hierher durchgelesen haben, dass ich das alles einigermaßen verständlich rübergebracht habe. Ihr könnt euch ja jetzt selber eine Meinung dazu machen, was ihr davon haltet und ob ihr dem zustimmen würdet. Meine Meinung, die bestimmt auch schon rüberkam: Das ist absoluter Müll und wer auf so eine Idee kommt, dass das tatsächlich stimmen könnte, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Ich entschuldige mich für die Länge des Posts, Schreibfehler und mögliches incoherent rambling, aber ich konnte das einfach nicht so stehen lassen. Verzeiht mir bitte.
Neue Erkenntnisse hierzu, Leute
Ok, ich habs mir gegeben und first things first: Das ist keine neue Theorie. Das ist die Theorie, die ich oben bereits schon einmal beschrieben habe, aber als Hörbuch (zumindest Ausschnitte aus dem Buch). Aber ich dachte mir, ich nehme das mal als Anlass, noch ein paar kleinere Punkte dieser Theorie aufzugreifen, für die ich in meiner vorherigen Antwort keine Zeit und keine Nerven hatte.
Ich möchte auch anmerken, dass diese Videos mich nach nur fünf Minuten schon wieder aus mehreren Gründen komplett wütend gemacht haben und ich entschuldige mich dafür, wenn das hier ein wenig zu sehr durchkommt. Ich versuche, ruhig zu bleiben und die Punkte einigermaßen verständlich rüberzubringen.
Es gibt auch noch ein paar extra Punkte, die der Typ, der das vorgelesen hat, angebracht hat, aber die kommen zum Schluss (bitte, bleibt dran. Diese Punkte sind mein absolutes Highlight. Die haben das ganze Drama hier absolut gerettet und auf eine grandiose Comedy-Ebene gebracht.)
Weiteres folgt auch hier unter dem Cut:
Erstmal grundsätzliche Dinge zum Vorleser... Ich kann ihn nicht leiden. Er hat noch nicht herausgefunden, dass man Videos schneiden kann und damit keine ewigen Pausen zwischen Wörtern und Sätzen haben muss. Und seine geistreichen Kommentare während des Lesens wie "Haha, das ist ja spannend." oder "Ha, du meine Güte, da muss man mal drüber nachdenken." gehen einem einfach von vorne bis hinten auf die Nerven und machen das Erlebnis noch schlimmer, als es ohnehin schon ist. Aber darum solls hier ja gar nicht gehen...
Viel interessanter ist doch die Frage, was genau den Autor (Henning Fikentscher) denn nun eigentlich zum Experten dieser Thematik macht. Haltet euch fest: Sein Großvater kannte Goethe. Unglaublich, nicht wahr? Das macht ihn natürlich zu der perfekten Person, um die Schillerthematik zu behandeln. Als Beweis legt er übrigens Briefe vor, die Goethe seinem Großvater wohl geschrieben hat, in denen es aber nur um irgendwelche Kunst oder so geht. Also nicht um den Mord oder auch nur Schillers Tod oder irgendetwas in der Richtung. Aber das ist ja auch egal. Hauptsache, Goethe und Großvater Fikentscher kannten sich.
Er behauptet übrigens auch, sein Buch wäre eine wissenschaftliche Arbeit, was... Mich auf eine ganz andere Art und Weise wütend macht. Vor allem, weil er auch schreibt, dass der Wert einer Arbeit in der Fragestellung liege und nicht in den Einzelergebnissen. Und wir wissen es alle: Wen interessieren in einer wissenschaftlichen Arbeit die Ergebnisse? Also ich les die nie. Ist ja Schwachsinn. Die Fragestellung ist ja viel wichtiger. (Die Fragestellung ist natürlich auch wichtig, aber die Ergebnisse so unter den Tisch fallen zu lassen, ist eben trotzdem ziemlich idiotisch, weil für genau die machen wir ja unter anderem auch Wissenschaft.)
Aber wir kommen nun endlich zum inhaltlichen. Zunächst mal ist ein sehr sehr wichtiger und sehr sehr langer Teil des Buches, dass Schillers Schädel fehlt. Oder generell seine Gebeine. Aber auf jeden Fall sein Schädel. Und da ist die working theory, dass Goethe den Schädel gefälscht hat. Das hatte ich in meinem ersten Post schonmal anklingen lassen, aber ich wollte es hier nochmal erwähnen, weil es wirklich viel Zeit und Platz einnimmt. Ich kann nicht genau erklären, was da passiert ist, aber es ist ein wichtiger Punkt des Buches, herauszufinden, welche Totenmaske, aus welchem Material und in welcher Größe, den richtigen Schiller zeigt. Eine Antwort gab es darauf glaube ich nicht.
Es wurde in dem Zuge auch ebenso viel Zeit darauf verwendet, herauszufinden, wie Schiller jetzt eigentlich aussah. Da gab es viele Zitate und Quellen aus den verschiedensten Lebenslagen Schillers. Und am Ende bleibt mir nur eine Frage zu stellen: Warum ist das wichtig, wenn es um seinen Tod geht? Ehrlich gesagt ist mir seine Kopfform und seine Statur bei der Frage, ob er vergiftet wurde, ziemlich egal. Aber was weiß ich schon?
Bei dem Thema wurden auch einige Ungereimtheiten genannt, wie dass Schiller nach seinem Tod die Haare rasiert wurden und niemand weiß, wer sie hat, außer dass einige Leute irgendwann Schillerlocken besessen haben... (die wurden wahrscheinlich abrasiert, weil direkt nach seinem Tod eine Totenmaske angefertigt wurde und man für den Gipsabdruck an seinen ganzen Kopf musste, ohne Haare. So kann ich es mir zumindest erklären).
Außerdem hat Goethe wohl sehr wenig über den Verbleib von Schillers Schädel in seinem Tagebuch notiert, wo er ja sonst so akribisch Tagebuch führt. Und 1. Nein, tut er nicht und 2. WARUM ZUR HÖLLE IST DAS WICHTIG?! (Entschuldigt, da habe ich mich wohl mitreißen lassen...)
Merkt ihr auch schon, dass es irgendwie verwirrend wird? Ja? So fühlt es sich an, das Buch zu lesen, you're welcome. Aber ich gebe mein Bestes, hier Struktur reinzubringen.
Ein nächster großer Punkt ist natürlich Schillers Krankengeschichte. Die ergibt nämlich keinen Sinn. (Stimmt, denn sobald man sich den Abschnitt in dem Buch durchgelesen hat, ist man wirklich maßlos verwirrt.)
Das wichtigste zuerst: Es konnte eine Vergiftung mit Eisenhut festgestellt werden. Beweis? Das war eine beliebte Mordwaffe damals. Google halt selber mal. (Symptome einer Eisenhutvergiftung sind übrigens unter anderem Erbrechen, Durchfall, Bewusstseinsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Lähmungserscheinen. Kann Schiller gehabt haben, können aber eben auch Symptome einer normalen Krankheit gewesen sein.)
Jetzt aber zur absolut verwirrenden Argumentation, warum Schillers Krankheitsgeschichte Blödsinn ist. Also erstmal war er wohl noch sehr oft im Theater in den letzten Monaten vor seinem Tod. Was ja nicht sein kann, wenn er wirklich so krank war. Gleichzeitig decken sich wohl Schillers Tagebucheinträge nicht mit dem Spielplan des Theaters, was bedeutet, dass er vielleicht gar nicht so oft da war, wie behauptet (warum er darüber lügen sollte, erfahrt ihr am Ende). Aber wenn er jetzt nicht zu allen Stücken gegangen ist, zu welchen ist er dann gegangen? Na, wahrscheinlich zu seinen eigenen. Also lasst uns mal alle Stücke streichen, die nicht seine eigenen waren und davon ausgehen, dass er zu denen nicht gegangen ist. Was natürlich die Frage aufwirft, warum er nur zu seinen eigenen Stücken gegangen ist. ... Das wars, mehr kommt da nicht. Das wird so behandelt, als wäre es eine große Erkenntnis, oder eine Frage, die man sich mal stellen sollte, aber das ist es halt nicht. Ich weiß doch auch nicht, warum er nur zu seinen eigenen Stücken hätte gehen sollen! Du hast doch damit angefangen! Erklär du es mir doch!
Aber gut, der eigentliche Punkt ist ja auch, dass er offensichtlich nicht so krank war, wenn er so oft ins Theater gegangen ist. Also gehen wir jetzt wieder davon aus, dass seine Tagebucheinträge stimmen. Ok.
Gehen wir also zu seinen eigenen Briefen, die seine Krankheitsgeschichte der letzten Monate beschreiben. Und das sind viele. Denn guess what? Er war krank. Mal im Oktober mehrere Wochen. Dann im Winter so schlimm, dass er es nicht gewagt hatte, wegzufahren, obwohl er das eigentlich vorhatte. Dann irgendwann mal 12-tägige Verstopfung. Und das ist noch nicht alles. Auch andere berichten davon. Charlotte, Voß, der bei der Verstopfung vier Nächte lang an seinem Bett gewacht hat. Also war er doch krank.
Gut, aber wir können den Leuten auch nicht alles glauben. Charlotte hat zum Beispiel geschrieben, dass er zu Weihnachten gesund genug war, um ihr beim Schmücken zu helfen! Danach war er halt wieder krank, aber naja... Und Voß sollte man sowieso nicht glauben. Da gibt es einen ganzen Abschnitt im Buch, in dem die Beschreibung Voß' von Schillers letzten Wochen zitiert wird und zwischendrin gibt es immer Einschübe des Autors zu den verschiedenen Aussagen Voß' a la "erfunden", "ausgedacht", "gehört", "gehört und missverstanden". Ich trau mich ja gar nicht zu sagen, dass es dafür natürlich auch keine Belege gibt. Das steht da einfach. Ja, Herrgott, warum glaubt ihr dem Mann denn auch nicht? Der hat das doch da hingeschrieben! Und die Fragestellung ist doch sowieso wichtiger als die Ergebnisse! (Entschuldigt, ich habe mich wieder hinreißen lassen.)
Aber auf jeden Fall war Schiller gar nicht so krank! Oder doch, weil seine Theaterbesuche sind ja falsch... Aber auch richtig, weil er war ja nicht krank... Und Voß lügt ja eh... Außer bei der Verstopfung, da nicht. Aber eigentlich schon... Und Charlotte hatte auch noch Hoffnung bis zum Schluss, dass Schiller es schaffen wird! Wie immer! Und dann hat er es doch nicht geschafft. Und ist gestorben. Bestimmt an Gift. Weil er war ja nicht so krank. Also bis auf die vielen Wochen, in denen er das Bett kaum verlassen konnte und nur mühsam manchmal schreiben konnte. Und die Tage, in denen alle bei ihm gewacht haben. Die sind real. Aber auch nicht. Weil er hat ja vor Gesundheit nur so gestrotzt! Und... Ach, ich gebs auf. Ich weiß nicht, wie krank der Kerl war. Wahrscheinlich wars Männerschnupfen.
Aber gut, als er dann wirklich tot war, ging ja das ganze Drama mit der Obduktion los, das ich oben schonmal beschrieben habe. Und Charlotte war dabei gar nicht im Haus. Man weiß nicht, wo sie und die Kinder vom 10. bis zum 12. Mai waren, aber man weiß, ab dann war sie bei ihrer Schwester. Ich behaupte mal, da war sie auch vorher schon. Die Verschwörungstheoretiker werden hier natürlich hellhörig und glauben, man habe Charlotte absichtlich aus dem Haus geschafft. Ich sage da mal nur: War wahrscheinlich schon ihre eigene Idee. Sie war eine unfassbar junge Witwe, mit Kindern, die zu großen Teilen wahrscheinlich noch nicht mal verstanden haben, warum Papa nicht reagiert und nicht wieder aufwachen wird. Sich da bei der Schwester einzuquartieren, auch um einfach Hilfe mit vier sehr jungen Kindern zu bekommen, ergibt da meiner Meinung nach schon Sinn. Aber nein, lasst uns die Trauer von Charlotte auch noch zu einem Punkt in dieser Verschwörungstheorie machen. Es gibt ja sonst auch keine guten Argumente...
Kommen wir nun nochmal zum Begräbnis Schillers. Das war wohl einem Pestbegräbnis ähnlich? (Nein.) Und die Träger des Sarges haben wohl in dem Gebäude, in dem er begraben wurde, in einem Nebenzimmer jemanden weinen gehört und niemand weiß, wer das war. Und das obwohl ja offiziell niemand von seinem Begräbnis wusste. Ich weiß nicht einmal, warum das als Argument aufgeführt wird, aber ok...
Gut, aber das Begräbnis an sich ist ja auch verdächtig, weil es war ja das Begräbnis eines armen Mannes. Dabei war Schiller gar nicht arm! Wusstest ihr das schon? Ich nicht! Aber er kann ja gar nicht arm gewesen sein! Er hatte ein Haus und vier Kinder! Und kein Mann würde vier Kinder bekommen, wenn er nicht auch für sie sorgen könnte... (Jemand muss diesem Kerl erklären, was Verhütungsmittel sind und dass es die damals noch nicht in der Form wie heute gab, bitte, ich kann nicht mehr). Außerdem hatte Schiller Bedienstete! Und einen Hausarzt! Also musste er ja reich gewesen sein! Und hier nurmal kurz zur Klarstellung: Wenn man eine große Familie hatte, hat man ein Haus gebraucht. Und dieses Haus ist immer noch zu klein für diese sechsköpfige Familie. Seht es euch an, wenn ihr einmal die Möglichkeit dazu habt. Häuser heute kaufen und Häuser damals kaufen, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Plus: Er hat Bedienstete gebraucht. Das war für seinen Stand zwingend notwendig. Und Schiller war durchaus auch gerade was die Familienführung anging, ein wenig konservativer und wollte zusätzlich Charlotte ein angemessenes Leben bieten, die ja als Adelige aufgewachsen war. Spätestens als Schiller dann seinen eigenen Adelstitel hatte, hatte er keine andere Wahl mehr, als Bedienstete einzustellen, wenn er nicht jeden guten Ruf verlieren wollte. Gleiches gilt für seinen Hausarzt. Zudem hatte Schiller so viele Schulden, dass er sich glücklich schätzen konnte, wenn er sie bis fünfzig abbezahlt hätte. Das war sein Finanzplan. Und wie wir wissen, ist der aus offensichtlichen Gründen nicht aufgegangen. Also doch, Schiller war arm. Hate to say it.
Aber gut, egal. Das ist hier jetzt schon wieder viel länger, als ich eigentlich wollte, aber ich muss noch ein paar Punkte anbringen.
Zum Beispiel: Schiller wurde aufgrund seiner germanischen Ideen umgebracht (weil er den Demetrius geschrieben hat) (nein, ich hab die Argumentation schon wieder nicht verstanden) und zwar von dem französischen Verräter Goethe. (Soweit ich weiß, fanden beide die Grundideale der französischen Revolution ganz cool, aber was weiß ich schon.)
Aber jetzt, liebe Freunde, kommen die besten Teile, die aus dieser Theorie entstanden sind. Und zwar habe ich Kommentare unter den Videos gelesen. Ein Kommentar sprach davon, dass es so klingt, als würde der Vatikan dahinterstecken, weil die da ja auch Blut trinken und Menschenfleisch essen. (Wegen Blut Christi (Wein) und Körper Christi (pappige Obladen), versteht ihr? Logisch, oder?)
Ein weiterer Kommentar hat gefragt, wo denn jetzt eigentlich dieser Ritualmordaspekt reinkommt, der in den Videotiteln versprochen wird. Die Antwort darauf war, dass wir darüber aus Respekt vor Schiller nicht sprechen, aber das können wir uns ja alle selber denken. Da müssen wir uns eben mal mit satanistischen Opfergaben zu der Zeit auseinandersetzen. Also, google halt selber, du Idiot. (Die Freimaurer und Illuminaten waren also anscheinend auch Satanisten... Spannend...)
Ein weiterer Kommentar hat angemerkt, dass man den Körper obduzieren musste, da ein heiler Körper nach drei Tagen wieder auferstehen könnte. Wie bei Jesus. (Ja, ihr habt richtig gehört. Ich muss immer noch grinsen, wenn ich daran denke.) Und wenn ihr jetzt sagt: Halt! Jesus war nicht unversehrt! Der hatte Wunden von der Kreuzigung! Nein, hatte er nicht, die wurden mit den Salben nach seinem Tod geheilt. (Wurden sie nicht, das ist actually ein wichtiger Teil der Auferstehungsgeschichte, dass er seine Wunden vom Kreuz noch hatte, aber das würde jetzt zu weit ausufern.) Ist auch egal: Schiller hätte wieder auferstehen können, wenn er nicht obduziert worden wäre, nehm ich so als Theorie. Schiller = Jesus.
Und der letzte Punkt für heute: Die ganze Geschichte um Schillers Tod wirkt wie eine Inszenierung selbst. Als hätte Schiller selbst das Drama um seinen Mord geschrieben. Als wären wir das Publikum und würden zusehen. Aber wer ist der Autor? Der Regisseur? Wer hat das ganze inszeniert? Naja, Schiller selbst, natürlich. Der wollte sich durch einen vorgetäuschten Tod seinen Feinden entziehen. Seine Familie war natürlich eingeweiht. Die kannten den Eisenhut und auch dessen Gegengifte und die ganze Bestattung und die Schädel und die Totenmasken, das war nur ein Spiel, um die Aufmerksamkeit abzulenken. Denn eigentlich lebte Schiller weiter. Und er schrieb vermutlich auch weiter, doch natürlich unter falschem Namen. Vielleicht schrieb er sogar unter dem Namen Goethe? (Nichts facht meine Fantasie gerade so sehr an wie diese Theorie. Ich finde sie absolut großartig. Das ist mal eine Verschwörung, die ich bereit bin zu glauben. Da bin ich dabei. Count me in.)
Anyway, das wars fürs Erste. Das waren die "neuen" oder eher zusätzlichen Erkenntnisse zu Schillers Tod. Dank der letzten beiden Theorien bin ich auch gar nicht mehr so sauer, wie ich es am Anfang war. Fragen und Anmerkungen sind gerne gesehen.
An alle, die überhaupt so weit gelesen haben: Tut mir leid. Ich hoffe, eurem Handy oder Laptop oder whatever gehts noch gut. Ich melde mich wieder, wenn es neue spannende Einblicke in die Schiller-Verschwörung gibt (hoffentlich nicht, bitte, ich kann das nicht). Bis dahin. Und lasst euch nicht in satanistischen Opferritualen mit Eisenhut umbringen.
Dieser Post und all seine Additions hält mich so sehr fest, Ich liebe es neuen informationen über diese wilden theorien zu hören. so viel dass ich Fanart gemacht habe....
💬 0 🔁 0 ❤️ 0 · Seid einiger Zeit folge ich diesem Post. Ich kann micht nichtmal mehr daran erinnern dass ich dafür eingestellt habe benach















