hab gestern das erste Mal Tatort Münster: Die chinesische Prinzessin geschaut (nachdem ich mich die letzten Wochen brav chronologisch durch die Show gearbeitet habe) und hab immer noch so viele Gedanken Emotionen dazu, wie darin Thiel und Boernes Beziehung dargestellt wird.
Boerne ist sowieso ein Hauptcharakter in der Handlung der Folge und entsprechend liegt grundsätzlich ein großer Fokus auf ihm, aber dennoch...
Vom Beginn an, wie die Episode in der Theorie Thiel und Nadeschda (und dass das zwischen den beiden was nichts läuft) in den Fokus rückt, aber in der Praxis die Gespräche sich die ganze Zeit um Boerne drehen. Zu Anfang handelt 90% des Gesprächs zwischen Thiel und Nadeschda davon, warum Boerne nicht bei der Feier dabei war.
Später, wenn Thiel Nadeschda drauf anspricht, dass die beiden ja miteinander geschlafen hätten und sie ihm erklärt, dass das überhaupt nicht passiert ist; auch in dem Gespräch denkt Nadeschda im ersten Moment, dass Thiel sich wegen Boerne entschuldigt.
Thiel fühlt sich gekränkt, dass Nadeschda so lachend auf die Vorstellung von sich und ihm regiert hat und spricht sie später darauf an. Sie erklärt ihm, dass das überhaupt nicht abfällig gemeint war, nur so ein abwegiger Gedanke und das Thiel sowas niemals tuen würde und bringt dann erneut, einfach so, Boerne ins Gespräch ein.
-> Boerne überlagert einfach irgendwie das gesamte Missverständnis, dass Thiel und Nadeschda was miteinander gehabt hätten; schwebt da als eigentlich völlig unbeteiligte Figur ständig mit
(I swear, Nadeshda ships it too, I saw her looks that episode.)
Thiel selbst ist völlig aufgebracht über die Episode, zieht Boernes Schuld trotz der doch im ersten Moment sehr eindeutigen Beweislage auch nicht Mal für eine Sekunde in Betracht und tut, in sehr leicht reizbarem Zustand, absolut alles, um ihn zu entlasten. Sobald dieser dann auch aus dem Gefängnis entlassen wird (danke Frau Haller!) wird auch erstmal sichergestellt, dass von diesem Moment an Boerne ihm keine Sekunde mehr von der Seite weicht (fraglich, den doch körperlich und geistig gut angeschlagenen Mann durch sämtliche, doch sehr fordernde Ermittlung zu ziehen, aber gut)
Gegen Ende bereut Boerne in einem Gespräch im Auto mit Thiel das Opfer überhaupt mitgenommen zu haben und Thiel vergleicht, absurder Weise, seine fake Hookup Situation mit der von Boerne (Boernes Hookup, der sich ihm an den Hals geschmissen hat, während er eigentlich nur von seiner Arbeit erzählt hat (es wurde kein einziger Kuss gezeigt, wenn überhaupt, ist Boerne dem größtenteils eher ausgewichen)). Erneut wird Boerne mit in die Sache zwischen Thiel und Nadeshda gezogen. Thiel habe "auch so eine Dummheit gemacht, auch mit einer Frau und Filmriss und so." Ruhige Klaviermusik setzt ein. Ein etwas besorgter Blick von Boerne. "Gott sein dank [war das ja gar nicht so], hätte ich auch gar nicht gewollt." Ein erleichteter Blick von Boerne.
Thiel bemitleidet sich weiter, im direkten Vergleich zu Boerne, kein spannendes, aktives Liebesleben mehr zu haben. Darauf antwortet Boerne:
"Je länger man ausharrt, desto höher schrauben sich die Erwartungen."
spannender Satz, ich lass den jetzt einfach mal so stehen.
(Google Definition von ausharren: an einem bestimmten Ort [trotz unangenehmer Umstände] bleiben, geduldig weiter, bis zum Ende warten. Auf wen den warten? Erwartungen an wen? alle anderen? I see you yearing)
"und dann muss es eine Prinzessin sein, was? Ich hätt' sie Ihnen gegönnt," entgegnet Thiel. "Ich möchte, dass Sie glücklich sind", schwingt da für mich mit.
Boerne blickt ihn darauf an, als habe Thiel überhaupt nicht verstanden, was er eigentlich gemeint habe.
Grundsätzlich fasziniert mich diese Szene, die Absurdität des Vergleichs, Thiels Selbstmitleid, Boernes Reaktionen... was auch immer mit dieser Szene bezweckt werden sollte. Hier nochmal in Ganz zum eigene Meinung bilden:
Die Episode endet dann mit einer unfassbar guten Szene, wie ich finde, mit wahnsinnig eindrücklicher Emotion und sie kriegt mich echt jedes Mal: Boerne verschwindet in seine Wohnung, während Opernmusik ungewohnterweise Mal aus Thiels Wohnung, und nicht aus Boernes, quillt. (Ich habe nachgeschaut, die Oper handelt von einer chinesischen Prinzessin btw. - "nessun dorma" ist das Lied) Thiel sitzt in vermutlicherweise Schlafkleidung (T-Shirt und Boxershorts) auf seiner Couch, es klingelt. Vor der Tür steht Boerne, jetzt ebenfalls in Schlafkleidung, einem blauen Pyjama. Keiner spricht, Boerne spielt etwas nervös mit seinen Schlüsseln, Thiel lässt ihn stumm in die Wohnung. Beide setzen sich gemeinsam auf die Couch und starren erstmal leer in den Raum; Thiel sehr angspannt grüblerisch, traurig irgendwie; Boerne offener, fast sehnend, scheint auf die Musik fokussiert. Thiel reist sich als erstes los, blickt neben sich. Boerne erwiedert den Blick langsam, schüchtern. Ein halbes Lächeln zieht sich über Thiels Mund, dann blicken beide wieder weg. (Ich fühl mich, als würd ich hier fanfiction schreiben und nicht eine canon Szene darlegen) Ende des Kapitels, ähhm der Folge.
Einfach, wie Thiel so klar Anlaufsort und Sicherheit für Boerne darstellt, er nach all dem ganzen Chaos nicht alleine, sondern bei ihm sein möchte. (Wie es ein paar Episoden davor, in "Zwischen den Ohren", auch umgekehrt bereits vorgekommen ist.) Wie Thiel problemlos versteht und sie dann gemeinsam schweigend einfach sind. They mean so much to me.