„Es war kein Mord!“, sagte einer.
„Natürlich war es einer!“, bedachte dieser.
„Als ob es einer war!“, eckte eine Seite an.
„Es war nichts anderes, als das!“, schrie ein anderer.
„Und was haben wir davon?“
„Einen Unfall, natürlich.“
„Nein, sonst wäre es ja keiner.“
„Wer am Unfall schuld ist, ist auch Mörder!“
„Das kannst du so leicht nicht sagen!“, erquickte es von hinten. „Schließlich wissen wir noch nicht einmal, ob es ein Unfall war!“
„Aber es gibt einen Mörder, oder wie?“
Alle murrten einstimmig, sitzend in einer großen Halle, auftumultend wie eine wilde Meute. Jeder wollte was dazu beitragen, jeder hatte eine Stimme, egal wie leise sie in diesem Moment war, jeder besaß das klare Recht, sich zu äußern, alles folgte seiner Ordnung. Und trotzdem gab es viele Unzufriedene.
„Das ist unfair!“, meckerte jemand. „Ich bin dagegen!“
„Und wer denn noch?“, ertönte es genervt aus der Mitte.
„…ich eigentlich auch.“, zog etwas zaghaft seine Hand.
„Also was jetzt?! Mörder oder keinen Mörder, das müssen wir zumindest mal wissen!“
„Darf ich mich hier enthalten?“
„Wirst du dann auch hinterher die Entscheidung tolerieren?“
„Nein, aber noch weiß ich ja nicht, gegen welche ich sein soll.“
„Bestimmt gibt es einen Straftäter! Aber ob er mordet, weiß ich nich‘.“
„Ist er ein potentieller Mörder?“
„Gut möglich, vielleicht hat er ‘n Messer.“
„Sagst du es nur so oder weißt du es auch??“
„Egal, für das Erste sollte es genügen. Wir protokollieren es und später wird eine Debatte darüber kommen, ob es auch stimmt.“
„Ich bin für nichts, nur dagegen.“
„Alles gut, dann lass uns doch jetzt und nicht später darüber abstimmen, wir streichen es aus dem Protokoll. Also, wer ist dafür?“
„Wahre Entscheidungen kommen vom Herzen!“
„Wir sind hier schon viel zu lange!“
„Der Schweiß wird glitschig und brennt vom viel zu langem Stehen im überhitzten Raum!“
„Na gut, na gut, aber vielleicht ändere ich später meine Meinung, kann es ja jetzt nicht wissen.“
„Darf ich auch jetzt schon gehen? Es wird mir zu bunt hier.“
„Geh ruhig, es gibt genug, die noch reinwollen.“
„Es bleiben jetzt alle mal hier! Wir müssen es endlich mal durchbekommen!“
„So, darf ich jetzt um die Entscheidung bitten? Ist ein Straftäter ein Mörder?“
„Moment, wollten wir nicht eigentlich eine andere Frage stellen?“
„Ob es überhaupt einen potentiellen Straftäter oder Mörder gibt.“
„Dieser Ansatz ist gerechtfertigt. Lasst uns darüber davor nochmal entscheiden: Sollen wir uns fragen, ob ein Straftäter ein Mörder sei oder ob es überhaupt eins von beiden gibt?“
„Ich entschied mich aber schon für ‚ja‘, zählt meine Antwort jetzt nicht mehr?“
„Das will ich auch bei meiner wissen.“
„Du antwortetest doch noch nicht einmal.“
„Na und, ich war mit Sicherheit kurz davor.“
„Ich muss dann meine auch noch überdenken.“
„Es geht gerade um eine andere Frage, konzentriert euch mal darauf!“
„Sag mir nichts, was ich zu tun hab‘, ich mach‘ was ich will.“
„Du weißt noch nicht einmal, was du willst.“
„Jetzt antwortet mal! Wer nichts sagt, hat Pech.“
„Ich möchte jetzt aber lieber wissen, warum es auch ein Straftäter sein kann.“
„Das ist jetzt egal, es geht um die aktuelle Frage.“
„Eins von beiden gibt es! Ich weiß nur nicht, was von beidem.“
„Ich brauche zunächst erst die jeweilige Definition von Straftäter und Mörder.“
„Ich bin für eins, das müssen wir erstmal wissen.“
„Was für Optionen gibt es?“
„Und warum suchen wir jetzt nach einem Straftäter?“
„Weil irgendwo einer sein muss.“
„Woher weißt du das schon wieder?“
„Vertraue nicht dem Internet!“
„Davon weiß ich es doch nicht.“
„Wir brauchen einen handfesten Beweis dafür!“
„Den gibt es hier nicht, komm‘ mal runter.“
„Wir schweifen von Thema ab..“
„Gut, nochmal für alle, es ist die Frage, ob wir uns die Frage stellen, ob ein Straftäter ein Mörder sei oder ob es beide gibt.“
„Gut, ich korrigiere, ‚und ob es überhaupt eins von beidem gibt.“
„Du warst nicht gefragt!“
„Ich weiß es immer noch nicht.“
„Gut, dann ändertest du wenigstens deine Meinung nicht.“
„Wollten wir uns nicht eigentlich verändern?“
„Spielt es grad eine Rolle?“
„Ich bin müde, macht mal schneller.“
„Wir klären erstmal die Frage ab, das andere wird protokolliert und in einer anderen Debatte geklärt.“
„Taten wir es nicht schon?“
„Ist wohl nochmal nötig.“
„Mich interessiert’s eh nich‘.“
„Nicht ‚wieder‘, es wird neu!“
„Wir schweifen schon wieder ab! Zurück zur Frage!“
„Dass ein Straftäter kein Messer hat und ob es einen Mörder gibt.“
„Das war ja ganz anders!“
„Das hört sich doch richtig an.“
„Es ist aber wirklich falsch.“
„Die Frage ist, ob wir uns die Frage stellen sollen, ob ein Straftäter ein Mörder sei oder ob es einen von beiden gibt.“
„Wo soll es einen von beiden geben?“
„Keine Frage, Antworten!“
„Ich weiß, dass einer von beiden da ist, deswegen interessiert mich die eins.“
„Ich sag zwei, weil eins schon vergeben ist.“
„Natürlich ist ein Straftäter ein Mörder!“
„Kann er nicht, ich mache es schon.“
„In Ordnung, sind sich jetzt wenigstens alle einig?“
Zufriedenes Brummen, einige verstillten friedlich.
„Diese Frage ist dann geklärt. Wir protokollieren die Antwort Wort für Wort, damit es später nicht zu Widersprüchen kommt. Lasst uns auch den zweiten Teil der Frage nochmal festhalten, damit wir ihn parat haben, falls wir ihn doch noch brauchen.“
„Meine Antwort ist ja nicht genommen worden!“
„Sei mal froh, dass es hier wenigstens Fortschritte gibt.“
„Nun geht es weiter mit der nächsten Frage: Kann ein Straftäter ein Mörder sein?“
„Ich bin eher für ‚kann‘.“
„‘Dafür‘ ist oft nicht schlecht.“
„Warum reden wir darüber, obwohl wir noch nicht einmal wissen, dass es hier einen davon gibt?“
„Die Mehrheit stimmte vorhin für diese Frage, wir werden es schon merken, wenn es sinnlos ist.“
„Ist es nicht erstmal schön, dass wir uns mal einig waren?“
„Ich fühl‘ mich jetzt sicherer.“
„Nach diesem großen Sprung können wir auch noch den nächsten schaffen!“
„Ja! Lasst die Unruhen hier jetzt!“
„Aber woher wissen wir, dass ein Mörder erst ein Messer haben muss, um einer zu sein? Kann er auch nicht anders morden? Das macht den Straftäter sinnlos.“
„Das ist ein guter Einwand.“
„Das ist gegen die Frage!“
„Aber dumm is‘ es nich‘.“
„Wollen wir nicht erstmal die Frage klären?“
„Das können wir nicht, ohne die Anhaltspunkte zu festigen.“
„Rede doch keinen Stuss!“
„Also was machen wir jetzt?“
„Lasst uns wieder abstimmen!“
„Das hatten wir doch eben schon, es ist keine nötig!“
„Genau! Lasst uns einfach über das Messer reden und streichen den Rest.“
„Waren wir nicht alle dafür?“
„Aber es stimmt nicht mehr ganz.“
„Dann verbrennen wir das alte Protokoll, das war eh dumm.“
„Seid ihr euch sicher, dass ihr kein Wort davon brauchen werdet?“
„Na dann macht, was ihr wollt.“
„Nein! Wir waren uns doch eben so einig und sicher!“
„Waren wir das wirklich?“
„Es machte mich glücklich.“
„Warum kam der Straftäter überhaupt in Frage?? Er ist dran schuld!“
„Sag das nicht, er gehört jetzt dazu.“
„Ich will die Zeit zurückdrehen, jetzt ist alles doof.“
„Ist eh egal, lasst weiter machen.“
„Ich dachte über den Mörder.“
„Wo soll es ihn eigentlich geben?“
„Das steht nicht mehr im Protokoll, wir schauen dann.“
„Was schreiben wir dann hinein?“
„Über was wir jetzt debattieren.“