Mein Weg zur Philosophie
Aus dem Vorhaben das Grundstudium der Physik in Eigenregie weiterzuführen, wurde nichts. Der Grund dafür ist der Start des Sommersemesters. Ich studiere Elektrotechnik mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik. Wenn auch nicht in voller mathematischer Strenge, wird auch hier viel Mathematik verwendet und ganz besonders angewandt. Das zeichnet die Ingenieursdisziplin aus: Die Anwendung der Mathematik auf Applikationen.
Da ich mich von der Mathematik in seiner Schönheit und der Physik und seiner Phänomenologie aber einfach nicht trennen kann, beschäftige ich mich indes weiter damit. Seit langem benutze ich dazu das Buch von Günter Bärwolff “Höhere Mathematik für Naturwissenschaftler und Ingenieure”. So gelang es mir eines Morgens, unabsichtlicht wieder eine Lücke zu schließen. Die Thematik war das Auffinden von Potentialen. In der Hochschule wurde mir diese Technik vermittelt, um Integralprobleme in schneller und effizienter Weise zu lösen. Worauf, d. h. mit welcher mathematischen Herleitung dieser Formalismus begründet ist, blieb mir bis dahin unbekannt. Meine Autortätigkeit in Form der Digitalisierung eines Vorlesungsmitschriebs der Mathematik Vorlesung des ersten Semesters wächst stetig. Mit Erfolg konnte ich einen Dozenten überzeugen, dieses Manuskript in Kooperation weiter zu vervollständigen, um zukünftigen Studenten eine eventuelle Begleitliteratur zu bieten. Das Quantenmysterium liegt mir seit langem schwer im Magen. Tröstend ist die Tatsache, dass sich selbst renormierte Wissenschaftler nicht einig über diesen Sachverhalt sind und es noch keine gängige Erklärung für das Ergebnis des Doppelspaltversuch gibt. Er war es, der mir das Tor zur Quantenwelt und des Mikrokosmos öffnete; vielmehr der Punkt, an dem ich (vor langer Zeit) erstmals davon erfuhr. Dennoch staune ich jedes Mal wieder, wenn ich mir vorstelle, wie unsere Welt doch tatsächlich (im Kleinsten) gestrickt ist. Nichts hat mich je mehr fasziniert, als die Tatsache, dass der Schein unserer Welt Dimensionen verbirgt, die ohne die unerschütterliche Hingabe vieler Denker der Vergangenheit verborgen geblieben wären. Wie soll der gesunde Menschenverstand akzeptieren können, dass sich ein und dieselben Objekte in ein und demselben Experiment immer dann anders verhalten, wenn es einen Betrachter gibt, d. h., wenn der Ort des Teilchens (des Objekts) gemessen wird? Im Doppelspalt-Experiment liefern die Messergebnisse eine Dualität; der Welle-Teilchen Dualismus. Misst man Elektronen oder Photonen vor oder während des Durchdringens der Doppelspalte, findet man Teilchen vor und erhält das dem gesunden Menschenverstand entsprechende doppelte Streifenmuster als Messergebnis. Sieht man nicht hin, ergibt sich ein Inteferenzmuster, das anmuten lässt, dass sich Elektronen oder Photonen wie Wellen verhalten und sich nach dem Huygen’schen Prinzip an jedem Spalt eine neue Elementarwelle entsteht, die sich dann mit der jeweils Anderen konstruktiv und destruktiv überlagert. Mich persönlich beschäftigt die Frage, ob es wirklich richtig ist, sich die Welle wie eine Wasserwelle vorzustellen, oder ob es nicht noch eine andere Art oder Form gibt, die diesen Effekt hervorruft. Albert Einsteins Ansicht “Phantasie ist wichtiger als Wissen” lässt mich berechtigt weiter darüber grübeln, auch wenn mir die mathematische Beschreibung der Quantentheorie fehlt. Heute lehrte mir eine Dokumentation noch etwas erstaunlicheres (ja, es geht noch verquickter): Misst man, wie sich Elektronen oder Photonen nach dem Durchdringen der Doppelspalte auf dem Weg zur Platte verhalten, stellt man wieder fest, dass Teilchencharakteristik vorliegt. Wie kann das sein? Schaut man nicht hin, ergibt sich das Inteferenzmuster und das einzelne Objekt verhält sich als Welle. Will man sich diese Welle genauer ansehen, erscheinen die Objekte wieder als Teilchen. Die in der Dokumentation gefolgerte Konsequenz war die, dass Elektronen und Photonen in der Zeit zurückreisen und als Teilchen durch entweder den einen oder den anderen Spalt bewegen. Wenn ich über dieses Messergebnis nachdenke, verspüre ich ein Verknoten meiner Neuronen; “insane”. Gerade hier, wobei man sich grundlegende Fragen stellt, was “Realität” ist und welche Rolle ein Beobachter in der Welt hat, begebt man sich schnell auf den philosophischen Pfad. So folgte ich meiner Neugierde mehr über diese Disziplin zu erfahren und fand das in unserer Bibliothek vorhandene Buch von Kurt Wuchterl “Lehrbuch der Philosophie” (2. Auflage). In diesem wird auf zentrale Fragestellungen, Grundbegriffe, Methoden und Repräsentanten aus Anthropologie, Wissenschaftstheorie, Ethik und Metaphysik in für den Laien angemessener Sprache eingegangen. Es zwingt mich immer wieder während des Lesens für einen kurzen Moment innezuhalten und darüber nachzudenken, was das Gelesene für die Welt oder mich selbst bedeutet oder bedeuten könnte. Scheinbar belanglose Dinge (mein Empfinden) wie die Definiton des Menschen lassen sich bei genauerer Betrachtung nicht einfach angeben. Es scheint mir den Eindruck, als habe die Philosphie einen wichtigen Stellenwert, wenn man Erfassen möchte, was unser Sein bedeutet, ausmacht, bedingt oder darstellt.















