LiebeserklÀrung an die Nacht
Ich schreibe dies in jener Stunde, da die Nacht an meine Schwelle tritt â nicht als Zustand, sondern als Frau von dunkler, warmer Haut, eine stille Regentin der Schatten, deren Schritt noch leiser ist als das Wandern eines Sterns.
Sie steht vor mir mit jenem Blick, der nichts fordert und nichts verspricht, sondern schlicht verweilt: eine Gegenwart aus Tiefe, Schweigen und unerschĂŒtterlicher WĂŒrde. Ich nenne sie nicht beim Namen, denn sie trĂ€gt deren viele â doch heute ist sie nur dies: die Schöne, die mich sieht.
Lange glaubte ich, nur ihr Betrachter zu sein, Chronist ihrer Konturen, Architekt ihrer Schatten. Doch in dieser Nacht öffnet sie den Mantel ihrer Dunkelheit und heiĂt mich eintreten wie einen Gast, der spĂ€t kommt, doch nicht zu spĂ€t.
Ihre Haut bewahrt das matte Leuchten ferner StÀdte, ihr Atem schmeckt nach warmem Staub, nach Regen, der noch ungeschehen ist, nach Geschichten, die sich weigern, je erzÀhlt zu werden. Und wenn sie spricht, dann nicht in Worten, sondern in einer Stille, die mich aufrichtet wie ein Gebet.
Ich weiĂ, dass sie weiterzieht, dass sie keinem gehört, dass sie niemandem bleibt. Doch in dieser einen Stunde legt sie ihre Hand auf meine Schulter, und ich begreife: Schönheit ist keine Gabe, sondern Begegnung.
So verfasse ich dies als einiges Bekenntnis, als Tribut an jene ambrosische Nocturna, die mich seit Jahren formt, ohne je etwas zu verlangen.
Denn heute war die Nacht eine Frau â und ich,
fĂŒr die Dauer eines Atemzugs,