Wie zelebrieren die Charaktere aus No Kiss for the Dauphin weihnachten....? Come in and find out~!
âNocturn. Du nervst.â
Mit den unschuldigsten, gröĂten Augen hob Nocturn den Blick, als wĂŒsste er nicht genau, dass seine FuĂschellen den oh so hart arbeitenden Kronprinzen tierisch auf die Nerven ging. Der Kronprinz der Dunkelheit und eigentliche Erbe des dĂ€monischen Throns saĂ in weiĂ gekleidet an seinem Schreibtisch, mit einer schicken Feder mit goldener Spitze, weit weg von seinem eigentlichen Thronsaal im Tempel und tippte mit seiner Schreibfeder auf das feine Papier. Seine schwarzen Augen durchbohrten den Schuldigen, aber dieser freute sich einfach ĂŒber die Aufmerksamkeit und klapperte, wie zum Dank fĂŒr diesen herrlichen Blick noch einmal mit den FuĂschellen â welche ganz neu waren. Die schwarzen Ketten funkelten fast; immerhin hatte noch nie jemand sie vor Nocturn angehabt. Ein Geschenk von Hizashi! Hoch magisch, schwer, hĂ€sslich und unmöglich zu brechen; wie gemacht fĂŒr einen DĂ€mon von Nocturns Kaliber. Nocturn hatte natĂŒrlich verstanden sie als Kompliment zu nehmen.
âIch nerve? Aber mit was denn?â Nocturn konnte das spitzbĂŒbische Grinsen gar nicht zurĂŒckhalten als er die Kette zwischen seinen FĂŒĂen zum Klirren brachte; ein lautes, unangenehmes GerĂ€usch, dass schon bestens dafĂŒr geeignet war, um sich in jedermanns Ohren zu schneiden. Praktisch waren sie aber natĂŒrlich dennoch: die schwarze Kette zwischen seinen FĂŒĂen verlĂ€ngerte sich nach Bedarf, um ihn nicht allzu sehr einzuschrĂ€nken⊠auĂer die werden ElementarwĂ€chter fanden, dass er eine Gefahr war natĂŒrlich. Dann zogen sich auch diese neuen FuĂschellen zusammen und hinderten ihn am Gehen.
âIch bewege doch nur meine FĂŒĂe!â
âKönntest du das ein wenig leiser machen?â
âJegliche Beschwerden richtet der Herr Yami bitte an Hizashi-samaaa.â Nur beim ErwĂ€hnen von Hizashis Namen verzog Youma das Gesicht. Der Herr Doktor war wirklich wie eine bittere Medizin, fĂŒr jeden, der ihn traf. Man musste nur von ihm reden und schon hatte jeder schlechte Laune, fĂŒhlte sich bedroh und angeklagt. Youma lieĂ sich davon aber natĂŒrlich nicht beirren; Nocturn wusste, dass er schon mehr als einen Kampf mit Hizashi aufgenommen hatte, im Rat und auĂerhalb, meistens fĂŒr und wegen Nocturn. Aber gegen die FuĂschellen war jedes Argument abgeprallt⊠es war ja so oder so einer der Auflagen dafĂŒr, dass Nocturn ĂŒberhaupt im Tempel leben durfte; jetzt waren sie nur einfach sichtbar und fĂŒr jeden offensichtlich; ja, jeder der Nocturn sah, wusste, dass er es hier mit einem ĂŒberaus gefĂ€hrlichen DĂ€mon zu tun hatte⊠der dennoch mit einem LĂ€cheln durch den Tempel spazieren ging und jeden mit der Kette zwischen seinen FĂŒĂen nervte. Der Spaziergang heute Morgen war wunderbar gewesen, oh ja.
âAber jetzt wo ich die Aufmerksamkeit meines Prinzen schon mal habeâŠâ Nocturn tĂ€nzelte durch Youmas Arbeitszimmer, dessen skeptische Augen seine Tanzschritte verfolgten bis Nocturn vor dem Schreibtisch angekommen war.
âDu hast hier doch sicherlich irgendwo ein Datum hingeschrieben, oh fleiĂiger Prinz, huh?â
âNatĂŒrlich habe ich da-â
âOhja da.â Nocturn zeigte mit seinem langen spitzen Finger auf das Datum in der obersten Ecke eines vollgeschriebenen Dokuments.
âEs ist der 24.12.â
ââŠâ
âWeiĂ mein Prinz denn was das fĂŒr ein Datum ist?â Wenn er es nicht wusste, dann wĂ€re Nocturn zutiefst beleidigt â und unzufrieden mit sich selbst. Dann hatte er nĂ€mlich darin versagt Youma diese schönste aller menschlichen Traditionen auf die liebenswerteste Art nahe zu legen⊠mit dem Schenken eines Schlittens zum Beispiel.
Aber nein, Youma wurde rot. Und er sah auch zur Seite. Sehr gut.
âIch bin mir bewusst, dass die Menschen heute Weihnachten feiernâ, antwortete Youma, strich sich beilĂ€ufig einer seiner langen HaarstrĂ€hnen hinters Ohr â sie wurden endlich wieder lang! â und sah dabei so ernst aus, als sprĂ€che er vor den Hikari im Rat. Aber seine Wangen waren immer noch etwas rot.
âIch habe auch versucht einen kleinen Tannenbaum zu organisierenâŠâ Mit mĂ€Ăigem Erfolg offensichtlich, denn hier war nirgends ein Baum zu sehen. Doch alleine die Tatsache, dass er es versucht hatte⊠brachte Nocturn innerlich ein wenig zum Lachen. Dabei hatte Youma genau diese Tradition doch immer am schlimmsten gefunden! Die arme Umwelt! Die armen BĂ€ume! Und dann hing man auch noch etwas daran! Was fĂŒr ein Unding! Menschen!
âWas fĂŒr MĂŒhe sich mein Prinz gemacht hat⊠und das nur fĂŒr mich. Ich bin geehrt.â Nocturn wusste nicht genau, warum Youma da noch einmal etwas röter geworden war. War es sein Tonfall gewesen?
âAber nein, ich brauch keinen Baum. Wenn ich heute Abend vor Mitternacht zwei Stunden mit dir alleine bekomme, als Geschenk, dann ist das fĂŒr mich gut genug.â Nocturn war sich bewusst, dass er dabei eigentlich schon ein wenig zu viel forderte, denn da war heute irgend so ein wichtiges Meeting im Jenseits, fĂŒr dessen Inhalt er sich ĂŒberhaupt nicht interessiert hatte. Das einzige, woran er sich festgebissen hatte, als Youma ihm davon berichtete war das Datum. Der 24igste Dezember. Wer legte denn bitte wichtige Termine auf den Abend des heiligsten Abend ĂŒberhaupt⊠das konnten nur die ach so heiligen Hikari, die sich ĂŒberhaupt nicht fĂŒr die Traditionen anderer interessierten.
Deswegen zögerte Youma wohl auch. Er wollte ja der beste WÀchter der Dunkelheit sein, den es jemals gegeben hatte und dazu gehörten auch alle Termine einhalten.
âIch weiĂ, dass du beschĂ€ftigt bist. Aber wer weiĂâŠ~â Taktisch und absolut treffsicher nestete Nocturn ein wenig an seiner roten Schleife, zog ein wenig am BandâŠ
â⊠vielleicht habe ich ja auch etwas, was du auspacken darfstâŠ~â Youma wurde auf der Stelle rot. Kerzengerade saĂ er plötzlich im Stuhl und vergaĂ sogar kurzzeitig das Atmen. Nocturn zupfte noch ein wenig an seiner Schleife, aber innerlich verdrehte er die Augen: Wesen, die sich sexuell erregen lieĂen waren so leicht zu manipulieren. Es war schon fast bemitleidenswert.
âIch⊠werde sehen was sich machen lĂ€sst.â Ahja, ganz plötzlich. Nocturn hatte plötzlich keine Lust mehr und die gute Laune war auch verschwunden. Na, vielleicht hatte er Youma jetzt auch schon etwas zu lange nichts mehr⊠auspacken lassen. BĂ€h.
âTu dasâ, antwortete Nocturn dennoch und lieĂ seine Schleife gehen, um sich kurzerhand auf den Schreibtisch zu setzen â wobei er allerdings nett und höflich genug war nichts umzuwerfen oder etwas zu zerknittern. Er schwang das eine Bein ĂŒber das andere und löste damit wieder einen ekeligen Ton aus, den er dieses Mal sogar ein wenig nervig fand. Aber er lieĂ sich davon nicht abbringen:
âFille ist ja heute auch nicht da.â
âIst sie nicht?â
âNon. Sie ist mit ihrem gesamten Gefolge â womit ich natĂŒrlich Blue, Silver und Firey meine â nach Hok⊠Hok⊠aidâŠâ Nocturn hatte das GefĂŒhl, dass seine Zunge sich verknotete, als er versuchte Hokkaido auszusprechen.
âBah, das kann ich nicht ĂŒber meine französische Lippen bringen. Irgendwo in den Norden Japans. Fille und Silver haben da vor Wochen schon eine HĂŒtte gemietet. Im Schnee. Weihnachten im Schnee. Wie romantisch! Ich werde fast eifersĂŒchtig. NatĂŒrlich ist der Schnee nichts fĂŒr unsere Hikari, aber sie wird sicherlich ordentlich gewĂ€rmt von ihren lieben Freunden und natĂŒrlich von Blue. Er war dagegen, natĂŒrlich, unvernĂŒnftig und was sendet denn das fĂŒr ein Signal⊠aber Fille hat ihren Willen bekommen. Sie sind schon aufgebrochen und sind zwei Tage weg.â
âWoher weiĂt du das?â Die Frage war doch eher warum wusste Youma das nicht?
âDu hast viel zu tun und ich habe nicht mehr viele Hobbies, vergessen?â Nein, das hatte er natĂŒrlich nicht vergessen und Nocturn war sich klar, dass er das eigentlich nicht hĂ€tte sagen sollen â aber es war nun einmal die Wahrheit.
âGanz groĂes Drama, denn natĂŒrlich kommt Saiyon nicht mit, obwohl er ja der Getreue von unserer Hikari ist, weshalb Blue auch dagegen war. Wieder, falsches Signal. Aber Grey und White haben Fille den RĂŒcken gestĂ€rkt und gemeint, es sei gut fĂŒr ihre mentale Gesundheit und fĂŒr das Strahlen ihres Lichts⊠Wenn sie sich heute Mal keine Gedanken darĂŒber machen muss, so schnell wie möglich schwanger zu werden.â Schon wieder etwas, was Nocturn eigentlich nicht hatte sagen wollen, aber er redete wie immer zu schnell und schon war dieses Thema auch zwischen ihnen im Raum. Der nicht vorhandene Erbe des Elements der Dunkelheit⊠und der Tatsache, dass Nocturn Youma mit dieser Angelegenheit nicht helfen konnte. Er hatte es eigentlich nicht ansprechen wollen, obwohl er wusste, dass Silence ihn erst vor wenigen Tagen an seine Pflicht als letzter Lebender Yami erinnert hatte â und Youma war pflichtbewusster als Green.
Egal, darĂŒber wollte Nocturn jetzt verdammt nochmal nicht nachdenken. Es war Weihnachten; das einzige Kind, an das er heute denken wolle, war ein nicht existierendes, heiliges Gotteskind, das einfach nur als Ausrede genommen wurde fĂŒr gute Musik und Festessen. Oh gute Musik! Ein Gottesdienst in der Notre Dame, oh das wĂ€re so wunderbar⊠Nein, nein, nicht daran denken, daran erst recht nicht. Wenn er an Paris dachte, fing er gleich an zu weinen.
Und das wĂ€re nicht gut, denn genau da klopfte es an der TĂŒr. Youma horchte auf und wollte den Besucher schon herein bitten, aber da öffnete dieser schon von sich aus die TĂŒr, als wĂ€re dies sein Arbeitszimmer â und herein kam wahrlich ein Gotteskind⊠nĂ€mlich Hizashi, mit Reitzel im Schlepptau, der einen entschuldigenden Eindruck machte.
âAh, Reitzel hatte recht! Hier ist ja unser DĂ€mon.â Nocturn hatte viele DĂ€monen getroffen, dumme, gefĂ€hrliche, mĂ€chtige. FĂŒrsten von hohen Kaliber; Ri-Il unter anderem, dessen LĂ€cheln einem auch nicht gerade Freude verspĂŒren lieĂ. Aber Hizashis LĂ€cheln⊠Es gab keines, mit dem man es vergleichen konnte. Sein LĂ€cheln war wie das einer alten Engelsstatue, in dessen Körper der Teufel gefahren war; genauso gefĂ€hrlich und genauso ewiglich. Hizashi war einer der wenigen Wesen, mit denen auch Nocturn am liebsten so wenig wie möglich zu tun hatte â leider musste er ihn aber jeden zweiten Tag sehen.
âDas HĂŒndchen ist bei seinem Besitzer, wie niedlichâ, sagte Hizashi und legte lĂ€chelnd die HĂ€nde zusammen. Er verbeugte sich natĂŒrlich nicht â verbeugte er sich vor ĂŒberhaupt jemanden? Vor seinen Göttern vielleicht? â aber Reitzel grĂŒĂte höflich. Youma richtete sich sofort auf, alarmiert und verĂ€rgert.
âNocturn ist nicht beim Besitzâ, antwortete Youma mit ernster, resoluter Miene. Nocturn spĂŒrte wie eine komische WĂ€rme sich auf seinen Wangen ausbreitete. Also eigentlich mochte er es ja, wenn Youma sagte, dass er âsein warâ, aber das war wohl nicht der richtige Moment um das anzumerken.
âWie Sie meinen, Yami-san.â Hizashi drehte sich zu Reitzel herum und sein LĂ€cheln war sofort weg.
âDu kannst jetzt gehen, Reitzelâ, sprach er mit der Strenge eines Lehrers, der seinen SchĂŒler wegschickte, nachdem dieser seinen Zweck erfĂŒllt hatte. Doch Reitzel blieb stehen, wofĂŒr Nocturn ihm Respekt zollte.
âGehâ, sagte er nun mit etwas mehr Nachdruck und tatsĂ€chlich auch mit einer abweisenden Handbewegung.
âDu hast deinen Zweck erfĂŒllt.â
âAber Hizashi. Ich sagte dir doch, dass ich etwas mit Youma-san zu besprechen hĂ€tte.â Nocturn lachte beinahe in sich hinein; da hatte das kleine Lamm von einem Hikari aber gut gekontert! Hizashi hatte Tonfall eines Lehrers benutzt, aber Reitzel den eines Psychiaters, der mit seinem Patienten sprach. Etwas was dem kalten Hikari nicht unbemerkt geblieben war, denn er verzog kurz angewidert das Gesicht.
âGutâ, zischte Hizashi und legte plötzlich seinen Zeigefinger auf Reitzels Brust, der ein wenig Abstand nahm, aber Hizashi bohrte seinen Finger noch tiefer hinein. Doch irgendwie fand Nocturn nicht, dass Reitzel danach aussah als wĂŒrde es ihm missfallenâŠ?
âAber der kleine Reitzel sollte auf sein Taten und Schritte ein wenig besser achtenâŠâ Er pikste ihn nun förmlich:
â⊠und auf seinen Tonfall.â ⊠jeder andere hĂ€tte wohl das Gesicht verzogen, aber Reitzel⊠Nocturn legte den Kopf schief. Sah er hier etwa die einzige Person fĂŒr die Hizashi keine bittere Medizin war?
Dann wandte sich eben bittere Medizin allerdings Nocturn zu:
âKomm, DĂ€mon, ich will nicht mehr als nötig meine Zeit mit dir verschwenden. Es ist ohnehin ein Unding, dass ich dich finden muss.â Youma warf Nocturn einen besorgten Blick zu, den Nocturn nicht ganz verstand. Es war doch nicht das erste Mal, dass er alleine war mit Hizashi. Oder glaubte er, dass er seine schlechte Laune an ihm auslassen wĂŒrde? Hm, gut, das wĂŒrde er sicherlich. Aber nach dem ganzen Drama mit Fille wĂŒrde Hizashi ihn wohl kaum töten.
âVerzeiht meine Unhöflichkeit, Hikari-Hizashi-samaâ, antwortete Nocturn und verneigte sich elegant, nachdem er vom Schreibtisch herunter gerutscht war.
âDann lasst uns zur Tat schreiten, damit ich Euch nicht lĂ€nger behellige.â Er warf Youma sein Zwinkern zu, dass er selber sehr kokett fand und von dem er hoffte, dass Youma das âbis nachherâ verstanden hatte.
Und dann war Nocturn alleine mit Hizashi â und Youma mit Reitzel, der die TĂŒr schloss, wĂ€hrend Youma ein Seufzen ĂŒber die Lippen rollte.
âEntschuldigt bitte die UmstĂ€nde, Reitzel-sanâ, sagte der Yami und massierte sich die SchlĂ€fen.
âIch habe nicht auf die Uhrzeit geachtet, ansonsten hĂ€tte ich Nocturn zu Hizashi gebracht. Ich hoffe sie hatten keine allzu groĂe Unannehmlichkeiten deswegen.â
âMachen Sie sich darĂŒber keine Sorgen, Youma-san. Ich habe keinerlei Unannehmlichkeiten erlebt.â Youma runzelte die Stirn, denn genau wie Nocturn hatte er natĂŒrlich auch eben gesehen, wie Hizashi Reitzel nicht nur mit den Finger durchbohrt hatte, sondern auch mit seinem Blick â als wĂ€ren sie bei einem Kreuzverhör gewesen. Warum wirkte Reitzel dann so, als hĂ€tte er⊠gute Laune? Seine Wangen waren rot und seine Locken schienen zu tanzen, als er sich ihm mit einem LĂ€cheln zuwandte.
âIch habe mir die Freiheit herausgenommen es einpacken zu lassen. Hier oben auf unseren Inseln wĂ€re es schwer geworden passendes Einpackpapier zu finden.â Er reichte Youma die kleine Schachtel.
âIch danke Ihnen, Reitzel-san. Das war ĂŒberaus freundlich von Ihnen.â Trotz allem blieben sie aber beim Sie.
âIch weiĂ, dass meine Bitte, sie auf den Eiffelturm zu schicken, etwas frech war. Ich hoffe, dass ich mich in Zukunft erkenntlich zeigen kann.â Reitzel winkte mit der Hand ab.
âAh, ich habe den Ausflug genossen. Das letzte Mal, dass ich auf dem Eiffelturm war, war 1900, kurz nach seiner Eröffnung. Es hat mir SpaĂ gemacht in Erinnerungen zu schwelgen und nun zur WeihnachtszeitâŠâ
âEin Graus nicht wahr? Paris ist furchtbar schrill im Dezember und viel voller als sonst. So viele Menschen!â Die Worte Youmas brachten Reitzel zum Lachen:
âOh, ich wollte eigentlich sagen, dass ich es sehr schön fand.â Schön? Hatte Youma sich da gerade verhört? Schön?! Es gab doch kaum eine Jahreszeit zu der Paris schlimmer war als im Dezember! Nun gut, Hochsommer war auch grauenhaft gewesen, mit den vielen Extra Menschen⊠manchmal verstand Youma wirklich nicht, warum Nocturn sich so sehr nach der Stadt sehnte, aber gut, es war sein Zuhause, dachte Youma und betrachtete das rote Geschenk gedankenverloren, bis Reitzel ihn aus diesen herausholte:
âDoch darf ich mir eine Anmerkung erlauben, Youma-san?â
âOh ja, natĂŒrlich.â Youma sah auf, etwas verwirrt â doch auf das, was Reitzel da sagte, wĂ€re er nicht gekommen:
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My absolute favourite piece from the 2018 inktober. I never dared to touch it again as I think the strange colors suit the motive somehow, but maybe I will re-visit it some day?
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Last set of Inktober drawings from 2018 - this time with demons. I loooove to draw Ri-Il with his open hair from back in time, when he was still hanging around in a tree...
Another set of Inktober drawings from 2018 - all taking place in the Dauphin universe <3 in a future where Nocturn is allowed to fight and use his magic that is...
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Youma war sich gĂ€nzlich im Klaren darĂŒber, was er tat. Doch das hinderte ihn nicht daran es zu hinterfragen, denn er verstand nicht, wieso es geschah. Er verstand nicht, wieso sein Herz raste, wieso die Hitz ihm befiel, warum seine HĂ€nde zitterten, warum er den Blick nicht abwenden konnte, obwohl er dochâ- auf so etwas HĂ€ssliches blickte.
Er hatte ihn schon nackt gesehen. Als er ihn vor fĂŒnf Monaten zurĂŒck ins Leben geholt hatte, hatte er genug Zeit gehabt um seinen Körper mit Abscheu zu betrachten. Die abgemagerten Beine; die Finger, die aussahen, als wĂ€ren sie die Finger eines Skeletts. Jeder Zentimeter der Haut vernarbt, verkrĂŒppelte FĂŒĂe, spitz zulaufende SchulterblĂ€tter und sich deutlich abzeichnende Beckenknochen. Der angewiderte Halbgott hatte seine Rippen mit dem bloĂen Auge zĂ€hlen können, so deutlich zeichneten sie sich ab unter der vernarbten Haut dieses DĂ€mons, den er sich als Partner ausgesucht hatte.
Angesichts dieser widerlichen HĂ€sslichkeit war Youma angewidert zurĂŒckgewichen. KĂ€lte hatte ihn befallen; Ăbelkeit. Er, der nie etwas unschönes hatte betrachten mĂŒssen, der immer nur sich selbst und den Körper seiner Schwester gesehen hatte, war entsetzt gewesen, dass so etwas HĂ€ssliches ĂŒberhaupt existieren konnte.
Seine glĂŒhenden Augen, als er versucht hatte Youma zu töten â und natĂŒrlich gescheitert war â machten ihn nicht gerade hĂŒbscher.
 Warum waren es gerade diese Augen von denen Youma sich jetzt, beinahe ein halbes Jahr spĂ€ter, nicht abwenden konnte? Warum spĂŒrte er jetzt gierige Hitze statt angewiderter KĂ€lte?
Es war Silenceâ Schuld, sagte er sich â Silence war schuld an diesemâ Unfall.
Es war in Aeterniya kein Geheimnis gewesen, dass Silence und er eine sehr leidenschaftliche Beziehung gefĂŒhrt hatten. Sie waren Experten darin gewesen, versteckte Ecken zu finden um die kleinsten Schlupflöcher im Tagesablauf auszunutzen um den Körper des anderen zu erforschen, zu huldigen und den jeweils anderen zu verwöhnen. Silenceâ Befriedigung war seine gewesen, wie umgekehrt. Ihre Körper waren sich so Ă€hnlich, Spiegelbilder des anderen und genauso Ă€hnlich waren auch ihre intimsten WĂŒnsche. Der Drang nach dem Körper des anderen mussten sie nie in Worte fassen, nie darum bitten, nie lange warten â ein Blick hatte genĂŒgt und schon waren sie eins geworden mit dem Schatten und miteinander.
Das war nun schon fĂŒnf Monate her â nein, genauer betrachtet war das Ăonen her.
Ăonen in denen Youma nichtâŠ
Der geplagte Teufelssohn hatte das GefĂŒhl, dass er wahnsinnig wurde. Schwerer und schwerer war es geworden sich auf seine politischen Bestrebungen zu konzentrieren, fokussiert zu bleiben, mit den Augen aufs Ziel gerichtet. Seit seinem 12ten Lebensjahr hatten er und Silence miteinander gespielt â wie sie es am Anfang nannten, unerfahrene Kinder wie sie waren â und jetzt war er unfreiwillig in eine steinerne Abstinenz geworfen worden.
Silence wusste es. Sie hatte es ihm angesehen, als sie sich vor ein paar Tagen auf dem Schlachtfeld gesehen hatten. Breit hatte sie gegrinst; boshaft, kalt und schadenfroh.
âOu, sehnt sich mein armer, groĂer Bruder etwa nach meinem Körper?â Sie war nĂ€her herangeflogen und wenn möglich wurde ihr Grinsen noch breiter, angestachelt von der finsteren Miene ihres Zwillings.
âOu ich könnte ja. Es gĂ€be ja eine Möglichkeit. Ich könnte mir ja Greens Körper ausleihen. Nicht gaaaaanz das gleiche, aber das wĂŒrde dir wohl im Moment genĂŒgen, huh, Youma?â Er hatte nicht geantwortet. Er wusste, dass sie ihn nur triezte â das Problem war nur: die hatte Erfolg. Silence hatte immer Erfolg: sie war die Meisterin des Trietzens.
âAber ich glaube das bist du mir nicht wert.â Â Â
Eine kleine Stimme sagte ihm, dass er diese Worte verdient hatte zu hören, nach allem was passiert war â lauter war aber das Surren seines Sensenblattes, als er mit fletschenden ZĂ€hnen und glĂŒhenden roten Augen fĂŒnf WĂ€chter köpfte. Aber selbst das und das Menschenblut, das an diesem Abend vom Wasser der Dusche von ihm gewaschen wurde, gab ihm wieder Erlösung noch Ablenkung. Silenceâ Spott echote durch seinen Kopf, ihr Grinsen zeichnete sich noch vor seinem inneren Auge ab.
âDu hast dir doch soooo einen tollen Partner zurĂŒck ins Leben geholt. Vielleicht kann er dir ja bei deinem kleinen Problemchen helfen?â Sie hatte ihn ausgelacht und ihr Lachen wurde noch lauter in seinem Kopf, als Youma an diesem Abend aus dem Badezimmer kam und Nocturn mit einem Kaffee und einer Zeitung an der Theke sitzen sah.
âDer werte göttliche Prinz riecht ja schon wieder nach Blut. WeiĂt du⊠Die Pariser können nichts dafĂŒr, dass deine PlĂ€ne scheitern.â Er setzte seinen Kaffee ab und sah auf, kreuzte Youmas Blick mit hochgezogenen Augenbrauen:
âWenn du schon jemanden töten willst, dann such dir gefĂ€lligst deine Menschenopfer in einem anderen Land â oder töte Touristen, davon haben wir ohnehin genug. Das sind die Lauten. Die die immer mitten auf der StraĂe stehen bleiben.â Er redete und redete. Aus diesem immer grinsenden Mund kamen immer nur belanglose Worte die niemand hören wollte, denen niemand zuhörte. Ein Wort nach dem anderen. Keines davon war von Bedeutung; keines davon hörte Youma, denn das Lachen Silenceâ war viel zu laut in seinem Kopf.
âVielleicht schreckt das die Touris ja mal abâŠâ
Hatte sie sich Nocturn mal angesehen? Wie hĂ€sslich er war? Seine langen schwarzen Locken bestanden nur aus einem groĂen Haar-Wirrwarr, kannten keine Pflege wie es Youma vorkam⊠seine Magerheit fiel nicht so sehr auf, wenn er bekleidet war, aber sein Gesicht alleine war doch schon⊠und mit dem meinte Silence sollte YoumaâŠ?! Lieber erledigte Youma das Problem selbstâ nein, nein, das tat er nicht. Nein, so tief war er nicht gefallen.
Aber â er biss sich auf die Lippen und starrte Nocturn grimmig an â Youma war doch viel zu schön fĂŒr so etwas?!
Der Schmerz seiner Lippen weckte ihn und brachte ihn zurĂŒck in die RealitĂ€t. Er schĂŒttelte sich angewidert und ignorierte Nocturns fragenden Blick, der eigentlich auf einen verbalen Schlagabtausch hoffte. Er sah enttĂ€uscht aus, als Youma sich einfach nur einen Kaffee einfĂŒllte und in sein Zimmer ging; wĂŒtend, genervt â und ĂŒberaus frustriert.
Er hÀtte einfach in seinem Zimmer bleiben sollen.
Aber eine Minute nach Mitternacht geschah der Unfall.
 Youma hÀtte nicht aus dem Zimmer kommen sollen, aber er hatte es getan.
Nocturn war noch wach; war vertieft in seine Musik. Er trug Kopfhörer, saĂ an der groĂen Fensterfront des Wohnzimmers, mit dem RĂŒcken zu ihm. Im Spiegelbild sah Youma, dass er genieĂend die Augen geschlossen hatte und von weit weg hörte Youma ein leidenschaftliches Pianospiel. Man könnte meinen er war eingeschlafen. Aber seine Finger bewegten sich auf der Lehne des Sessels, als spiele er selbst dieses Lied, dass aus seinen Kopfhörern drang. Er war entspannt, gab sich seiner Musik hin, glaubte wohl Youma schliefe â aber es dauerte nicht lange, bis er ihn bemerkte, sich erschreckte und die Kopfhörer herunterriss, plötzlich alarmiert aufstehend.
âKronprinz, wasâŠâ Ăberrascht und verĂ€rgert darĂŒber, dass er ĂŒberhaupt hatte ĂŒberrascht werden könnten, ging er sofort in eine abwehrende Haltung; war plötzlich angespannt, statt entspannt, obwohl die Musik weiterspielte. Aber seine Haltung bröckelte, wurde zerschlagen wie Glas von einem einzigen Wort:
âNocturn.â
Was auch immer Nocturn in seiner Betonung hörte, was auch immer er zu hören glaubte â es löste Erstaunen in ihm aus. Seine Augen weiteten sich, seine Wangen erröteten sich und fĂŒr einen kurzen Moment sah er gar nicht so hĂ€sslich aus, schoss es Youma plötzlich durch den Kopf, als er sich in Bewegung setzte. Die Kopfhörer rutschten Nocturn aus der Hand, doch bevor sie auf den Teppich fielen, drĂŒckte Youma Nocturn schon mit seinen Lippen auf seinen an die kalte Fensterfront.
Youma hatte erwartet, dass Nocturn ihn angriff. Er hatte das Ausfahren seiner FingernÀgel erwartet. Schmerzen. Irgendetwas.
Aber was er gewiss nicht erwartet hatte, was geschehen wĂŒrde war, dass Nocturn nichts tat. Er blinzelte ihn an, ganz erstaunt, ja, unschuldig schon, als Youma kurz die Lippen von ihm löste, als wollte er Nocturn die Chance geben sich zu wehren; als wĂŒrde er darauf hoffen, dass er ihn wegstoĂen wĂŒrde, es aufhalten wĂŒrde.
Aber stattdessen war da nur ein kleines, geflĂŒstertes Wort, begleitet von dem seichten Spiel eines fernen Pianos.
âYoumaâŠ?â
Ich weiĂ nicht, warum ich mir das hier antue.
Aber er tat es noch einmal. Er kĂŒsste Nocturn abermals, drĂŒckte seine HĂ€nde mit seinen an die Scheibe, verflochtete seine Finger mit seinen, als deren MĂŒnder sich öffneten, beide beinahe gleichzeitig. Sein Körper jauchzte auf vor Freude und schrien zu schreien â na endlich. Wie ein Ertrinkender drĂŒckte Youma sich an ihn, klammerte sich an seine dĂŒrren Finger, die ihn festhielten und die trotz aller Magerheit warm und immer wĂ€rmer wurden, umso lĂ€nger der Kuss dauerte. Nocturns Finger waren beinahe heiĂ, zitterten, als sie mit einem leichten, gemeinsamen Aufstöhnen voneinander ablieĂen und nach Luft schnappten. Â
Nocturn keuchte leicht und unterdrĂŒckt. Nicht sonderlich laut, nicht irritierend so wie seine Stimme sonst immer klang â nein, viel eher sĂŒĂ.
Gott, was dachte Youma da?!
Aber egal wie laut er sich selbst versuchte anzuschreien, er konnte die Hitze nicht wegreden, konnte nicht wegreden, dass er sich von dem Gesicht des hĂ€sslichen DĂ€mons nicht abwenden konnte. Nocturns Gesicht war rot, seine roten Augen glasig, wĂ€ssrig statt feurig und immer noch leicht geweitet, als verstĂŒnde er nicht, was sie gerade getan hatten, dabei musste er Youmas Geschmack genauso auf der Zunge tragen, wie er seinen.
Eine leichte Verunsicherung lag in Nocturns Blick, in seiner Erscheinung. Er sah gar nicht so aus, wie immer, obwohl er seinen schwarzen Rollkragenpullover trug, den er eigentlich immer trug, wenn er Zuhause war. Eigentlich war an seiner Erscheinung nichts anders â und doch konnte Youma sich nicht abwenden. Er sah das leichte Zittern, spĂŒrte noch seine heiĂen Finger zwischen seinen, doch viel intensiver war der Geschmack⊠der Geschmack Nocturns auf seiner Zunge, der so sĂŒĂ war, als hĂ€tte Nocturn ihn vergiftet. Sah er ihn deshalb plötzlich so⊠anders? Konnte er sich deshalb plötzlich nicht mehr abwenden, als wĂ€re alle HĂ€sslichkeit verschwunden? Nein, hĂ€sslich war er immer noch. Aber so sehr Youma sich versuchte seine Narben und seine hervorstehenden Knochen ins GedĂ€chtnis zu rufen, die sich unter seinem schwarzen Stoff verbargen, es funktionierte nicht. Er starrte in seine Augen und dachte nur eins:
Er sieht wegen mir so aus.
Der DĂ€mon, der mich immer nur nervt, der mich immer zur WeiĂglut treibt, der sich nie an meine PlĂ€ne hĂ€lt, der mich immer nur verspottet, mir immer nur auf der Nase herumtanzt⊠dieser DĂ€mon sieht wegen mir soâŠ
Youma musste schlucken.                                       So sĂŒĂ aus.
Endlich war da kein Lachen mehr. Kein Hohn, kein Spott. Nocturns tausende Worte waren versiegt. Kein nerviger Widerwille mehr. Youma hatte das wahnsinnige Monster mit einem Kuss⊠gezÀhmt.
âYouma, wasâŠâ
Wenn es in einem Unfall mehrere Etappen gab, dann begann mit diesen zwei Worten die zweite Etappe.
âSilver und Green. Das waren die einzigen Wesen, die eine solchen Schwung an GefĂŒhlen in Blue auslösen konnten: Ri-Il hatte es mehr als einmal in seinen Gedanken und in seiner GefĂŒhlswelt beobachten können. Wenn von ihnen die Rede war, dann wurde so vieles fĂŒr Blue unwichtig und plötzlich zog er auch die Schultern hoch und das obwohl da keine Drohung in der Luft gehangen hatte.Â
Wie auch immer dieses MĂ€dchen es geschafft hatte, den Kopf seines so vernĂŒnftigen und klugen SchĂŒlers zu verdrehen, sie hatte es geschafft â und das glich einer Glanzleistung, die Ri-Il absonderlich fand; absonderlich, eigenartig, interessant auch, aber auch sehr bedauerlich. Einige Personen sollten sich nicht von ihrem Herzen leiten lassen.â
- Chapter 121 âIm Schein der roten LampionsâÂ
âIst das dein Ernst? Du machst Nocturn ein Geschenk? Du?â
Es stand Blue sehr deutlich ins Gesicht geschrieben, dass er dieses GesprĂ€ch am Morgen des 21igsten Dezembers nicht fĂŒhren wollte. Er sah so gar so beschĂ€mt und unzufrieden aus, dass man meinen könnte, dass er das GesprĂ€ch am liebsten abbrechen wĂŒrde um sich in seine Kammer zurĂŒckzuziehen, aber auch wenn Blue und Youma jedem GesprĂ€ch aus dem Weg gingen â besonders wenn sie nur zu zweit waren â seine WĂŒrde und seine Höflichkeit geboten ihm standhaft zu bleiben und den Blickkontakt mit Youma nicht abzubrechen, obwohl dieser sehr unbehaglich fĂŒr ihn war. Noch nie hatte Youma Blue mit erröteten Gesicht gesehen. In der Regel kannte er ihn eher als bleich und etwas krĂ€nklich wirkend â ihn jetzt mit roten Wangen zu sehen lieĂ ihn weniger ungesund wirken, auch wenn er sich deutlich unwohl fĂŒhlte in seiner Haut.
âDu beteiligst dich an dieser unsinnigen Menschentradition?â Der Dampf des Kaffees schlĂ€ngelte sich von Youmas Tasse empor, doch er hatte noch keinen Schluck von diesem genommen, obwohl der Geruch sich bereits wohltuend in der kleinen KĂŒche verteilte.
âMeine Mutter wuchs in Europa auf. Das Weihnachtsfest und die damit verbundenen Traditionen sind daher kein Fremdwort fĂŒr michâ, stellte Blue in seinem sachlichen Tonfall fest:
âDas Weihnachtsfest wurde in meiner Kindheit gefeiert.â Youma war zu sehr damit beschĂ€ftigt das Wort âEuropaâ zu platzieren â von dem er sich sicher war, dass er es schonmal gehört hatte â als dass er darauf geachtet hĂ€tte, dass Blue sĂ€mtliche Röte plötzlich verlor.
âTrotzâŠâ Blue sah weg und sein Gesicht war nun bleich wie ein Leichentuch:
âDas hier ist es.â Mit ausgestreckten Fingern schob Green ein auffĂ€llig rotes Buch ĂŒber den Couchtisch, bis es in der Mitte des Tisches lag. Dunkelrotes Leder, goldene Lettern, in einer Schrift verfasst, die die beiden BrĂŒder nicht lesen konnten. Ein einzelner Strich markierte, dass es sich hier um den ersten Teil einer Serie handelte â der wohl bedeutsamsten Buchreihe des WĂ€chtertums, wenn man von dem heiligen Regelwerk absah.
âDas istâŠâ, begann Siberu sich etwas verwirrt vorantastend:
â⊠die DĂ€monen-EnzyklopĂ€die, oder?â Gary warf seinem Bruder einen kurzen Blick zu, ohne etwas zu sagen. Sein Gesichtsausdruck verblieb ernst, wĂ€hrend Green nickte â im Gegensatz zu Gary war sie ĂŒberrascht, dass Siberu das Buch erkannt hatte.
âDer erste Band um genau zu sein. Geschrieben von meinem werten Onkel Hizashiâ, fĂŒgte sie etwas sĂ€uerlich hinzu, ehe sie das Buch auf der Seite aufschlug, die sie mit einem Lesezeichen markiert hatte. Gary hob die Augenbraue â nicht wegen dem, was er in dem Buch sah, sondern etwas erstaunt und begeistert von Greens Vorbereitungen. Dieses GesprĂ€ch, das gesamte Thema, war ihr wirklich auĂerordentlich ernst â verblĂŒffend, immerhin interessierten sie die meisten Konflikte der WĂ€chter wenig und deren Geschichte bezog sie nicht auf sich selbst, empfand sie nicht als ihre eigene. Doch die Geschichte Aeterniems war ganz offensichtlich etwas Anderes fĂŒr Green, dachte Gary erstaunt, und eher sie ansehend als das Buch. Anders als Siberu, denn er sah stirnrunzelnd auf das Buch, so als gĂ€be er sich gröĂte MĂŒhe, die Schriftzeichen der WĂ€chter zu verstehen, denn Bilder waren keine zu sehen.
âDieses Buch, welches erst viel spĂ€ter geschrieben wurde, ist der Grund, weshalb es in Aeterniem eskalierte⊠also, weshalb Youma Light angriff und ihn töten wollte.â Siberu entfloh ein ehrliches âHĂ€â, wĂ€hrend Garys Gesicht wieder ernster wurde anstatt, dass er zeigte, dass er ebenfalls verwirrt war.
âEr hat es ja auch schlussendlich getanâŠâ, fuhr Green fort, als hĂ€tte sie Siberus Verwirrung nicht bemerkt und auch jetzt sah sie nicht die erschrockenen Gesichter der zwei HalbdĂ€monen, denn sie sah zu Silence, welche ihren Blick verbissen erwiderte. Wenn es Schmerz war, der ihr Gesicht verdunkelte, dann schluckte sie diesen gut herunter, denn ihr Gesicht zeigte nichts anderes auĂer einer sehr festen Entschlossenheit â Entschlossenheit, Youma abermals gegenĂŒberzutreten und die gesamte Wahrheit aus ihm herauszubekommen.
âNachdem Youma in Aeterniya Amok gelaufen ist und viele der direkten Nachkommen der Götter töteteâŠâ, fuhr Green fort, mit den Fingern immer noch auf den alten Seiten des Buches:
â⊠wurde er in ein VerlieĂ geworfen, wo man versucht hat, ihn zu âlĂ€uternâ â was auch immer das heiĂen mag, einen Effekt hatte es jedenfalls nicht, denn es verhinderte nicht die schrecklichen⊠darauffolgenden GrĂ€ueltaten, die noch schlimmer waren, als die getöteten Götterkinder und Enkelkinder.â Green zögerte, obwohl sie es bereits gesagt hatte. Sie spĂŒrte die Blicke der beiden HalbdĂ€monen auf sich und auch den von Silence â und die Beengung ihrer Kehle.
âEr befreite sich aus dem VerlieĂ â wir wissen nicht wie oder ob er Hilfe hatte, womöglich vom DĂ€monenherrscher? â undâŠâ Sie zögerte, nein, sie geriet ins Stocken. Sie konnte die Worte nicht einfach so sagen: Sie erschraken sie zu sehr, sie waren zu schrecklich und Silence hörte zuâŠ
âIch bin nicht so sensibel, dass ich weine, wenn ĂŒber meinen Tod gesprochen wird.â Das waren die ersten Worte, die Green seit einer Weile von Silence hörte â nur sie, nur sie konnte diese in ihren Gedanken hören. Es war immer noch ein wenig ungewohnt und es war sicherlich auch kein schöner Gedanke, dass Silence in ihrem Kopf nistete, aber⊠Green begann sich daran zu gewöhnen. Sie zu hören lösten die Beklemmung und ihr fielen die Worte ein wenig leichter, als hĂ€tte Silence ihr ihre Hand auf die Schulter gelegt:
âEr tötete Silence und dann Light.â
  In Greens Herzen hallten diese Worte nach wie ein Donnergrollen. Auch Siberu und Gary sahen verwirrt aus. Sie hatten gerade eine Geschichte gehört, die von zwei Zwillingen handelte, die sich mehr liebten, als alles andere auf der Welt und die beide ihren Ziehvater ehrten und mehr liebten, als sie ihre leiblichen Eltern jemals geliebt hatten â und diese Geschichte endete mit Mord, mit einem Mord von Silence und Light? Gary starrte mit leicht zusammengekniffenen Augen auf die Buchseiten, als könnten die Zeichen unter Greens Finger ihm eine Antwort auf dieses RĂ€tsel geben. Doch er sah sofort auf, als sein Bruder die Stille brach:
âWar es das DĂ€monenblut Youmas, welches nicht zu kontrollieren war?â Garys Augen verengten sich eine kleine Spur, doch Green bemerkte es nicht, ebenso wenig wie sie bemerkte, dass Gary seinem Bruder auf den FuĂ trat. Siberu sah ihn nicht an, aber er schwieg, womit die Worte, die er eigentlich noch hinzufĂŒgen wollte, ungesagt blieben â stattdessen ĂŒbernahm Gary das Reden, ehe Green antworten konnte:
âMan sagt, dass HalbdĂ€monen ihr dĂ€monisches Blut und die damit verbundenen FĂ€higkeiten und NeigungenâŠâ
ââNeigungenâ?â, wiederholte Siberu skeptisch, aber Gary ĂŒberhörte ihn:
â⊠erst dann nutzen können, wenn sie zum ersten Mal einen starken Tötungsdrang verspĂŒrt haben.â Green blinzelte verwirrt, ihre Finger vom Buch lösend. Sie lehnte sich zurĂŒck, wĂ€hrend sie vom einen zum anderen sah und ihre Gedanken sofort in eine andere Richtung gingen als Aeterniem. Sie hatte Siberus rote DĂ€monenaugen schon gesehen, aber Garys noch nie⊠hatte er noch nie töten wollen? Und wen hatte SiberuâŠ?
âBeim ersten Mal kann es leicht zu einer gewissen Ăberreizung kommenâ, fuhr Gary sachlich klingend fort, als befĂ€nden sie sich in einer Nachhilfestunde. Ein Tonfall, den Green kannte, aber der Silence verĂ€rgerte. Als ob sie irgendwelche dahergelaufenen HalbdĂ€monen waren, die âAmok liefenâ wie Hunde, die Tollwut hatten. Das mochte vielleicht bei HalbdĂ€monen der Fall sein, die billiges Menschenblut in ihren Adern hatten, aber gewiss nicht bei ihr und Youma.
âDas könnte vielleicht so gewesen sein bei dem Massaker der Götterkinder, aber nicht bei Silence und Light. Das war keine Kurzschlussreaktion. Er hat sie getötet, weil er eine Absicht verfolgte, nicht weil sein DĂ€monenblut ĂŒbergekocht war.â Green sah zu Silence, als hĂ€tte sie ihre VerĂ€rgerung gespĂŒrt.
âAber wie kann es mit diesem WĂ€lzer zusammenhĂ€ngen, wenn dieses alte Teil erst viele Jahre spĂ€ter geschrieben wurde?â Siberu gestikulierte mit der Hand in Richtung des Buches.
âIch meine, woher willst du das wissen, Green-chan?â
âWeil ich ihn gesprochen habe und ihn gefragt habe, Sibi â und das war seine Antwort.â Siberu fiel die Kinnlade förmlich herunter.
âWie bitte, du hast was?! Du redest mit einem wahnsinnigen Massenmörder â Moment, wieâŠâ
âNach dem ganzen Drama in Aeterniem wurde Youma in einen Zeitbann gesperrt und der Bann hat sich nun gelöst. Er lebt, ist hier und hat irgendetwas vor, was wir nicht wissen.â Siberu, immer noch mit offenem Mund, sah zu Gary, doch dieser teilte seine Verwirrung nicht, immerhin wusste er das bereits und sofort als Siberu das bewusst wurde, schloss sich sein Mund.
âDas hĂ€tte man mir ja wohl mal erzĂ€hlen können.â
âDas war vorgesternâ, entschuldigte Green sich, obwohl Siberu Gary angesehen hatte:
âUnd ich erzĂ€hle es dir ja jetzt.â
âVorgestern! Dann hĂ€ttet ihr beide genug Zeit gehabt, um es mir⊠Moment. Vorgestern?â Jetzt fixierte er Green genauer:
âDas war an dem Abend, als ich dich unten im Treppenhaus getroffen habe! Als du so komisch warst!â Green versuchte zu lĂ€cheln:
âNaja, das war auch nicht ich, das war Silence, mit der du gesprochen hast.â Siberu blinzelte auffĂ€llig â er hatte was?!
âBei den sieben Teufeln, das wird mir hier alles zu kompliziert. Wie soll ich denn da durchsteigen!?â
âSo schwer ist das nun auch nichtâ, warf Gary ein, als er sich lauwarmen Tee nachschenkte, doch ehe Siberu auf seine Neckerei antworten konnte, wandte er sich doch lieber Green zu:
âDu vertraust dich lieber ihm an?!â Green fĂŒhlte sich ertappt, das war deutlich an ihrem LĂ€cheln zu sehen und sie sah ein wenig hilfesuchend zu Gary, der seinen Tee plötzlich ganz besonders spannend fand.
âDas heiĂt aber ja nicht, dass ich dir nicht auch vertraue!â, beeilte Green sich zu sagen und ihre Worte ĂŒberschlugen sich beinahe, als sie sich beeilte mit ihrer ErklĂ€rung fortzufahren, damit sie Siberu jede Möglichkeit nahm, noch weiter darĂŒber nachzudenken, wem sie nun mehr vertraute â hoffte sie jedenfalls.
âIhr sitzt immerhin beide hier und euch beiden erzĂ€hle ich nun, was ich, beziehungsweise Silence, von Youma erfahren habe.â Gary linste ĂŒber seine Teetasse. Sie sprach sicherlich nicht nur so schnell, um seinen Bruder abzulenken â sondern auch sich selbst. Immerhin war noch weitaus mehr vor drei Tagen geschehen als ein âGesprĂ€ch mit Youmaâ. Kari war gestorben. Aber den Tod ihrer Kindheitsfreundin schob sie nun von sich weg.
âUnd was es mit der dummen EnzyâŠâ Aber zu Greens und Garys Ăberraschung fiel Siberu nicht auf Greens Ablenkungsversuch rein.
âDu hast vorgestern nach Blut gerochen. Nach viel Blut und in der Schule warst du auch nicht.â Ein betretenes Schweigen breitete sich in dem Zimmer aus und sowohl Gary als auch Silence waren sehr gespannt darauf, was Green antworten wĂŒrde. WĂŒrde sie jetzt doch von Kari sprechen, die von Youmas Sense entzwei geteilt und am gestrigen Tag von den WĂ€chtern bestattet worden war? Die Hikari biss sich auf die Zunge, aber sie zwang sich zu einem LĂ€cheln.
âEs verlief nicht gerade friedlich.â Â Â
 Sie lĂ€chelte, doch in ihrem Inneren bebte es. Wortwörtlich. Das letzte Erdbeben ihrer kleinen Freundin, ihres Schutzengels aus Kindertagen â ihr erster, richtiger Einsatz ihrer Magie und es war ihr letzter. Green hatte sie⊠Kari⊠ihre⊠ihre HĂ€lften nur so kurz gesehen, ehe Silence Greens Körper gepackt und ĂŒbernommen hatte, aber das Bild, das zweigeteilte, rote Bild hatte sich dennoch auf ihrer Netzhaut eingebrannt, um dort niemals mehr zu verschwinden.
 Silence hatte nichts zur Verteidigung ihres Bruders gesagt. Sie hatte nicht gesagt, dass es ihr komisch vorkam, dass er die ErdwĂ€chterin entzwei geteilt hatte. Sie hatte Green auch nicht berichtet, dass Youma sehr verwirrt gewirkt hatte; bestĂŒrzt von dem, was er ganz offensichtlich getan hatte; die blutige Sense hatte noch in seiner Hand gelegen, als er und Silence sich nach Jahrtausenden gegenĂŒbergestanden hatten. Es war nicht wichtig gewesen. FĂŒr Green galt, dass Youma Kari getötet hatte â und fĂŒr Silence war der Tod des MĂ€dchens vollkommen egal. Sie hatte Youma offensichtlich angegriffen â ansonsten hĂ€tte es kein Erdbeben gegeben â und das hĂ€tte das dumme Ding nicht tun sollen. Ende der Geschichte.
FĂŒr Green war es auch âEnde der Geschichteâ. Sie wollte den Abend nicht mit Trauer fĂŒr Kari abrunden. Greens SchuldgefĂŒhle waren nicht das Thema und sie war dankbar dafĂŒr, dass Gary Siberu mit einem Blick bedeutete, dass er ihm spĂ€ter die Details erzĂ€hlen wĂŒrde.
âAber wir, Silence und ichâŠâ, begann Green wieder:
â...haben wenigstens etwas ĂŒber Youmas BeweggrĂŒnde herausgefunden. Etwas, was nĂ€mlich nicht in den GeschichtsbĂŒchern steht und weshalb dieses Buch hier wichtig ist. Die Basis fĂŒr diese BĂŒcher waren Forschungsergebnisse, die aus Silence und Youma gewonnen worden sind.â Green sah wieder auf das Buch; das fiel ihr leichter als Silence anzusehen.
âDie WĂ€chter haben die Zwillinge fĂŒr Forschungszwecke missbraucht. Sie waren Versuchskaninchen, denn Hikaru und wahrscheinlich auch andere der Elementgötter, wir wissen es nicht genau, wollten herausfinden, wie sie DĂ€monen am besten töten konnten. Nur deswegen haben sie Silence und Youma zu sich geholt und bei sich wohnen gelassen, obwohl sie die Kinder zweier GeĂ€chteter waren. Sie haben immer wieder ihre Erinnerungen gelöscht und haben sie âglĂŒcklichâ herumlaufen lassen. Kriegsvorbereitung⊠man musste den Feind ja kennen.â
âUnd das hat Youma herausgefundenâ, schlussfolgerte Gary ernst und ohne Betonung. Siberu dagegen war nicht so ruhig wie sein Bruder:
âDas hat Light zugelassenâŠ?!â Green deutete ein leichtes Nicken an.
âEr hat es auf jeden Fall nicht verhindert⊠oder nicht verhindern können. Wir wissen es nicht. Wir kennen allgemein keine Details. Nicht wo Youma das Wissen her hat, noch das wahre AusmaĂ, aber Silence und ich sind uns sicher, dass Youma nicht gelogen hat.â Green klappte das Buch zu, als widerten die Seiten sie plötzlich an.
âWir haben das Buch gestern ganz genau studiert, welches Hizashi auf der Basis dieser Notizen geschrieben hat und haben versucht, alle Löcher in Silence GedĂ€chtnis zu finden⊠wir sind uns ziemlich sicher, dass es leider wahr ist.â Green biss sich auf die Lippen und schwieg, nach wie vor auf den roten Buchdeckel starrend, ohne zu bemerken, dass Silence sie ansah. Diese âGeschichte aus alten Tagenâ, die sie im Grunde nichts anging, nahm sie ĂŒberraschend mit. Green war nun hineingeworfen worden, aber⊠die GefĂŒhle, die sie damit verband, waren sehr intensiv, als wĂ€re es ihr selbst widerfahren. Silence spĂŒrte es durch die Verbindung ihrer Seelen â und sie sah es in Greens Augen. Unfreiwillig war die Hikari in diese Geschichte hineingeworfen worden, aber anstatt sich zu wehren, warf sie sich kopfĂŒber hinein. Warum? Etwa⊠fĂŒr Silence?
âGut, okay.â Siberu brach die Stille:
âLight. In Ordnung. Rache, EnttĂ€uschung, Verrat. Alles klar. Ich verstehe auch, warum die Götterbastarde dran glauben musstenâŠâ
âSie sind alles andere als Bastardeâ, warf Gary ein, aber Siberu wollte davon nichts hören:
âStimmt, sie sind viel schlimmer als das! Jedenfalls kapier ich das. Youma erfĂ€hrt, was ihm und seiner Schwester angetan wurde und das bringt sein DĂ€monenblut zum Explodieren und es muss sterben, was ihm in den Weg kommt. Das versteh ich vollkommen.â Das war eigentlich der Moment, wo Green Siberu ins Gewissen reden sollte, aber sie hatte sich daran gewöhnt.
âAber seine Schwester check ich nicht.â Green holte tief Luft und schluckte die Luft herunter. Mit flauem GefĂŒhl im Magen sah sie zu Silence, die ihren Blick zwar erwiderte, aber sie hĂ€tte genauso gut aus dem Fenster sehen können, denn ihre starren, schwarzen Augen zeigten nichts, nicht das allerkleinste GefĂŒhl.
âDas check ich auch nichtâ, gab Green zu:
âEr sagte irgendetwas davon... dass er ansonsten nicht stark genug gewesen wĂ€re um es...â Die Hikari ĂŒberlegte, damit sie den genauen Wortlaut wiedergeben konnte:
â... mit dem Licht aufzunehmen. Er wollte sie wiederbeleben. Also, jetzt. Vorgestern.â
âWiederbeleben?!â Gary schlug die Augen geschockt auf. Hatte er sich verhört?
âWieso belebt man jemanden wieder, den man selbst umgebracht hat?â Gary wandte sich zu Siberu:
âMan kann niemanden wiederbeleben, Silver.â
âAlso Youma kann das scheinbar schonâ, warf Green dazwischen:
âLight war das Licht des Lebens und soâŠ?â Sie sah vom einen zum anderen, aber scheinbar konnte keiner der beiden ihr folgen â nicht einmal Gary.
âNaja, Light war jedenfalls das Licht des Lebens.â
âJa und das bedeuuuutet?â Green fĂŒhlte sich nun selbst wie eine Lehrerin, aber sie gab ihrem ungeduldigen SchĂŒler â Siberu â eine Antwort:
âLight war der einzige Hikari, der Tote wieder zurĂŒckholen konnte. Ich weiĂ nicht genau wie. Aber ich weiĂ, dass er es konnte⊠und das hat er Youma vor seinem Tod beigebracht. Silence hat aber abgelehnt.â WĂ€hrend Gary und Siberu sich vielsagende Blicke zuwarfen, sah Green zur Uhr â es war bereits kurz vor Mitternacht. Es hatte lange gedauert, die Geschichte Aeterniems zu erzĂ€hlen und sie spĂŒrte, dass sie ausgelaugt war. Sie sah zu Silence, die ihr ein leichtes Nicken zuwarf und fragte sich, ob auch sie irgendwann mal mĂŒde sein konnteâŠ
âDu sagtest Youma sei jetzt in der DĂ€monenwelt?â, fragte Gary sie, als Green begann die Tassen auf ein Tablett zu stellen, wobei ihr Siberu sofort half.
âJedenfalls soweit Silence und ich das wissen.â Green unterdrĂŒckte ein herzhaftes GĂ€hnen und nahm die Tasse Garys entgegen.
âWenn jemand erfĂ€hrt, dass er vielleicht Tote wieder zurĂŒckholen kann, dann ist er sofort der meistgesuchteste DĂ€mon in unserer Welt.â Siberu grinste und warf auch noch ein Lachen hinterher, als er das sagte, ohne zu bemerken, dass Green die Worte âunserer Weltâ wie einen Stich in ihrem Herzen gespĂŒrt hatte.
âWas sagen denn die WĂ€chter dazu?â Green schĂŒttelte den Kopf, als wĂŒrde sie Garys Frage von sich schĂŒtteln wollen. Sie hatte wirklich keine Lust, nun ĂŒber ihre Familie zu sprechen.
âLass mich bloĂ mit den WĂ€chtern in Ruhe.â Garys Blick sagte ihr deutlich, dass er es eigentlich gerne wissen wollte und dass er auch fand, dass Green sich dafĂŒr interessieren sollte, weshalb sie irritiert nachgab:
âSie sind alarmiert: Sie haben ihn auf die Gesucht-Liste gepackt und gut ist.â Die ganze Wahrheit war, dass Green es eigentlich nicht genau wusste und da Gary leicht die Augenbraue hob, war ihr klar, dass er sie durchschaut hatte.
âAber damit ist es nicht getan.â Green stellte das Tablett mit dem Geschirr auf die KĂŒchentheke und drehte sich zu Gary und Siberu um. Sie sah zwar nur die beiden entschlossen an, aber hinter ihnen, immer noch am Fenster schwebend, hatte sie auch Silenceâ komplette Aufmerksamkeit.
âEs klingt alles wie eine Geschichte aus Urzeiten, die gar nicht mehr relevant ist. Die nichts mit uns zu tun hat, aber das ist nicht so. Ich stecke nun mittendrin, weil ich Silence nicht im Stich lassen kann und will undâŠâ Green zögerte. Sie sah kurz weg, verlor fĂŒr einen Moment ihren Mut und ihre Entschlossenheit, aber sie fand sie wieder, als sie Gary ansah und seine dunklen, grĂŒnen Augen ihr wieder seine Worte in Erinnerung riefen, dass sie es nicht alleine zu schultern hatte â dass sie fĂŒr Green da waren.
â⊠Ich möchte das gerne mit euch zusammen durchstehen, was auch immer kommt. Ich möchte mit euch zusammen da drinstecken.â Siberu grinste sofort erfreut und irgendwie stolz darĂŒber, so feierlich gefragt zu werden, doch auch auf Garys Gesicht schlich sich ein LĂ€cheln.
âNatĂŒrlich, Green-chan! Aber dann will ich auch mal mit Silence sprechen, ne!â Silence schĂŒttelte den Kopf hinter ihnen, aber darauf achtete Green nicht:
âJetzt lass mich erstmal meinen Geburtstag ĂŒberstehen! Bis dahin hoffe ich, dass Aeterniem in den GeschichtsbĂŒchern ruhen wird.â
 Gary lĂ€chelte. Er war sogar so gewagt, dass er Greens Hand fĂŒr einen Augenblick nahm, als sein Bruder nicht hinsah. Er lĂ€chelte sie direkt an, sah ihr in die Augen und genoss es, das schöne dunkle Blau strahlen zu sehen, nachdem es in den letzten Wochen so verwittert gewesen war.
In der Nacht zum nĂ€chsten Tag, nur zwei Stunden spĂ€ter, war jedes LĂ€cheln dahin und er schĂ€mte sich dafĂŒr, dass er ĂŒberhaupt gelĂ€chelt hatte und noch schlimmer â dass er ihre Hand genommen hatte. Der Stift in seiner Hand brannte. Das leere Papier auf dem Tisch verspottete ihn und die Finger seiner rechten Hand krallten sich so tief in seine Haare, dass seine FingernĂ€gel seine Kopfhaut kratzten.
 Er musste Bericht erstatten.
Die Berichte waren Teil des Auftrags.
Ri-Il musste unterrichtet werden.
Jeden.
Tag.
 Gary wusste das. Er wusste, dass dies Teil des Auftrags war und er hatte sich auch wie in jeder anderen Nacht in die Tokyo Metropolitan Bibliothek teleportiert, sich an den gleichen Tisch wie immer niedergelassen, dem einzigen, den die Kameras nicht erfassten, um sich in kompletter Dunkelheit an seinen tÀglichen, nÀchtlichen Bericht zu widmen.
Und schrieb nicht.
Stattdessen sah er Green vor sich, die sich bemĂŒht hatte, ihnen alles zu erzĂ€hlen, was sie wusste; die sich vorbereitet hatte, die dieses einzigartige, wertvolle Wissen in vollstem Vertrauen ihnen ĂŒberreicht hatte. Sie hatte sie angelĂ€chelt, Kraft aus ihnen geschöpft⊠ Â
 â⊠Ich möchte das gerne mit euch zusammen durchstehen, was auch immer kommt. Ich möchte mit euch zusammen da drinstecken.â
 Das leere Papier forderte ihn auf es zu fĂŒllen, doch der Stift bewegte sich nicht.
Gary konnte es nicht. Dieses Wissen war nicht fĂŒr Ri-Il oder die anderen Mitglieder der Hohen bestimmt. Es war nicht fĂŒr den Auftrag bestimmt. Es war⊠nur fĂŒr sie.
 Zusammen.
 Schneller, als Gary jemals zuvor den Bericht geschrieben hatte, teilte er Ri-Il mit, dass Green sie zum Abendessen eingeladen hatte, dass die Situation sich normalisiert hĂ€tte und dass Green sich ihnen, was ihre Sorge um ihre familiĂ€re Situation anging, geöffnet hĂ€tte. Sie hatten mehrere Stunden in der Wohnung der Hikari verbracht; die letzten Wochen, in denen Green sich distanziert hatte, hatten keinen negativen Effekt auf das Band hinterlassen, was Blue und Silver schmieden sollten. Green wĂŒrde am nĂ€chsten Tag wieder die Schule besuchen. Punkt. Wie immer keine Abschiedsworte, keine GruĂ-Floskeln. Nur Fakten.
Das Papier gab dem HalbdĂ€mon keine Möglichkeit, es sich anders zu ĂŒberlegen, denn kaum, dass er den Stift gehoben hatte, leuchtete das Papier kurz orange auf, ehe es sich Partikel fĂŒr Partikel auflöste und kurz das Gesicht Garys erhellte, der seltsam⊠zufrieden mit sich war.
  Nachts, nach Mitternacht. Paris â 2008
  Vieles hatte Blue nicht beschĂŒtzen können. Vieles hatte Ri-Il noch nach dem Beenden des Auftrags erfahren; Dinge, die Blue ausgelassen hatte oder vielleicht nicht so detailliert beschrieben hatte, wie er es hĂ€tte tun sollen.
Aber Ri-Il hatte nichts von Aeterniem erfahren. Ăber Youmas wahre Herkunft wusste er genauso wenig wie die anderen Mitglieder der Hohen â oder Nocturn, der mit einem Halbgott und Massenmörder die Wohnung teilte und absolut keine Ahnung hatte, woher dieser kam und das obwohl das Geschichtsbuch Tao Asukas in seinem BĂŒcherregal stand. Manchmal, wenn Youma Blue einen seiner hochnĂ€sigen Blicke zuwarf, dann hatte Blue Lust sich gerade dieses Buch von Nocturn zu leihen und es unauffĂ€llig auf dem Stubentisch liegen zu lassen; aufgeschlagen auf genau der richtigen Seite.
Aber Blue war nicht lustgesteuert und er wĂŒrde sein Wissen sicherlich nicht einsetzen, nur um Youma â der nicht ahnen konnte, dass Blue als einziger wusste, woher er stammte â eins auszuwischen. Im Augenblick hatte er auch nicht vor es einzusetzen. Er wĂŒrde es erweitern.
Das war keine sonderlich groĂe Herausforderung, wenn man wusste, wonach man Ausschau halten musste, denn Youma war unglaublich unvorsichtig. Vielleicht war Blue schlecht darin, alte Angewohnheiten, die ihn schon ein Leben begleitet hatten, abzulegen und vielleicht war das der Grund, weshalb er jedes Wort, welches in diesem Pariser Appartement gesprochen wurde, auf die Waagschale legte, analysierte, auseinanderbaute und wieder zusammensetzte und weshalb er oft die Luft anhielt, um GesprĂ€che mitzuhören, die nicht fĂŒr ihn bestimmt waren. Ja, vielleicht war es nur Angewohnheit, die ihn dazu brachte nachts die TĂŒr zu öffnen, wenn er wusste, dass Youma aus seinen AlbtrĂ€umen erwachen wĂŒrde, um in die KĂŒche zu gehen, wo er jeden Abend ein Glas Wasser trank, um sich zu beruhigen. So wie in dieser Nacht, wo Youmas Finger sich in die KĂŒchentheke krallten und seine Haare vor sein Gesicht fielen, wĂ€hrend er Worte stammelte, die Blue nicht verstehen konnte, deren Tonlage aber wie dieselbe Reue klang, die seine AlbtrĂ€ume begleitete. Â
 Vielleicht war es aber nicht nur eine Angewohnheit.
Vielleicht erinnerte er sich als einziger an das Wort âzusammenâ.
In order to celebrate my first day in Norway, I decided to share this story with you! Its a short story about the harmful hobbies of one certain demon king, how Ri-Il still manages to have fun and about some certain item that will be somehow very important for future happenings in DeA! It gives some forbidden insights of certain demons...Â
And, btw I decided two group my demon centric sidestories under the name âDemon Storiesâ /o/~ there are just three so---
----- enjoy~!
Der Tod war wunderschön. Das Töten die höchste aller KĂŒnste. Der Schrei war der gröĂte Genuss, das Foltern herrlichstes VergnĂŒgen.
 Der Tod hatte so viele Facetten. Auf so viele Arten konnte er herbeigefĂŒhrt werden; eine schöner als die andere. Ein Schmerzensschrei angenehmer als der andere; einige waren schrill, andere eher ein leises Aufstöhnen, als wĂ€re das Sterben eine schwierige, anstrengende Tat. Das Blut, das letzte Blut, dass aus dem sich nicht mehr bewegenden Körper heraustrat â eine Leiche nannte man das â besaĂ ebenso eine Schönheit, eine ruhige Schönheit, wie das emporsprudelnde Blut, dass sich ĂŒber den Toten und ihm noch ein schönes, rotes Bad gönnte ehe er starb. Was fĂŒr ein letzter Anblick das sein musste! Wie ein Rahmen, der das Gesicht des Mörders, des Richters und des Henkers zu gleich verzierte⊠ehe das Licht jĂ€h ausgeschaltet wurde und der Körper zu Boden stĂŒrzte. Mal dumpf, mal mit einem Knall, je nach dem wie schwer die Leiche war. Manchmal war es auch nur ein Kopf. Oder nur der Torso⊠seine Schlangen waren doch so gierig und rissen so gerne die Körper der WĂ€chter auseinander; mochten sich den SpaĂ nicht nehmen lassen, wenn er ihnen gereicht wurde. Viel zu gerne setzten sie ihre ZĂ€hne in das Fleisch von WĂ€chtern, welches doch so zart war, im Vergleich zu dem der DĂ€monen. Man musste nicht ziehen. Sie rissen, glitten beinahe auseinander und dann lag das Fleisch schon zerfetzt auf dem Boden.
 Der Tod verÀnderte alles.
Bevor der Tod eintrat waren sie noch edle KĂ€mpfer gewesen, geschmĂŒckt mit Waffen und Edelsteinen, mit ihren feinfĂŒhligen Gesichtern und einer Haut, die weder widerstandsfĂ€hig noch robust war. Sie vernarbten schnell; sie zerrissen schnell, rissen entzwei â und wenn der Tod kam dann waren sie auch nicht lĂ€nger hĂŒbsch. Der Tod riss ihre Schönheit an sich und schuf hĂ€ssliche Fratzen, die Entsetzen und Grauen zeigten, den Moment des Todes einfangend und ihm Tribut zollend â viel schöner, viel schmeichelnder, als jede Verbeugung es sein könnte.
 DĂ€monen lösten sich auf, wenn sie starben. WĂ€chter aber blieben bestehen: dieser erhabene Moment blieb bestehen. Der Augenblick des Todes wurde eingefroren in ihren Gesichtern, die Leinwand des KĂŒnstlers. Der KĂŒnstler des Todes! Ah, die Leichen entzĂŒckten ihn immer mehr. Sie verwesten zwar und waren schon nach mehreren Tagen nicht mehr ansehnlich, aber wenn sie gerade gestorben waren, dann waren sie entzĂŒckend anzusehen. Manchmal verleitete dieser Anblick ihn sogar dazu ihnen noch einmal ĂŒber die Wange zu streichen; ihre Frisur zu richten indem er ihre Haare hinter ihr Ohr strich und manchmal schloss er auch ihre Augen, als mĂŒsse er sich fĂŒr den Genuss bedanken.
 Ah, dachte Kasra, der König der DĂ€monen, was war der Tod fĂŒr eine Herrlichkeit!
Er blickte mit Zufriedenheit ĂŒber das Feld, das vor gut drei Stunden noch strahlend grĂŒn in der Sonne geglĂ€nzt hatte, da es noch frĂŒh am Morgen gewesen war und der Tau wie tausende Perlen das Gras und die Blumen veredelt hatte. Jetzt war das Gras niedergestrampelt und verbrannt. Nicht lĂ€nger grĂŒn, sondern braun und schwarz; hier und dort hatten sich rote Seen ausgebreitet. Genau neben ihm lag ein WĂ€chter im Gras, der sich in seinem Todeskrampf an dem Gras festgekrallt hatte. Nicht von ihm getötet. Er hĂ€tte dafĂŒr gesorgt, dass der WĂ€chter nach oben sah und nicht nach unten⊠was fĂŒr eine Verschwendung. Aber einige seiner Untertanen verstanden sich nicht in der Kunst des Tötens. Sie sahen es nur als SpaĂ⊠und Kasra wusste, dass einem diese Kunst nur schwer beigebracht werden konnte. Entweder man hatte ein Auge dafĂŒr, ein GefĂŒhl dafĂŒr⊠oder man hatte es nicht. Es war eine Gabe: nichts, was einem angelernt werden konnte.
 Wieder lieĂ Kasra seine rotglĂŒhenden Feueraugen ĂŒber das Kunstwerk schweifen, welches er und seine DĂ€monen geschaffen hatten. Der Himmel war blau, aber man sah die Farbe des Himmels kaum, so sehr brannten die GebĂ€ude, die StrĂ€ucher, die Blumentöpfe, die BĂ€ume mit ihren bunten Girlanden. Es hatte etwas gefeiert werden sollen offensichtlich⊠das Fest der Elemente konnte es nicht sein, das wĂŒsste Kasra, immerhin war das auch fĂŒr ihn ein ganz gewisses Freudenfest⊠ein Geburtstag womöglich, hah, sicherlich von einem Kind. Jetzt war es sein Todestag.
 Aber nicht alle WĂ€chter waren tot, immerhin brauchte Kasra auch noch ein wenig Material um einer weiteren von ihm so sehr geliebten Kunst nachgehen zu können: dem Foltern. Es waren auch nicht alle GebĂ€ude der hier lebenden WĂ€chter abgebrannt, denn sie waren nicht nur zum Töten hier â nun, gut, die meisten seiner Untertanen waren es. Aber Kasra war es nicht. Er war hier, weil er etwas abholen musste; etwas, was ihm gehörte, etwas, was ihm zustand.
 âMeine HoheitâŠâ Gerade hatte der König sich in Bewegung setzen wollen, um zu dem GebĂ€ude zu gelangen, welches die anderen ĂŒberragte â wohl die Behausung des Höchstrangigsten WĂ€chter hier, dem die Verwaltung dieser kleinen WĂ€chterkolonie oblag. Kasra und seine DĂ€monen hatten das Haus aus weiĂen Backstein und mit blauen Dach unangetastet gelassen â bis auf die WĂ€chter die herausgezerrt worden waren, eine TempelwĂ€chterin und ein kleines MĂ€dchen, die immer noch weinte, da man die TempelwĂ€chterin gerade ausbluten lieĂ. Kasra wandte sich von diesem genĂŒsslichen Anblick ab und sah zu einem seiner neuesten und jĂŒngsten Hordenmitgliedern, dessen schwarzer Kopf sich in Demut tief nach unten beugte. Er war nicht so stĂ€mmig wie andere Mitglieder der königlichen Horde: hoch und schmal; alles an ihm war spitz. Seine Nase und ganz besonders seine viel zu groĂen Ohren, die, wenn man sie abreiĂen wĂŒrde, sicherlich genauso lang waren wie sein Kopf.
âMeine HoheitâŠâ, wiederholte er noch einmal als glaube er, dass Kasra es schon beim ersten Mal nicht gehört hatte:
â⊠wenn Ihr es erlaubt, dann möchte ich Euch meine Komplimente aussprechen. Es war eine Ehre Eurer hohen Kunst heute beiwohnen zu dĂŒrfen und Euch töten zu sehen.â
 Kasras Lippen krĂ€uselten sich ein belustigt. Da wollte sich wohl jemand einschleimen⊠er hoffte wohl darauf, dass Kasra ihn einladen wĂŒrde zum Foltern der Gefangenen. Schon öfter hatte der Junge den Wunsch geĂ€uĂert dies tun zu dĂŒrfen. Aber dieser Noivern⊠er hatte seinem König heute eine groĂe Gunst erwiesen, weshalb er es sich womöglich ĂŒberlegen sollte, ihn am Festschmaus teilhaben zu lassen, obwohl er eigentlich vorzog dies alleine zu tun. Es war doch eine intime Sache zwischen ihm⊠und seinem Opfer.
 Nun heute sollte er vielleicht eine Ausnahme machen. Noivern verneigte sein schwarzes Haupt so tief vor ihm und es war nicht von der Hand zu weisen, dass sie nur hier waren wegen ihm â wegen ihm und seinem ausgezeichneten Gehör und GespĂŒr. Dank ihm hatten sie von dieser versteckten WĂ€chterbasis in Finnland erfahren â und von dem Relikt, das sie bis zu diesem Tage hier behĂŒtet hatten. 50 WĂ€chter hatten hier gelebt. 50 WĂ€chter, die nun entweder tot oder Spielzeug waren. Die armen Hikari in ihrem Jenseits! Manchmal wĂŒnschte Kasra sich, er könnte einen Spion ins Jenseits schicken: er wĂŒsste zu gerne was die bleichen Hikari-Gesichter so ĂŒber ihn sprachen⊠fĂŒrchteten sie ihn? FĂŒrchteten sie ihn, wie sie noch keinen anderen DĂ€mon je gefĂŒrchtet hatten?
 Dieser Gedanke gefiel Kasra und beschĂ€ftigte ihn mehr, als Noiverns pinke Augen, die ihn anstrahlten, als sein König ihm eine Floskel als Antwort gab â aber das erfreute, etwas verspielte Grinsen versiegte, als er den Blick eines anderen mĂ€chtigen DĂ€mons traf, welcher sicherlich auch schon so manches Mal Thema im Jenseits gewesen war: Ri-Il.
 Kasra lĂ€chelte ihn an, Ri-Il lĂ€chelte zurĂŒck.
Es lag keine Freude in diesem Blickaustausch, nur das Gewissen, dass sie sich gesehen hatten. Ri-Il verneigte sich ein wenig, doch sein LĂ€cheln schien sichergehen zu wollen, dass Kasra genau wusste, dass diese Verbeugung kein Zeichen des Respekts war. Nie neigte er seinen Kopf zu tief als das seine spottende Höflichkeit mit Respekt und Ergebenheit verwechselt werden könnte. Wenn Ri-Il sich verneigte, dann sah es aus, als wĂŒrde er ihn verspotten. Aber egal wie sehr er ihn auch verspotten mochte: dienen musste er seinem König dennoch und darin lag eine gewisse, sehr erheiternde Ironie. Manchmal malte Kasra sich aus, wie er des FĂŒrsten dĂŒnne Taille einfach zerbrach⊠wie seine Schlangen ihre FangzĂ€hne hineinjagten und die Knochen auseinander rissen⊠Ob Ri-Il schön schreien konnte? Hach, Kasra wollte ihn leiden sehenâŠ
 Nun, das war eine Vorstellung mit der Kasra sich ein anderes Mal beschĂ€ftigen wĂŒrde â obwohl sie ihm in diesem Moment groĂe Freude bereitete â denn er war nun gespannt darauf sein Geschenk ihn Augenschein zu nehmen. Seine Untertanen â ganz gleich ob sie Mitglieder seiner Horde waren oder von Ri-Ils â verneigten sich vor ihm, als er an ihnen vorbei ging. Sein Gesicht, wo wieder ein zufriedenes LĂ€cheln ruhte, war rot gefĂ€rbt; das Blut ihn wieder zu sehr geliebt, aber seine Hörner, seine goldenen Hörner, die sich an seinem Hinterkopf zu einer Krone wandten, waren makellos und glĂ€nzten auf wie Edelsteine als die Sonne es durch Wolken und Rauch schaffte und auf das Schlachtfeld hernieder strahlte, als hĂ€tte das Licht das Gold seiner Hörner gesucht.
 Sie glĂ€nzten auch noch, als der König der DĂ€monen den kleinen, eher bescheidenen Eingangsraum des GebĂ€udes betrat, so selbstverstĂ€ndlich, als wĂ€re er eingeladen worden â und wĂ€hrend jene DĂ€monen, die sich schon fleiĂig der PlĂŒnderung widmeten, sich eilends vor ihren König verneigten, oder sich sogar auf die Knie begaben, richtete sich DrauĂen vor dem GebĂ€ude ein braunhaariger DĂ€mon auf und beeilte sich zu seinem FĂŒrsten, welcher schon lĂ€ngst seine WirbelsĂ€ule wieder in eine aufrechte Position gebracht hatte.
 âRi-Il-samaâŠâ Seine Stimme klang etwas instĂ€ndig, aber sein FĂŒrst antwortete ihm ganz gelassen:
âJa, Darius-kun?â
âKann es wirklich sein⊠Sind wir, Eure Horde, wirklich nur hier⊠Stimmen die GerĂŒchte, dass wir nur hier sind wegenâŠâ Ri-Il unterbrach ihn mit einem leisen Kichern:
âOh, Darius-kun, was der König will, das soll der König auch bekommen.â Â
âAber wir sind die stĂ€rkste Horde und doch kein Lieferdienst â und Ihr! Dass Ihr Euch extra hierherbemĂŒhen mĂŒsst, nur weil der KönigâŠâ Auch wenn Ri-Il von der Empörung seines Kommandeurs erheitert war, so hob er die Hand in einer eleganten, aber auch gebieterischen Manier und sofort schwieg sein Kommandeur.   Â
âWir machen den König heute sehr glĂŒcklich, Darius-kunâŠâ Ri-Il legte seine Hand wieder auf seinen RĂŒcken, nachdem er sich sicher war, dass Darius nicht weitersprechen wĂŒrde, denn pinke Augen ruhten auf ihnen. Pinke, junge Augen, die Ri-Il noch nicht so oft gesehen hatte, aber er war sich ziemlich sicher, dass er sich diese Augen, dieses Gesicht und den Namen Noiverns merken sollte. Er warf dem neuen Hordenmitglied eines seiner spitzen LĂ€cheln zu, ehe dieser sich, ertappt in seinem Starren, abwandte und seinem König hinterher eilte. Er hatte zu groĂe Ohren.
â⊠und das sollte doch das wichtigste sein.â
War es aber nicht. Das war es weder fĂŒr Darius â noch fĂŒr Ri-Il, auch wenn er lĂ€chelte, so wie er es immer tat. Genau wie Kasra, der sich etwas belustigt in einer Stube umsah, in welchen nur ein Stuhl und ein paar Vasen umgeworfen worden waren â aber ansonsten waren Stube und Esszimmer unberĂŒhrt geblieben und es war Kasra, als betrĂ€te er ein Miniaturmuseum. Die StĂŒhle und der Tisch waren ihm viel zu klein und er musste auch darauf achten, dass er beim Wechsel eines Raumes den Kopf einzog. Irritieren tat ihn das nicht; er war durchaus interessiert an der Art, wie die WĂ€chter hier gelebt hatten. Ein friedliches, idyllisches, langweiliges Leben musste es gewesen sein⊠eintönig⊠von einem Tag zum anderen lebend, in Frieden und Harmonie, versteckt vom Krieg⊠der sie nun eingeholt hatte um ihnen zu zeigen, dass niemand vor dem Krieg fliehen konnte. Vielleicht waren die Hikari doch nicht so traurig ĂŒber den Verlust der Zeit und Klima-WĂ€chter und der paar IllusionswĂ€chter. Es waren immerhin Deserteure gewesen, die zwar etwas wertvolles beschĂŒtzten, aber dennoch vor dem Krieg geflohen waren um ein âbesseresâ Leben zu fĂŒhren â und Deserteure wurden jawohl auch bei den WĂ€chtern Feiglinge genannt? Bestraft? Schnell und klanglos wahrscheinlich⊠kunstlos, völlig kunstlos⊠EinfallslosâŠ
 Nun Kasra hatte ihnen ein passendes Ende verliehen, als er ihnen den Krieg vor die HaustĂŒr gebracht hatte â ihre entsetzten Gesichter, als ihr Bannkreis, der sie vorher noch geschĂŒtzt hatte, gebrochen war! Herrlich! Aber nun kam die gröĂte Herrlichkeit; der Grund, weshalb sie hier warenâŠ
 Und Kasra fand den Weg auch ganz ohne, dass Noivern ihn sagen musste, wo im Haus er nach dem Relikt suchen musste. Es war, als wĂŒrde es ihn anziehen, rufen. Doch er lieĂ sich den Genuss nicht nehmen, sich die vielen kleinen GegenstĂ€nde, die Wandmalereien und die Teppiche anzusehen, die die WĂ€chter hier gesammelt hatten. Ab und zu zeigte er auf dieses oder jenes und es wurde fĂŒr ihn mitgenommen, ohne, dass er es sagen musste; es war ja nicht deren erster Raubzug und seine Hordenmitglieder waren zu bedingungslosem, schweigsamen Gehorsam erzogen â und sie kannten die Gewohnheiten des Königs sich Souvenirs mitzunehmen. Hier und dort hielt er inne und nahm sich einen Krug oder ein Buch in die Hand, blĂ€tterte es durch, besah sich den Schreibtisch im Arbeitszimmer und betrachtete die Federkiele ĂŒber dessen goldene Gravuren er mit den Fingern strich⊠Ah, die WĂ€chter waren nicht talentiert im Töten, verstanden dessen Kunst nicht, verstanden nicht den Reiz zu genieĂen⊠aber sie waren Meister in Detailarbeit, das musste man ihnen lassen. Meister geworden, das musste dazu betont werden, denn einst waren es die DĂ€monen gewesen, die sich darin hatten brĂŒsten können.
 Einst⊠damals in Aeterniem.
 EntzĂŒckt blieb Kasra plötzlich stehen und betrachtete ein halb fertiggestelltes Kunstwerk, das in dem letzten Raum hing, einem ovalen, von Licht durchfluteten Raum, mit einem hĂŒbschen Deckendekor und die fĂŒr WĂ€chter so typischen SĂ€ulen, die an kyrillische SĂ€ulen erinnerten. Die Augen des DĂ€monenkönigs leuchteten, als er das lĂ€ngliche Kunstwerk an der Wand sah.
Aeterniya.
Die ehemalige Hauptstadt der WĂ€chter in all ihrer Pracht tat sich vor ihm auf, mit Fantasie und Ideenreichtum und Können wieder zum Leben erweckt auf einer rechteckigen Leinwand, die gut drei Meter breit war. Unvollendet; der Himmel war nur begonnen, der Horizont bestand nur aus groben Bleistiftlinien⊠oh sollte das Lerenien-Sei werden, dort im Hintergrund? Im entzĂŒckten Schweigen betrachtete Kasra die Leinwand genauer; niemand der anderen anwesenden DĂ€monen wagte es ihn bei seiner Betrachtung zu stören.
 Die pastelligen Töne, in die das Bild gehalten war, missfielen ihn. Die vielen Vögel, die ĂŒber die nur schwach angedeuteten Wolken schwebten, irritierten ihn. Aber die GebĂ€ude und die StraĂen, die WasserfĂ€lle, die angedeuteten GebirgeâŠ
âNoivern.â Kasra musste selbst etwas ĂŒber seinen aufgeregten Tonfall schmunzeln â es fiel ihm schwer, seine Freude zu verbergen auf die das junge Hordenmitglied sich zurecht etwas einbilden konnte. Aber anstatt ihn, der nun vortrat, bereits jetzt schon zu loben, gab er ihm einen Befehl.
âFinde heraus ob einer unserer GĂ€ste dort drauĂen der KĂŒnstler ist.â
âSehr wohl, mein König.â
âBete dafĂŒr, dass er es ist.â Noivern hob den Kopf wieder, den er eben noch verbeugt hatte und sah mit entzĂŒckten Augen in die stolzen, erfreuten Flammenaugen seines Königs.
âDenn dann darfst du heute Nacht mit mir feiern.â Das neueste Hordenmitglied war so ĂŒberrumpelt, dass er zu keiner Antwort fĂ€hig war und sich stattdessen noch einmal verneigte, ehe er eilends zwei Schritte rĂŒckwĂ€rts ging und sich dann beeilte zurĂŒck zu gehen, begleitet von einigen eifersĂŒchtigen Blicken seiner Hordenmitglieder â es kam nicht oft vor, dass irgendjemand von ihnen Kasra erfreuen konnte und noch seltener kam es vor, dass sie zum Foltern eingeladen wurden.
 Meistens genoss Kasra den Neid unter seinen Hordenmitgliedern, aber nun interessierte er sich nicht fĂŒr sie, denn sein alleiniges Interesse galt dem Kunstwerk Aeterniyas, welchem er gĂ€nzlich verfallen war. Seine Augen sogen jedes Detail in sich auf und er war so vertieft, dass er nicht bemerkte, dass ein anderer DĂ€mon statt Noivern vorgetreten war, der sich neben Kasra stellte und wie immer ein dĂŒmmliches Gesicht machte.
 âSind wir deswegen hier, MajestĂ€t?â
âNein, Suren.â Kasra betrachtete nach wie vor das GemĂ€lde, ehe er sich etwas widerstrebend an seinen obersten Kommandeur widmete, der ihm trotz aller OberflĂ€chlichkeit und Dummheit immer die besten Dienste geleistet hatte. Mit ihm konnte Kasra töten und kĂ€mpfen, ohne sich zu langweilen; mit ihm trank und lachte er. Â
âDas ist nur ein sehr glĂŒcklicher Fund.â NatĂŒrlich verstand Suren nicht warum das Kunstwerk ein glĂŒcklicher Fund genannt werden sollte, aber sein VerstĂ€ndnis fĂŒr Kunst war auch ĂŒberaus begrenzt: selbst seine Art zu töten war eher plump⊠aber manchmal recht unterhaltsam.
âWir sind deswegen hier.â Kasra machte einen Wink zu einer glĂ€sernen Vitrine, welche unter dem Bild stand. Ein lĂ€nglicher Gegenstand ward darin gebettet; ein Gegenstand, der leicht in der Sonne glĂ€nzte â besonders der dunkelblaue Kristall oberhalb des Stabs leuchtete und funkelte in der Sonne, die durch das Deckenfenster hineinschien.
 âIst das eine Waffe? Eine WĂ€chterwaffe?â Als nĂ€chstes wĂŒrde Suren wohl die dumme Frage stellen, ob sie damit kĂ€mpfen sollten, dachte Kasra und grinste ein wenig â aber fĂŒr einen Nicht-Kenner musste der Gegenstand wohl wie eine eigenartige, veraltete Waffe der Hikari aussehen, die doch so gerne StĂ€be einsetzten. Aber dieser in sich geschwungene Stab war keine Waffe⊠doch das wusste wohl nur Kasra.
âDas ist ein sogenannter Regenstabâ, erklĂ€rte Kasra obwohl es eigentlich absolut vergeudete LiebesmĂŒh war Suren irgendetwas zu erklĂ€ren was nicht mit dem Benutzen der FĂ€uste oder dem Rumspielen im Bett zu tun hatte. Er war sogar zu dumm um Dinge zu verstehen die in seiner Epoche geschahen. Von Aeterniem hatte Suren noch nie etwas gehört, ehe Kasra nicht den vergeblichen Versuch unternommen hatte ihn zu unterrichten â nun konnte er sich wenigstens den Namen der vergangem Zeit merken, auch wenn er sich manchmal damit begnĂŒgte âirgendetwas mit Aâ, âdas Alte mit Aâ zu sagen.
âEr wurde einst in Aeterniem von den KlimawĂ€chtern benutzt um in einen Tanz den Regen herbei zu beschwören.â Bei dem Wort âRegenâ wurde Suren sofort hellhörig.
âRegen? Warum tanzt man denn fĂŒr Regen?â
âDamit man keinen Durst leidet und die Ernte gelingtâ, erwiderte Kasra erheitert ĂŒber Surens dumme Frage und fuhr mit seinen langen Fingern ĂŒber das Glas und den goldenen Rand der Vitrine.
âWenn wir damit tanzen⊠regnet es denn auch bei uns?â Der König lachte auf, antwortete aber nicht, wĂ€hrend Suren ernsthaft die Stirn runzelte.
âNehmen wir den Stab deswegen mit?â
âNein, Suren, es ist nichts als alter Aberglaube und Tradition. Wir nehmen ihn mit, damit er an einen besseren Ort kommt.â
 Wahrlich, der Stab schien nur auf Kasra gewartet zu haben; auf jemanden, der ihn zu schĂ€tzen wusste. Zwar hatten die Nachfahren ihn in eine Glasvitrine gelegt und offensichtlich auch gut gepflegt, aber die Vitrine war nicht verschlossen und Kasra musste nur den Deckel heben und schon konnte er das teure Relikt aus der Vitrine befreien. Ah, genau wie er es sich gedacht hatte⊠dieses Holz, aus dem der Stab geschnitzt war, stammte von einem Baum, der heute ausgestorben war â hart und robust und doch glatt und geschmeidig. Ein Genuss fĂŒr Kasras Fingerkuppel, die ĂŒber die Inschriften fuhren, die in das Holz geritzt worden waren â ehe er den Stab senkte⊠doch nicht ohne sein eigenes Spiegelbild triumphierend in dem blauen Kristall zu betrachten. Was fĂŒr ein schönes Blau! Wie passend!
  âWie ich sehe ist unser König fĂŒndig geworden.â Ri-Il lĂ€chelte und auch Kasra lĂ€chelte wieder â aber dieses Mal konnte ihn das LĂ€cheln seines FĂŒrstens nicht irritieren. DafĂŒr war seine eigene Freude zu groĂ.
âDas bin ich.â
âEin neues Objekt fĂŒr Eure Sammlung! Wie ĂŒberaus erfreulich.â
âWahrhaftig!â Kasra legte den Stab nicht aus der Hand, sondern wog diesen etwas hoch und runter, als wĂ€re es ein Zepter, wĂ€hrend er auf Ri-Il zuschritt und die Leiche eines WĂ€chters ebenso leicht zertrat, wie die einst weiĂen Blumen. Blut und körperliche Ăberreste klebten an seinen Stiefeln, aber dies interessierte den König nicht, als wĂ€re dies erstrebenswerte Dekoration.
 Aber den dĂŒsteren Blick Dariusâ bemerkte er⊠dieses kleinen, sehr gut dressierten Kommandeurs, der Ri-Il so ĂŒber alle MaĂen anhimmelte. Wie rĂŒhrend so eine Treue! Darius gab sich MĂŒhe es zu verbergen, aber es schien ihm so absolut nicht zu gefallen, dass ausgerechnet Ri-Il und seine ach so starke Horde hatten antreten mĂŒssen fĂŒr so eine ach so einfache⊠Besorgung. Er schien wohl nicht zu finden, dass Kasra Ri-Il mit Respekt behandelte. Haha â aber das Wort des Königs war Gesetz!
 âNun, ich wĂŒrde dich ja gerne als kleine Erkenntlichkeit zu einem festlichen Bankett im Schloss einladen, Ri-Il, ich weiĂ ja, dass du ein erlesener Feinschmecker bist und einige deiner Hordenmitglieder wĂŒrde ich selbstredend ebenfalls nach Lerenien-Sei einladen⊠â Kasra genoss den immer noch feindseligen Blick Dariusâ der sich einfach nicht zusammen nehmen konnte und den König unglaublich erheiterte. Er liebte solche Blicke. Er gab nichts Schöneres als hassende, wĂŒtende Blicke von niederen Wesen, die nichts, absolut nichts gegen ihn tun konnten und ihn trotz ihres Hasses mit knirschenden ZĂ€hnen dienen mussten. Kasra liebte solche Blicke mehr als die neidischen und ehrfĂŒrchtigen Blicke seiner ergebenen Untertanen. Â
â⊠aber ich verzichte heute auf ein Dinner.â Kasra deutete mit den Augen auf einen Haufen von BĂŒchern â rund 20 StĂŒck â die eine DĂ€monin gerade aus dem Haus trug.
âIch verschlinge stattdessen diese BĂŒcher.â
 Suren hatte das Sinnbild ganz offensichtlich nicht verstanden, obwohl es so einfach gewesen war â aber Ri-Il natĂŒrlich, der auch absolut nicht traurig war nicht mit Kasra zu dinieren. Er lĂ€chelte einfach immer noch, was Kasra nun langsam doch ein wenig nervte.
âDabei wĂŒnsche ich Euch jeden nur erdenklichen SpaĂ, MajestĂ€t. Es ist schön zu sehen, wie wichtig dem König der DĂ€monen die Weiterbildung ist!â Ri-Il verneigte sich elegant und schwungvoll schalkhaft und auch Darius tat es, allerdings weniger elegant, mehr mit Wut und Widerwille geladen. Kasra wollte Ri-Il gerade antworten, als er Noiverns Blick erhaschte, der ihm, anstatt ihn in seiner Konversation zu stören nur zunickte und Kasra verstand sofort: er hatte den KĂŒnstler des Bildes ausgemacht und er lebte. Gut. Sehr gut! Was fĂŒr ein GlĂŒck! Was fĂŒr ein Freudentag! Scheinbar musste Kasra seine Abendplanung ein wenig Ă€ndern, aber fĂŒr Noivern wĂŒrde er schon Platz finden, wie er ihm auch mit einem Blick bedeutete â der König vergaĂ seine Versprechen nicht. Sie wĂŒrden zusammen feiern. Mal sehen, wie kreativ der Bursche beim Foltern war⊠Â
 Kasra wandte sich wieder Ri-Il zu:
âVergiss nicht die Feier zu meinem 107ten Krönungstag, Ri-Il â ich erwarte gute und brauchbare Wahre von dir fĂŒr meine private Feierlichkeit. Sollte ich diesen Abend nicht genieĂen könnenâŠâ Ri-Il beendete seinen Satz gekonnt, wie der GeschĂ€ftsmann der er war:
âDas werdet Ihr, MajestĂ€t. Ihr wisst â dafĂŒr stehe ich mit meinem Namen. Wir alle â und ganz besonders Ihr â werden die Feierlichkeiten niemals vergessen, davon bin ich ĂŒberzeugt. Sie wird besonders werdenâŠâ Ri-Ils Augen öffneten sich einen kurzen Augenblick, aber Kasra Ă€ngstigte dieser Anblick nicht â er erwiderte diese Herausforderung, diese Abneigung, mit einem ebenso selbstsicheren Grinsen und genauso groĂer Abneigung.
â⊠MajestĂ€t. Auf das wir noch viele weitere Feste zu Euren Ehren werden feiern können!â  Â
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âNur noch 24 Stunden. 24 Stunden. Das ĂŒberlebst du, Light⊠Gaaaanz ruhigâŠâ Light wollte nicht in Erememiya sein. Er wollte in Aeterniya sein. Verzweifelt versuchte er, dem die politische Verantwortung ohnehin eine Last war, sich auf das Thema zu konzentrieren, welches immerhin von so groĂer Bedeutung war. Aber den namenlosen DĂ€monenherrscher zu sehen, seine gute Laune, die wohl niemand nachvollziehen konnte⊠dies genĂŒgte, um Light wieder an die Gefahr zu erinnern, die dunkle Wolke, die ĂŒber den Köpfen seiner Familienmitglieder und ihm hing. Aber eigentlich musste Light sich keine Sorgen machen: der namenlose DĂ€monenherrscher war hier, vor ihm, weit entfernt von Aeterniya. Gut gelaunt ĂŒber die hitzigen Diskussionsthemen und die verzweifelten GemĂŒter, als wĂ€ren diese sein Lebenselixier â und wenn die Diskussionen in eine gute Richtung gingen, dann flaute seine gute Laune ab und er sah wieder gelangweilt aus.
Jedenfalls war das Lights Auffassung⊠vielleicht war er zu negativ. Vielleicht verurteilte er ihn zu Unrecht. Er war der Herrscher ĂŒber die DĂ€monen, die in eine grauenhafte Ecke gedrĂ€ngt worden waren â das konnte doch auch er nicht als wĂŒnschenswert empfinden. Light musste sich irren⊠und er musste aufhören, sich konstant zu Silence und Youma zu wĂŒnschen. Die DĂ€monen hatten nicht viele BefĂŒrworter auf der Seite der WĂ€chter. Sie brauchten ihn. Das war er ihnen schuldig und das war er auch Youma schuldig, dachte Light, als er sich aufrichtete, um sein Wort vorzutragen. Â
FĂŒr ihre gemeinsame Zukunft. Â
Niemand war so froh, das runde GebĂ€ude zu verlassen, wo das halbjĂ€hrige Gremium abgehalten wurde, wie Light. Einige sprachen noch miteinander und Light wusste, dass er es eigentlich auch tun mĂŒsste, aber er wollte so schnell es ging wieder nach Aeterniya zurĂŒck: er wollte zu Youma und Silence. Um zu sehen, dass es ihnen gut ging, dass er sich umsonst Sorgen machte, dass er sich nur Gespenster einredete und alles gut war; um ihnen zu sagen, dass sie eine Einigung erzielt hatten, die deutlich zu Gunsten der DĂ€monen ausgefallen war. Ein paar Kleinigkeiten â vielleicht auch noch groĂe â mussten natĂŒrlich noch ausgearbeitet werden, aber Light war optimistisch, dass es ihnen gelingen wĂŒrde und die LebensumstĂ€nde der DĂ€monen sich verbessern wĂŒrde. Ja, wenn er sah wie Kaze mit Cerille, dem JĂŒngsten der Teufel â jedenfalls sah er am jĂŒngsten aus, Light glaubte eigentlich, dass sie alle zur gleichen Zeit geschaffen worden waren â freundlich miteinander sprachen, obwohl das Gremium bereits vorbei war, dann fĂŒllte sein Herz sich mit Hoffnung auf eine gute Zukunft. Â
Und gerade deswegen wollte er schnellstmöglich zurĂŒck. Er wollte auch nicht warten, bis sie alle zusammen teleportieren wĂŒrden, er wĂŒrde es alleine tun. Er musste nur an Hikaru denken â wo war sie? Â
Light wollte sich nicht ohne Hikaru teleportieren, aber er konnte sie nicht erblicken, obwohl er ihre Aura in der NĂ€he spĂŒrte⊠gerade als Light noch einmal die Treppen emporsteigen wollte, die von der Eingangshalle ins Innere des GebĂ€udes fĂŒhrten, erschreckte er, als hĂ€tte er ein Beben in seiner Seele gespĂŒrt. Er kannte es. Er kannte dieses GefĂŒhl zu gut, viel zu gut; es hatte sich in ihn eingebrannt und sofort ging Light eiligen Schrittes hinaus aus der Eingangshalle, möglichst ohne jemanden zu alarmieren â aber kaum, als er die SĂ€ulen passiert hatte und er glaubte, dass ihn niemand mehr beachtete, begann er ĂŒber den gepflasterten Weg unter den roten BĂ€umen zu rennen, deren BlĂ€tter lautlos auf den Weg hinabrieselten. Weit musste er nicht rennen: am Ende des Weges waren Hikaru und der namenlose DĂ€monenherrscher.
Hikaru hatte Light den RĂŒcken zugekehrt, aber der namenlose DĂ€monenherrscher sah nach vorn, sah zu Light und entdeckte ihn auch, lĂ€chelte ĂŒber Lights bestĂŒrztes Gesicht, grĂŒĂte ihn aber nur mit den Augen, ohne Geste, ohne Wort.
âWas ist hier geschehen?â, fragte Light bestĂŒrzt, als er bei ihnen ankam, obwohl beide einfach nur voreinander standen und sich â so schien es jedenfalls â nur ansahen. Hikaru sendete ihm keine Antwort, aber der namenlose DĂ€monenherrscher antwortete ihm:
âNichts, Light-kun.â Er setzte sich in Bewegung, ging an Hikaru vorbei und zu Light, dem er seine Hand auf die Schulter legte.
âHikaru und ich haben nur gespielt.â Er löste jeden Finger einzeln von der Schulter des verwirrten Lichtgottes, ehe der namenlose DĂ€monenherrscher mit flatterndem Umhang die beiden Lichtgötter verlieĂ. Â
âDu hast unsere Magie eingesetzt, Hikaru.â Hikaru drehte sich nicht herum.
âIch kann das spĂŒren, das weiĂt du. Welchen Grund hattest du umâŠâ Â
âLight-kun!â Der Angesprochene drehte sich herum, weg von Hikaru, deren Gesicht er immer noch nicht gesehen hatte und erblickte den namenlosen DĂ€monenherrscher, der sich noch einmal zu Light herumgedreht hatte. Gute 70 Meter stand er von ihm entfernt, aber Light konnte seinen Blick dennoch ausmachen â sein typisches LĂ€cheln⊠nein, es war nicht sein typisches LĂ€cheln; es war anders⊠ganz anders als sonst. Aber er sagte nichts â er sah den verwirrten Lichtgott nur an und drehte sich dann weg und ging seines Weges. Â
Light wusste nicht wieso, aber er hatte das GefĂŒhl, als hĂ€tte der namenlose DĂ€monenherrscher sich bei ihm entschuldigen wollen. Â
Die gesamte Hoffnung war aus Light hinausgezogen worden â der Blick des DĂ€monenherrschers, die Tatsache, dass Hikaru definitiv ihr Licht angewandt hatte und Light gespĂŒrt hatte, dass dieses Licht mit Hass heraufbeschworen worden war, hatte ihm sĂ€mtliche Hoffnung genommen. Â
Aber in ein Loch, ein schwarzes, tiefes Loch, fiel er erst, als er Silence sah. Silence. Alleine. Ohne Youma. Seine Aura war nirgends zu spĂŒren und Silence starre GesichtszĂŒge, ihre tiefen, schwarzen Augen, denen sĂ€mtlicher Glanz mangelte, sagten Light alles.
Youma war weg.
âGestern Nacht. Er war nicht mehr im Bett, als ich aufwachte.â Light ging zu ihr, seine Beine waren zu schwer um zu rennen; er war zu entgeistert, um etwas zu sagen.
âIch wollte dich kontaktieren, aber es ging nicht. Ich konnte nicht⊠ich konnte nichtâŠâ NatĂŒrlich nicht, niemand konnte mit ihnen Kontakt aufnehmen, solange sie die Sitzung abhieltenâŠ
âYouma ist wegâ, sagte Silence erst jetzt und senkte den Kopf, als Light vor ihr stand.
â⊠und ich weiĂ absolut nicht, warum oder wo er ist.â Light wollte nicht, dass Silence weinen musste und er wusste, dass sie eigentlich auch nicht umarmt werden wollte, aber er tat es dennoch, spĂŒrte ihre Verzweiflung, die seine nĂ€hrte, ihre Traurigkeit, ihre groĂe Sorge um ihren Zwilling. Â
âIch hĂ€tte es⊠ich hĂ€tte es spĂŒren mĂŒssenâŠâ Â
âNein, Silence. Du darfst dir keine VorwĂŒrfe machenâŠâ Behutsam, selbst am Rande der TrĂ€nen, strich Light ihr ĂŒber die glatten Haare:
â⊠und ihm ebenfalls nicht. Es ist nicht eure SchuldâŠâ Light hob den Kopf und vergrub fĂŒr einen Moment sein Gesicht in Silence Schulter. Â
Es war seine Schuld.
Es war ganz allein seine Schuld.
Das wusste er. Ja, er war sich seiner Schuld bewusst. Â
âLass uns ihn suchen.â Light nahm Silence an der Hand:
âIch weiĂ, wo er ist.â Â
Hikaru sah ihnen hinterher, die HĂ€nde ĂŒber ihrem Rock gefaltet und streckte die Hand dieses Mal nicht nach ihm aus, als ihr Bruder sich entfernte. Â
Nein, sie war zu beschĂ€ftigt damit, zu lĂ€cheln. Â
Schnellen Schrittes waren Light und Silence auf dem Weg zu dem Ort, wo Light und die anderen Götter erst vor kurzem nach Erememiya aufgebrochen waren: sie rannten nicht, als hĂ€tten sie in ihrem angespannten Schweigen einstimmig beschlossen, dass sie nicht zu viel Aufsehen erregen wollten. Aber sie gingen dennoch so schnell wie möglich und hĂ€tte jemand ihre Gesichter gesehen, sie wĂŒssten, dass etwas vorgefallen war, etwas Einschneidendes, etwas, was sie beide erschĂŒtterte.
Doch noch ehe sie hinaus in den Garten kamen â der einzige Punkt, von wo aus das Teleportieren erlaubt war â brach Silence das Schweigen.
âLight, du weiĂt wo Youma ist?â Light antwortete nicht und da er einen halben Meter vor ihr ging, sah sie nicht wie sein Gesicht sich schmerzhaft verzog. Â
âLight!â Silence packte seinen Ărmel und zwang ihn dazu, stehenzubleiben.
âWoher weiĂt du, wo Youma ist?â Â
âIch weiĂ es nicht mit Gewissheitâ, antwortete Light zerknirscht. Â
âIch habe nur eine starke Vermutung.â
âEs handelt sich um den namenlosen DĂ€monenherrscher, nicht wahr?â Das Gesicht des Angesprochenen lockerte auf, da er Silence verwirrt musterte und die Frage, wie sie, die den Herrscher der DĂ€monen nur einmal gesehen hatte und damals immerhin noch klein war, auf ihn kam, stand ihm sehr deutlich ins Gesicht geschrieben.
âIst Youma bei ihm?â, fragte Silence, anstatt Light eine Antwort auf seine offensichtliche Frage zu geben.
âIch befĂŒrchte es.â
âDu befĂŒrchtest es? Ist der Mann eine Gefahr fĂŒr Youma?â Light nahm die Hand seiner Tochter und sie begannen wieder eilends zu gehen, wĂ€hrend er seine ehrliche Antwort gab â er wisse es nicht und diese Antwort machte Silence noch nervöser, denn sie beide wussten, wo auch immer Youma war, was auch immer er dort tat, es war kein Besuch zum Nachmittagstee. Er war nicht freiwillig dort, das wusste Silence â denn dann hĂ€tte er Silence mitgenommen oder sich von ihr verabschiedet; er hĂ€tte ihr Bescheid gegeben. Dass er einfach weg war⊠alleine dies war ausreichend, um ihre Verzweiflung zu nĂ€hren. Â
Dennoch, als Light sie beide nach Lerenien-Sei â und zwar direkt in das Herrschaftsschloss der DĂ€monenhauptstadt â teleportierte, wurde der Name ihres Zwillings fĂŒr einen Moment in den Hintergrund gedrĂ€ngt. Noch nie war Silence im Gebiet der DĂ€monen gewesen; nicht, weil es ihr verboten gewesen war; sie hatte einfach keinen Grund fĂŒr einen Besuch gehabt und nun war sie gĂ€nzlich ĂŒberrumpelt von dem Glanz und der Pracht des GebĂ€udes, durch das Light sie mit der Gewissheit einer Person fĂŒhrte, die dieses Schloss schon oft betreten hatte und wusste, welcher Weg der richtige war. Â
Der Boden war aus dunklem, glattem Stein, so glatt als wĂ€re es Eis, so sauber und makellos, dass sie ihr geplagtes Spiegelbild darin sehen konnte. Hier und dort glitzerte es rötlich auf, als wĂ€ren Rubine in den Boden eingefasst. An den schlanken SĂ€ulen waren Laternen angebracht, die ein rötliches Licht warfen und weit ĂŒber Light und Silence weite, gewölbte Decken mit auffĂ€lligem Deckendekor aus Glas und glitzernden Steinen, Juwelen und Diamanten, SchĂ€tze, die Silence gar nicht kannte, nicht benennen konnte, ĂŒber deren Strahlkraft sie nur staunen konnte. Sie gingen an schweren TĂŒren vorbei, die ebenfalls verziert waren und an Fenstern, durch die kein Wind hindurchging, aber⊠wieso? Wieso war vor den Fenstern Glas? Und warum war es bunt? Â
Silence war so verblĂŒfft ĂŒber diesen fĂŒr sie abnormen Einsatz des Glases, dass sie ihre Finger im Vorbeigehen ĂŒber die Scheiben gleiten lassen wollte, als Light sie jedoch davon abhielt.
âSilence, nichtâ, ermahnte er sie, als wĂ€re Silence zehn und nicht zwanzig.
âWir sollten die Pracht und die Sauberkeit dieses Ortes wahren.â Â
âWarum ist da Glas vor den Fenstern?â Light war im Moment zu nervös, um ErklĂ€rungen zu geben und er wollte jetzt gewiss nicht ĂŒber die Elemente sprechen, weshalb er Silence gerade vertrösten wollte, als Silence die ErklĂ€rung von jemand anderem bekam.
âWeil der Wind in den Wintermonaten sehr rau und kĂŒhl ist und wir die KĂ€lte scheuen.â Silence drehte sich alarmiert zu dem TrĂ€ger dieser ruhigen, eleganten Stimme herum, welchen sie nicht kannte, aber Light: es handelte sich bei dem DĂ€mon, der gerade zu ihnen getreten war, um Astaroth, welcher sich in Begleitung seiner Ă€ltesten Tochter und seines Ă€ltesten Sohnes befand, die sich vor den Besuchern verneigten im Gegensatz zu Astaroth, der nur ein wenig den Kopf neigte â er war ja auch ein Teufel. Er musste sich nicht vor ihnen verneigen, besonders nicht vor Light, der als Freund zu ihm sprach. Silence war weniger erstaunt ĂŒber seine eng am Kopf liegenden, steil nach oben gehenden, dĂŒnnen Hörner â sie hatte schon viele DĂ€monen mit Hörnern gesehen â sondern mehr ĂŒber deren Kleidung, gegen welche sie sich richtig schmucklos empfand. Lange Roben, aufwendig mit Stickereien versehen, in dunklem GrĂŒn gehalten und mit Silber dekoriert. An den HĂ€nden Ringe mit Rubinen und Smaragden, aber trotzdem nicht ĂŒberladen wirkend. Lange Ărmel, aber der Stoff rund um deren Oberkörper war enganliegend, mit einer schmalen Silberkette dekoriert und silbernem Kragen.  Â
âLight, ich hĂ€tte nicht gedacht, dass ich dich so schnell wiedersehen wĂŒrde und ich muss gestehen, dass ich ĂŒber den Besuch verwundert bin. Du bist natĂŒrlich stets in unserem Schloss willkommenâŠâ Er hob die Hand in einer unnatĂŒrlichen Geste, als wĂŒrde er die Luft streicheln wollen:
â⊠aber ich wĂŒrde es dennoch vorziehen, wenn du dich ankĂŒndigen wĂŒrdest, damit wir dich gebĂŒhrend begrĂŒĂen können.â Â
âDas ist sehr freundlich von dir, Astaroth.â Light lĂ€chelte höflich, obwohl man ihm ansah, dass er angespannt war; Astaroth hatte kein LĂ€cheln fĂŒr ihn. Er â und auch seine Nachkommen â sahen allgemein nicht danach aus, als wĂŒrden sie viel lĂ€cheln. Sie hatten ein sehr ernstes, spitz zulaufendes Gesicht und ihre dichten, tiefhĂ€ngenden Wimpern verliehen ihnen den Eindruck, als wĂŒrden sie im Schlaf wandeln. Aber ihre roten Augen stachen deutlich hervor in dem dĂŒsteren Zwielicht, das sie umgab. Â
âAber ich bleibe heute ohnehin nicht lange.â
âDas ist bedauerlich, wo dein letzter Besuch in unserem Schloss doch schon so lange zurĂŒckliegt.â Â
âWo ist Youma?â, fragte nun Silence, die sich nicht lĂ€nger von Höflichkeit aufhalten lassen wollte; dennoch versuchte sie, ihre Frage nicht allzu⊠politisch unkorrekt zu stellen. Sie wollte nicht anklagend klingen, aber sie tat es, doch schien es Astaroth nicht zu stören, der sich Silence zuwandte und sie musterte.
âDer Sohn Luzifers?â Die Frage störte Silence â Luzifer hatte immerhin nicht nur ein Kind gehabt.
âJa. Ich bin die Tochter Luzifers.â
âIch bin mir im Klaren darĂŒber, dass du ein Morgensternkind bist.â Morgen⊠sternkind? Silence wusste zunĂ€chst nicht, wieso sie dieses Wort erweichte, aber das tat es. Morgensternkind? Hatte⊠ihr Vater sie so genannt? Dieser DĂ€mon war ein Teufel; er hatte Luzifer gekannt, nein â er war sein Bruder, ihr⊠Onkel, wenn man das so sagen konnte. Â
âWo ist dein Gebieter, Astaroth?â Astaroth wandte sich wieder Light zu, genau wie seine Kinder es taten und auch Silence sah Light an, der diese Frage sehr bestimmt gestellt hatte â aber er erhielt keine Antwort. Die drei DĂ€monen sahen ihn einfach an, ohne zu blinzeln.
âDu kannst mir keine Antwort darauf geben?â Erst da schlug Astaroth die Augenlider nieder.
âVerzeih mir die Unhöflichkeit, dir eine Antwort verweigern zu mĂŒssen.â Â
âWar Youma denn hier? War er in Lerenien-Sei?â Â
âAuch diese Frage muss ich mit Schweigen beantworten.â Light zog den Kopf zurĂŒck, als widere ihn etwas an und er wandte sich auch herum und forderte Silence dazu auf, ihm zu folgen, welche ĂŒber diese brĂŒske Reaktion Lights sehr ĂŒberrascht war â und darĂŒber, dass er ging.
âWas, Light â wir gehen einfach?!â Â
âNein, wir suchen selbst nach ihm. Astaroth kann uns keine Auskunft geben und keiner seiner BrĂŒder wird es tun können. Sie sind alle ein Teil von ihm und haben keinen eigenen Willen, keine eigeneâŠâ
âIdentitĂ€t, möchtest du sagen, Light?â Silence drehte sich zu Astaroth herum, Light allerdings nicht, aber er war stehen geblieben. Keiner der drei DĂ€monen war ihnen gefolgt und Silence und Light waren schon gute 40 Meter gegangen â doch ihre rotleuchtenden Augen sah man dennoch deutlich, deutlicher als jeden Rubin.
âDu bist wĂŒtend und beunruhigt, deswegen werde ich dir diese Beleidigung verzeihen, denn ich weiĂ, dass du eigentlich nicht so geringschĂ€tzig von uns denkst.â Silence sah, dass Light sehr missgestimmt, ja, in der Tat wĂŒtend aussah, aber er atmete tief durch und drehte sich zu Astaroth herum:
âMein Sohn ist verschwunden, Astaroth. Eines der Kinder, die ich liebe, ist weg und ich weiĂ, dass dein Gebieter an diesem Verschwinden beteiligt ist, daher bitte ich dich darum, meine Aufgebrachtheit zu entschuldigen.â Â
âSie sei dir verziehenâ, antwortete der Teufel sofort und Light drehte sich schon herum, um weiterzugehen, aber Astaroth hielt ihn auf:
âIch missbillige die Entscheidungen meines Gebieters. Doch er ist mein Gebieter und ich vertraue und diene ihm, liebe ihn, wie der Sohn seinen Vater liebt.â Die Abendsonne brach hinter den schwarzen Wolken hervor und malte den Korridor rot auf seinem Weg durch die bemalten Fenster.
âDies gilt fĂŒr uns alle.â Langsam, noch wĂ€hrend Astaroth diese ruhigen Worte formte, sah Light ĂŒber die Schulter, wo Astaroth sich langsam von seinen Kindern löste und mit sachte hinter ihm her flatternden Haaren den Abstand zwischen ihnen verringerte. Light sah Astaroth verbissen in die Augen, Silence aber tat dies nicht. Ihr Herz⊠es beschleunigte sich, mit jedem Schritt, den der Teufel sich ihnen nĂ€herte. Â
âUnser Gebieter aber⊠hat einen von uns bevorzugt. Der einzige von uns, der unseren Gebieter nie seinen Vater nannte. Die Trauer, ihn verloren zu haben, macht unseren Erschaffer untröstlich⊠wĂŒtend⊠und gefĂ€hrlich.â Light hörte diese Worte genau, aber in Silenceâ Ohren begann es zu rauschen.  Doch es war nicht Astaroth. Es war etwas anderes, das ihr Herz so quĂ€lte. Ein Schmerz, ein groĂer Schmerz, der aus ihrem Inneren stammte und der ihre Sinne in Beschlag nahm. Die Antwort Lights, seine sanfte Stimme, hörte sie dennoch: Â
âIch weiĂ, von wem du sprichst.â
âJa⊠natĂŒrlich weiĂt du esâ, antwortete Astaroth leise, wĂ€hrend Silence sich an einem Fenstervorsprung festhalten musste, um nicht zu fallen und er schloss die Augen wie zum Gebet.
âEr ist nicht ohne Grund⊠der Morgenstern gewesen.â Diese Worte hatte Light wiederum nicht gehört, denn nun bemerkte er Silenceâ Zustand und er war sofort da, um sie zu stĂŒtzen. Er fragte sie, was sie hatte, was fĂŒr Schmerzen sie quĂ€lten, aber seine Stimme war nur ein verschwommenes Echo. Zu groĂ waren die Schmerzen â ihr Herz, sie hatte das GefĂŒhl, als wĂŒrde es zerreiĂen und sofort griff sie zu ihrem Glöckchen, welches sie fest mit beiden HĂ€nden umschloss und dabei beinahe zu Fall gekommen wĂ€re, hĂ€tte Light nicht den Arm um sie gelegt. Â
âSilence! Silence, was spĂŒrst du?â Erst als Light seine freie Hand um die HĂ€nde und damit um das Glöckchen Silenceâ legte, hörte sie seine Stimme, als könnte sie ihn nicht mehr mit den Ohren hören, sondern nur durch die Verbindung mittels des Glöckchens, nur durch die Verbindung ihrer Seelen.
âSchmerzen.â Silenceâ Stimme war heiser und⊠irrte sie sich nur oder spĂŒrte sie ihr Glöckchen vibrieren?
âGroĂe---- Schmerzen. Und Trauer, EnttĂ€uschung undâŠâ Obwohl ihre Stimme von der Pein, die sie verspĂŒrte, verzerrt war, hallte sie dennoch in dem Gewölbe wider und bohrte sich in Lights Herz.
â⊠Verrat.â Astaroth beobachtete das Ganze mit respektvollem Abstand, aber als er sah, wie Lights Gesicht deutlich erbleichte und er kurz aussah wie eine Leiche, da begann er sich Sorgen zu machen und seine Stirn wölbte sich, aber er sagte nichts â es war Light selbst, der etwas sagte.
âSilence⊠diese GefĂŒhleâŠâ Er drĂŒckte Silenceâ Finger fester.
âWeil ihr biologische Wesen seid, sollte es eigentlich nicht so stark sein wie bei Hikaru und bei mir, aber ich denke, da ihr Zwillinge seid und ihr ein starkes Band zueinander habtâŠâ Silence sah mit starrem Blick auf.
âWillst du mir sagen⊠dass ich Youma gerade spĂŒre? Dass das⊠was ich gerade spĂŒre⊠ein Echo von dem ist, was Youma spĂŒrt?â Light deutete ein Nicken an.
âIch habe gerade das GefĂŒhl, dass mein Glöckchen zerrissen wird!â Umgehend lieĂ Silenceâ ihr eigenes Glöckchen los und packte Lights Schultern:
âWir mĂŒssen zu ihm! Wir mĂŒssen ihn finden! Sein Glöckchen! Ich habe das GefĂŒhl, dass es zerstört wird!â Doch Silence war selbst zu mitgenommen von dem Echo der Schmerzen, so dass sie beim Versuch sich aufzurichten und zu rennen einknickte und ihr Kopf gegen Lights Brust sackte, der sie wieder stĂŒtzen musste.  Â
âLight.â Weder Light noch Silence hatten noch Gehör fĂŒr Astaroth, aber Light sah dennoch zu ihm, der nun nĂ€her an sie herantrat. Â
âEs ward schon lange beschlossen, dass es der Morgenstern sein soll, der zu unserem König werden soll, wenn es unseren Gebieter nicht mehr geben wird.â Geben⊠wird? Lights Verwunderung ĂŒber diese Worte stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Â
âWovon sprichst du?â Wieder sah Light Astaroth deutlich an, dass er keine Antwort erhalten wĂŒrde. Â
âAber Luzifer ist tot.â Astaroth stand nun vor ihnen und sah mit seinen leuchtenden Augen auf Light und Silence herunter, die einer Ohnmacht nahe war. Â
âUnd unser Gebieter hat denjenigen zum König gewĂ€hlt, der das Gesicht Luzifers trĂ€gt.â Lights Augen weiteten sich. Â
âSeinen Sohn.â Diese Worte rissen Silence empor und sie sah Astaroth genauso entsetzt an wie Light es tat. Â
âYouma soll⊠DĂ€monenkönig werden?â, flĂŒsterte Silence fassungslos, aber ihre Stimme wurde schnell zu einem Zischen:
âDas ist doch Unfug!â Astaroth reagierte nicht auf Silenceâ entrĂŒstete Reaktion oder auf ihren bissigen Tonfall. Er sah sie nur mit seinen ruhigen roten Augen an.
âYouma und ich sind WĂ€chter!â
âDas seid ihr beide nicht.â Light musste Silence gut festhalten, damit diese nicht aufsprang, um Astaroth womöglich noch anzugreifen â aber da, als es nun Light war, der ein starkes Echo vernahm, entglitt ihm Silence. Silence stand auf, aber Light spĂŒrte es nicht, denn er fiel, drohte zu stĂŒrzen, als er die bodenlosen GefĂŒhle von Hikaru spĂŒrte. Â
âLig---â Sein Sichtfeld wurde schwarz, er hatte selbst das GefĂŒhl in SchwĂ€rze eingetaucht zu werden, der Hass, er verschlang ihn, er fraĂ ihn auf, der Wille zu töten, die Freude, es endlich tun zu können! Schadenfreude! Triumph! Endlich! ENDLICH! Â
âLight!â Â
Nichts wird jemals wieder so sein, wie es---
âLIGHT!â Â
Mit einem Schlag öffnete Light wieder die Augen und sah Silence ĂŒber sich. Er sah das besorgte Gesicht seiner Tochter, hörte ihre starke Stimme. Astaroth stand hinter Silence, ebenfalls besorgt, aber es war Silence, die Light genau vor sich sah, in ihrer gesamten Pracht und StĂ€rke.
âSilâŠenceâŠâ Â
âOh Gott, Light! Ich dachte, du wĂŒrdest verschwinden, ich dachte, du wĂŒrdest dich auflösen! Du kannst mir doch jetzt nicht so einen Schrecken einjagen?!â Nein⊠nein, das konnte er nicht. Das war unerhört von ihm. Es war unerhört von ihm, sich so von einem Echo mitreiĂen zu lassen. Auf dem Boden zu liegen, von Silence gestĂŒtzt. Nein, sie mussten zu Youma.
âWas⊠spĂŒrst du, Silence?â Silence hielt ihre Hand immer noch â oder wieder, Light wusste es nicht â um ihr Glöckchen, genau wie Light es nun tat.
âIch weiĂ es nicht. Schmerzen⊠viele verschiedene.â Astaroth half Light auf die wackeligen Beine und obwohl Light nicht danach aussah, als sollte er sich viel bewegen â genauer genommen sahen weder Silence noch Light danach aus â beschwor Astaroth sie, dass sie sich beeilen sollten. Â
Und das taten sie auch. Silence wusste nicht, woher Lights Kraft stammte, aber er nahm sie bei der Hand und begann zu rennen, als wĂŒrde er--- Â
Ein groĂes, gleiĂendes Strahlen erleuchtete die sich weitenden Augen Astaroths und seiner Kinder, die mit offenen MĂŒndern zurĂŒcktaumelten, als Light Silence auf den Arm nahm als wĂ€re sie schwerelos, zwei gleiĂende FlĂŒgel ausbreitete und wie ein strahlender Pfeil vom Balkon in den Abendhimmel emporschoss. Â
Perplex und von dem Anblick der schönen FlĂŒgel, die Astaroth einen Augenblick gesehen hatte, hingerissen, ging er zum Balkon, um den leuchteten Punkt am roten Himmel zu beobachten, wie er sich entfernte. Bald fanden seine Augen wieder Ruhe, doch das Strahlen der FlĂŒgel schien immer noch in seinen Augen nachzubeben. Â
âLight⊠wisse, dass jedes UnglĂŒck, das nun folgen wird, nicht das ist, was von uns gewĂŒnscht war.â
Als der leuchtende Punkt in einer Wolke verschwand, senkte Astaroth den Kopf, drehte sich herum und schloss die GlastĂŒr hinter sich. Seine HĂ€nde blieben jedoch einen kurzen Moment an dem verschnörkelten Griff aus Kupfer, ehe er sich herumdrehte und zum Himmel emporblickte.  Â
âWir wollten niemals töten.â Er senkte die Augenlider und entfernte sich von der TĂŒr mit den rötlichen Glasscheiben, deren rotes Glas aussah wie herunterlaufendes Blut. Â
âDen Krieg begonnen habt ihr.â Â
Silence, von Light getragen und fest an seine Brust gedrĂŒckt, konnte nicht begreifen, was gerade geschah: es verschlug ihr gĂ€nzlich die Sprache. Noch nie zuvor hatte sie so etwas gesehen, von so etwas gehört⊠von so einem Wunder, so etwas⊠einzigartigem, so etwas einzigartig Schönem.  Â
âWieâŠ?â Mit zitternden Fingern berĂŒhrte sie⊠es. Golden leuchtende FlĂŒgel, die sich warm unter ihren zitternden Fingern anfĂŒhlten und helle Reflektionen auf ihr Gesicht malten. Doch die Schwingen, die die doppelte GröĂe von Lights Körper besaĂen und sie ohne Probleme durch die Wolken trugen, waren nicht nur weiĂ, wie Silence beim nĂ€heren Hinsehen bemerkte. Sie waren blau, so blau wie der schönste Sommerhimmel, strahlend weiĂ wie das hellste Licht und golden wie die Sonne. Â
âSilence, bitte, halt dich fest.â Silence starrte ihren Ziehvater, dem plötzlich diese Schwingen aus dem RĂŒcken gewachsen waren, sprachlos, mit offenem Mund an â nachdem sie aber bemerkte, dass ihr Mund offenstand, schloss sie ihn.
âIchâŠâ Silence musste schlucken, was ihr nicht oft geschah.
â⊠kann selber fliegen.â Light sah sie kurz an, dann sah er wieder mit einem kleinen LĂ€cheln nach vorne.
âDaran zweifle ich nicht. Aber ich bin schneller.â Sein LĂ€cheln verschwand.
âWir werden gleich in Aeterniya sein.â Â
âWarum teleportieren wir uns nicht?â, fragte Silence halb schreiend gegen den Fahrtwind, der ihr die Haare ins Gesicht wehte.
âHikaru hat um die gesamte Stadt einen Antiteleportationsbannkreis gelegt.â
âEinen was?! Das geht? Das gibt es?!â Â
âJa, den gibt es, aber selten angewandt, besonders in der GröĂenordnung. Niemand kann sich rein oder raus teleportieren.â Sie flogen durch mehrere dunkle Wolken hindurch, die Silence dazu zwangen die Augen zu schlieĂen, aber Light sah verbissen geradeaus, seine Tochter gut festhaltend, die die Arme um seinen Hals geschlungen hatte.  Â
âAber wieso hat Hikaru so etwas getan?â Â
âUm Zeit zu gewinnen. Um uns solange wie möglich von Aeterniya fernzuhalten.â Silence und Light sahen sich kurz ernst an.
âDu spĂŒrst Youma noch?â
âJa. Aber sein Schmerz ist⊠dumpfer geworden.â Light wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war oder nicht, aber er sah wieder nach vorne und beschleunigte, nachdem er Silence gewarnt hatte. Lerenien-Sei und Aeterniya lagen nicht weit voneinander entfernt; lange wĂŒrde es nicht dauern zurĂŒckzufliegen⊠aber jede Minute könnte zu lange sein⊠jede Minute könnte bedeuten, dass Youma etwas zustoĂen⊠Nein, Light kniff die Augen zusammen: ihm war bereits etwas zugestoĂen. Ihm war das Schlimmstmögliche zugestoĂen.
Lights FlĂŒgel begannen zu schmerzen, aber die Sorge um Youma und die Schuld, die sein Herz zerfraĂ, waren viel schwerer zu tragen als seine FlĂŒgel. Â
Sie hatten beide den Moment, wo sie zum letzten Mal durch die Wolken brachen, zugleich herbeigesehnt und gefĂŒrchtet und Silence spĂŒrte auch, dass Light zögerte zu landen. Oder war er genau wie sie erstarrt, als sie die Katastrophe von oben sah? Â
Aeterniya war in Dunkelheit gehĂŒllt; nicht in die Dunkelheit der Nacht, die natĂŒrliche, angenehme Dunkelheit, sondern eine schattenhafte Dunkelheit, die auch Silence den RĂŒcken emporkroch und ihr Gesicht genau wie das von Light erbleichen lieĂ.
âYouâŠmaâŠâ Sie spĂŒrte, dass dies sein Werk war, sie spĂŒrte, dass es seine, deren Magie war, die Aeterniya die Nacht gebracht hatte; die Dunkelste aller NĂ€chte, wovon sie nicht wusste, dass sie dazu im Stande waren⊠und dort, unter ihnen, auf dem Platz, der vor dem Palast der Elemente lag, brannte es. Sie hörten Schreie, Schmerzensschreie, Schreie, deren Quell die Angst war, sahen WĂ€chter und DĂ€monen, die heillos flohen. Blitze von eingesetzter Magie schossen in die Dunkelheit empor, erleuchteten diese in der Farbe des Elementes und als Light herabsank und sie beide wieder festen Boden unter den FĂŒĂen hatten, spĂŒrten sie auch, dass dieser bebte. Tsuchi, oder einer seiner Nachfahren, war im Begriff seine Magie einzusetzen. Hier in Aeterniya, hier in ihrem Zuhause, auĂerhalb eines Turniers, in einem Kampf⊠in einem Kampf, in dem es darum ging, zu töten.   Â
Kaum hatte Light den Boden mit den FuĂspitzen berĂŒhrt, sprang Silence herunter und lief los. Light wollte ihr hinterherlaufen, wollte sie stoppen â er hatte schon seinen Mund geöffnet, um ihren Namen zu schreien, als er einknickte. Er ging in die Knie, dort auf einem kleinen runden Platz, wo eigentlich ein Springbrunnen stets fröhlich plĂ€tscherte und die Schmetterlinge tollten. Die FlĂŒgel⊠sie waren zu schwer gewesen⊠noch nie hatte er so einen weiten Weg fliegen mĂŒssen, dazu noch mit einer Person⊠nein. Light schloss die Augen und schĂŒttelte mit zusammengebissenen ZĂ€hnen den Kopf. Es waren nicht die FlĂŒgel, die ihn schwĂ€chten. Â
Es war seine Angst.
Es war ihr Hass. Â
Wenn er aufstand und ebenfalls rannte, dann wĂŒrde er in ein Horrorszenario hereinrennen. Blut, Leichen, Kampf⊠Krieg. Schwefelgeruch stieg dem Hikari in die Nase und der Geruch von Blut⊠von viel Blut. All das, wogegen er immer gekĂ€mpft hatte, was er niemals hatte wahr werden lassen wollen. Er wollte Harmonie, Frieden⊠GlĂŒck fĂŒr seine Kinder, fĂŒr sich selbst.
â⊠HeuchlerâŠâ Light lachte bitter ĂŒber sich selbst, aber es gelang ihm mit seiner zusammengeballten Faust sich aufzurichten. Denn Youma⊠sein Junge, sein Sternenkind war mittendrin in diesem Horrorszenario.
âLight!â Er sah auf und sah, dass Silence gar nicht vorgerannt war: Sie war am Ende des Weges stehen geblieben und drehte sich nun nach ihm herum, streckte auch die Hand nach ihm aus.
âKomm!â Light nickte und zusammen mit Silence musste er einige Treppenstufen emporrennen, um zum Ort des Geschehens zu gelangen. Hier und dort waren die Stufen rot. Silence rannte weiter, als wĂ€re der Tod hinter ihr selbst her â er war jedoch eher vor ihr. Sie hatte nicht wie Light die Bilder gesehen, die er durch Hikarus Augen gesehen hatte. Sie spĂŒrte nur Youmas Schmerz, seine Pein, die ihre Angst schĂŒrte; Angst um ihren Bruder, dass ihm etwas passiert war⊠dass er irgendwo lag und blutete. Genau wie die drei toten WĂ€chter auf den Steinstufen, an denen sie gerade vorbeirannten und die sie nicht ansahen. Light aber wusste⊠Youma war nicht tot. Er lag nirgendwo. Er war in der Mitte des Schreckens. Dem Mittelpunkt. Im Auge des Sturms. Der Einzige, der nicht unter Todesangst litt, aber dafĂŒr die gröĂten Schmerzen von ihnen allen verspĂŒrte.
Silence kam am Ende der Stufen an, musste sich jedoch sofort auf den Boden werfen, um einer Windattacke auszuweichen, die ihre Haare aufwirbeln lieĂ. Ehe Light ebenfalls oben ankam, erblickte er Hikaru, die am Ende der Treppe stand und nicht sichtlich darauf reagierte, dass Silence neben ihr aufgetaucht war. Der weiĂe Ăberwurf des Rockes der kleinen Hikari war zerrissen, angebrannt, befleckt und ihre blauen Schleifen waren verschwunden: wild wehten ihre Haare um sie herum im aufgescheuchten Wind. Als sie Light spĂŒrte, drehte sie ihr kleines Kindergesicht zu ihm, welches voller Blutflecken war und Light die Sprache nahm.
âHalte ihn auf!â Sie drehte sich nun vollends zu ihm herum und ihre Worte hallten laut durch Lights Kopf:
âBeschĂŒtze unsere WĂ€chter und töte ihn!â Die Worte hörte Light. Aber er sah Hikaru nicht. Er sah dasselbe, was Silence sah und beide schlug es wie ein Peitschenhieb: Youma, in der Mitte des Horrors. Â
Er stand in der Mitte des Hauptplatzes, von allen Attacken unversehrt und ohne den kleinsten KratzerâŠ ĂŒber und ĂŒber mit Blut besudelt, als hĂ€tte er in diesem gebadet, genau wie das lange, gebogene Blatt der Waffe, die er in der Hand hielt und dessen SchĂ€rfe nicht zu ĂŒbersehen war. Eine Sense. Â
Doch weder die Waffe noch das Blut waren das, was Silence und Light versteinern lieĂen. Es waren Youmas Augen. Seine sonst so tiefen schwarzen Augen, die jedes Sternenstrahlen einfingen, ja, der Nachthimmel selbst zu sein schienen, waren in dunkles Rot getaucht, so dunkel, so verzehrend, dass die Pupille nicht mehr zu sehen war, als wĂ€re sie in dem roten Meer seiner trĂ€nenumrandeten Augen untergegangen. Â
âTöte ihnâ, beschwor Hikaru Light noch einmal, wĂ€hrend dieser vor Schreck erstarrt war.
âEr ist ein DĂ€mon. Ein DĂ€mon, der uns alle töten will. Tu es, bevor er es zuerst tun kann!â Â
âYOUMA!â, schrie Silence plötzlich in Hikarus Worte hinein und sie wollte auch gerade auf ihren Zwilling zustĂŒrmen, als Light sie von hinten packte und sie zurĂŒckzog, damit sie nicht von einer Feuerwalze getroffen wurde, die fĂŒr Youma vorgesehen war, der er allerdings ebenfalls auswich. Silence wehrte sich und sie hĂ€tte sich auch befreien können, aber ihre ruppigen Bewegungen gingen unter, als Youma sich zu seiner Familie herumdrehte und selbst die Flammen fĂŒr einen Moment zu schweigen schienen. Â
âSilenci!â, laut und deutlich war dieser Name ĂŒber die Schreie und das Weinen der Verletzten zu hören, geformt von Youmas Stimme, die⊠melodisch wie immer klang, doch seine GesichtszĂŒge waren hart geworden und als er mit dem Blut in seinem Gesicht lĂ€chelte, fĂŒrchtete Light, dass er sich ĂŒbergeben musste. Was hatte der DĂ€monenherrscher mit ihm gemacht?! Er wĂŒrde es bĂŒĂen, seinen Sohn so zugerichtet zu haben!
Youma blieb wo er war und niemand hinderte ihn daran, nach Silence die Hand auszustrecken, als wĂŒrde er sie auffordern, zu ihm zu kommen. Aber selbst wenn sie es gewollt hĂ€tte; Light hielt sie zu gut fest. So ohne Weiteres konnte sie sich nichtâŠ
âLass sie gehen.â Youma sah Light nicht an, als er diese Worte aussprach mit einer KĂ€lte, die sich direkt in Lights Herz hineinbohrte. Â
âLass Silence zu mir.â Nur einen kurzen Augenblick war Light zu sehr von seinem eigenen Schmerz abgelenkt; einen Augenblick, den Silence ausnutzte, um sich von seinem Griff zu befreien, um zu Youma zu gelangen, der seine blutgetrĂ€nkte Hand weiterhin nach ihr ausgestreckt hielt und langsam zu lĂ€cheln anfing. Â
âIch brauche dich. Ich werde dich nie alleine lassen, das habe ich dir versprochen, Silence⊠Ich werde dich immerâŠâ Die Worte schienen ihm schwerzufallen, als wĂ€re das Sprechen selbst eine Herausforderung.
â⊠beschĂŒtzen.â Gerade als die Fingerspitzen der beiden Zwillinge sich beinahe berĂŒhrt hĂ€tten, sprang Light vor und wollte Silence zurĂŒckziehen, sie aus der Gefahr befreien, die Youma im Moment darstellte, doch da, gerade als Light die Hand nach Silence ausstreckte, war das LĂ€cheln Youmas dahin und Wut entstellte sein Gesicht, denn er hatte Lights Absicht erkannt. Â
Es ging alles schnell; zu schnell fĂŒr manche Augen: die Sense Youmas durchschnitt die Luft und ein horizontaler Hieb raste an Silenceâ Gesicht vorbei, zerschnitt einige ihrer Haare und traf Lights Oberkörper. Jemand schrie Lights Namen, doch der Hieb teilte den Körper des Lichterben nicht in zwei HĂ€lften, so wie es eigentlich hĂ€tte geschehen sollen. Nur ein horizontaler Riss in seiner Kleidung war zu erkennen â es floss kein einziger Bluttropfen, aber der Schock von Youma angegriffen worden zu sein, lĂ€hmte Light vollends, der nur dastand, als hĂ€tte etwas sein Innerstes getötet.
âYouma?!â, schrie Silence, die auf den Boden gesackt war:
âBist du denn völlig von Sinnen?! Das ist Light! Unser Vater! Siehst du das denn nicht?!â    Â
âDoch.â Youma starrte Light an, welcher verletzt zurĂŒck starrte und fĂŒr einen Moment waren sie eins in ihrer Qual.
âIch sehe es.â Der Schmerz in Youmas Stimme brannte sich in Silenceâ Ohren und wieder spĂŒrte sie ihn so deutlich auch in ihrem eigenen Herzen widerhallen, obwohl sie nicht verstand, was der Grund fĂŒr diesen Schmerz war.
âIch sehe es!â, rief Youma nun und holte abermals mit der Sense aus, aber das war nicht das, was Silence und Light sahen â sie sahen die TrĂ€nen in seinen roten Augen.
âDenn ich bin es nicht, der vergessen hat, was Familie bedeutet!â Doch der Angriff Youmas wurde vereitelt: ein plötzlich heransausender Feuerpfeil schoss aus dem Qualm hervor und riss Youma die Sense aus der Hand, die quer ĂŒber den Platz geschleudert wurde. Schnell drehte Youma sich nach seiner Waffe herum, sprang auch schon nach dieser â ein Fehler. Â
Unter Youmas FĂŒĂen erstrahlte der Boden, so gleiĂend, so brennend, als erstrahlte die Sonne selbst. Â
Light hatte schnell genug gehandelt, um sich zu Silence auf den Boden fallen zu lassen und sie schĂŒtzend in die Arme zu nehmen, um seinen eigenen Körper als Schutzschild zu benutzen. Dennoch, obwohl sie von Lights Körper geschĂŒtzt wurde, spĂŒrte sie die freigesetzte Lichtmagie brennend an jedem freien Zentimeter ihrer Haut. Dies war jedoch bei Weitem nicht das, was ihr die gröĂten Schmerzen bereitete.
Es war Youmas schmerzverzerrender Schrei, der von der Sonne verbrannt wurde. Â
Er ging ihr durch Mark und Bein, als wĂ€re sie es, die unter den Schmerzen litt und nicht er. Doch sie konnte nichts tun! Die Angst, sie war ĂŒberwĂ€ltigend! Die Angst vor dem Licht! Die Angst verbrannt zu werden! Was war das fĂŒr ein Licht! Warum war es so stark, warum schmerzte es so sehr! Die Luft selbst schien zu brennen!  Â
Nicht nur Youma schrie, sondern auch Light: es waren allerdings Worte und kein Schmerzensschrei. Doch, von Schmerz erfĂŒllt war auch sein Schrei â aber genau wie Silence waren es nicht seine eigenen körperlichen Schmerzen, sondern das Band, welches sie beide mit Youma verband.
âHIKARU! HĂR AUF! DU BRINGST IHN UM! DU BRINGST IHN UM!â Â
âDAS IST AUCH MEINE ABSICHT!â Â
Youma wĂ€re in diesem Moment umgekommen. Hikaru hĂ€tte ihn umgebracht, wĂ€re Light nicht da gewesen. Er zögerte nicht, obwohl er sich den Konsequenzen seines Handelns bewusst war. Er streckte die Hand aus â entschlossen und doch im federleichten Kontrast zur Gewalt der Szene â sah Hikaru, seine Schwester, sein Mitlicht an, die ihren Blick von dem schreienden Youma abwandte und Lights erwiderte. Sie sagte nichts. Sie ĂŒbertrug ihm keine Gedanken. Sie schĂŒttelte nur langsam und kaum merklich den Kopf.
Aber Light hatte gewÀhlt.
Und das Licht verschwand. Es verschwand so schnell wie Hikaru es beschworen hatte; verschwand und lieĂ nur Dunkelheit zurĂŒck und die Stille war fĂŒr einen Moment alldominierend.
Die beiden Kinder Hikaris sahen sich an; sahen nur sich an. Light mit festen Augen, Hikaru mit EnttĂ€uschung im Blick, aber ĂŒberrascht war sie nicht. Â
âUnser Licht darf niemanden töten, Hikaru.â Eine Ahnung hob sie mit abschĂ€tzigem Blick den Kopf, ohne etwas zu erwidern. Er wusste, dass er ihr Vertrauen â und womöglich auch das der anderen Götter â fĂŒr alle Zeit verloren hatte.
Aber es war ihm egal. Â
Silence hatte sich bereits von ihm gelöst und war zu Youma gerannt. Er lag am Boden, die Augen halb geschlossen, aber das Rot seiner Augen schimmerte immer noch unter seinen flatternden Augenlidern hervor⊠und Light und Silence schoss dasselbe durch den Kopf â er sah tot aus.  Â
Aber er war es nicht. Er hatte Hikarus Licht dank Lights schnellem Eingreifen ĂŒberlebt und die Erleichterung lieĂ Silence lĂ€cheln. Doch dieses LĂ€cheln hielt nicht lange, ehe sie ihren Kopf ĂŒber der Brust ihres Bruders senkte und sie ihrer Trauer freien Lauf lieĂ⊠wie Light ebenfalls. Â
DIE AETERNIEM CHRONIKEN: Der Fluch von Brocken-Nell
âUnd dann hat Silence JA gesagt!âÂ
Green fiepste vor Freude, als sie endlich bei einem ihrer Lieblingsthemen angelangt war - der Liebe. Endlich konnte sie von der geplanten Hochzeit Silenceâ und Youmas reden und sie lieĂ dabei absolut kein Detail aus; wahrscheinlich hĂ€tte sie ihre ErzĂ€hlung am liebsten noch mehr ausgeschmĂŒckt, aber so ganz vergaĂ sie dann doch nicht, dass Silence ebenfalls im Raum war und sich diese schmachtende Beschreibung genauso anhören musste wie Siberu und Gary. Gary nahm jede Information auf, die er bekommen konnte; Siberu dagegen wĂŒrde am liebsten das Thema wechseln, aber Green ignorierte seinen Blick und erzĂ€hlte mit groĂer Freude davon, wie die unschuldige Geschwisterliebe der beiden Zwillinge zu einer wahren Leidenschaft geworden war, die sich â so ihre Worte â von keinen ZwĂ€ngen des Blutes zurĂŒckhalten lieĂ! Oder von den Blicken anderer, die voller Neid und auch Abscheu waren â Silence grinste bei diesen Worten â da einige der Meinung waren, dass diese beiden Zwillinge ganz gewiss kein Liebespaar sein sollten⊠und erst recht keine Kinder in die Welt setzen dĂŒrften. Nicht, wie Menschen denken könnten, weil sie blutsverwandt waren, sondern weil sie sich schlichtweg zu Ă€hnlich sahen. Auch noch im Alter von 20 könnte man fast annehmen, dass die beiden das Spiegelbild des anderen seien.
âZu ihrem 20. Geburtstag hat Youma Silence endlich einen Antrag gemacht und sie hat angenommen! Hach!â Green legte sich die Hand an die Wange:
âEs war sicherlich ein wundervoller, romantischer Moment! Ob er vor ihr auf die Knie gegangen ist?â Green warf Silence einen Blick zu, um ihr unmissverstĂ€ndlich zu verdeutlichen, dass diese Frage an sie gerichtet war, aber Silence ignorierte die strahlenden Augen ihres Mediums mit einem zerknirschten LĂ€cheln â diesen Gefallen tat sie ihr nicht.
âGreen-chan, alsoâŠâ Siberu versuchte Begeisterung vorzugaukeln, aber Gary sah ihm deutlich an, dass dies nur gespielt war, ebenso wie Green.
â⊠ich weiĂ ja, dass das Heiraten der Traum fast jeden MĂ€dchens istâŠâ Green sah mit funkelnden Augen kurz Gary an, der von diesem Funkeln aber deutlich ĂŒberfordert war.
â⊠aber Inzest. Also⊠Inzest.â War fĂŒr eine Artikulierung, dachte Gary und fĂŒllte sich lieber schnell Tee nach: eigentlich liebte sein Bruder es doch, Grey eine inzestuöse Liebe vorzuwerfen und tat das auch mit groĂer Wortgewalt â aber vor Green versiegte diese scheinbar.
âDas ist doch⊠nichts fĂŒr dich, oder Green-chan?â Die Angesprochene blinzelte verwirrt. Angespannt hielt Siberu die Luft an â und Gary ebenfalls⊠ein wenig.
âAlsoâŠâ Green hob den Kopf und sah zuerst nach links, dann nach rechtsâŠ
â⊠wenn beide sich lieben, dann finde ich Inzest unter Geschwister vollkommen in Ordnung.â Gary sah verstohlen zu seinem Bruder: Das war nicht die Antwort, die er sich erhofft hatte - er war sogar ein wenig bleich geworden.
âUnd Silence und Youma waren so ein schönes Paar: da ist es doppelt in OrdnâŠâ
âGreen.â Die ĂŒbereifrige Kupplerin schwieg, als sie Silenceâ Stimme in ihrem Ohr hörte. Ein einziges, ernstes, ruhiges Wort â aber es genĂŒgte.
âIch finde, du kannst das Thema wechseln.â Green nickte kaum merklich und tat es, dem Wort ihrer Freundin folgend⊠welche wieder aus dem Fenster sah, wo der Mond aufgegangen war und strahlend hell vom Himmel herableuchtete.
Ja, welch schönes Paar sie gewesen warenâŠ
 Ein tiefes Seufzen entglitt Silence und sie erhob die Hand, um sich vor der grellen Sonne zu schĂŒtzen, die ihr mit ihrer gesamten Kraft ins Gesicht strahlte an diesem sommerhaften Mittag im SpĂ€tsommer. Eigentlich war es kein passender Augenblick, um zu trainieren, ja, Training unter solchen UmstĂ€nden gehörte eigentlich verboten, aber⊠sie hatte es sich selbst zuzuschreiben. Sie wollte unbedingt trainieren, wollte unbedingt ihre Kampffertigkeiten verbessern â ganz egal, was das Wetter dazu sagte.
Hinter sich konnte Silence ebenfalls ein verĂ€rgertes Seufzen hören, welches ihrem Seufzen nicht unĂ€hnlich gewesen war und wenn sie einen Blick ĂŒber die Schulter geworfen hĂ€tte, dann hĂ€tte sie gesehen, dass ihr Zwilling genau wie sie die Hand erhoben hatte, um sein Gesicht vor den Strahlen der Sonne zu schĂŒtzen.
âWirklich, Silence? Muss das sein?â Silence drehte sich zu Youma herum, welcher sich gerade im Schatten eines Baumes niederlieĂ und darauf achtete, dass kein noch so kleiner Sonnenstrahl zu ihm gelangte.
âUnd wie das sein muss. Ich lasse mich doch nicht vom Wetter aufhalten.â Youma scheinbar schon, der ein wenig genervt mit den Augen rollte und sich ein Buch aus seiner UmhĂ€ngetasche holte.
âDu weiĂt, dass wir zwanzig Jahre alt sind, Youma?â Silence stemmte die Hand in ihre HĂŒfte und Youma sah mit einem leicht zweifelnden Blick zu ihr, ohne aufzuhören in seinem Buch zu blĂ€ttern.
âJaaaa, das habe ich mitbekommen.â
âUnd wenn man zwanzig istâŠâ Youma fiel ihr ins Wort:
â⊠kann man an den Turnieren teilnehmen, ich weiĂ.â
âWir sind jetzt schon sehr lange zwanzig.â
âNeun Monate, Silence, ich weiĂ.â
âWir hĂ€tten schon an unserem Jahrestag die AufnahmeprĂŒfung machen können, genau wie Tiral und Werel.
âIch weiĂ.â
âUnd du zögerst es hinaus!â
âNein, tue ich nicht.â Ein Wind kam auf und schlug Youma die Seiten aus der Hand, womit er keine Entschuldigung mehr hatte, Silence nicht anzusehen:
âIch will nicht und ich werde mich auch nicht fĂŒr die Teilnahme an diesem barbarischen Spektakel bewerben.â Silence stemmte nun auch die andere Hand in die HĂŒfte und sah Youma mit einem bedrohlichen Funkeln an, doch auch wenn der Blick Youma wie gewöhnlich ein wenig einschĂŒchterte, er Ă€nderte seine Meinung nicht.
âDu kannst dich ja bewerben, Silence, und behaupten, dass du alleine deine Fertigkeiten erlangt hast. Aber egal wie gut du bist, du wirst abgelehnt werden.â Youma schlug sein Buch wieder auf:
âUnd das weiĂt du genauso gut wie ich. Es ist Zeitverschwendung, was du machst.â Youma fand wieder die Seite, wo er aufgehört hatte zu lesen:
âDu hast dich ja nicht ohne Grund noch nicht selbst beworben.â
âWeil ich möchte, dass wir zusammen antreten. Als Zwillingspaar.â Sofort breitete sich ein triumphierendes Grinsen aus, weil sie sich den Sieg ĂŒber all ihre Kontrahenten bereits vorstellte, aber Youma sah wieder in sein Buch. Er mochte dieses Grinsen nicht sehen.
âWir könnten es den beiden so richtigâŠâ
âIch möchte nicht, Silence.â Silenceâ Grinsen verschwand und sie sah enttĂ€uscht, etwas wĂŒtend aus, aber sie sagte nichts.
âBitte akzeptiere das und verzeih deinem BruderâŠâ Youma lĂ€chelte sie entschuldigend an, aber von Silence folgte keine Reaktion. Sie sah immer noch missvergnĂŒgt aus.
â⊠und deinem zukĂŒnftigen Gatten.â Nun war da ein leicht roter Schimmer auf ihren Wangen, genau wie auf Youmas.
âIch nehme dich nicht zum Mann, wenn du nicht mit mir an den Turnieren teilnimmst.â Empört sah Youma sie wieder an, die flache Hand auf die Buchseiten gelegt, damit sie nicht noch einmal flattern konnten.
âWas!?â
âDu hast mich schon verstanden.â
âDu hast aber schon âJaâ gesagt.â
âNoch steht der Termin nicht fest, ich kann meine Meinung immer noch Ă€ndern, Bruderherz.â
âDas wĂŒrdest du doch nichtâŠâ Silence warf ihm ein Grinsen zu â ein leicht böses Grinsen, eines⊠welches auch sehr verfĂŒhrerisch war und Youmas Röte verstĂ€rkte.
âWer weiĂ?â Sie drehte sich herum und warf noch einen letzten Blick ĂŒber die goldenen Felder ihres geheimen Ortes, um sicherzugehen, dass sich niemand nĂ€herte, schloss die Augen, um ihr GespĂŒr auf Auren auszurichten⊠doch sie vernahm nichts. Sie spĂŒrte nur Youmas bekannte Aura, die ihrer so Ă€hnlich war, sie spĂŒrte auch seinen Blick, wusste, dass er errötet war⊠und dass er sicherlich nicht anfangen wĂŒrde zu lesen.
Silence hatte Recht: als sie anfing sich zu bewegen und die ersten Kampfbewegungen durchfĂŒhrte, war jeder Gedanke an sein Buch vergessen. Es lag zwar immer noch auf seinem SchoĂ, dort unter der Trauerweide, deren dĂŒnne Ăste sich im Takt ihrer Bewegungen wiegten. Ruppig; kraftvoll. Doch stets geschmeidig und mit Eleganz und als wĂ€re es ein Tanz, zu welchem sie ihn aufforderte, legte Youma das Buch in das hohe Gras und fing einen der SchlĂ€ge Silenceâ ab, die ihn wissend anlĂ€chelte, als Youma ihre Faust in seiner hielt. Sie hatte ihn verfĂŒhren wollen â und es war ihr gelungen, genau wie sie es sich gedacht hatte.
Ehrerbietend kĂŒsste Youma die zusammengeballte Faust seiner Schwester, die keck auflachte und ihm gegen die Stirn schnipste â und seinem Griff dann schon mit einem Salto rĂŒckwĂ€rts geschwind entfloh. Doch sie kam schnell wieder zum Stillstand, denn Youma tauchte mitten in der Luft hinter ihr auf und schlang seine Arme um ihre schmale Taille.
âDu machst immer einen Salto rĂŒckwĂ€rts.â Wenn das eine Kritik sein sollte, dann sprach Youma sie sehr sanft aus. Der Atem, den Silence an ihrem Hals spĂŒren konnte, schien ihr beinahe sĂŒĂ zu sein.
âEigentlich wollte ich ja trainieren, YoumaâŠâ Ihren eigenen Worten zum trotz schmiegte sie ihren Körper an seinen.
âAber wozu nur?â Youma wollte nicht darĂŒber sprechen; er wollte viel lieber Silenceâ Geruch genieĂen: heute roch sie so angenehm nach Lavendel und ihr Haar war so weich und glatt, als wĂ€re es aus Seide, Lavendelseide.
âIch will kĂ€mpfen und bestehen.â
âNur um gegen Tiral und Werel zu gewinnen? Silence, wir sind dochâŠâ
âIch will gegen Hikaru kĂ€mpfen.â Youma, der eben noch Silenceâ Nacken hatte liebkosen wollen, hielt inne, ehe seine Lippen die zarte Haut seiner Schwester hatten berĂŒhren können und er schien sie auch gerade loslassen zu wollen, als Silence jedoch seine HĂ€nde zurĂŒckzog und sich in dieser Umarmung fallenlieĂ.
âWas redest du da?â Silence zuckte mit den Schultern.
âWieso? Das wĂ€re sicherlich spannend.â
âHikaru und Light nehmen beide nie teil. Du wirst nie gegen Hikaru kĂ€mpfen können, selbst wenn du die AufnahmeprĂŒfung bestehen solltest.â Silence sah zu Youma und die schwarzen Augen der beiden trafen sich:
âIch bin mir aber ziemlich sicher, dass Hikaru kĂ€mpfen kann. Ich glaube, das können sie alle und deswegen wĂ€re es gut, wenn wir es auch können.â Streng sah sie ihn an wie einen SchĂŒler, mit dem sie nicht zufrieden war, wĂ€hrend Youma sie am Rand des Sees ins Gras hinablieĂ, so, dass sie wieder festen Boden unter den FĂŒĂen hatten.
âWir können es doch bereits.â
âWir mĂŒssen besser sein, Youma. Wir mĂŒssen auf alles vorbereitet sein.â
âSilenciâŠâ Dieses Mal beschwerte Silence sich nicht, als Youma sie bei diesem Spitznamen nannte und sie sah auch weg, als Youma seine Hand an ihre Wange legte.
â⊠welche Bedrohung ist es, die du mit deinen hĂŒbschen Augen siehst?â Diese Worte brachten doch ein kleines LĂ€cheln hervor, obwohl sie ernst blieb.
âLight ist im Moment so nervös, das ĂŒbertrĂ€gt sich.â Sie lachte ein wenig, aber dann verschwand das LĂ€cheln und die beiden Zwillinge sahen gleichzeitig in die Richtung von Lerenien-Sei, dessen spitze TĂŒrme sie von ihrem geliebten Ort aus sehen konnten wie Schatten am Horizont.
âDie Unruhen am westlichen Zirkel werden sich schon klĂ€ren. Light und die anderen Götter arbeiten so hart daran, eine Einigung mit den Teufeln zu erlangen.â
âIch glaube nicht, dass sie das wollen, Youma.â Youma sah wieder Silence an, doch diese sah wieder in die Richtung von Lerenien-Sei.
âNur Light ist nervös⊠die anderen nicht. Sie wirken sehr abgeklĂ€rt, als wĂŒrden die Unruhen sie gar nicht berĂŒhren oder alsâŠâ Silence unterbrach ihre Worte, als Youma seine HĂ€nde an ihre Oberarme legte und diese langsam heruntergleiten lieĂ, bis er ihre HĂ€nde fest mit seinen filigranen Fingern umschloss.
âJa, Light ist im Moment ein wenig angespannt, ist es aber nicht nur, weil er sich so oft mit dem Herrscher der DĂ€monen treffen muss, fĂŒr welchen er so eine groĂe Abneigung hegt? Jeder möchte Frieden und keine UnruhenâŠâ Youma lĂ€chelte Silence aufmunternd an, die sich ein wenig von ihm anstecken lieĂ.
âDoch egal welche Bedrohung auch kommen mag, Silence â ich werde dich beschĂŒtzen.â Sanft strich er Silence ĂŒber die HandrĂŒcken.
âDich und Light.â Gerade wollte Silence ihm sagen, dass sie sich schon sehr gut selbst beschĂŒtzen konnte, als Youma sie schon sanft ins Gras hinabdrĂŒckte. Einige seiner schwarzen HaarstrĂ€hnen, nicht weniger seidig als die ihren, fielen sachte auf Silenceâ Oberkörper hinab, der sich im regelmĂ€Ăigen Takt hob und senkte⊠aber sie spĂŒrte schon, wie ihr Herz anfing sich zu beschleunigen, genau wie Youmas, als die beiden Zwillinge sich tief in die Augen sahen, die im Schein der Sonne golden schimmerten.
â⊠auĂerdemâŠâ Silence hatte Youma unbemerkt ihren Arm gehoben, weil sie ihn zu sich herunterziehen wollte, nun verharrte sie aber und fluchte innerlich ĂŒber ihn. Idiot! Warum musste er jetzt anfangen zu reden? Jetzt waren Worte doch wirklich ĂŒberflĂŒssigâŠ
ââŠauĂerdemâŠwas?â
ââŠmag ich es viel lieber, wenn du so wie jetzt unter mir liegst, anstatt dass du trainierst!â Silence grinste ihren Zwilling verfĂŒhrerisch an und ehe er sich versah, Ă€nderte sie ihren Plan, packte ihn an der Schulter, warf ihn um und stĂŒtzte sich nun, so wie er zuvor, im Gras ab und sah grinsend auf ihn herunter, wĂ€hrend sie sich ihre Haare hinter ihre Ohren strich, wo die Prismaohrringe leuchteten.
âSo? Mir gefĂ€llt es aber besser, wenn du unter mir liegst!â Youma seufzte mit geschlossenen Augen und einem leichten LĂ€cheln, ehe er dasselbe tat, was sie eine halbe Minute vorher noch hatte tun wollen â er legte seine Arme um ihren Nacken und zog sie zu sich herunter.
âIch weiĂ schon, warum ich dich liebe⊠Silence.â Selbst wenn sie es gewollt hĂ€tte, hĂ€tte Silence nichts mehr sagen können, denn seine Lippen nahmen ihr die Worte und den Atem. Sie fuhren mit den HĂ€nden zuerst ĂŒber das Gesicht des anderen, badeten sie dann in den Haaren ihres Zwillings, atmeten kurz auf, grinsten sich an und setzten den Kuss fort, der sie alles vergessen lieĂ, worĂŒber sie eben noch gesprochen hatten.
âLass uns⊠ins Wasser gehen.â  Silence lĂ€chelte und zog Youma empor, der eigentlich gerade Silenceâ Nacken kĂŒssen wollte.
âKomm!â In geĂŒbter Manier â obwohl Youma etwas ĂŒberrumpelt war â wurden ihre violetten Roben schnell von ihnen geworfen und unbekleidet umarmten sie sich im Wasser, das nur im ersten Moment kĂŒhl war, aber sie fĂŒhlten die KĂ€lte nicht â dafĂŒr wurde ihnen zu warm, als ihre Lippen abermals zueinander fanden. Doch dann unterbrach Youma den Kuss.
Silence, die von Youma emporgehalten wurde, als wollte er nicht, dass sie zu nass wurde, sah verwirrt auf ihn herunter.
âWas ist, Youma?â Ihr Zwilling lĂ€chelte sie an⊠vertraut und⊠verliebt.
âNichts⊠ich dachte nur gerade, wie sehr ich dich liebe.â
  Ehe Silence ihre Robe wieder anziehen konnte, bedeckte Youma noch ihre Schulter mit KĂŒssen â als hĂ€tte er sie im Wasser nicht schon mit genug KĂŒssen verwöhnt. Ein leichtes Kichern entfloh ihr, ehe sie ihren Bruder wegschob und sich die Haare auswrangt, genau wie er es tat, wobei sie sich unablĂ€ssig in die Augen sahen.
Aber kaum trugen sie ihre Kleidung wieder und der letzte goldene Knopf war geschlossen, waren ihre Gedanken wieder in Aeterniya.
âLass uns schnell zurĂŒckkehren.â Silence nahm die Hand Youmas:
âDie Götter hatten immerhin heute wieder eine Sitzung und die mĂŒsste bald vorbei sein.â Und das bedeutete, dass sie da sein wollten, um Light aufzuheitern und seine Gedanken zu zerstreuen. Youma half Light zwar dabei, seine Dokumente in Ordnung zu behalten, aber Light wollte am liebsten nicht zu viele Details preisgeben â Politik lag ihm nicht. Er wollte nicht lĂ€nger darĂŒber sprechen als es Not tat und lieber abgelenkt werden.
âMoment!â Sie hatten schon die HĂ€lfte des Weges hinter sich gelassen, als Youma stehen blieb und Silenceâ Hand gehen lieĂ, sich herumdrehend, weg von den Toren Aeterniyas, die sich schon fern abzeichneten.
âIch habeâŠâ Er öffnete seine UmhĂ€ngetasche, die ihm plötzlich so leicht vorgekommen war.
â⊠scheinbar mein Buch vergessen.â
âScheinbar?â, wiederholte Silence und sah genau wie Youma in die leere Tasche, ehe sie ihren ZukĂŒnftigen mit zusammengekniffenen Augen und einem angedeuteten LĂ€cheln ansah:
âOffensichtlich wĂŒrde ich eher sagen!â
âIch meinte eigentlich, dass ich es in meine Tasche hineingelegt habe.â Silences angedeutetes LĂ€cheln wurde zu einem Grinsen und sofort wurde Youma rot, als wisse er schon, was sie sagen wollte:
âVielleicht warst du etwas zu sehr abgelenktâŠ?â Ihre Röte steigerte seine Röte.
âVielleicht!â BeschĂ€mt drehte er sich von der ihn necken wollenden Silence ab mit den Worten, dass er es schnell holen wĂŒrde.
âBeeil dich, du Dummchen! Ich gehe schonmal vor. Wirklich!â Sie zeigte anklagend auf ihn:
âGuck dir nicht Lights Gedankenlosigkeit ab!â
âIch werde mir MĂŒhe geben.â Neckend streckte er die Zunge aus und flog dann auch schon eilends zurĂŒck, um das Buch von den Wurzeln des Baumes aufzuklauben, wo es einfach geruht und⊠alles mitangesehen hatte. Youma grinste ein wenig und wurde rot â zum GlĂŒck konnten BĂŒcher nicht sprechen⊠aber er wĂŒrde es wirklich gerne fragen, ob er wirklich so gedankenlos gewesen war und es vergessen hatte. Nun, offensichtlich hatte er das.
Youmas Grinsen löste sich schlagartig auf, als er eine Aura hinter sich spĂŒrte â eine Aura, die er nicht platzieren konnte. Schon einmal hatte er sie gespĂŒrt, aber⊠das war lange her und hier⊠nein, hier sollte er sie gewiss nicht spĂŒren.
âGuten Tag, Youma-kun.â Das Buch an seine Brust gedrĂŒckt, drehte Youma sich herum und sah, genau wie es sein feines AuragespĂŒr vorausgesagt hatte, in das Gesicht des namenlosen DĂ€monenherrschers.
Er hatte sich Youma nĂ€hern können, ohne dass dieser es bemerkt hatte â der DĂ€monenherrscher stand nur gute zwei Meter von ihm entfernt, genau wie Youma im Schatten der Trauerweide, durch die ein starkes Rauschen ging, als die beiden sich erblickten und Youma genau wie damals als Kind ein leichtes Zittern spĂŒrte, als er die Augen des DĂ€monenherrschers sah. Als Kind hatte er sie als unheimlich empfunden⊠jetzt jagten sie ihm keinen Schrecken ein, aber er war auf der Hut.
âGuten Abend.â Youma musste schlucken, denn er mochte es nicht wie steif seine eigene Stimme klang â er mochte es auch nicht, wie der DĂ€monenherrscher ihn ansah⊠oder dass er offensichtlich wegen ihm hier war. Die Möglichkeit, dass er einfach zufĂ€llig vorbeigekommen war und Youma nur aus reiner Höflichkeit grĂŒĂen wollte, war gĂ€nzlich ausgeschlossen. Er war hier⊠wegen ihm.
âWas wĂŒnschen Sie von mir?â Youma klang skeptisch, denn das war er auch. Light mochte ihn nicht. Deswegen mochte Youma ihn ebenfalls nicht⊠aber der Namenlose tat nichts. Er sah Youma an ohne zu lĂ€cheln, mit schmalen Lippen, nur ein dĂŒnner Strich. Seine Augen waren matt, halb geschlossen, beinahe trĂ€umerisch, als wĂ€re er⊠gar nicht hier mit Youma an diesem Ort.
âLight-kun hatte recht⊠Du bist sehr schön geworden.â Er lĂ€chelte nun leicht.
â⊠du bist wirklich zu einem sehr schönen, jungen Mann herangewachsen.â Â
âIch danke Ihnen fĂŒr das KomplimentâŠâ Youma versuchte zu lĂ€cheln, aber es war nicht sonderlich ĂŒberzeugend. WorĂŒber sprach Light denn mit diesem MannâŠ?! Warum hatten sie ĂŒber ihn gesprochen und warum ĂŒber sein ĂuĂeres?! Â
â⊠aber ich denke, ich muss jetzt gehen. Ich werde erwartet.â Youma schob die herunterhĂ€ngenden Ăste der Trauerweide zur Seite, als wĂ€ren sie ein Vorhang und trat hinaus in die grelle Sonne⊠und wollte gerade losfliegen, als eine kalte Hand sein Handgelenk packte.
âIch kannte deinen Vater, Youma-kun. Ich kannte ihn sehr gut.â Youma drehte sich herum. Auf seinem Gesicht war keine Höflichkeit und keinerlei gezwungenes LĂ€cheln mehr zu sehen, sondern nur KĂ€lte. KĂ€lte und tiefste Abscheu.
âIch weiĂ.â Das ĂŒberraschte den namenlosen DĂ€monenherrscher offensichtlich und diesen Moment der Ăberraschung nutzte Youma und riss sich aus seinem Griff los. Keine Sekunde vergeudete er und stieg sofort in die LĂŒfte auf, aber er wurde abermals aufgehalten:
âIch weiĂ auch, warum er tot ist.â Youma drehte sich in der Luft herum und war eigentlich doch ein wenig ĂŒberrascht, dass er ihm nicht folgte â er stand immer noch unten im goldenen Gras, wo er nicht hingehörte. Das war Silenceâ und Youmas Ort.
âSchön. Das interessiert mich nichtâ, erwiderte Youma bissig und wollte bereits weiterfliegen.
âInteressiert es dich auch nicht, warum deine Mutter sterben musste?â Youma blieb stehen. Sein Herz setzte einen Schlag aus.
âAhâŠâ Der namenlose DĂ€monenherrscher lĂ€chelte schelmisch.
â⊠ich wusste es.â
  In einer abgelegenen Rotunde saĂ Light im Sonnenschein auf dem Boden, mit dem Kopf auf einer steinernen, weiĂen Bank liegend, regungslos â nur seine Haare bewegten sich mit einer sachten Brise, die den weit entfernten Gesang der Vögel zu ihm brachte. Ein blĂ€ulicher Vogel nahm neben ihm Platz, doch Light öffnete nur kurz mĂŒde die Augen, ehe er sie wieder schloss, weiterhin im Sonnenlicht badend, wĂ€hrend der Vogel neben ihm seine Federn putzte. Â
Silence hatte recht: Light war angespannt⊠und mĂŒde. NatĂŒrlich belastete ihn auch die politische Situation, aber er war aus einem anderen Grund nervös: es war das Alter seiner beiden SchĂŒtzlinge, welches ihn so beschĂ€ftigte und ihm manchmal schlaflose NĂ€chte bescherte â denn ja, sie waren zwanzig⊠und bald einundzwanzig⊠Was wĂŒrde an diesem Tag geschehen? Er hatte die Worte des namenlosen DĂ€monenherrschers nicht vergessen. Er vergaĂ auch gewiss nicht sein LĂ€chelnâŠ
Aber Youma⊠er war kein DĂ€mon. Er war nicht das, was der DĂ€monenherrscher in ihm sah oder sehen wollte. Seit dem damaligen Geschehnis mit Tiral und Werel hatte sich nichts dergleichen mehr ereignet: genau wie er es versprochen hatte, hatte er seine Fertigkeiten und seine Magie nicht wieder dazu angewendet, um jemanden zu verletzen. Sie hatten viel trainiert, damit Youma sich selbst einschĂ€tzen konnte und dann⊠hatte Youma aufgehört zu trainieren. Es war genug. Er war zufrieden. Er wollte ja gar nicht kĂ€mpfen⊠im Gegensatz zu Silence, von deren Intention an den Turnieren teilzunehmen Light natĂŒrlich wusste. Aber Youma? Youma wollte das nicht.
Aber dennoch ging das widerliche LĂ€cheln des namenlosen DĂ€monenherrschers Light nicht aus dem Kopf.
âLight!â Sofort als Light die Auren seiner nun recht groĂen Kinder â sie waren gut einen Kopf gröĂer als er â vernahm, richtete er sich sofort auf und das LĂ€cheln fiel ihm leichter. Doch als er sich herumdrehte und er Youma sah, kehrte die Anspannung zurĂŒck. Er war⊠bleich. Er war so bleich, dass man meinen konnte, dass er krank war. Als Silence Lights besorgten Blick bemerkte, sah auch sie zu Youma, doch er ignorierte ihre Blicke.
âIch habe ihn schon gefragt, was los ist.â Youma reagierte immer noch nicht.
âUnd du möchtest unserer Sorge nicht antworten?â Doch die weiche, einfĂŒhlsame Stimme Lights erreichte ihn wie immer. Er sah ein wenig beschĂ€mt aus.
âEs ist nichts.â
âYouma, mein Junge, ich sehe dir doch anâŠâ Youma schĂŒttelte den Kopf.
âIch möchte jetzt nicht darĂŒber reden, denn ich sehe, dass dich auch etwas belastet und dies ist wichtiger, akuter.â Silence sah nun auch Light an.
âJa, Light, Youma hat recht. Ist etwas passiert?â Light schwieg und die beiden Zwillinge fragten sich dasselbe: dachte er darĂŒber nach, ob er es ihnen erzĂ€hlen sollte? Er schien aber zum Schluss zu kommen, dass er es tun wollte, denn die beiden Zwillinge konnten ihm förmlich ansehen, dass er sich konzentrierte, um zu vernehmen, ob sich Auren in ihrer NĂ€he befanden â aber in der runden, von SĂ€ulen umrahmten Rotunde waren nur sie, ein paar Vögelchen und just in diesem Moment landete ein blauer Schmetterling neben Light auf einer weiĂen BlĂŒte in einem prĂ€chtigen, dunkelgrĂŒnen Busch. Â
âEs gab einen Todesfall.â Light setzte sich auf die Bank; Silence setzte sich sofort dazu, Youma blieb stehen, die Arme ĂŒber der Brust verschrĂ€nkt.
âEs war⊠ja⊠es war Mord. In Brocken-Nell ist soeben ein WĂ€chter von einem DĂ€mon umgebracht worden.â Silence und Youma sahen zuerst sich gegenseitig alarmiert an, dann Light. In Brocken-Nell wurden immer die Turniere ausgefĂŒhrt; eben jene Turniere, ĂŒber die sie beide vor gut zwei Stunden noch so intensiv diskutiert hatten â und jetzt war dort jemand⊠ermordet worden? Â
âAber doch nicht im Zuge eines Turniers, oder?â, fragte Silence und fĂŒgte hinzu:
âHeute war doch gar keines.â Light hob die Augenbraue â es gefiel ihm genauso wenig wie Youma, dass Silence sich so fĂŒr die Turniere interessierte, aber er lieĂ es unkommentiert.
âNein. Es gab keinen Kampf, sondern nur⊠einen Mord.â
âWas war der Hintergrund? Das Motiv? Wer war es â Opfer sowie Mörder? Wie könnt ihr euch so sicher sein, dass es ein DĂ€mon war?â Light sah Youma, der diese Fragen gestellt hatte, ernst, fast schon ein wenig entschuldigend an. Aber wofĂŒr entschuldigte er sich? Â
âEr wurde gesehen, Youma. Es war der Stadtverwalter, dritter Sohn von Soneillon. Sein Name ist mir gerade entfallen⊠ich habe nie mit ihm gesprochen.â Ein Zucken ging durch Light und er vergrub seine Hand in seinem Pony.
âSchon wieder Brocken-Nell⊠diese Stadt, sie ist verflucht⊠sie ist ein FluchâŠâ Wieder sahen Silence und Youma sich verwirrt an, wĂ€hrend Silence ihre Hand auf Lights Schulter legte. Sie hatten Brocken-Nell immer nur in Verbindung mit den Turnieren gehört, aber ansonsten war es doch⊠gar keine bedeutende Stadt? Es war eine von vielen kleinen GrenzstĂ€dten, in denen ein sehr gemischtes Volk lebte, mehr DĂ€monen als WĂ€chter, aber ansonstenâŠ? Youma wĂŒhlte verbissen in seinem GedĂ€chtnis â es gab nichts in dieser Stadt! Nur einen Markt, der sehr bekannt war, aber das war es!
âEr wurde bereits festgesetzt auf eine Art, die man nicht zimperlich nennen kann.â Light löste seine Hand wieder von seinem Pony und bedankte sich bei Silence â aber er erklĂ€rte nicht, weshalb er Brocken-Nell einen Fluch nannte.
âEs war eine vorschnelle und rĂŒcksichtslose Art der Handhabung.â Light legte seine HĂ€nde in den SchoĂ, aber dort lagen sie nicht entspannt, sondern verkrampften sich sofort. Er hasste Unruhen⊠Unfrieden⊠besonders zwischen den DĂ€monen und den WĂ€chtern. Silence und Youma wussten, wie empfindlich er diesbezĂŒglich war â als hĂ€tte man ihn selbst verletzt â und Silence wollte ihn auch sofort aufheitern, denn natĂŒrlich galt ihre Sorge mehr Light als dem unbekannten WĂ€chter⊠aber Light fuhr fort, ehe sie etwas sagen konnte.
âDiese Aktion hat die DĂ€monen in Lerenien-Sei erzĂŒrnt. Die Teufel fordern, dass unsere halbjĂ€hrige Ratsversammlung vorverlegt wird.â Youma rĂŒhrte sich unruhig und sein Gesicht wurde ernster als zuvor, doch er lieĂ Light aussprechen, ehe er sich Ă€uĂerte:
âSie fordern, dass wir uns heute in Elemeriya zusammenfinden, eben der Stadt, wo ihr MitdĂ€mon festgehalten wird.â
âIst das nicht nur eine Ausrede, um schneller die Probleme in Amaran-Tene zu klĂ€ren?â Light sah zu Youma, der ihn ernst ansah.
âSo schlecht möchte ich nicht von ihnen denken, Youma.â Silence sah zu Youma: warum interessierte ihn das?
âSie brauchen Wasser und das jetzt und nicht erst in zwei Monaten, wo das Treffen eigentlich stattfinden wollte. Die Teufel haben schon mehrere Male um eine Vorverlegung gebeten, aber ihr habt dem DrĂ€ngen nicht nachgegeben.â
âJetzt haben wir es.â
âDa wird man sich ja in Lerenien-Sei freuen.â
âIch glaube nicht, dass der Mord geplant war, nur um ein Treffen zu forcieren.â
âDann bist du naiv.â Silence glaubte ihren Ohren nicht zu trauen und sofort wies sie ihren Zwilling in die Schranken, von denen sie fand, dass er sie ĂŒberschritten hatte: Â
âYouma!â Ihre harte Stimme lieĂ Youmas plötzlichen Zorn sofort abflauen und er sah reumĂŒtig zur Seite.
â⊠aber es ist doch recht auffĂ€llig. Und⊠eigentlich nicht verwerflich. Die Sterberate rund um Amaran-Tene ist in den letzten Jahren gestiegen.â Youma sah aus der Ăffnung zwischen den SĂ€ulen, den Arm ĂŒber die Brust gelegt:
âEs ist kein Geheimnis, dass Mizu und Kikou den DĂ€monen nicht gerne beistehen.â So gerne Light das auch leugnen wollte⊠er konnte es nicht. Das wĂ€re nĂ€mlich eine LĂŒge. Es war leider ein Faktum⊠unumstöĂlich und schrecklich.
âMit anderen WortenâŠâ, konkludierte Silence, die nun Light ansah:
â⊠Kikou und Mizu wollen die DĂ€monen verdursten lassen?!â Youma sagte nichts, als Silence seinen Gedanken aussprach und auch Light wusste nicht, was er dazu sagen sollte.
âUnd ihr guckt zu?! OderâŠâ
âNein, nein das tun wir natĂŒrlich nicht. Wir versuchen eine EinigungâŠâ
âLight!â Alle drei schwiegen sofort, als Light vom Windgott gerufen wurde und dieser sich nĂ€herte.
âWir mĂŒssen aufbrechen, beeile dich bitte!â Youma und Silence mieden den Blick des herbeieilenden Windgottes, doch sie bemerkten beide, dass auch er recht aufgebracht schien, was Silence ein wenig ĂŒberraschte. War es vielleicht ein WindwĂ€chter, der gestorben war? Eigentlich war Kaze fĂŒr sein ruhiges GemĂŒt bekannt und bis jetzt waren die Götter alle so schrecklich ruhig gewesen.
âJa, ich komme gleich!â, antwortete Light gereizt und dieser Tonfall ĂŒberraschte sowohl seine Kinder als auch seinen Mitgott, der von dieser ruppigen Antwort ein wenig vor die Stirn geschlagen ward, der sich aber lieber mit dieser zufrieden gab.
âPasst bitte auf euch auf, SilenceâŠâ Light richtete sich auf und sah Youma mit einem schwachen LĂ€cheln an:
â⊠Youma.â Youma sah ihm ernst, aber auch etwas beschĂ€mt in die Augen.
âIch, Light, es...â Â
âNein, Youma, du brauchst dich nicht entschuldigen. Ich finde es gut, dass du so eine starke Meinung hast, die du dich nicht scheust zu Ă€uĂern. Das erfĂŒllt mich mit StolzâŠâ Nun lĂ€chelte Light weniger gezwungen:
âUnd wir benötigen mehr Stimmen, die die DĂ€monen unterstĂŒtzen.â
âIch unterstĂŒtze die DĂ€monen nicht per se⊠Ich möchte mich nur mit Stolz einen WĂ€chter nennen können.â Diese Worte erfreuten Light, sie erleichterten ihn auch immens und machten die BĂŒrde, die er zu tragen hatte, ein wenig leichter.
âDas freut mich, mein Sohn.â Er schloss ihn liebevoll in die Arme und strich ihm, sowie Silence, die er danach umarmte, sanft ĂŒber die Haare. Â
âIch hoffe, dass der Gipfel keine drei Tage dauern wird und dass ich schnell zu euch zurĂŒckkehren kann, meine Kinder.â
  Von einem Turmfenster aus beobachteten die beiden Zwillinge, wie Light mit Hikaru an der Hand zu seinen Mitgöttern trat und kurz den Kopf senkte, wohl um sich fĂŒr die VerspĂ€tung zu entschuldigen. Dann wandten sie die so selten gesehene Teleportation an, um nach Elemeriya zu gelangen. Youma sah immer noch auf den Punkt, wo die Götter eben verschwunden waren und Silence⊠Silence sah zu ihrem Bruder.
âGlaubst du wirklich, dass die WĂ€chter die DĂ€monen ausrotten wollen?â Youma sah immer noch aus dem Fenster.
âDas habe ich nicht per se gesagt.â Nun löste sich aber seine Hand vom Fensterrahmen und er sah zu Silence:
âEs ist aber Fakt, dass es in den Gebieten der DĂ€monen, besonders im Westen, viel weniger regnet als in den Gebieten der WĂ€chter. Light weiĂ das auch⊠er hat so viele Dokumente ĂŒber die Klimaentwicklung in den Gebieten der DĂ€monen⊠und Kikou und Mizu mögen beide keine DĂ€monen.â Youma hatte Recht: keiner der beiden Götter hatte jemals mit ihnen gesprochen. Ihre Nachfahren hatten sie zwar nicht gemobbt, so wie die ErdwĂ€chter und die anderen, aber sie hatten sie gemieden. Silence konnte sich nicht erinnern, dass sie ĂŒberhaupt jemals viel mit einem Wasser- oder KlimawĂ€chter gesprochen hatte.
âWenn man kein Element hat, so wie die DĂ€monen nun einmal keines habenâŠâ Youma schloss die Augen und Silence fand plötzlich, dass ihr Zwilling nicht lĂ€nger nach sich selbst aussah.
â⊠dann ist man der WillkĂŒr der Elementgötter ausgesetzt.â Die Sonne verschwand und der Himmel wurde dunkelrot.
âAuch das ist ein Faktum.â
  Die armen ElementlosenâŠ
                     ⊠findest du das nicht ungerechtâŠ
                                                           ⊠Youma?  Â