Die Zeit vergeht. Tag für Tag lebe ich weiter. Tag für Tag heile ich ein kleines Stück mehr. Doch mit jedem Schritt, den ich mich von dir entferne, wird mir etwas klarer, das ich viel zu lange verdrängt habe: Ich hätte wütend sein dürfen.
Nein. Ich hätte nicht nur wütend sein dürfen. Ich hätte brennen dürfen vor Wut.
Ich hätte schreien dürfen, bis meine Stimme versagt. Ich hätte weinen dürfen, bis keine Trane mehr übrig war. Ich hatte die Welt dafür hassen dürfen, dass sie sich weitergedreht hat, während meine in tausend Stücke zerbrochen ist.
Stattdessen habe ich versucht, stark zu sein. Habe mir eingeredet, dass es nicht so schlimm war. Dass andere Schlimmeres erlebt haben. Dass ich übertreibe. Dass ich einfach loslassen muss.
Aber die Wahrheit ist, dass das, was du mit mir gemacht hast, mich zerstört hat.
Du hast etwas in mir genommen, das ich nie zurückbekommen werde. Du hast mich an mir selbst zweifeln lassen. Hast Wunden hinterlassen, die niemand sehen konnte, die aber jede verdammte Minute geblutet haben. Und ich stand da, voller Schmerz, und habe mich auch noch dafür geschämt.
Heute macht mich das wütend.
Wütend, weil ich dachte, ich müsste Verständnis für jemanden haben, der mir keines entgegengebracht hat. Wütend, weil ich mein eigenes Leid klein gemacht habe, damit die Wahrheit nicht so weh tut.
Und manchmal sitze ich da und spüre all die Wut, die ich damals nicht zugelassen habe. Sie brennt in meiner Brust wie ein Feuer, genährt von all den Tränen, die ich heimlich geweint habe.
Und zum ersten Mal lasse ich sie brennen.
Weil du mir wehgetan hast.
Und weil ich endlich aufhöre, so zu tun, als wäre das nicht die