Ich werde diese Zeit nie vergessen. Diese Zeit, in der mir stĂ€ndig solche Dinge an den Kopf geworfen sind. Ich werde nie vergessen, wie ich mich damals gefĂŒhlt habe. Es war die Hölle und ich hatte das GefĂŒhl, ich bin in ihr gefangen. Zu dieser Zeit wollte ich nicht mehr leben. Jeder Tag war ein Kampf. Jeden Tag habe ich geweint und mir gewĂŒnscht, dass alles endet. Ich war kein einfacher Mensch. Ich war kein glĂŒcklicher Mensch zu diesem Zeitpunkt. Ich war gefangen in mir drinnen, ich war depressiv und habe gehungert, bis kaum noch etwas von mir ĂŒbrig blieb. Bis von diesem âMonsterâ immer weniger ĂŒbrig geblieben ist. Aber der Hass und die Verzweiflung & die Traurigkeit wurden nicht weniger, sondern mehr. Ich habe die Menschen in meinem Leben verletzt. Sie haben sich Sorgen gemacht. Sie konnten mir nicht helfen, auch wenn sie es versucht haben. Und wie sie es versucht haben. Sie konnten nur Tag fĂŒr Tag zusehen, wie ich mich mehr zerstöre, wie ich immer weniger wurde. Aber ich konnte nicht aufhören. Ich konnte nicht aufhören, mich selbst zu zerstören. Bis irgendwann der Punkt kam, wo ich am Ende war. Ich wurde von der Schule befreit, weil ich nicht mehr aufnahmefĂ€hig war und weil die Hoffnung meiner Familie bestand, dass ich die Zeit nutze, um wieder âgesundâ zu werden. Um einfach ânormalâ zu essen. Um einfach ânormalâ zu werden, wie die anderen Menschen. Doch es wurde schlimmer. Ich hatte noch viel mehr Zeit, mich mit meinen DĂ€monen zu beschĂ€ftigen. Ich hatte viel mehr Zeit mit mir selbst, dem Menschen, den ich am meisten gehasst und verachtet habe. Ich durfte nicht mehr raus, weil sie zu viel Angst hatten, dass ich kollabiere & zusammenbreche. Ich habe meine Therapeutin, meinen Arzt und meine Eltern angelogen. Dass ich esse, dass es mir gut geht und dass ich keine Hilfe brauche. Bis ich irgendwann im Krankenhaus die Entscheidung getroffen habe, dass es so nicht mehr weiter geht. Jeder Tag war ein Kampf. Nicht zu essen, es zu verschweigen und verstecken zu wollen, keine Kraft mehr zu haben, meinen Kopf gegen die Heizung zu schlagen, voller Verzweiflung und Hass. Ein halbes Jahr war ich in einer Klinik. Das Schlimmste fĂŒr mich war, dass ich immer noch nicht eingesehen habe, dass ich essen muss, um zu leben. Dass ich zunehmen muss, um gesund zu werden. Der Gang auf die Waage und die Gewissheit, dass es jedes Mal mehr sein wird. Ich wollte gesund werden, aber ich wollte nicht zunehmen. Und das hat mich lange Zeit begleitet.
Viele Jahre sind seitdem vergangen und ich bin stĂ€rker geworden. Dennoch ist jeder Tag ein weiterer Kampf gegen meine DĂ€monen und fĂŒr das Leben. Ich muss mir jeden Tag sagen, dass ich stĂ€rker bin als die Depression, stĂ€rker als die Essstörung. Ohne Medikamente schaffe ich es nicht. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage, aber die schlechten Tage bestimmen nicht mehr mein ganzes Leben.