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Vor dem Hintergrund der zunehmenden KomplexitĂ€t des Syrienkonflikts vertraut eine wachsende Zahl "kritischer BĂŒrger" im Internet kursierenden Verschwörungstheorien mehr als UN-Untersuchungen, die wissenschaftliche Standards erfĂŒllen mĂŒssen. Ein Essay von Kristin Helberg
Essay Qantara 13.11.2018
https://de.qantara.de/inhalt/medienberichterstattung-im-syrienkonflikt-rettet-die-wahrheit-auch-im-krieg?nopaging=1&qt-nodes_popularity=0
Wie oft haben Sie schon gehört, dass das erste Opfer des Krieges die Wahrheit ist? Und dass man â etwa im Syrien-Konflikt â keiner Seite trauen könne, weil alle nur Propaganda verbreiteten und einen âKrieg der Bilderâ fĂŒhrten? Wahrscheinlich sehr oft. Bis manch Zeitungsleser und Fernsehzuschauer beschloss, nichts mehr zu glauben.
Und manch Journalist resigniert dazu ĂŒberging, alles abzubilden, was zu einem Ereignis gesagt wird. Giftgasangriff in Syrien? âAssad war esâ, sagen die einen, âdie Rebellen waren esâ, behaupten die anderen.
Am Ende bleibt das GefĂŒhl, es gar nicht wissen zu können, weil die Wahrheit in diesem Krieg seit Langem gestorben ist. Schon sind wir in die Falle getappt. Die Falle der Verschwörungstheoretiker und Fake-News-Verbreiter, die sich nichts sehnlicher wĂŒnschen, als dass alles, was jemals untersucht, recherchiert und belegt wurde, auf dem Friedhof des Post-Faktischen landet. Wo es mit so vielen âalternativen Faktenâ zugeschĂŒttet wird, dass niemand mehr weiĂ, was und vor allem wem er noch glauben soll und sich kaum jemand die MĂŒhe macht, nach der Wahrheit zu graben.
Dabei gibt es sie, die Wahrheit â erst recht im Krieg. Denn dort passieren Verbrechen, die TĂ€ter und Opfer kennen, so dass ihre AufklĂ€rung nur eine Wahrheit â nĂ€mlich den Tathergang â zutage befördert.
Die Wahrheit nicht zu Grabe tragen
Der Satz von der Wahrheit als Opfer des Krieges stammt aus dem Jahr 1914. Er besagt, dass Kriegsparteien ungeachtet der Tatsachen gerne ihre Versionen des Geschehens verbreiten. Das sollte nicht dazu fĂŒhren, dass wir die Wahrheit zu Grabe tragen, sondern im Gegenteil uns ermutigen, sie zu suchen.
Aber ist Wahrheit nicht relativ? Hat nicht jeder seine eigene Wahrheit? Nein, jeder hat seine Wahrnehmung, seine Sichtweise auf bestimmte Ereignisse. Genau diese Unterscheidung ist im Krieg grundlegend: Wahrheit lÀsst sich objektiv ermitteln, Wahrnehmung ist subjektiv.
In Syrien gibt es so viele Versionen dieses Krieges wie es Syrer gibt. Jeder einzelne hat gute GrĂŒnde, die Dinge so zu sehen, wie er sie sieht â je nachdem wo und wie er den Krieg erlebt hat. Wer an der KĂŒste keine Angst vor Luftangriffen haben musste oder in den kurdischen Gebieten im Nordosten relativ sicher war, denkt anders als die Bewohner von Ost-Ghouta oder Ost-Aleppo, die ĂŒber Jahre vom Regime bekĂ€mpft wurden.
Wer in oppositionellen Orten Freiheit und Selbstorganisation kennengelernt hat, hat andere AnsprĂŒche als die Menschen, die vier Jahre unter dem sogenannten âIslamischen Staatâ (IS) gelitten haben und dann von den USA bombardiert wurden.
Flucht in einfache ErklÀrungen
Daneben gibt es im Syrien-Konflikt EinschÀtzungen sogenannter Experten. Auch sie sind nicht mit der Wahrheit zu verwechseln, sondern stehen grundsÀtzlich zur Debatte. Im Optimalfall kennt ein Experte das Land persönlich, beherrscht die Sprache, liest viele unterschiedliche Quellen und folgt bei seinen Recherchen journalistischen Prinzipien.
Nur dann kann er puzzeln. Also die Tausenden von Informationen, Meinungen, Videos und Nachrichten, die im Internet zu Syrien kursieren, einschÀtzen, in ihren Kontext setzen und verstÀndlich machen.
Je differenzierter die Analyse desto anstrengender die LektĂŒre. Deswegen verkaufen sich einfache ErklĂ€rungen besser, vor allem, wenn sie selbstkritisch â also anti-westlich â daherkommen. Der Krieg in Syrien wird dann wahlweise auf einen westlichen Regimewechsel, einen geplatzten Pipeline-Deal oder eine Anti-Iran-Intervention reduziert.
Syrer tauchen in diesen geostrategischen Planspielen um Geheimdienstdokumente und Rohstoffe bezeichnenderweise kaum auf â zumindest nicht als Handelnde, höchstens als Opfer von Missbrauch und Manipulation. Dadurch machen sich ihre Verfechter ausgerechnet das zu eigen, was sie kritisieren: eine zutiefst paternalistische Sichtweise. Als wĂ€ren Syrer ohne die CIA nicht in der Lage, gegen ein Unrechtsregime aufzustehen.
Denkschema von âGutâ und âBöseâ
Vor allem Linke und Friedensbewegte greifen die Thesen von Regimewechsel und Pipelines gern auf, weil sie in ihr jahrzehntealtes Denkschema von âGutâ (antikapitalistischer Osten) und âBöseâ (rohstoffgieriger imperialistischer Westen) passen. Dabei finden sich besonders unsoziale AuswĂŒchse eines entfesselten Kapitalismus inzwischen in Russland und China, Syrien steht fĂŒr Neoliberalismus und Nepotismus in Reinform.
AuĂerdem gibt es in der internationalen Politik grundsĂ€tzlich keine Guten und Bösen, sondern nur Interessen. AuĂenpolitisch verfolgt jeder StaatsfĂŒhrer die Belange des eigenen Landes oder der eigenen Klientel â ob Donald Trump oder Kim Jong Un, Angela Merkel oder Wladimir Putin. Eine moralische Ăberlegenheit ergibt sich höchstens aus der Wahl der Mittel zur Durchsetzung dieser Interessen, da diese das internationale Völkerrecht berĂŒcksichtigen mĂŒssen, was sie â auf allen Seiten â selten genug tun.
Trotzdem gibt es in Syrien Gute und Böse, denn beim menschlichen Handeln gelten sehr wohl moralische Standards. Ein Arzt, der Medikamente in ein abgeriegeltes Gebiet schmuggelt, tut Gutes, ein Söldner, der sich an einem Checkpoint persönlich bereichert, nicht.
Geheimdienstchefs, die sadistische Folter in ihren Haftzentren als legitimes Mittel der EinschĂŒchterung betrachten, sind nach menschlichem (nicht westlichem) VerstĂ€ndnis ziemlich böse. Genauso wie RebellenfĂŒhrer, die ihr BedĂŒrfnis nach Rache an gefangenen Soldaten ausleben. Ein unbewaffneter junger Mann, der fĂŒr Freiheit demonstriert, ist besser als der Soldat, der auf ihn schieĂt, oder sein Vorgesetzter, der ihn dazu zwingt.
Anpassung an ein ideologisiertes Weltbild
Diesen moralischen Kompass drohen wir in Syrien zu verlieren, wenn wir vorgeben, nichts zu wissen, weil alle Seiten nur versuchten, mit Manipulation und Inszenierung unsere Wahrnehmung zu beeinflussen. Am Ende verwechseln wir Verbrecher und Leidtragende und erweisen damit jenen Wahrheitsverweigerern einen Dienst, die jedes GerĂŒcht im Internet dankbar aufgreifen, um das Assad-Regime vom TĂ€ter zum Opfer zu machen. Manche Pseudo-Linken haben den syrischen Konflikt so an ihr ideologisiertes Weltbild angepasst, dass sich eine âdemokratisch legitimierte syrische Regierungâ gegen "westlichen Imperialismus zur Wehr setztâ.
Womit wir wieder bei der Wahrheit sind. Es gibt in diesem Konflikt Tatsachen, die nicht zu leugnen sind. Der syrische PrĂ€sident ist nicht durch Wahlen legitimiert, da diese nicht frei, nicht geheim und nicht gleich sind. 43 Jahre lang lieĂen sich die Assads per Referendum ohne Gegenkandidaten im Amt bestĂ€tigen. Der gesamte Wahlvorgang liegt vom Zulassungsverfahren bis zur StimmenauszĂ€hlung in den HĂ€nden des Regimes.
Auch in Sachen Giftgas und Chlorin gibt es eine öffentliche Faktenlage. Von 39 seit 2013 dokumentierten FĂ€llen schreibt die unabhĂ€ngige UN-Untersuchungskommission 33 dem Regime zu, fĂŒr die ĂŒbrigen sechs lĂ€sst sich keine eindeutige TĂ€terschaft nachweisen.
Wann immer in Syrien Sarin eingesetzt wurde, stammte es aus den BestĂ€nden des Regimes. Das ergab ein Abgleich der Proben mit den Stoffen, die Damaskus der Organisation fĂŒr das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zur Vernichtung ĂŒbergeben hatte. Daneben dokumentiert die UN-Kommission seit Jahren die gezielten Angriffe des Regimes und seiner UnterstĂŒtzer auf zivile Infrastruktur, insbesondere KrankenhĂ€user, das Aushungern von Zivilisten als Kriegswaffe sowie die systematische Vernichtung von Zivilisten in den Haftzentren des Regimes.
Berichte internationaler Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International und Ărzte ohne Grenzen bestĂ€tigen diese Methoden, die juristisch in die Kategorien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit fallen. Gegen Assads persönlichen Sicherheitsberater Ali Mamlouk und Luftwaffengeheimdienst-Chef Jamil Hassan liegen deshalb internationale Haftbefehle vor.
Wachsender Glaube an Verschwörungstheorien
Und doch vertraut eine wachsende Zahl âkritischer BĂŒrgerâ im Internet kursierenden Verschwörungstheorien mehr als einer UN-Untersuchung, die wissenschaftliche Standards erfĂŒllen muss. Etwa im Fall des Sarin-Angriffs auf Khan Sheikhoun am 4. April 2017 mit mehr als 80 Toten. Obwohl das Expertenteam von OPCW und UN nach der Auswertung aller Hinweise â Uhrzeit, Einschlagkrater, Luftangriff, Symptome der Opfer, Blut- und Bodenproben â die syrische Regierung fĂŒr den Angriff verantwortlich macht, halten sich andere Darstellungen hartnĂ€ckig.
Werden diese von renommierten Journalisten oder Wissenschaftlern unterstĂŒtzt, erscheinen sie umso glaubhafter, selbst wenn sich diese Experten auf zweifelhafte Quellen stĂŒtzen und ihre Behauptungen durch den Untersuchungsbericht eindeutig widerlegt sind. Das Misstrauen gegenĂŒber etablierten Institutionen und Medien ist offensichtlich so groĂ, dass einzelne âWahrheitsfinderâ als mutige Underdogs gefeiert werden, egal welchen MĂŒll sie erzĂ€hlen.
Dies gilt auch fĂŒr deutsche Professoren, die behaupten, sĂ€mtliche Chemiewaffenangriffe hĂ€tten âunter falscher Flaggeâ stattgefunden und damit den Boden der Wissenschaftlichkeit verlassen. Als ĂberzeugungstĂ€ter sind sie fĂŒr die Verbreiter von Fake-News besonders effektive Propagandainstrumente. Ein Wissenschaftler, der glaubt was er sagt, wenn er LĂŒgen verbreitet, ist das beste, was Russia Today, Sputnik oder Fox News passieren kann. Denn seine abstrusen Behauptungen erfĂŒllen den Zweck jeder Desinformationskampagne: Zweifel an der Wahrheit zu sĂ€en bis diese als eine von mehreren möglichen Versionen erscheint.
Redaktionen, die im Syrien-Konflikt nur die Positionen der Kriegsparteien verlautbaren ohne sich die MĂŒhe zu machen, diese mit einfach zu recherchierenden Fakten abzugleichen, werden Teil des Spiels. Morgens Experte A und nachmittags Experte B zu interviewen, hat nichts mit neutraler Berichterstattung zu tun, sondern entlarvt die eigene UnfĂ€higkeit, Fake-News zu erkennen.
Wie also können wir der Wahrheit im Krieg Geltung verschaffen? Indem wir unterscheiden: Wahrnehmungen mĂŒssen wir versuchen zu verstehen, Analysen kontrovers diskutieren, aber Tatsachen sind zu respektieren â auch in Syrien.
Eine der schönsten Erfindungen der Deutschen ist âder Weltgeistâ von Hegel. Dieser Philosoph ĂŒberlegte sich, dass es so etwas wie eine Gesamtvernunft geben mĂŒsse, eine Garantie fĂŒr die Ordnung der Dinge. Auch  wenn das eine oder andere Individuum aus der Reihe tanzt, so wird die Gesamtvernunft, âder Weltgeistâ alles wieder zurecht biegen. Ich stellte mir diesen Weltgeist wie einen Fahrlehrer vor. Immer wenn der Mensch aus Frohsinn oder Verzweiflung aufs Gas tritt und das Lenkrad loslĂ€sst, drĂŒckt der Weltgeist seinen Schuh auf die Bremspedale. Was uns Hegel nicht erklĂ€rt hat, ist, wie reagiert der Weltgeist, wenn mehrere Individuen gleichzeitig durchdrehen, die alle am Lenkrad der Weltpolitik sitzen? Wenn der US-PrĂ€sident von der UNO-BĂŒhne herab die Staaten aufeinander hetzt, sein tĂŒrkischer Kollege beinahe das halbe Land unter Arrest hĂ€lt? Die KnĂ€ste und Internierungslager in der TĂŒrkei sind ĂŒberfĂŒllt, es werden eilig neue gebaut, obwohl das Geld dafĂŒr immer knapper wird. Aber vielleicht könnte Deutschland helfen und die Finanzierung fĂŒr einige tĂŒrkische KnĂ€ste ĂŒbernehmen, dann könnten in der TĂŒrkei inhaftierte deutsche StaatsbĂŒrger eine bessere Zelle bekommen. Ihren Platz in schlechten KnĂ€sten wĂŒrden dann die FlĂŒchtlinge annehmen, die Deutschland nicht haben will, darum ging es wohl bei dem Festmahl in Berlin zu Ehren des tĂŒrkischen Kollegen. Sein russischer Bruder im Geiste hatte den Syrern die russischen Raketenabwehrkomplexe C200 geschenkt. Damit hatten sie letzte Woche ein russisches Flugzeug vom Himmel geholt. Nun bekommen sie die noch gefĂ€hrlicheren C300 Komplexe und noch mehr russische Flugzeuge, damit sie besser lernen. Und was macht der Weltgeist? Er fliegt kerzengerade nach oben, bleibt kurz in der Luft hĂ€ngen und macht von da aus eine Arschbombe.
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8. Februar. ZurĂŒck in New York. Eine Stunde Schlaf im Flugzeug, damit fĂŒr den Tag auf fĂŒnf gekommen.
Herfried MĂŒnkler, Der DreiĂigjĂ€hrige Krieg: Die Frage, ob der Krieg unausweichlich war, ist dieselbe wie die, ob es ohne Mark Zuckerberg so etwas wie ein Facebook gegeben hĂ€tte.
Eine intelligente Lebensform, die als eine Art Belag auf der Kruste eines Planeten sitzt, hat wohl gar nicht so viele Möglichkeiten, wirklich Ăberraschendes hervorzubringen.
Wie treffend:
âEine intelligente Lebensform, die als eine Art Belag auf der Kruste eines Planeten sitzt, hat wohl gar nicht so viele Möglichkeiten, wirklich Ăberraschendes hervorzubringen.â
In the pines, in the pines. #bikelife #atb #everydaybike #swhomage #surlybikes #surlycrosscheck #cycleporn #nararulesforriding #savetherimbrake #huddienotkurt #outsideisfree #heijyokyo #deathbeforediscs #700caintdead #smoothmoves #topeakmidloader #allfuck by Kinki Cycle Via Flickr: via Instagram ift.tt/2DA131Y

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Zwischen den Jahren 2017
KryptowĂ€hrungsbĂŒrokratie
FĂŒr Recherchen hantiere ich gelegentlich mit kleinen Summen in KryptowĂ€hrungen. In der Phantasie gibt es da einfach nur Wallets und Adressen, an welche sich ein Betrag schicken lĂ€sst. In der Praxis kommen die Systeme aber doch nicht ohne Dienstleister, Institutionen und Mittelsmenschen aus. In diesem Fall möchte ich mir einen Account bei Coinbase anlegen, um zwischen verschiedenen Coins wechseln und einfach und kostensparend per SEPA/Kreditkarte in Euro tauschen zu können.
Um den Account einzurichten, braucht Coinbase eine Identifikation. Ich soll meinen Perso in die Webcam halten. Etwa 24 Stunden spÀter kommt die Mail: Account konnte nicht verifiziert werden, ich solle es nochmal versuchen. Drei Tage und drei Versuche spÀter endlich die erlösende Mail: Mein Account sei verifiziert, ich könne ihn nun nutzen.
Als nĂ€chstes soll ich ein Konto oder eine Kreditkarte angeben. Problem: Coinbase weist ausdrĂŒcklich darauf hin, dass Einzahlungen nur verarbeitet werden können, wenn der Name des einzahlenden Konto-Inhabers mit dem auf dem Perso identisch ist. Das ist bei mir allerdings nicht der Fall: In meinem Perso steht mein zweiter Vorname, meine Bankkonten und Kreditkarten werden jedoch ohne diesen zweiten Vornamen gefĂŒhrt. WĂŒrde ich jetzt dorthin etwas ĂŒberweisen, liefe ich Gefahr, dass das Geld im Nirvana landet.
Ich klicke also auf den Support-Link und gelange zunĂ€chst auf eine Seite mit FAQ. Dort taucht mein Problem nicht auf, aber es gibt einen Chat. Der stellt sich wiederum als Chatbot heraus, der meine auf verschiedene Arten formulierte Frage, wie sich dieses Problem lösen lassen könnte, weder versteht noch beantworten kann. Ich könnte jetzt zur Bank gehen und den Namen, auf den mein Konto lĂ€uft, Ă€ndern. Das ist mir aber zu aufwĂ€ndig. Daher beschlieĂe ich, dass Coinbase und ich keine Freunde mehr werden und ich meinen Account wieder löschen möchte. Den MenĂŒpunkt finde ich zwar nicht auf der Webseite, aber immerhin versteht der Chatbot dieses mal meine Frage und spuckt einen passenden Link aus.
Die Utopie von KryptowĂ€hrungen verspricht, Transaktionen ohne zentrale Institution, mithin also auch ohne dass menschliche Ansprechpartner noch aktiv in den VorgĂ€ngen involviert wĂ€ren. Ich halte das fĂŒr wenig wĂŒnschenswert, weil es sie ja doch immer irgendwann gibt: die Abweichung im System, die sich nur per klĂ€render RĂŒcksprache mit einem menschlichen GesprĂ€chspartner lösen lĂ€sst. Immerhin gibt sich das durchautomatisierte Coinbase ein wenig traurig. Die letzte Meldung lautet: âYour account was deleted. You will be missed!â
(Enno M. Park)
25. Dezember. So ein Tag, an dem ich als Familienmensch funktionieren muss, an dem ich ĂŒberhaupt nichts machen kann, fĂŒhrt direkt in die Depression. Eine wĂŒrgende, akute Depression, die Sorte, bei der man nicht weiĂ, wie man die nĂ€chsten fĂŒnf Minuten ĂŒberstehen soll.
Grau, Regen. Die Schotterwege liegen unter einem Eispanzer, manche sind mit Rollsplit befahrbar gemacht, auf denen kann man auch im GĂ€nsemarsch laufen, auf den anderen ĂŒberhaupt nicht.
24. Dezember. Das Haus seit Ankunft noch nicht verlassen. Kinder spielen den ganzen Tag. Ich versuche, mich so unauffÀllig zu verhalten, dass ich manchmal blicklos dasitzen kann und niemand mich mit irgendwas behelligt. Vielleicht denkt die ganze Familie aber auch, dass Papa irgendwie komisch ist, aber das ist schon okay, er ist halt immer so.
Driving home for christmas

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