Vom leeren Nichts
Was ist Leere? Was ist Nichts?
Ist es das Fehlen von Gegenständen in einem Raum? Die Ruhe in der nächtlichen Stadt oder die Abwesenheit der Menschen, die wir lieben?
Kann ein leeres Blatt nur leer sein? Bedeutet diese Leere Bestimmungslosigkeit oder Nutzlosigkeit? Ist das Blatt nicht ein Neuanfang von etwas Großem, von etwas Neuem, das nur aus der Leere entspringen kann? Doch wenn man nun sagt, dass nur aus der Leere neue Ideen entwickelt, Innovationen gemacht werden können, gibt es dann überhaupt so etwas wie Leere? Ist da nicht immer etwas das unser Gehirn braucht?
So wie es dem Menschen nicht möglich ist nichts zu machen, so dürfte es auch nicht möglich sein nichts zu sein. Keine Gedanken, keine Gefühle, keine Sinneswahrnehmungen, keine Bewegung, kein Körper.
Widmet man sich nur einem dieser Punkte, der fehlenden Sinneswahrnehmung, so stellt sich die Frage: wie soll ich Leere wahrnehmen? Wenn ich nichts sehe, fühle, rieche, schmecke oder höre, wenn mir keine Möglichkeit geboten ist, etwas wahrzunehmen, wie soll ich dann das Nichts wahrnehmen? Und dennoch kann jeder sagen, dass er einmal das Gefühl der Leere gespürt hat, das Gefühl, dass etwas fehlt. Man kommt sich unvollständig vor und die Leere ist beklemmend.
Etwas, das nicht da ist, ist beklemmend?
Wie kann eine Sache, die eigentlich nicht existent ist, doch so auffallend sein? So schmerzend und so zerstörerisch.
Aber wie kann etwas, dass nicht da ist gleichermaßen so befreiend sein?
Zeigt uns die Leere nicht, dass nichts Bedrückendes mehr da ist, dass unsere Sorgen weggeblasen sind, dass es uns gut geht? Wenn wir eine leere Liste von Dingen haben, die noch getan werden müssen, sind wir nicht unglaublich zufrieden?
Unverständlicherweise beeinflusst etwas nicht reales unsere Gefühlslage so sehr, dass wir in schiere Verzweiflung stürzen können oder vor Zufriedenheit und Elan strotzen.
Stellt sich also zum erneuten Male die Frage danach, was das, was nichts ist, ist. Aber können wir es begreifen oder es uns vorstellen? Weshalb ist es so kompliziert sich das Nichts vorzustellen? Warum blockt unser Gehirn ab, sobald es um die Unendlichkeit des Raumes und dem was dahinter –dem Nichts? – geht? Wir weichen auf Dinge ab, die uns bekannt sind und uns das Gefühl von Leere oder dem Nichts geben, wie unser weißes Blatt Papier vom Anfang.
Weiß ist eine so reine und offene Farbe, die uns am meisten das Gefühl des Nichts vermittelt, die unsere Gedanken abschweifen lässt. Vielleicht entstehen deshalb so viele Ideen, wenn man auf etwas weißes –bevorzug eine Wand oder eben ein Papier- starrt.
Aber ist das Nichts nur fördernd? Lässt es uns nicht in Gedankengänge eintauchen, die nichts mit dem zu tun haben, dass uns eigentlich im Moment beschäftigt, oder beschäftigen soll, oder kann es nicht sogar sein, dass es unser Gehirn (gefühlsmäßig) leer fegt.
Aber kann unser Gehirn wirklich leer sein?
Können wir nicht denken? Wir können unsere Gedanken schweifen lassen, uns an einen anderen Ort denken oder auch Gedanken verdrängen, wir können uns ebenso gedankenlos verhalten, aber sind wir doch nie ohne etwas, über das wir grübeln, uns freuen, ärgern oder sorgen. Oder gibt es doch die Möglichkeit, seinen Geist und seine Gedanken zu leeren?
Heißt es nicht, dass man bei Meditationen an nichts mehr denkt? Doch wenn ich krampfhaft versuche nichts zu denken, denke ich dann nicht erst recht an etwas? Konzentriere ich mich dann nicht auf das „Nichtdenken“? Und selbst wenn es rein theoretisch möglich wäre, diesen Status zu erreichen, wie können wir das bemerken?
Füllt sich nicht die Leere sofort mit Gedanken, sobald wir versuchen sie zu erkennen, zu begreifen? Würden wir das Nichts nicht zerstören, wenn wir es finden würden? Zerstören durch unsere bloße Existenz? Da dort dann nicht mehr Nichts wäre?
Und selbst wenn das Nichts wirklich existieren würde und wir es bei seiner Entdeckung nicht verändern würden, stellt sich dann die Frage, was hinter dem Nichts ist. Es kann nicht das Nicht sein, denn wie könnte das Nichts hinter dem Nichts sein? Doch wie können wir erforschen, was hinter dem, was wir nicht begreifen, ist? Und wie können wir begreifen, was unbegreifbar ist?
Durch die Vernichtung des Rests? So das nur noch das Nichts überbleibt? Und wie können wir überhaupt sagen, dass es das Nichts dann gibt? Wie können wir an sich behaupten, dass das Nichts existent ist?
Zu dieser Sache, sollte sich jeder einmal Gedanken machen!









