Entscheidungen und Zweifel
Es tat so gut, mal allein zu sein, von Stille umgeben, im Schatten der alten Eiche - das satte GrĂĽn des Sommers umgarnte meine Seele, beruhigte meine Gedanken, die mich in letzter Zeit so oft auf Trab hielten und keine Ruhe gaben.
Das ewige hin und her zwischen zwei Entscheidungen; eine von beiden musste ich wählen - aber welche wäre besser als die andere oder sollte ich keine wählen, sollte ich noch länger warten, weiter überlegen, wer weiß wie lange noch grübeln oder beide Möglichkeiten in Zweifel ziehen, bis ich das Gefühl hätte, nichts zu bereuen, wenn es nach der Entscheidung kein Zurück gibt und doch etwas Unerwartetes geschieht, das ich nicht in Betracht zog - und was dann?
Es ist unmöglich im Vorhinein alles bis ins kleinste Detail zu berücksichtigen, ein Teil bleibt immer unberechenbar, unkontrollierbar, obwohl man überzeugt ist, an alles gedacht zu haben. Am Ende gibt es immer einen Haken, einen Preis zu zahlen, ganz gleichgültig, wie man sich entscheidet, welchen Weg man wählt. Es kommt nie alles genau so, wie man es sich vorgestellt und geplant hat - das Leben scheint es eher zu wissen, was besser zu einem passt, obwohl dies auf den ersten Blick oft nicht den Eindruck erweckt. Woher soll der Mensch es auch besser als das Leben wissen, wenn er nicht die Fähigkeit besitzt, in die Zukunft zu blicken, um die richtige Entscheidung für sich selbst zu treffen?
Wer nicht den Schleier der Zukunft lüften kann, entscheidet blind und zahlt den Preis dafür, früher oder später (die Reue!); die perfekte Entscheidung, die alle glücklich macht, gibt es eben nicht.
Erst hinterher tauchen Umstände auf, mit denen man nicht gerechnet hat und die man überstülpt bekommt, ob es einem passt oder nicht. Man sollte ohnehin mit seinen Wünschen vorsichtig sein, denn sie führen meist dazu, irgendwann eine Entscheidung zu treffen - wird man dann auch bereit dazu sein oder sollte man die Sehnsucht lieber im Keim ersticken, den Wunsch vergessen, nur um sich nicht entschieden zu müssen?
So oder so, auch wenn wir etwas wählen, um einen anderen Weg einzuschlagen: das Leben hat das letzte Wort, trotz unserer vielschichtigen Überlegungen. Und auch wenn wir die Absichten dahinter nicht auf den ersten Blick erkennen können, sollten wir dem Leben einfach vertrauen, wenn unsere Wünsche nicht genauso in Erfüllung gehen, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Painting: Woman on a Bench by Edwin Austin Abbey (1852-1911)