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Einsicht dringt meist nicht bis zum Verhalten vor, weil das Verhalten nicht auf Einsicht beruht.
Harald Welzer, Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand
Bemerkenswert, dass es noch Fernsehsendungen gibt, wo man sich eine Stunde Zeit nimmt, ein Thema so lange zu beleuchten und zu diskutieren.
Erkenntnisse zur Entwicklung der individuellen Erinnerungskultur
Die folgenden Erkenntnisse zur individuellen Erinnerungskultur habe ich unter folgenden UmstÀnden gewonnen.
Aufgabenstellung und EinschrÀnkungen
Ich bat vier Personen fĂŒr mich alle ErinnerungsstĂŒcke in Form von Fotoalben, Briefen, oder sonstigen textlichen oder fotografierten Materialen herauszusuchen, die sie besitzen. Objekte so wie SchmuckstĂŒcke oder Souvenirs habe ich ausgeschlossen, um verfĂ€lschte Ergebnissen durch unterschiedliche Definitionen von Erinnerungsobjekten vorzubeugen. AuĂerdem sollten nur Fotos beachtet werden, die erkennbar sortiert wurden. Lose Bilder in Kisten oder in UmschlĂ€gen beweisen keinerlei Auseinandersetzung mit dem ErinnerungsstĂŒck, so dass man nicht von einer Erinnerungskultur sprechen könnte. Vorerst habe ich auch keine digitalen Formate in die Untersuchung einbezogen, wobei diese ErgĂ€nzung interessant und sinnvoll sein könnte.
VollstÀndigkeit
Selbst fĂŒr diese eingeschrĂ€nkte Auswahl von ErinnerungsstĂŒcken kann man keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit in der Zeitleiste der Probanden erheben. Verschollene Alben und Briefe können ebensowenig in die Untersuchung einflieĂen wie Materialien, an die sich die Probanden nicht erinnern oder die sie nicht bewusst als relevante ErinnerungsstĂŒcke wahrnehmen.
Ablauf
Im GesprÀch befragte ich nun die Probanden nach Entstehungszeitraum und Inhalt der vorliegenden ErinnerungstrÀger. Dabei notierte ich die Assoziationen und Reflektionen der Probanden.
Meine Beobachtungen sind in den jeweiligen Blogartikeln nachzulesen.
Ergebnis
Zusammenfassend stelle ich fest, dass alle Probanden einen deutlichen Rhythmus zwischen Phasen, in denen sie viele ErinnerungsstĂŒcke produzierten (Erinnerungshoch) und inaktiven Phasen (Erinnerungstief), aufweisen. Zumeist findet ein Hoch ungefĂ€hr alle 10 Jahre statt, doch bei so wenigen Probanden möchte ich mich auf diese Aussage nicht festlegen.
Weiterhin ist signifikant, dass Erinnerungshochs hĂ€ufig dann auftreten, wenn sich etwas im Leben radikal verĂ€ndert. (Hochzeit, Schulwechsel, erstes Kind, Pensionierung) In seinem Buch "Das kommunikatibe GedĂ€chtnis" (Quelle siehe unten) stellt Harald Welzer die Hypothese auf, dass solche Hochs (reminiscence bumps nach Schacter) in der autobiographischen Erinnerungsdichte von Transitionen, Statuspassagen und kritischen Lebensereignissen ausgelöst werden. Dies wird in den untersuchten Beispielen bestĂ€tigt. Im GesprĂ€ch verwiesen die Probanden hĂ€ufig darauf, dass die Erinnerungstiefs durch Alltagsstress und keine Zeit fĂŒr Fotoalben bedingt wĂ€ren. Doch dieses Muster legt nahe, dass nicht Zeitmangel zum Tief fĂŒhrt, sondern Routine. Wenn es nichts Neues gibt, braucht man auch nichts zu dokumentieren.
Die Verbreitung von digitalen Fotoapparaten könnten den Rhythmus in der Erinnerungskultur jedoch gestört haben. Mit Beginn der 2000der sieht man bei allen Probanden ein ausgeprÀgtes Tief. Nr. 3 ist eine Ausnahme, sie nutze die neue Technik erst spÀter und beschÀftigte sich zu diesem Zeitpunkt bewusst und intensiv mit der Reflektion ihres Lebens.
Aber bei allen vier Probanden ist Richtung 2010 ein Wandel der Erinnerungskultur zu erkennen. Die ErinnerungsstĂŒcke, die nun tatsĂ€chlich noch ins analoge ĂŒberfĂŒhrt werden, sind auffallend stĂ€rker gestaltet und werden hĂ€ufiger als Geschenk genutzt, was dem ErinnerugsstĂŒck einen erhöhten Wert zuweist.
Dahinter steht vermutlich, dass der Prozess zum ausgedruckten Fotobuch oder Album nun sehr viel mehr Auswahl- und Entscheidungsschritte beinhaltet als zu der Zeit, als das gedruckte Foto Standard war. FĂŒr diesen Mehraufwand muss sich auch ein Mehrwert ergeben.
Reality-Check
Im Zug gestern Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung, herausgegeben von Harald Welzer und Klaus Wiegandt, gelesen. Es wird geschildert, was sich in verschiedenen Lebensbereichen Ă€ndern mĂŒsste, um der Nachhaltigkeit nĂ€her zu kommen. Dabei werden fantastische Geschichten erzĂ€hlt, welche sich mal mehr mal weniger umsetzbar anhören. Grundtenor ist dabei stets, dass man einen Wertewandel brĂ€uchte, einen "Megalog" (Etzioni) ĂŒber die wichtigen Dinge im Leben, eine Neudefinition des guten Lebens. Und das alles bitte etwas rasch.
Als ich allerdings so aus dem Fenster schaute, blickte ich auf zerfrĂ€ste Berge, vereinzelte BĂ€ume die frĂŒher einmal WĂ€lder waren und zwei MĂ€dchen, die sich vor einem Luxusauto fĂŒr die Handykamera in Szene setzten und ein Erinnerungsfoto von diesem groĂartigen Moment schossen. Ganz ehrlich, da liegt noch viel Arbeit vor uns.

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Stiftung FuturZwei prÀsentiert nachhaltige Gegengeschichten
Ich konnte es mir diesmal gar nicht aussuchen, diesen Artikel zu schreiben. Ich habe es versprochen, gleich am Anfang. Denn "Reine Konsumhaltung ist nicht", so das Pop-Up, wenn man die Seite futurzwei.org aufruft. Zum ersten Mal sehe ich, was das Vorhaben der Stiftung ist, fĂŒr die Harald Welzer gerade in aller (nachhaltigkeitsbewegten) Munde ist. Der Sozialpsychologe und (Mit-)Autor zahlreicher BĂŒcher zum Thema der Nachhaltigkeit (Klimakriege, Das Ende der Welt wie wir sie kannten) wechselt die Seiten. Den beruflichen Schwerpunkt zunĂ€chst in der Wissenschaft, wird er nun zum Antreiber und GeschichtenerzĂ€hler.
Eine neue Art der Nachhaltigkeitskommunikation
Mit FuturZwei möchte er Geschichten des Gelingens erzĂ€hlen, welche zu einer nachhaltigen Gesellschaft beigetragen haben oder haben werden. Nicht umsonst ist das Futur II in der deutschen Grammatik die vollendete Zukunft. Im DeutschlandRadio Kultur sprach er kĂŒrzlich ĂŒber den Zweck seiner neuen TĂ€tigkeit, die mit dem Februar 2012 offiziell begann. Die bisherige "5-vor-12-Ăkokommunikation" sei gröĂtenteils negativ und wenig effektiv. Mit einem Redaktionsteam, welches sich laut Homepage meist aus Freiberuflern oder ehemaligen Studierenden/Mitarbeiter des Kulturwissenschaftlichen Institut Essen zusammensetzt, spĂŒrt er die inspirierenden Gegengeschichten auf und prĂ€sentiert sie in einem Zukunftsarchiv.
Sich auf der Homepage zurechtzufinden gelingt nach kurzer Eingewöhnung, bisherige Beispiele sind bekannter (Berlins Prinzessinnengarten, Gemeinwohlökonomie-Bewegung, Bohmte) und unbekannterer (Raum OS, Restauration a.a.O. oder dem jahreszeitlich passenden Jecke Fairsuchung) Natur. Leicht ĂŒbersehen kann man dabei den blassen Pfeil rechts am Bildschirm, welcher zu weiteren Quellen der Inspiration fĂŒhrt. Insgesamt sind es knapp 70 Geschichten, die vorgestellt werden und garantiert einen Blick Wert sind.
 Dass dabei auch drei Beispiele sind, welche unter "Kooperationspartner" aufgefĂŒhrt werden, sei einmal dahingestellt. FĂŒr die mediale Verbreitung scheint die 3sat Kulturzeit und das Stern-Jugendheft Yuno gewonnen worden zu sein. Ob damit auch die breite Masse erreicht werden kann ?
Unterhaltsame Minuten kann man auf der Homepage verbringen
Als weitere Features bietet die Seite den Anfang einer Videoserie namens "Hirni-Fragen". Dabei werden wohl Vorurteile nachgegangen, in der ersten Folge zeigte sich Peter Unfried (Ăko: Al Gore, der neue KĂŒhlschrank und ich) gespielt skeptisch ("Ist Ăko nur fĂŒr Reiche?"), Christiane Paul (Mein Leben ist eine Ăko-Baustelle) rief einfach bei Prof. Uwe Schneidewind (Chef des Wuppertaler Instituts) an. Dabei konnte die erste Folge mich persönlich nicht ĂŒberzeugen, bei dem TelefongesprĂ€ch konzentrierte ich mich nur auf Unfrieds sich stĂ€ndig wiederholenden Grimassen und die titelgebende Frage wurde auch nicht zufriedenstellend beantwortet, um damit Kritiker davon zu ĂŒberzeugen. Die nĂ€chste Folge ("Die Chinesen") kann sich also noch steigern.
Die "Schuldigen Vorfahren" wurden des Weiteren von ihren Kindern in kurzen Clips verpetzt. Zeitungsschlagzeilen berichten ĂŒber unsere Gegenwart und Christoph SĂŒĂ (quer) trĂ€gt als ĂŒberzeugender Nachrichtenmoderator aus einem Paralleluniversum die "Good News" vor, die man sich halt so wĂŒnscht.
Motiviert und dann ?
Der Internetauftritt scheint sehr durchdacht, ein moderner shabby-chic macht Lust auf mehr und ich bin gespannt was Harald Welzer bei seinem Vortrag auf der Leuphana-Konferenz fĂŒr Nachhaltiges Handeln von sich gibt. Meiner Meinung nach könnte das wirklich ein vielversprechender Ansatz sein, um Menschen zum Umdenken zu bringen ("Es geht doch! Schau mal wie viel da schon gemacht wird!"), im Gegensatz zu anderen Sammlungen wie die nĂŒchterne UN-Dekade-Auszeichnung. DarĂŒberhinaus mĂŒsste aber auch an weitere Ansprechpartner verlinkt werden, welche dann bei den ersten eigenen Schritten zu einem Nachhaltigkeitsprojekt helfen können.
So ganz hat Welzer ĂŒbrigens nicht den Kontakt zur Wissenschaft verloren. So erklĂ€rte in dem Radiobeitrag, dass mit jenen Geschichten auch Beispiele der VerĂ€nderung geschaffen worden seien, welche in der Transformationsforschung untersucht werden mĂŒssten.
Att vÀrlden, sÄdan som vi kÀnner den, inte lÀngre gÄr att kÀnna igen beror inte pÄ naturen, som all sin lagbundenhet till trots alltid tagit sprÄng, utan pÄ den av mÀnniskan förorsakade klimatförÀndringen. VÀrldens klimat kan nÄ fram till tipping points, "tipp-punkter" med en oberÀknelig dynamik dÀr klimatet tippar över, om vi inte snabbt - noga taget: det nÀrmaste Ärtiondet - lÀgger om vÄr livshÄllning radikalt och slÄr in pÄ en ny vÀg. Den korta tidsrymden fram till 2020 - bara tvÄ, tre valperioder, en kort ekonomisk cykel, tvÄ sommarolympiader bort - avgör kommande generationers levnadsförhÄllanden.
Leggewie & Welzer med boken Slutet pÄ vÀrlden sÄ som vi kÀnner den