Ich schreibe diesen Brief in meinem Blog und daher ohne zu wissen, wen er möglicherweise erreicht, und was er möglicherweise bewirkt. In erster Linie schreibe ich ihn, um mir Luft zu machen über etwas, das ich einerseits als eine Unverschämtheit erachte, andererseits aufgrund des miesen Zustandes in der Servicepolitik eines relativ großen und renommierten Journalistenvereins Niedersachsens. Doch ich schreibe diesen Brief auch, weil man ja von so manchen Fehlern sagt: Daraus können auch andere lernen, ohne den selben Fehler begehen zu müssen. Ich hoffe aber zumindest, dass ich aus meinem Fehler lerne.
Was genau ist diese Unverschämtheit? Ich habe ein Mahnverfahren am Hals. Wie kam es dazu? Ich bin seit mehreren Jahren Mitglied im Verband Niedersächsischer Jugendredakteure e.V. – was für mich wie auch für andere Menschen bis zum 27. Lebensjahr eine Möglichkeit darstellt, bei mindestens zwei journalistischen Veröffentlichungen in Printmedien oder vier in Online-Medien pro Jahr einen Presseausweis zu bekommen. Der Jugend-Presseausweis kostet 18 Euro, ein Presse-Autoschild 15 Euro pro Jahr. Einen weiteren Mitgliedsbeitrag gibt es nicht. Für die Verlängerung meines Ausweises habe ich Ende 2011 dem Verein das übliche Schreiben mit Veröffentlichungsnachweisen geschickt und darauf sowohl meine neue Adresse wie auch meine geänderte Bankverbindung eingetragen. Da ich die Erfindung der Einzugsermächtigung für regelmäßig anfallende Rechnungen als eine gute Sache zur Entlastung des Gedächtnisses ansehe, habe ich auch dem VNJ eine Einzugsermächtigung erteilt.
Am 29.01.2012 habe ich die schriftliche Bestätigung erhalten, dass mein Mitgliedsbeitrag vom neuen Konto für das Jahr 2012 eingezogen wurde. Außerdem stand da wie üblich: „Künftig wird die Jahresgebühr unabhängig von einer tatsächlich erfolgten Verlängerung jeweils zum 31. Januar eingezogen, falls bis dahin keine Rückgabe des Jugendpresse-Ausweises erfolgt ist. Eine gesonderte Rechnung wird nicht verschickt.“ Die Einzugsermächtigung war also angekommen. Darüber war ich mir auch deshalb sicher, da ich dem Verein meine neue Adresse auf dem selben Schreiben wie meine neuen Bankdaten übermittelt hatte. Und dieses Schreiben enthielt nicht nur meine neuen Bankdaten, sondern wurde auch direkt (und nicht über den Nachsendeauftrag der Post) an meine neue Adresse verschickt.
Am 05.04.2012 war ich daher mehr als überrascht, als mich eine Mahnung betreffend meines Mitgliedsbeitrages 2012 erreichte. Da hieß es: „leider konnten wir Deinen Mitgliedsbeitrag für das Jahr 2012 nicht vom Konto [...] einziehen, sondern bekamen am 27.02.2012 eine Rücklastschrift. Als Grund nannte uns die Bank: Konto erloschen.“ Klar! Aus dem Schreiben ging nämlich hervor, dass der VNJ versucht hatte, meinen Mitgliedsbeitrag vom alten Konto einzuziehen. Zum Mitgliedsbeitrag in der Höhe von 18 Euro summierte sich die Rücklastschrift von 6 Euro und die Mahn- und Bearbeitungsgebühr von 3 Euro. Eine Gebühr bei der ersten Mahnung – wo gibt’s denn so was? Und welche Bearbeitung, fragte ich mich? Da hat doch jemand in der Verwaltung eben nicht gearbeitet. Dennoch wurde im selben Schreiben behauptet „Nach Überprüfung unserer Akten konnten wir keinen Fehler bei uns feststellen.“ Tut mir leid, aber der Fehler lag definitiv nicht bei mir, sondern beim VNJ.
Ich versuchte, telefonisch Kontakt aufzunehmen. Das hatte sich in den vergangenen Jahren meiner Mitgliedschaft schon öfter als schwierig herausgestellt, da die Website keine Geschäftszeiten und lange Zeit nur eine Handynummer, erst seit Kurzem eine Festnetznummer verzeichnet. Ich kenne den Arbeitsalltag von Journalisten, sowohl frei als auch festangestellt. Ich kenne auch die gängigen Arbeitszeiten von Verwaltungen und Büros. Aber egal zu welcher Tageszeit ich anrief, ich konnte niemanden erreichen. Ich sendete eine E-Mail. Ich wies darauf hin, dass ich die Gebühren für die Rücklastschrift nicht übernehmen werde, da meine neuen Bankdaten vorliegen mussten, und fragte, ob ich nur den Mitgliedsbeitrag überweisen soll.
Hätte ich es mal gemacht! Denn auch auf die E-Mail meldete sich niemand zur weiteren Vorgehensweise. Service? Was ist das? Service nach innen, zu den Mitgliedern! Telefonische Erreichbarkeit, bei einem stressigen Büroalltag und vielen Anrufen täglich gerne auch zwei kurze Zeilen in einer Mail. Reicht völlig. Aber eine Reaktion. Bitte. Eine Reaktion, ohne dass ich ein Einschreiben schicken muss. Ich wollte nichts Böses, ich wollte fragen, wie wir weiter vorgehen. Ich hatte keinen Fehler gemacht.
Doch. Einen Fehler habe ich gemacht: Ich habe die Sache vergessen. Und ich habe unterschätzt, dass ein so großer Verein seine Satzung bestens kennt und Anwälte an der Hand hat, die (und das ist völlig legitim) auch was verdienen wollen.
Ich hatte die Sache vergessen, für fünf Monate. Bis ich heute morgen den gelben Umschlag mit dem Mahnverfahren in der Hand hielt. Jetzt beläuft sich meine Rechnung auf
18 Euro Mitgliedsbeitrag 2012
plus 23 Euro Gerichtskosten
plus 25 Euro Anwaltskosten
plus 5 Euro Auslagen (was auch immer sich unter dem zugehörigen Aktenzeichen hierfür verbirgt, wahrscheinlich Papier und Porto)
plus 19% Mehrwertsteuer also 5,70 Euro für den Staat
plus die 3 Euro Mahnkosten
plus die 6 Euro Bankrücklastkosten
Macht summa summarum 86,36 Euro plus laufende Zinsen ab dem Ausstellungsdatum des Schreibens, dem 19.09.2012.
Keine Summe, über die man sich aufregen sollte? Meinetwegen. Der grundlegende Fehler lag doch nicht bei mir, da muss doch was zu machen sein? Leider nein. Die erwähnte Satzung besagt nämlich, dass das Mitglied bis zum 01.01. des Kalenderjahres den Beitrag zu zahlen hat. Ich hätte also sehen müssen, dass trotz des Schreibens, der Mitgliedsbeitrag sei von meinem neuen Konto abgebucht worden, der Mitgliedsbeitrag nicht eingezogen worden war. Ich war wieder in der Bringschuld. Ich hätte überweisen müssen.
Danke. Ein Verein ist ebenfalls in der Bringschuld.
Erstens: Bringschuld sorgfältige Verwaltungsarbeit und bitte kein Datenverlust zwischen Einspeichern der neuen Daten und benutzen der neuen Daten für den Einzug des Beitrags.
Zweitens: Bringschuld sorgfältige Prüfung der Sachlage – „Nach Überprüfung unserer Akten konnten wir keinen Fehler bei uns feststellen.“ Schade! Der Fehler lag aber beim VNJ.
Drittens: Bringschuld Service und Kontaktmöglichkeiten für die Mitglieder, heißt auf Anrufe und E-Mails reagieren, nicht immer auf ein Einschreiben warten.
Danke. Ich habe gelernt, dass einen Tag lang Kette rauchen und tonnenweise Schokolade fressen keinen Frust besser macht.
Danke. Ich habe gelernt, dass Servicepolitik – in welchem Verein auch immer – das A und O ist, um Mitglieder zu behalten.
Danke. Ich habe gelernt, dass ich in einer Bringschuld bin, auch wenn die anderen den Fehler gemacht haben.
Danke. Ich habe gelernt, dass die anderen immer am längeren Hebel sitzen.
Danke. Ich bin das Geld, das ich bei meinen letzten beiden journalistischen Terminen, worauf ich allein für die Zeit der Veranstaltung (ohne die Zeit, den Text zu schreiben) fünf Stunden verwendet habe, nun wieder los bin. Doch für diese beiden Veranstaltungen brauchte ich nicht mal diesen dämlichen Presseausweis, da ich für die Landeszeitung schreibe und ohne diesen Schickschnack Presseausweis Zugang bekomme.
Im Übrigen habe ich in den sechs Jahren meiner Mitgliedschaft beim VNJ den Presseausweis NIE gebraucht, weil meistens nur zählt, ob man ein Medium nennen kann, für welches man schreibt.
Danke fürs Lesen und danke, dass ihr nicht den selben Fehler begeht wie ich.