Ich seh' den Papst vor lauter Schnecken/ nicht!
Hurtig, Kinder!
Morgens früh um sechs
kommt die kleine Hex´.
Morgens früh um sieben
schabt sie gelbe Rüben.
Morgens früh um acht
wird Kaffee gemacht.
Morgens früh um neune
geht sie in die Scheune.
Morgens früh um zehne
holt sie Holz und Späne.
Feuert an um elfe
kocht dann bis um zwölfe.
Fröschebein und Krebs und Fisch,
hurtig Kinder, kommt zu Tisch!
1.
Ich seh‘ den Papst vor lauter Schnecken nicht. Eine Episode, in deren Verlauf der Papst zur Schnecke gemacht wird, die müsste an sich die elfte Episode sein, die sich an Warburgs Staatstafeln entspinnt. Aber Schritt für Schritt, auch wenn es schade und schattig scheint, dass es nicht schneller geht. Es wird aber früh genug schnell, all' zu schnell. Bald, ach so bald, blitzt es hinter den Wolken rot, dann kennt uns keiner mehr hier. Zu Tisch! Zu Tisch! Schritt für Schritt, Schnitt um Schnitt. Gebracht wird ein Stück mal wieder zu Tisch.
Man kann sich Aby Warburgs Staatstafeln wie Tafeln beim Italiener vorstellen. Das sind auch Bildtafeln, aber sie fungieren wie Tische, an denen man mit Staatstrechtslehrern beim Italiener isst, selbst wenn man sie aktiv und passioniert fressen will, wie die Anthropofagen das mit ihren Nächsten und die Theofagen mit ihrem Gott machen. Sie, die Tafeln, Staaten, die Lehrer, das Recht der Warburg, die Kannibalen und Katholiken, die fungieren unbedingt. Das tun Pilze aber auch. Ob sie funktionieren, wird man schmecken müssen. An diesen Tafeln zwei Tafeln entspinnen sich im Folgenden hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich entspannte Episoden mit hüpfend Herzen á la Giotto (nicht von Ferrero, sondern di Bondone) . Mögen die zwölf Episoden werden. Mögen sie die Tafelnden anregen, sowieso barock und mit dem Knie zu denken, diplomatisch zu operieren, in den Gesten und bei der Lektüren der Digesten biegsam wie Sandro Botticelli und Dave Bowman und immer gastlich mit den Gästen zu bleiben. Insgesamt dann doch zwölf Episoden. Das ist mal wieder typisch!
2.
Ein Teilnehmer der Tischgespräche, zur selben Zeit ihr Protokollant und Kommentator ihrer zwölf Episoden ist Fabian, ein Hypermoralist, dem von seiner Mutter Karin Vera Elisabeth noch in zauberhaften Briefen eingeflüstert wurde, er käme aus Rom und sei ein kleiner Brandi. Von seinem Vater wurde ihm gar nicht gesagt, dass er ein Anwalt sei, weil der Vater, der sogenannte Düsenknallanwalt Dieter Steinhauer leider zu früh, viel zu früh und auf schwer verzeihliche Weise bei einem Porscheunfall gestorben war. Dass er ein Anwalt werden sollte und würde, das erfuhr der Teilnehmer erst später, Anwalt einer Bild- und Rechtswissenschaft.
Er, d.i. ich, dachte zuerst: neun Episoden würden sich an den Tafeln entspannen und in neun Phasen würden die Augen und Hände am Tisch etwas spinnen, während des Tafelns und seiner Plaudereien. Im letzten Buch („Vom Scheiden“) legte das letzte von drei er- und vermittelnden Beispielen nahe, dass Tafeln gehen, also mögliche Medien des Rechts sind. Das Beispiel legtnahe, das Tafeln-Gehen eine sinnvolle Technik für Juristen ist. Das wird jetzt weiter ausgeführt. Am Anfang dachte ich, dass ich neun Episoden brauchen würde, aber ich brauchte mehr, brachte nämlich mehr.
Die Episoden sollen phasenweise sein, sie sollen nämlich die Weisheit jener Phasen haben, die mit dem Mond geteilt werden (u.a. zu Pfingsten und shawout mit Milchspeisen und weißen Göttinnen gefeiert werden) und denen man schon im römischen Kalender Rechnung zu tragen versucht. Die Episoden sollen ab urbe condita reizend sein und saisonal, nur saisonal verfolgt werden. Sie sollen modisch, nur modisch instituieren. Sie sollen vague, nur vague assoziieren. Warburgs Staatstafeln handeln nämlich von (sie händeln und betrachten) Bilder und Rechten, die unbeständig sind und die kursieren. Sie kursieren zwar fröhlich rekursiv. Warburg kann darin sogar die Schnecke wiedererkennen, die er auf seinem Schreibtisch platziert hat und den Papst, den er Rom live nicht, aber nachlebend sah. Fabian, wozu hat er schon diesen Namen, liest die Geste Warburgs aber als Aufruf und Training. Warburg soll zaudern, darum platziert er sich eine Schnecke auf den Tisch. Die fröhliche Rekursion ist und bleibt zwar fröhlich, Warburg assoziiert sie aber eventuell selbst mit einer Diagnose, die ihm gestellt wurde, als den Leuten der erste Weltkrieg herausrutsche und er sich dann doch so aufregte, dass er sechs Jahre aus dem Verkehr gezogen wurde.
Zwei Jahre mehr, als der globalglitschige πόλεμος erst ankullerte, dann ballerte, explodierte und schließlich Leiber geliebter Leute leider massenhaft zerfetzte, saß Aby Warburg erkannt geisteskrank, doch weiterhin mit wahnsinnigen Skizzen unerkannt kreditberatend in luxuriösen Asylstationen, die einem die Vorstellung leicht machen könnten, ein homo sacer im Lager zu sein und flüchtig, allzu flüchtig zu bleiben. Wenn nicht... Wenn nicht...
Wenn nicht ach, och, ich weiß es auch nicht so genau. Warburg assoziiert die Schnecke, so assoziiert der zauderhaft zwirbelnde Fabian, mit der ihm gestellten Diagnose. Sie lautete erst, Warburg sei schizophren, dann, er sei manisch-depressiv, also dann später gesagt bipolar, mit Aristoteles früher geschrieben melancholisch.
Die Mondphasen waren weise, phasenweise. So wurden aus neun Episoden zehn Episoden und schließlich zwölf Episoden. Kennt er, unser Fabian. Das ist dem römischen Recht auch schon mal passiert, zumindest das Anwachsen von zehn auf zwölf Tafeln. Warburgs Staatstafeln sollten, so lautet eine These am Tisch, ein Atlas werden. Ein Gerücht in Tafelgemeinschaften und Tafelassoziationen sagte das. Die Gerüchteküche, Warburg arbeite mal wieder an einen großen Buch, die brodelte Undso dampfte die These schon ab den 1920' er Jahren durch die Heilwigstraße 116, später dann über London durch die Welt, dass Aby wieder einmal an einem Buch sitzen würde gehabt hätte. Warburgs Staatstafeln sollten, so buken die Gerüchte auf, den Abschluss seines Lebenswerkes bilden. Zwei Tafeln oder eine Doppeltafel, ein mosaisches Ensemble, so plauderten die Leute an Tischen, nicht nur beim Italiener. Später teilten sie das alles auch auf ihren Handys in Deutschland, den Mobiles in London und dem Objekt, dass man in Florenz telefono cellulare nennt.
Smart Phone sagt Sant' Ino alla sapientia Augsberg, eine der vier Staatsrechtslehrer, die bei den 12 Episoden mit am Tisch beim Italiener sitzen dürfen, zu jenem Objekt, an dem jüngst das Gerücht roch und Gespräche richtete, die sich damit brüsteten, dass 'Warburgs Staatstafeln' von Fabian Steinhauer ein Buch hätten werden sollen. So, so! Rüstet euch nur. Und es buk doch.
Noch drei Staatsrechtslehrer saßen mit am Tisch. Die insgesamt vier Staatsrechtslehrer hatten sich das erste mal 2009 in Warburgs elliptischen Lesesaal in der Heilwig Straße getroffen, um einen Geburtstag zu feiern, den von Karl-Heinz Ladeur. Neben Sant' Ino alla Sapientia sind also Ladeur mit dem l'odeur des fauves sowie der verkette, verhäkelte und verschliffene Thomas Vesting und schließlich Fabian "il piccollo Carlo Brandi" Steinhauer die anderen vier Staatsrechtslehrer, die bei den folgenden 12 Episoden mit an den Tisch gelassen werden. Sonst wird kein deutscher Staatsrechtslehrer zum Tusch gelassen, man braucht aber auch nicht viele. Staatsrechtslehrer nämlich immer zuerst, wie die schlechten Nachrichten. Vier reichen, damit es hinreichend kosmopolitisch wird. Staatsrechtslehrerinnen sekundär, wie die guten Nachrichten. Die werden später namentlich vorgestellt, außer einer, die jetzt schon. Das ist Cornelia Vismann. Die zwölf Episoden sollen zwölf mal an die, durch die, über die und mit den beiden Staatstafeln von Aby Warburg führen. Sie spinnen, aber das tun Schreiber auch, sogar Computisten, Diplomaten, Protokollanten, (Staats-)Sekretäre, Glossatoren, Kuratoren und Prokuristen, Kommentatoren und Polarforscher spinnen. Diese Subjekte, Personen und/ oder Menschen sitzen nämlich idealerweise mit den vier Staatsrechtslehren mit am Tisch. Wer sich mit an die Tafeln setzt, wird ihnen im Verlaufe der zwöpf Episoden von 'Warburg Staatstafeln' immer wieder wiederbegegnen. Es ist tatsächlich so weit, zum Buch zu werden. Die Bilder müssen noch an ihre Stellen finden. Wer Warburg kennt und von ihm angesteckt wurde, ahnt ein bisschen, wie lange so etwas dauern kann. Die Auswahl der Bilder ist wohl immerhin getroffen. Das werden weniger als 4 Jahre, nicht einmal vier Monate, bei Glück vier Wochen. Und es buk sich doch.
2.
Wer nicht nur auf dem tumblr Unter dem Gesetz ist, auf dem man in den letzten vier Jahren mehr oder weniger live dabei sein konnte, wie Warburgs Staatstafeln von dem kleinen, sogar dem kleinsten Staatsrechtslehrer des deutschen Alpha-Beetes aller deutschen Staatsrechtslehrer wie im Omegabett auf- und abgehend beschrieben und betrachtet wurde, der wird sich hoffentlich mit hüpfend Herz niederknien und auf ein Buch freuen können. Hey, war das ein unmarkierter Spaß und was für ein umarkierter Raum. Jetzt wurden aber doch Linien durchgezogen und jetzt sind da viele Markierungen.
Die elfte Episode wird übrigens von Pius XI. handeln, den Aby Warburg mit Julius II. sowie mit Schnecken verwechselte. Gertrude Bing, die heiße nicht Schnecke. Sie heiße Bingo Binga Bing, von mir aus auch Mitarbeiterin O. Die lieferte dem Aby Warburg das Protokoll für diese Verwechslung. Sie war nämlich an dem Tag in St. Peter, an dem die Lateranverträge befeuert und gefeiert wurden und man den Papst vor lauter lauten Schnecken nicht sah. Die Leute wirbelten in der Basilika und krochen sogar auf die Heiligenfiguren, winkten und schrien auf eine Weise, dass unserer Hamburger Madame Bing, genannt Bingo, ein erstauntes Oh! perplex, komplex, nett und sexy aus dem Mund fuhr. So sind sie, die internetten Damen und der Nexus. So archaisch hatte Bing sich Rom nicht vorgestellt. Dass Warburg Pius XI. mit Julius II. verwechselt, das liegt auf römischen Linien, die wirbeln schon mal, sogar bis hin zu Gaius und ins römische Recht. Follow the lines, denn die 12 Episoden sollen das spinnen, römische Linien, die ziemlich gründlich, wenn auch nicht total gründlich sind. Dance, lance.
Zwölf Mondphasen. Von denen wünsche ich mir dass sie immer jünger bleiben, während ich älter werde, dass sie immer nachts, möglichst ab 3.00 Uhr zur Betrachtung animieren, dann, wenn die grauste aller Stunden vorbei ist. Zwölf gefühlte Mode- oder Mondphasen haben in gefühlt vier Jahren Zeit gebraucht, um Warburgs Staatstafeln als Summe und Manual einer Bild- und Rechtswissenschaft zu schätzen, von der ich besonders in Bezug auf Mondnächste ab 3.00 und in der Morgendämmerung Aurora zu träumen wage, tapfer sogar bis 12.00 Uhr mittags, wenn die Schatten Mithras‘ kurz sind.
Für Warburgs Staatstafeln habe ich zu danken. Ich schulde geliebten Leuten und Hunden das Lächeln in meinen Augen. Das ist ein Lächeln darüber, dass trotz allem etwas abgeschlossen werden kann. Die Lieben liste ich hier nicht auf, sie werden zu Tisch gebeten, zu mir nach Hause, die Adresse wird nicht verraten. Dann feiern wir. Stellvertretend wie der Papst ist, sei einer von ihnen genannt, Roberto Ohrt, dessen Gastlichkeit vorbildlich leuchtet und dessen Letter listig lispeln.
Wie die Schlangen dem Laokoon und seinem Geschlecht, beiderlei Söhnen, ins Ohr.












