Transport Fever 2: Die Wirtschaftssimulation besticht durch Detailfreude
Seit dem Jahr 1990, als mit "Sid Meyers Railroad Tycoon" die erste Eisenbahnsimulation auf den Markt kam, gab es viele Versuche, Simulationen fĂŒr den Computer zu entwickeln. Viele scheiterten an der Balance zwischen Spannung und Schwierigkeit. Bis im Jahr 2014 eine kleine unabhĂ€ngige Softwareschmiede aus der Schweiz namens Urban Games das Spiel Train Fever herausbrachte.
Zwei Jahre spĂ€ter kam der Nachfolger Transport Fever heraus, mit dem man nicht nur mit ZĂŒgen ein Imperium aufbauen konnte, sondern auch mit anderen Verkehrsmitteln. Am 11. Dezember 2019 erschien nun die lang erwartete Fortsetzung, Transport Fever 2. Ich hatte die Möglichkeit, am Beta-Test teilzunehmen und nach etwa 150 Stunden Spielzeit ist es Zeit, ein ResumĂ© zu ziehen.
Unglaubliche Detailfreude
Das Spiel besticht durch eine unglaubliche Detailfreude. Es macht einfach Spaà immer neue Kleinigkeiten zu entdecken oder den Menschen und Fahrzeugen zuzusehen. Das kann man entweder, in dem man sehr weit in das Spiel hereinzoomt, oder in dem man mit einem beliebigen Fahrzeug "mitfÀhrt" und die Welt aus der Perspektive des Fahrers ansehen kann.
StandardmĂ€Ăig beginnt das Spiel im Jahre 1850, man kann aber auch spĂ€tere Startjahre festlegen. Beginnt man im Jahre 1850, kann man vom Pferdefuhrwerk bis zum ICE und vom Doppeldecker bis zum Elektro-Laster die Entwicklung der Fahrzeuge von Anbeginn bis zum heutigen Tag miterleben.
Es gibt drei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, die die unterschiedlichen BedĂŒrfnisse unterschiedlicher Spieler abdecken. Etwas, was man bei kaum einem anderen derartigen Spiel findet, ist speziell an die Spieler gerichtet, die kein Interesse an einer Wirtschaftssimulation haben, dafĂŒr aber einen Schönbau erleben wollen. Das bedeutet, dass man eine möglichst realistische Welt aufbauen möchte, Ă€hnlich einer elektrischen Eisenbahn. Ein Editor bietet die Möglichkeit, eine Welt völlig nach eigenen WĂŒnschen zu erstellen.
Die StÀdte benötigen unterschiedliche Waren
Jeder Stadt, jeder Industrie, jedem Fahrzeug und jeder Haltestelle kann man individuelle Namen vergeben. Dadurch verliert man auch im spĂ€teren Verlauf des Spieles nicht so schnell den Ăberblick.
Jede Stadt benötigt auĂer Passagieren zwei unterschiedliche Rohstoffe, die unterschiedliche Schwierigkeiten haben und zufĂ€llig zugeteilt werden. Manche, wie etwa Lebensmittel, benötigen mit Getreide nur eine Ressource, wĂ€hrend andere wie Waren mehrere unterschiedliche Ressourcen benötigen und man sich durchaus ĂŒberlegen muss, optimale Routen mit unterschiedlichen Fahrzeugen (LKWs, ZĂŒge, Schiffe oder Flugzeuge) zu errichten.
Die Grundressourcen wie Getreide, Erz, Kohle oder Steine liefern eine feste Menge, wÀhrend Aufbauindustrien ihren Betrieb steigern können, je nach dem wie viele Waren benötigt werden.
WĂ€hrend beim VorgĂ€nger immer darauf geachtet werden musste, dass möglichst alle Einwohner einer Stadt die eigenen Verkehrsmittel benutzten, können bei Transport Fever 2 die Einwohner durchaus ihr eigenes Fahrzeug benutzen. Man kann sogar Autobahnen mit entsprechenden Autobahndreiecken bauen, um den Verkehr möglichst flĂŒssig zu gestalten. Allerdings verdient man natĂŒrlich nichts, wenn die Einwohner mit ihren eigenen Fahrzeugen fahren.
StĂ€dte können nicht nur wachsen, sie können auch Einwohner verlieren. Das passiert, wenn es viele Staus gibt und wenn die Luftverschmutzung ĂŒberhand nimmt. Jedes Fahrzeug hat hier seinen eigenen Emissionswert. Wird dieser zu hoch, sollte man sich nach Fahrzeugen mit geringerer Emission umsehen oder die Anzahl der Fahrzeuge einer Stadt reduzieren.
Drei verschiedene Regionen kann man spielen. Neben Europa und den USA ist in Transport Fever 2 zum ersten Mal Asien dabei. Alle Regionen haben nicht nur unterschiedliche Fahrzeuge, sie haben auch unterschiedliche Welten, die zufĂ€llig erzeugt werden. Dabei kann man dem Zufall durchaus auf die SprĂŒnge helfen, in dem man wĂ€hlt, ob man viel oder wenig Gebirge, viel oder wenig Wasser, viel oder wenig WĂ€lder, aber auch ob man viel oder wenig StĂ€dte und Industrien auf seiner Karte haben möchte.
Unterschiedliche Missionen
Wie im VorgĂ€nger auch gibt es unterschiedliche Missionen, bei denen man verschiedene Spielziele in unterschiedlichen Gegenden erreichen muss. Die ersten Missionen dienen hierbei als eine Art von EinfĂŒhrung, um die Steuerung des Spiels zu lernen. Diese ist Ă€hnlich wie bei den VorgĂ€ngern und zum groĂen Teil intuitiv. Wem die Standardsteuerung nicht zusagt, der kann die Steuerung nach eigenen WĂŒnschen und Vorlieben umstellen.
Das Spiel hat eine Schnittstelle fĂŒr sogenannte "Mods". Das bedeutet, dass die Spieler eigene Zusatztools programmieren können, aber auch völlig neue Fahrzeuge implementieren oder sogar in die Spielwerte eingreifen können. Ganz ohne Mods kann man eine eigene Hintergrundmusik verwenden. Dazu muss man nur die Musikdateien im Format .ogg in das Verzeichnis "music" kopieren - schon hört man wĂ€hrend des Spiels seine Lieblingsmusik.
Wer Wirtschaftssimulationen mag, wer gerne eine Eisenbahn auf dem PC spielt oder wer einfach nur ein paar Stunden abschalten möchte, fĂŒr den ist Transport Fever 2 eine unbedingte Empfehlung. WĂ€hrend der Beta-Phase gab es einige teilweise unmotivierten AbstĂŒrze, die aber zum Release hin bei mir nicht mehr vorgekommen sind. Insofern kann ich nichts Negatives ĂŒber das Spiel sagen. Transport Fever 2 wird ĂŒber Steam vertrieben un kostet um die 30 Euro.
Trailer des Herstellers
https://www.youtube.com/watch?v=yK2__WGmhPw
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