Tobias Kellert - Ruhestandsplaner: Raten und Renditen nach Einstiegsalter für Deinen Ruhestand
Je früher mit der Altersvorsorge angefangen wird, desto einfacher ist die finanzielle Freiheit im Alter zu erreichen. Die Chancen eines frühen Einstiegs sind enorm.
Dennoch hört man immer wieder, es könne auch später ein Einstieg in die Altersvorsorge erfolgen. Das ist richtig, hat aber Auswirkungen, die bei näherer Betrachtung überraschen werden. Diese Betrachtung wollen wir an einem Beispiel vornehmen:
Ein heute 27-jähriger Berufseinsteiger hat vor einen Jahr die Hochschule verlassen und angefangen zu arbeiten. Er ist mit einem für
Hochschulabsolventen gewöhnlichen Jahresgehalt von 42.000 € in den Beruf eingestiegen. Das ergibt ein monatliches Nettogehalt von rund 2160 € (Steuerklasse I, keine Kirchensteuer).
Er plant damit, ab Rentenbeginn monatlich eine Kaufkraft von rund 800 € (1000 € brutto) aus einer privaten Altersvorsorge zur Verfügung zu haben. Bei 2% Inflation ergibt das einen Betrag von 2208 €.
Dafür ist ein Kapital von 600.000 € zum Rentenbeginn mit 67 Jahren notwendig. (Annahme: weitere 30 Jahre Lebenserwartung und Rendite 2% über Inflation im Rentenalter)
Mit dem Garantiezins einer Lebensversicherung oder Rentenversicherung erhalten wir eine monatliche Sparrate von 966 €. Dieses Konzept ist für den Berufseinsteiger nicht dauerhaft tragbar.
Also rechnen wir mit 5% Rendite. Das ergibt eine Rate von 405 € monatlich.
Bei 6% Rendite sind es 315 €, die monatlich gespart werden müssen. Das erscheint ihm ein sinnvolles Konzept.
Würde er statt mit 27 Jahren ein Jahr später anfangen, steigt die Rate bereits auf 336 €. Das eine Jahr mehr kostet ihn bereits 21 Euro jeden Monat! Wartet er 5 Jahre steigt die monatliche Rate auf 437 €. Das sind schon 122 € mehr – jeden Monat.
Mit 37 Jahren ist eine Sparrate von 616 € fällig, mit 42 Jahren sind es 887 €. Mit 47 Jahren sind es 1323 €.
Wir halten fest: mit jeden 10 Jahren warten verdoppelt sich ungefähr die Sparrate.
Nun wäre die Alternative, statt der Rate das Risiko zu verändern und damit mehr Rendite zu erzielen.
Ein Jahr mit dem Einstieg zu warten erhöht die notwendige Rendite von 6% auf 6,26%!
Die ersten 5 Jahre nicht zu sparen, sorgt dafür dass eine Rendite von rund 7,5 % notwendig wird, nach 10 Jahren sind es 9,6 %.
Unser Berufseinsteiger sieht den Zusammenhang unmittelbar ein und fängt jetzt mit der Altersvorsorge an. Höhere Risiken möchte er nicht eingehen. Und eine deutlich größere Sparrate kann er mit einem direkten Einstieg vermeiden.
Wie er seinen Sparvorgang für ihn ideal und damit steueroptimiert und flexibel gestalten kann, bespricht er mit seinem Ruhestandsplaner.
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Ruhestandsplaner Tobias Kellert - Zinsbindung bei der eigengenutzten Immobilie. Ein Beispiel auf der Praxis:
Für einen meiner Mandanten steht die Anschlussfinanzierung seiner eigengenutzten Immobilie an. Da stellt sich die Frage, wie diese Finanzierung gestaltet werden soll und welche Zinsbindung sich für den Mandaten als vorteilhaft erweist.
Das Objekt in guter Großstadtlage hat einen Wert von über 400.000 €. Die benötigte Kreditsumme beziffert sich auf 210.000 Euro. Das Ehepaar ist Anfang 40 und möchte in spätestens 20 Jahren das Objekt bezahlt haben.
In den letzten 10 Jahren haben sie mit einem Zinssatz von rund 4,5% den Kredit von anfänglich 305.000 € bedient. Mit Tilgung und Sondertilgungen ergibt das eine durchschnittliche Monatliche Belastung von 1752 Euro. Diese Rate wäre weiter tragbar. Da aber auch Geld für die Altersvorsorge aufgewendet werden soll,
freuen sich die Mandanten über eine geringere monatliche Belastung.
Ausgehend von dem Wunsch, in 20 Jahren das Objekt bezahlt zu haben, rechnet sich die aktuelle Kondition (Okt 2015, alle Zinssätze nominal, unter 60% Beleihungsauslauf) für eine Finanzierung mit Volltilgung über diesen Zeitraum wie folgt:
Das von Kunden ins Gespräch gebrachte Bausparsofortdarlehen kommt nicht in Betracht, da des gegenüber der 20-Jahres-Kondition deutlich teurer ist.
Die Alternativen sind Zinsbindungen von 5,10 oder 15 Jahren. Wir legen immer die gleiche Rate von 1.080 € zugrunde.
Die 15-Jahres-Kondition liegt bei 1,95% Sollzins und ergibt eine Restschuld von 55.257 €. Diese wären dann noch über 5 Jahre zu finanzieren. Völlig offen ist der Zinssatz, zu dem das dann möglich ist. Bis zu einem Zinssatz von 6,65% für die Anschlussfinanzierung stellt sich der Mandant damit besser als mit den 20 Jahren Zinsbindung.
Eine Zinsbindung von 5 Jahren ergibt einen Zins von 1,11% und eine Restschuld von 155.326 €. Wenn eine Anschlussfinanzierung unter 3,14% auf 15 Jahre möglich ist, lohnt sich diese Variante für den Eigentümer. Aber höhere Zinsen schlagen bei der recht hohen Restschuld stärker zu Buche. Wenn der Zinssatz bei 5% läge, ist die monatliche Rate schon um rund 140 € höher.
Eine Finanzierung mit 10 Jahren Zinsbindung kostet 1,5% Zinsen. Damit bleibt nach 10 Jahren eine Restschuld von 104.055 €. Der Zinssatz, den sich der Mandant dann leisten kann liegt bei 4,63% für die verbleibenden 10 Jahre.
Diesen Zinssatz kennt der Kunde von der ersten Finanzierungsphase, die er gerade hinter sich bringt. Das Risiko scheint überschaubar und wir betrachten verschiedene Zins-Szenarien nach 10 Jahren:
Die weitere Finanzierung wäre bei 1,5% möglich: Die Immobilie ist bereits nach 18 Jahren und 7 Monaten schuldenfrei. Das sind 1 Jahr und 5 Monate früher und rund 20.520 € Ersparnis.
Bei 3% ergeben sich 19 Jahre und 2 Monate. Damit spart er 10 Monate und 10.800 €. Bei 6% werden 10 Monate mehr gebraucht.
Das Risiko ist der Mandant gerne gewillt einzugehen. Zumal er auch weiterhin Sondertilgungen für wahrscheinlich hält, die bei allen Varianten mit jährlich zwischen 2.500 und 10.500 € möglich sind.
Bei einer jährlichen Sondertilgung von 3.000 € bleiben nach 10 Jahren noch 71.727 € Restschuld. Mit gleicher Rate und 4,63% Zinsen und weiteren Sondertilgungen ist er nach 15 Jahre und 1 Monat fertig.
Mit der 20-Jahreskondition braucht er ein halbes Jahr länger. Oder anders ausgedrückt, bei dieser Sondertilgung kann er sich sogar einen Zinssatz für die letzten 5,5 Jahre von über 8% leisten.
In seiner gesamten Situation ist er mit den 10 Jahren Zinsbindung sehr gut zwischen Chance und überschaubaren Risiken aufgestellt.