Therapien für suchtkranke Menschen sollen trotz Coronakrise weitergehen
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Drogenbeauftragte sieht Suchtkranke wegen Coronakrise in Gefahr
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Neuss: Offener Treff für Angehörige von Suchtkranken – Teilnahme kostenfrei Neuss – Der nächste Offene Angehörigentreff für Angehörige von Suchtkranken findet am Montag, 7. Mai 2018, 18 bis 19.30 Uhr statt.
Tag 113 / ZELLGIFT? NEIN DANKE!
"Entwöhnt Euch!" rufe ich den Mitrehabilitanten zu, die ich erst in siebeneinhalb Wochen kennenlernen werde. Wer regelmäßig zur Selbsthilfegruppe geht, macht das freiwillig. Eine Entwöhnungstherapie machen manche jedoch gezwungenermaßen. Heute hat mir jemand gesagt, dass ich froh sein könne, wenn mehr als 50 % der Suchtkranken, die zeitgleich mit mir in der Klinik sein werden, abstinent leben wollen. Bei seiner ersten Entwöhnung hat er sich abends mit anderen Patienten auf dem Zimmer zum Weintrinken getroffen. In einer Internetbewertung über eine Einrichtung, die ich mal präferierte, hatte ich auch gelesen, dass Alkoholverstecke im nahegelegenen Wald keine Seltenheit wären. Also wäre es nicht schlecht, wenn ich meine Erwartungen bezüglich der Abstinenzmotivation meiner zukünftigen Mitrehabilitanten herunterschraube. Von einer zufriedenen, gelassenen, glücklichen Abstinenz bin ich noch weit entfernt. Mein Entschluß, zum Zellgift Alkohol "nein" zu sagen, steht aber.
Tag 37 / All I'm asking is for a little respect
# Achtung, dieser Beitrag enthält provokante Passagen, die verletzen, beleidigen oder schockieren könnten. # Ich weiß, dass ich nicht verlangen kann, dass man die ganze Welt jetzt in rosa Watte für mich packt, weil ich seit 37 Tagen abstinent von Alkohol lebe. Ich weiß, dass man mit einem abstinenten Lebensstil zur absoluten Minderheit gehört. Ich weiß, dass die legale Droge Alkohol, mit der ich ein Abhängigkeitsproblem habe, nicht plötzlich aus der Ubiquität verbannt wird. Doch in einem Bereich des öffentlichen gesellschaftlichen Lebens, der so oft seine Stimme für Minderheiten erhebt, der laut wirbt für Toleranz, da bitte ich um ein bisschen mehr Respekt den Suchtkranken gegenüber. Oder wollt ihr nur von dieser Krankheit profitieren? Die Uefa schmückt sich mit "No to racism"-Spots zur WM 2014. Gegen Homophobie und Sexismus druckt ihr T-Shirts mit eurem Vereinslogo. "Keine Macht den Drogen" wurde sogar von einem von euch aus dem Profifußball initiiert. Es gibt Familienblocks in Stadien. Es gibt Stellplätze im Stadioninnenraum für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. In anderen Stadien gibt es für Sehbehinderte Plätze neben Livereportern, die das Spiel detailliert beschreiben. Wo bitte ist Platz im Stadion für Menschen mit Suchtkrankheiten? Wie wäre es in Block O für Null? Null Drogen, null Alkohol und von mir aus auch Null Zigaretten. Dann rauche ich eben nur vor und nach dem Fußballspiel. Es muss ja auch kein ganzer Block sein. Vielleicht reichen ein paar Reihen. Genauso wie die Ordner akribisch darauf achten, dass niemand auf der Treppe steht, können sie ja auch kontrollieren, ob in den obersten fünf Reihen von Block O niemand Bier trinkt, kifft oder Sonstiges raucht. (Gut, das mit den Pillen und dem Koksen wird schwerer kontrollierbar.) Ich fühle mich absolut diskriminiert, provoziert und in meiner Erkrankung nicht als Teil der Fangemeinde respektiert. Es kotzt mich an, dass während des Spiels heute 15 mal mobile Bierverkäufer an mir vorbeigehen, in zehn Zentimeter Entfernung von mir frisch Gezapftes in Becher anderer Fans füllen und nicht ein einziges Mal jemand rumgeht und mir eine Cola, Apfelschorle oder ein Wasser anbietet! Ich habe auch keine Lust, mich zwischen Besoffenen an Getränkeverkaufsstellen in eine ewig lange Schlange zu stellen. Die Besoffenen dürfen gerne da sein. Sie sind eine gute Abschreckung für mich. Ich gehörte bis vor Kurzem noch zu ihnen. Es tut gut, ein Fußballspiel im vollen Besitz meiner geistigen Fähigkeiten von Anfang bis Ende zu verfolgen. Aber es wird ja wohl mal möglich sein, einen Stand nur für Softdrinks aufzumachen. Und geht es irgendwie abfülltechnisch nicht, mit Cola durch die Reihen zu gehen? Oder hat da ein BWLer mal eine schlaue Kosten-Nutzen-Rechnung vorgelegt, dass die Abnehmerzahl zu gering wäre? Also, ich sehe da ziemlich viele Kinder, wo ich heute stehe in Block M. Und auch Elternteile zu den Kindern, von denen wünschenswerterweise wohl nicht jeder Bier trinkt. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ihr da nicht etwas ändert, dann ändere ich mich. Und das heißt nicht, dass ich wieder trinken werde, nein. Dann komme ich nicht mehr zu euch ins Stadion. In der U-Bahn, in der Tram, auf dem Weg durch den Wald ins Stadion, da kann ich den Menschen aus dem Weg gehen, die mir mit Alkohol zu nahe kommen. Aber 90 Spielminuten, plus Pause, plus Mannschaftsaufstellung mitbrüllen dicht an dicht mit Biertrinkern zu stehen, Bier zu sehen, Bier zu riechen, das macht mich extrem fertig heute. Dieser permanente innere Kampf und Dialog - nein, ich will nicht, nein, ich darf nicht, nein, nein, nein, - das kostet irre viel Energie! Da bin ich platter als wenn ich 90 Minuten über das Spielfeld gerannt wäre. Klar kann ich zwischendurch denken "Geil, wieviel Geld ich heute spare", "Kaufst du dir n Stück Kuchen zur Belohnung nachher", "Früher war ich auch so, heute bin ich mein neues Ich". Aber suchtkrank ist nunmal eine anerkannte, schwere, chronische, manchmal tödliche Krankheit. Da ist man nicht immer rational-klar-vernünftig im Kopf. Da fragt man sich auch "Wer merkt es schon, wenn ich jetzt doch was trinke?". Und in der Pause dann immer diese Abkündigungen "...wieder hat der Krebs einen von uns viel zu früh aus dem Leben gerissen." Wie wäre es mal mit einer Abkündigung auf einen Alkoholiker? Achso, ja, das würdet ihr vorlesen, wenn die Angehörigen es so einreichen. Aber vielleicht trauen sich die Hinterbliebenen das erst einzureichen, wenn es auch im Stadion mehr Raum für suchtmittelfreie Zonen gibt. Es geht hier nicht um ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Suchtkranke und gesunde, konsumierende Menschen in einem Stadion, jedoch mit einem kleinen Puffer Schutz. Inzwischen darf sich sogar ein Fußballer als schwul outen, zumindest, wenn seine Profizeit vorbei ist. Wir dürfen alle unseren Speichel registrieren, weil zwei aktive Profis Stammzellenspender brauchen. Es darf eine Frau als Schiedsrichterin mit 22 Männern über den schönsten Platz der Welt rennen. Menschen mit Alkoholismus werden im Sport, im Fußball aber ignoriert bis übelst gedisst. All I'm asking is for a little respect.

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Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke.
Ältere Menschen mit Suchtproblemen
In Sachsen begeben sich immer mehr ältere Menschen in Suchtberatungen. Die Zahl der Suchtkranken älteren Menschen hat sich seit 2001 fast um die Hälfte verdoppelt. Selbst in Pflegeeinrichtungen wird dieser Trend festgestellt. Einsamkeit im Alter ist ein häufiger Grund im Alter zur Flasche zu greifen.