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📍Rausch Schokoladenhaus
In meinem Zimmer gab es Perioden von Stille und Rausch. Und die Lust zu verschwinden; aufzugeben, alles aufzugeben.
Tomas Espedal: "Lust", S.198

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So kann man auch Wähler für sich begeistern?
(Quelle: Wahlplakat in Unterhaching, August 2025)
Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen ...
75 · Maske und Rausch · Kunst und Religion
Maske und Rausch in Kunst und Religion · Alltagspsychologie
Es wurde bereits erwähnt, dass es ein Verkennen des inneren Wesens des Lebens wäre, wollte man den Formen der Selbstentäußerung, in Rausch und Maske, nur verächtliche Spielarten sehen, an die man vielfach zuerst denkt,wenn man Begriffe wie Maske und Rausch verwendet. Es sei darum hier gezeigt, in welcher Weise die beiden Formen der Selbstentäußerung in den höchsten Kulturformen, in Kunst und Religion, sich auswirken können. Kunst: Man hat zwei Formeln gefunden, um das ästhetische Verhalten zu deuten: Einfühlung und Kontemplation. Nach der Einfühlungslehre wäre das künstlerische Erleben ein Sicheinfühlen des ICH in fremde Lebensformen, seien es die Gestalten eines Dramas, einer Erzählung oder eines Bildes, seien es die Melodien eines Musikstücks oder die Linien eines Ornaments, die wir im Einfühlen beleben und beseelen. Nach der Kontemplationslehre wäre Kunsterleben wunschloses Sichversenken im reinen Anschauen, worin das ICH mit seinen Wünschen und Begehrungen entschwindet. So verschieden beide Theorien sind, sie haben das eine gemeinsam, dass das ICH in seiner gewöhnlichen Form im Kunsterleben verblasst, dass ein neues ICH-Erleben in der Kunst an seine Stelle tritt. Durch Einfühlung lebt es fremdes Erleben mit, in fremder ICH-Form sich auswirkend, es maskiert sich gleichsam, untertauchend in dem im Kunstwerk gestalteten Leben. Wie sich der Schauspieler in die Gestalt Wallensteins oder des Max Piccolomini einfühlt und deren Maske trägt, so fühlt der Zuschauer in freilich distanzierterer Form sich in alle Gestalten des Dramas zugleich ein, poltert mit Illo, intrigiert mit Oktavio und schwärmt mit Thekla. In der Musik erlebt er den in Melodien und Rhythmen, in Harmonien und Aufschwüngen gestalteten Ausdruck als seinen eigenen mit, er übernimmt ihn willig und lässt die Seele, die er nicht als die eigene empfindet, jauchzen und klagen, schwärmen und trauern. In der Kontemplation sucht der Kunstfreund sein ICH, ja alle ICHheit zu vergessen, in reiner Anschauung den Dingen selbst hingegeben. In berühmt gewordenen Sätzen hat Schopenhauer dieses Verblassen der ICHheit, diesen Rausch geschildert in dem der Wille zum Schweigen kommt. Religion: Ebenso wie bei der Betrachtung der Kunst darf nicht missverstanden werden, wenn auch in der Religion die große Bedeutung von Maskerade und Rausch aufgezeigt wird, zumal ja in beiden nur Vorstufen dauernder seelischer Wandlung gesehen wird, und diese ist es ja, was die meisten Kultur-Religionen erstreben. Wie immer man Religion definieren mag: im Hintergrund aller Definitionen muss stets die Grund-Erkenntnis stehen, dass sie gefühlsmäßiges Inbeziehungstreten der Seele zu einer jenseits der gewöhnlichen Erfahrung erahnten Überwelt ist. Dieser Rapport wird am stärksten erlebt in allen Zuständen, die die Grenzen des ICH zu überfluten scheinen. Infolgedessen ist seit Urzeiten her der Rausch ein verbreitetes Mittel, um mit jener transzendenten Überwelt in Beziehung zu treten. Aber auch die Maske ist ein Mittel, sich künstlich in eine symbolhaft transzendente Welt einzuleben. Dann man will die geglaubte Überwelt nicht in abstrakter Form denken, man will sie erleben, und da sie nicht mit körperlichen Füßen zu erwandern ist, so sucht man geistige Schwingen, um sie wenigstens gleichnisweise zu erfliegen. Man hat am Gleichnis, hat am Bild genug, vorausgesetzt, dass diese im Rausch erlebt werden. Rausch ist es, edler, mystischer Rausch, den ein christlicher Dom in jedem wirken soll, der ihn gläubig betritt. Süße Weihrauchdüfte umfangen den Gläubigen, geheimnisvolles Dunkel, vom farbig-glühenden Licht der bunten Glasfenster seltsam durchbrochen, nimmt ihn auf, Musik aus unsichtbaren Höhen flutet herab, und im so erweckten Zustand seliger Betäubung vergisst der Fromme sein Alltagssein und nimmt teil an einem gehobenen, gleichsam überirdischen Dasein. In den Kulturen und Riten anderer Religionen tritt die Maske noch deutlicher hervor, Bacchanten und Bacchantinnen stürmten in der dionysischen Maske einher und die unlängst aufgefundene Mithras-Liturgie hat uns ein kompliziertes Schauspiel religiösen Charakters kennen gelehrt, das jeder Novize durchmachen musste. Die christlichen Mönche gehen im Gewand der Jünger Jesu einher, und selbst die Freimaurer führen ihre Neulinge durch ein seltsames Maskenspiel und mancherlei Zeremonien hindurch, um durch die Maske gleichsam einen neuen Menschen zu erzeugen. Ähnlich scheinen auch die exoterischen Weihen moderner Theosophen und Anthroposophen zu verlaufen. Natürlich kommt es bei all diesen Kulten nicht auf vorübergehende ICH-Überwindung an, sondern auf dauernde Wandlung, und es bleibt für den Psychologen nur die Frage: ist diese überhaupt möglich? Können wir wirklich in unserem alten Leib eine neue Seele gewinnen? Maske und Rausch in Kunst und Religion · Alltagspsychologie · R.M.F Read the full article
74 · Psychologie des Reisens
74 · Psychologie des Reisens · Alltagspsychologie Die Menschen verstehen, heißt nicht nur durch ihr Bewusstsein und dessen Äußerungen hindurch ihre vitalen Tendenzen erschauen, es heißt auch ihre Masken und ihre Räusche als solche und in ihnen Äußerungen ihres verborgenen Wesens erkennen. Tausenderlei Formen des Lebens sind zu verstehen nur als Wille zur Maske und zum Rausch. An einem Beispiel sei dies illustriert: dem Reisen. Hat man sich eigentlich klar gemacht, warum man reist? Warum in vielen Menschen die Sehnsucht lebt, den Ort, die Umgebung, oft unter großen Mühen und Kosten, zu ändern? Die Antwort: »Zum Vergnügen« ist nur die halbe Antwort, denn wir wollen ja wissen, worauf dies »Vergnügen« beruht. Man versteht jene seltsame Neigung nicht, wenn man meint, das neue Land, die neue Umgebung wären das wahre Ziel solcher Unternehmungen. In Wahrheit will man im neuen Land und in der neuen Umgebung sich selber entfliehen, man will MASKE und RAUSCH! Denn das fremde Land, in dem wir vorübergehend weilen, dessen Städte wir betrachten, in dessen Wäldern wir wandern, auf dessen Berggipfel wir steigen, wird nicht um dieser Dinge selbst willen, sondern des Reflexes auf die Seele willen gesucht. Wir fühlen uns als andere Menschen, indem wir uns mit neuen Symbolen umgeben. Ja, wir fühlen uns befreit, gelöst vom alten ICH, kurz, berauscht, indem wir fremde Länder durchschweifen. Erhebung und Rausch sind es, was uns die Ferne, die Überwindung von Zeit und Raum, der Ausblick von steilen Gipfeln über niedriges Land vermitteln sollen. Es ist bezeichnend, dass gerade solche Völker wie die nordischen das Vergnügungsreisen vor allem betreiben, Engländer und Deutsche voran, in deren Volkscharakter auch eine starke Neigung zum Alkoholrausch, eine Zwiespältigkeit des Wesens steckt, die gerade bei ihren besten Dichtern und Künstlern oft deutlich hervortritt. Man reist nicht so sehr, um die Welt zu sehen, sondern um das eigene ICH im Anschauen der Welt zu überwinden, man reist vielfach auch, um gesehen zu werden oder zu haben, in der Seele das berauschende Bewusstsein des Genusses nachzittern zu spüren. Und wie reist man? Ganz deutlich tritt der Rausch-Charakter vor allem in der Sucht nach immer größerer Schnelligkeit heraus. Diese, ursprünglich eine Nutzform, wird Rauschmittel. Man fliegt im Flugzeug, rast im Schnell-Zug oder Automobil durch die Lande, »frisst« Kilometer, aber man sieht nicht mehr die Dinge selbst, die wie Rausch-Visionen vorüberziehen. Man erlebt nur noch einen abstrakten Abglanz von ihnen, nur noch den Rausch, den man aus ihnen heraus presst, wie die Perser aus tausend Rosen ein Tröpflein Rosenöl. Man verquickt das Reisen auch mit anderen Rauschmitteln: wer es erleben will, fahre nur einmal auf einem modernen Ozeandampfer mit, in einem dieser schwimmenden Hotelpaläste, die erfüllt sind von Luxus aller Art, von Musik, von Tanz, Flirt und Spiel. Maske und Rausch ist das Ziel unserer allzu bewusst gewordenen, nicht mehr organisch wachsenden Zivilisation. 74 · Psychologie des Reisens · R.M.F · Alltagspsychologie Read the full article