T oder D, t oder d?
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T oder D, t oder d?

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26. MĂ€rz 2015
Wie ich einmal versuchte, ohne Stimme zu kommunizieren
Meine Stimme ist weg. Vermutlich, weil ich mich mit einem leichten Infekt bei einem Vortrag und einem Workshop zu sehr verausgabt habe. Zuerst muss ich lernen, dass ich nicht ans Telefon gehen kann. Der Mann, zugleich mein BĂŒropartner, ist auch weg und kann daher nicht fĂŒr mich sprechen.Â
Dann stelle ich fest, wie oft am Tag ich Texte und Nachrichten auf mein iPhone diktiere. Das funktioniert zwar erstaunlicherweise mit einem quietschenden FlĂŒstern sogar besser als mit normalem Sprechen, ist aber fĂŒr den Hals sehr beanspruchend. Dann ist auch das Quietschen weg. Ich bin komplett tonlos. Aphon, sozusagen. Freunde auf Facebook warnen, ich solle nicht einmal flĂŒstern. Ich tippe und fluche ein wenig, natĂŒrlich lautlos.
Dann muss ich dringend und kurzfristig einen Flug buchen. Der Buchungsvorgang geht irgendwie schief. Das Geld ist bei PayPal als Ausgang verbucht. Der Flug taucht nicht in den Buchungen auf. Ein Mailwechsel mit der Airline wĂŒrde wahrscheinlich zu lange dauern. Ich trinke zwei Liter Tee und huste mehrmals krĂ€ftig. Aber meine Stimme kommt nicht mal ansatzweise wieder. Es ist 13.30 h. Der Mann kommt nicht vor 16 Uhr zurĂŒck. Ich fluche ein wenig und schreibe schon mal in Word eine lange Beschreibung des Problems und eine Anweisung fĂŒr das Telefonat, das der Mann fĂŒr mich nachher fĂŒhren soll.
Der Mann ist wieder da. Ich reiche ihm das MacBook und zeige ihm die Anleitung. Er ruft bei der Fluglinie an und sagt alles ganz anders, als ich es aufgeschrieben habe. Es soll auch plötzlich mehr kosten. Ich versuche, Töne rauszubringen â vergebens. Ich gestikuliere. Der Mann schaut einfach in die andere Richtung. Ich schiebe ihm Zettel zu. Der Mann beschwert sich hinterher ĂŒber mein mangelndes Vertrauen. Ich entschuldige mich und sage, dass ich nur wegen meiner Stimme so wĂŒtend bin.
Ich will mich, wie wir das immer machen, mit ihm ĂŒber den Tag austauschen und ĂŒberlege, wie das am besten geht. Zuerst versuche ich es ĂŒber Threema-Nachrichten von Smartphone zu Smartphone, wĂ€hrend er direkt nebenan sitzt. Doch die Nachrichten kommen verzögert an. Ich schreibe ihm: âMachâ mal Skype an.â Es dauert und dauert, und ich höre von nebenan keinen Empfangston. Ich nehme mein iPhone, gehe hinĂŒber und zeige ihm meine Nachricht. Er: âWer schreibt das?â Ich tippe mir wortlos ans Brustbein.
Der Mann startet Skype. Ich gehe wieder nach nebenan. Wir sitzen drei Meter Luftlinie voneinander entfernt, bei offener TĂŒr, und skypen. Zum ersten Mal an diesem Tag genieĂe ich so etwas wie gelungene Kommunikation.
(Kerstin Hoffmann)