Dezember 2022
Ein stiller Ort
Mein Vater schickt mir eine Mail: Mein Handy ist weg. Jetzt ist guter Rat teuer.
Er hat(te) ein iPhone. Mein erster Gedanke ist: Es gibt da doch eine Möglichkeit, ein Gerät online zu lokalisieren. Ich suche bei Google nach Find My iPhone und versuche, noch bevor ich mich bei ihm melde, mich mit geratenen Daten meines Vaters einzuloggen. Man kann nicht behaupten, dass er für jeden Account ein anderes Passwort verwendet. Aber ich komme nicht rein. Dann geht es nur mit seiner Hilfe.
Ich rufe ihn an und frage nicht mal, ob er das Passwort kennt. Seine Standardpasswörter kenne ich selbst. Wenn es davon keines ist, steht das richtige Passwort nur im Passwortmanager auf dem verloren gegangenen Gerät. Ich fordere daher einen Passwort-Reset an und bitte ihn, auf einem seiner autorisierten Geräte ein neues Passwort zu vergeben. Im dritten Anlauf landet er im richtigen Dialog. Im dritten Anlauf gelingt es ihm, ein ausreichend starkes Passwort („Ihr Passwort enthält keinen Großbuchstaben“) zu vergeben.
Mit dem neuen Passwort logge ich mich problemlos auf der Apple-Seite ein. Bevor ich ihm erkläre, wie das geht, mache ich es lieber schnell selbst. Ich bekomme eine Karte angezeigt und sehe, dass das Handy in einer anderen Stadt ist, ein ganzes Stück vom Wohnort meines Vaters entfernt. Ich zoome rein, die Straßennamen kommen mir verdächtig bekannt vor.
Wo liegt das Handy? Bei seiner Schwester, die er am selben Tag besucht hat – um genau zu sein: auf dem Gästeklo, wie ich nach einem Anruf bei meiner Tante erfahre. Dieses Detail war auf der Karte zugegebenermaßen nicht zu erkennen.
(Alan Smithee)











