2018-06-02
Bücher zum Anfassen
Meine Tochter hat sich ihr erstes Hardcover-Buch bestellen lassen. Amazon, Lieferung am selben Tag. Sie hat es stolz und ans Herz drückend in Empfang genommen. Kurze Zeit später beschwerte sie sich, dass der Umschlag nicht am Buch festgemacht wäre, wie sie es von Bibliotheksbüchern kennt. Wir haben ihr erklärt, dass das eben so ist bei Hardcovern. Es erinnert verblüffend daran, welche Formen und Materialien bei Smartphones verwendet werden, obwohl sie so überhaupt nicht alltagstauglich sind und in eine schützende Hülle gesteckt werden müssen, die vom ursprünglichen Design kaum etwas übrig lässt.
Ich hab' es schon öfters aufgeschrieben: dass ich glaube, wenn man klein ist, braucht man Bücher mit Bildern. Später solche mit Buchstaben und Bildern. Dann nur noch Buchstaben. Und schließlich kann man auch ihre physische Erscheinungsform hinter sich lassen. Man muss die Bücher dann nicht mehr anfassen, um sich zwischen ihnen bewegen zu können. Ob die heiße und innige Liebe meiner Kinder zu ihren Büchern diesen Verlauf nehmen wird, kann ich nicht vorhersagen.
(André Spiegel, aus dem fortlaufenden Blog)










